Weltklimakonferenz: Absteiger sind kein Vorbild

Protest gegen den Arbeitsplatzabbau bei Thyssenkrupp in Duisburg Foto: Laurin

Vor allem einige kleine Inselstaaten unterstützten auf der Weltklimakonferenz die Forderung von Staaten der Europäischen Union mit Deutschland an der Spitze nach einem verbindlichen Fahrplan zum Ausstieg aus Kohle, Gas und Öl. Die meisten Länder Afrikas und Asiens folgten nicht der EU, sondern China und den Golfstaaten, die im Gegensatz zu Deutschland und Europa für Entwicklung und Wirtschaftswachstum stehen. Kaum jemand mag wie Deutschland enden.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Europa darauf konzentriert, der Lehrmeister der Welt zu werden. Statt vor der Welt mit technologischen Innovationen zu brillieren, sich auch militärisch als Macht zu präsentieren und den Wohlstand der eigenen Bevölkerung zu steigern, ging es dem Rest der Menschheit auf die Nerven: Man forderte weltweit einen grünen Umbau der Wirtschaft, versuchte, strenge Digital- und KI-Regeln durchzusetzen und anderen Ländern sogar vorzuschreiben, wie sie ihre Landwirtschaft zu betreiben hätten – nämlich ohne Gentechnik – und wie sie ihre Energie erzeugen sollten. Das jüngste Beispiel ist Entwicklungshilfeministerin Reem Alabali-Radovan (SPD), die dafür sorgen will, dass die Weltbank keine Kredite an Staaten für den Bau von Kernkraftwerken vergibt.

An diesem Wochenende wurde deutlich, dass diese Politik gescheitert ist. Earth.org schreibt, das „83 nations, including most European Union countries, the UK, and Small Island States“  für eine restriktive Klimapolitik eintraten. Die meisten anderen folgten China und den Golfstaaten, denen es gelang, ihre Rohstoffinteressen – wie den Export seltener Erden (China) sowie von Öl und Gas (Golfstaaten) – mit der Aussicht auf künftigen Wohlstand und Entwicklung zu verbinden. Die europäischen Klimazölle nebenbei auch abgewickelt. Selbst die reale Gefahr des chinesischen Neokolonialismus schreckte sie nicht ab, denn Shanghai und Dubai sind ein attraktiveres Zukunftsmodell als Duisburg, die sterbende und arme das seine Kernkraftwerke abgeschaltet hat und lieber seine Braunkohlekraftwerke CO₂ tonnenweise in die Luft blasen lässt, ist ein abschreckendes Beispiel: Nur wenige Länder haben es in gut 20 Jahren geschafft, sich so im grünen Wahn selbst zu ruinieren. Früher ein reiches Hightech-Land, dessen Wissen und Waren auf der ganzen Welt begehrt waren, in dem die Bahnen pünktlich fuhren, die Autobahnen begeisterten und die Städte – wenn nicht schön, so doch sicher, meist wohlhabend und sauber – waren, steckt Deutschland in einer Dauerrezession, schrumpft die Industrie, ist Energie teuer und reicht der Strom nicht für neue Rechenzentren, wandern die Talente aus, und müssen die Weihnachtsmärkte mit Betonpollern geschützt werden.

Deutschland wird wie Duisburg, Stuttgart ahnt es, Berlin ist es egal, und Wolfsburg weiß es. Aber so ein Deutschland ist kein Vorbild, schon gar nicht für Staaten des globalen Südens, die Industrie, Rechenzentren, Wohnungen, Flughäfen, Klimaanlagen, Spitzenuniversitäten haben wollen und auf dem Weg dahin die Armut in ihren Ländern bekämpfen müssen. In Deutschland ist Armut zum Teil hip und nennt sich Postwachstumsökonomie, weil es irgendwie als klug gilt. Doch so dumm wie die hiesigen wohlstandsverwahrlosten NGO-Milieus ist man im Rest der Welt nicht. Dort will man Wohlstand – und kein neues Wort für Armut.

Und damit verliert Europa seinen Einfluss auf den globalen Süden, die Politik und die Ressourcen. Es ist nicht, wie China oder die USA, in der Lage, eine Technosphäre zu schaffen, in der es die Standards setzt. Damit verschwindet auch jede Möglichkeit dessen, was weiten Teilen der Politik angeblich so wichtig ist: die Verbreitung europäischer Werte. Damit das gelingt, müsste Europa zeigen, dass sein Weg erfolgreicher ist als andere – dass es demokratisch, offen, reich, technologisch führend und militärisch stark ist. Das will es aber nicht wirklich sein, und so sinkt es langsam in den Hades der Bedeutungslosigkeit ab, in dem es auf die anderen Reiche und Großmächte trifft, von denen nur noch die Schatten übrig geblieben sind.

Mehr zu dem Thema:

COP30: Das Ende der Träume vom grünen Stahl

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paule t.
paule t.
2 Monate zuvor

Na dann gucken wir doch mal auf die Realität dessen, was das gepriesene China tatsächlich macht.

1. China allein hat 2024 mehr Wind- und Solarenergie installiert als der ganze Rest der Welt zusammen.
https://ember-energy.org/latest-insights/global-electricity-review-2024/major-countries-and-regions/?utm_source=chatgpt.com#china

2. Der Einsatz von Wind- und Sonnenstrom sowie von Batteriespeichern wächst exponentiell (!).
Chinas Windkraft- und Photovoltaik-Produktionskapazitäten haben sich in den drei Jahren bis 2024 mehr als verdoppelt (von 635 GW auf 1.408 GW).
Der Einsatz von Batteriespeichern hat sich in diesen drei Jahren sogar verdreifacht; China hat mehr Batteriespeicher zugebaut als die EU und die USA zusammen.
https://ember-energy.org/latest-insights/china-energy-transition-review-2025/?utm_source=chatgpt.com

3. China elektrifiziert zügig Verkehr, Heizung und auch Industrie.
https://ember-energy.org/latest-insights/china-energy-transition-review-2025/?utm_source=chatgpt.com

4. Die weltweit neu installierten Solar- und Windkraftanlagen sind fast immer (nämlich zu 91%) billiger als die jeweils billigste verfügbare fossile Alternative (gleiche Quelle), und man darf ergänzen: Atomkraft ist keineswegs billiger.

5. China produziert 60 der Windturbinen und 80 Prozent der Solarpaneele weltweit, macht also mit der Ausstattung für die weltweite Energiewende gute geschäfte.
https://ember-energy.org/latest-insights/china-energy-transition-review-2025/?utm_source=chatgpt.com
China sagt dabei speziell danke für die drastischen, über die eh im EEG vorgesehenen Kürzungen der Einspeisevergütungen ab 2010 durch die schwarz-gelbe Bundesregierung. Dadurch kam es nicht nur zu einigen Jahren Stagnation beim PV-Ausbau in Deutschland, sondern auch zu einem Zusammenbruch der entsprechenden Industrie. Nachdem Deutschland also zuerst viel Geld investiert hat, um die PV-Industrie anzuschieben, haben liberals und konservative Energiewendeskeptiker erfolgreich dafür gesorgt, dass die Geschäfte mit dieser inzwischen sehr günstig gewordenen Energieform von China gemacht werden.

China setzt also wirtschaftlich und technisch hauptsächlich genau auf die Energiewende, die Sie hier ständig erbittert schlechtschreiben. Und es fährt verdammt gut damit.
Mit zwei Unterschieden: Einerseits ist China auf diesem Weg noch nicht so weit vorangekommen wie Deutschland, weswegen der Anteil von fossilen Energien noch hoch ist. Aber eben nicht mehr günstig.
Und zweitens: Weil China als weiterhin sich schnell entwickelndes, aber immer noch weitaus ärmeres Land als Deutschland einen enormen Energiehnger hat, sind m.W. auch noch die absoluten Zahlen von Kohlestrom gestiegen, könnten aber schon die Spitze erreicht haben. Und auch Atomkraft wird ausgebaut, aber in einem weitaus geringeren Maße als Sonne und Wind. In Deutschland wäre der Bau von AKWs einfach viel zu teuer.

Oder ist der ganze Artikel mit seinem wirkichkeitsfremden Anti-Energiewende-Furor Satire? An dem Punkt, an dem auch noch die Poller auf den Weihnachtsmärkten ein Indiz dafür sind, wie schlimm die Energiewende für die ach so furchtbare Wirtschaftslage in Deutschland ist, hatte ich den Eindruck.

Und zur furchtbaren Wirtschaftslage: Nominell (in US$) ist das BIP in Deutschland viermal so groß, kaufkraftbereinigt dreimal so groß wie in China.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlandsprodukt_pro_Kopf

Da ist das, was Sie hier ständig veranstalten, doch einfach Gejammer auf verdammt hohem Niveau. Und vielleicht gibt es, mit einer Pandemie vor einigen Jahren, einem Krieg in Europa und einer durch die chaotische US-Zollpolitik durcheinandergewirbelten Weltwirtschaft (mit entsprechenden Folgen für ein Exportland) doch auch noch andere Aspekte, die man für ein schlecht ausfallendes Wirtschaftswachstum in Betracht ziehen könnte als immer nur Energiewende, Postwachstumsökonomie, Energiewende, Energiewende und Postwachstumsökomomie. Wobei die wesentlichen Vertreter der Energiewende, u.a. die Grünen in ihrem Bundestagswahlprogramm, überhaupt keine Postwachstumsökonmie vertreten, sondern durchaus Wirtschaftswachstum anstreben. Aber wen interessieert das schon, wenn das Feindbild steht.

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