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Wo sind die eigentlich die arabischen Asylbewerber aus Israel?

Beduinische Soldaten der israelischen Armee aus Rumat al-Heib (عرب الهيب) bei einer Militärparade in Tel Aviv im Juni 1949. Foto: Unbekannt Lizenz: Gemeinfrei

Glaubt man der antisemitischen BDS-Bewegung, sind die israelischen Araber bedauernswerte Menschen: Versklavt und diskriminiert vegetieren sie chancenlos am Rand der israelischen Gesellschaft. Dass es arabische Parteien und Abgeordnete gibt, arabische Unternehmer und arabische Soldaten in der israelischen Armee – all das interessiert so wenig wie die Tatsache, dass es Arabern in jedem arabischen Staat deutlich schlechter geht, als in Israel.

Mir ist klar, das man über all das jahrelang streiten kann. Und mir ist auch klar, dass zu einer Minderheit zu gehören nirgendwo angenehm ist – das wird in Israel nicht anders sein.  Aber eines fällt auf: Obwohl es für Israelis einfach ist, nach Deutschland zu kommen – es herrscht keine Visumspflicht und Flüge von Israel nach Deutschland kosten zum Teil weniger als 100 Euro, nutzt offenbar kein israelischer Araber die Möglichkeit, zu fliehen, um in Deutschland Asyl zu beantragen. Was israelische Araber von fast allen anderen Arabern unterscheidet, die einen großen Teil der Asylbewerber stellen. Israel steht nicht auf der Liste der Staaten, aus denen Asylbewerber nach Deutschland kommen – und das, obwohl ja die 1.271.000 arabische Israelis angeblich den ganzen Tag von den jüdischen Israelis unterdrückt werden.

Selbst aus dem kleinen Mazedonien mit seinen zwei Millionen Einwohnern baten bis Ende 2016 16 370 Menschen um Asyl. Aus Israel offenbar gerade einmal einer.  Eine Zahl, die nicht beeindruckt, auch wenn sie größer ist als niemand – ursprünglich hatten wir Null gemeldet. Und ob es sich bei diesem Antrag und den wenigen, die auf Halde liegen um Araber handelt, ist auch nicht klar.  Sorry, aber wenn aus einem Land das nur ein paar Flugstunden entfernt ist und als dessen Staatsbürger man ohne jedes Problem nach Deutschland einreisen kann keine Asylbewerber kommen, dann zeigt das für mich nur eins: Die ganzen Kampagnen gegen Israel sind antisemitisch und haben nichts mit den, sicher verbesserungsfähigen, Lebensverhältnissen der  arabischen Minderheit zu tun. Niemand, der lautstarken Protagonisten der BDS-Bewegung und anderer Organisationen setzt sich für die Interessen der normalen Araber in Israel ein. Sie werden ungefragt von palästinensischen Funktionären und Antisemiten benutzt, um ihren Judenhass  kaschiert ausleben zu können.

 

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18 Kommentare zu “Wo sind die eigentlich die arabischen Asylbewerber aus Israel?

  • #1
  • #2
  • #3
    Bebbi

    Denkbare wäre auch, dass die keinen israelischen Pass haben oder unter anderem Pass reisen oder den Pass nach der Ankunft vernichten oder schlicht unter anderen Ländern in die Statistik eingeben. Die ersten Punkte sind denkbar, aber kaum verifizierbar. Letzter Punkt schon. Dazu lese ich in dem Artikel leider nichts.

    Trotzdem Danke für diesen Hinweis!

  • #4
    Werntreu Golmeran

    Im Jahr gab es, wenn ich die Statistik richtig gelesen habe, 36 anhängige Asylverfahren:

    http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Statistik/Asyl/hkl-antrags-entscheidungs-bestandsstatistik-april-2017.pdf?__blob=publicationFile

    Ist nicht so viel, aber auch nicht nichts.

  • #5
    Michael

    #4

    Es geht um den Monat April 2017.

    Es wurde ein Asylantrag gestellt.
    Es wurde über zwei Anträge entschieden (beide abgelehnt).
    Es gibt 36 anhängige Verfahren, davon 6 aus Folgeanträgen.
    Es wurde über zwei Erstanträge entschieden.

    Das ändert nichts an der schlüssigen Argumentation von Herrn Laurin.

  • #6
    Gerd

    @2:

    Egal! Wenn die ‚bösen Juden‘ auch nur halb so gemein zu den armen Arabern wären wie die ‚Israelkritiker‘ behaupten, wäre Israel in den Top Ten und die ÖR-Medien würden sich mit Wonne auf die Geschichte stürzen. Stattdessen totale Funkstille, weil die Apartheid nur die jüngste Variante judenfeindlicher Mythen ist.

    Man hat den Juden immer die schlimmsten Sachen vorgeworfen. Früher waren es Verbrechen gegen die heilige Hostie, dann gegen Kinder und jetzt halt gegen die Menschrechte.

  • #7
    thomas weigle

    Wenn die von den Israelfeinden halluzinierten Zustände im "Apartheidstaat Israel" so wären wie von denen beschrieben, müsste es doch eigentlich eine deutlich sichtbare Fluchtwelle von unter der Apartheid leidenden israelischer Arabern und Palästinensern geben. Und eine solche Welle würde doch bei den BDS-Spinnern weltweit einen politischen Tsunami der ungesündesten Art auslösen, und der Menschenrechtsrat der UNO in Permanenz tagen und Israel wöchentlich verurteilen

  • #8
    Gerd

    @7:

    Israel am laufenden Band verurteilen macht der sog Menschenrechtsrat schon jetzt, aber nicht wegen irgendwelcher Araber, die aus Israel fliehen. Wenn man bedenkt wie israelfeindlich der Rat ist, ist das eine weitere Bestätigung von Stefan Laurins These, wonach der Vorwurf der Apartheid Bullshit ist.

  • #9
    ke

    @6 Gerd:
    Egal, nein!
    Wenn eine Statistik als Hinweis für eine Aussage aufgelistet wird, sollte sie auch mit dem Aussagen des Texts übereinstimmen.
    Mein Kommentar in #2 bezog sich auf einen ältere Version des Texts, der auf die Statistik der aktuellen Abbildung verwiesen hatte.

    Die Kernaussage des Texts ist natürlich richtig, und die jetzt verlinkte Statistik belegt die Aussage auch eindeutig.

    Interessant ist bspw. auch, dass aus Ländern, die in die EU aufgenommen werden wollen und Beitrittsanträge gestellt haben (z.B. Bosnien und Herzegowina), hohe Zahlen von Schutzsuchenden mit Status "offen" kommen.

    Wie sind die Balkanzahlen zu begründen? Sind das Schutzsuchende im Zuge des Balkankriegs mit seinen Folgen mit unbefristeten Status?

  • #10
    Helmut Junge

    "Wo sind die eigentlich die arabischen Asylbewerber aus Israel?"
    Superfrage Stefan Laurin!
    Wieso bin ich nicht auf diese Frage gekommen?
    Im Staat Israel leben mehr als 2 Millionen Araber. Das sind mehr als im Gaza-Streifen.
    Und wenn die das Land Richtung Europa verlassen wollten, könnten sie ins Flugzeug steigen und Richtung Frankfurt fliegen.
    Nix mit Schlauchboot oder so. Machen die aber nicht.

  • #11
    paule t.

    Die Argumentation ist sicher völlig richtig, soweit es um die Araber _in Israel_ geht. Für die Araber in den besetzten Gebieten dürfte das anders sein. Es dürfte anzunehmen sein, dass die unter die Gruppe "staatenlos" in der Statistik fallen.

  • #12
    Sandra Kreisler

    Interessant ist aber, dass bei dem verlinkten Amtsblatt des Bamf zwar nur EIN Antrag aufgelistet ist, aber ZWEI Ablehnungen. Talking about Antisemitism! 😉

  • #13
    Michael Ilgner

    Sehr guter Artikel von Stefan Laurin. Eine sehr gute Argumentationshilfe gegen die Antisemiten der BDS-Bewegung. Gerade diesen Leuten sollte man nur mit Zahlen, Daten und Fakten kommen – denn da sind sie spätestens nach 3 Minuten in der Defensive.

  • #14
  • #15
    Walter Stach

    Wenn Menschen flüchten…..aus ihrer Heimat, aus ihrem Heimatland….

    Sie flüchten, wenn sie sich an Leib und Leben bedroht fühlen bwz. wenn tatsächlich konkret ihr Leben , wenn sie tatsächlich und konkret ihre elementaren Lebensbedürfnisse -Essen, Trinken, Wohnen- nicht befriedigen können oder weil ihnen die Flucht ihnen ein Land verspricht, "in dem Milch und Honig fließen".

    Flüchten Menschen allein deshalb, weil sie sich in ihrer individuellen Freiheit eingeschränkt sehen oder in ihrem Anspruch auf Gleichberechtigung in Gesellschaft und Staat oder weil sie demokratische Defizite generell oder speziell auf sich bezogen wahrnehmen?
    Das trifft in wenigen Fällen zu, aber nie für eine sog. "Massenflucht"!

    Und das dürfte auch für Araber mit israelischer Staatsangehörigkeit gelten.

    "So einfach"? Ja, meine ich, so einfach läßt sich die Frage beantworten, warum einerseits "die" Araber nicht aus Israel flüchten und warum es anderseits trotzdem von ihnen Kritik am Zustand der freiheitlich-pluralistischen Gesellschaft und am Zustand des demokratischen Rechtstaates Israel gibt wowie am Verhalten, am Verhältnis des Staates Israel zu den Palästinenser .

    "Auf einem anderen Blatt", einem auch bei den Ruhrbaronen schon oftmals aufgeschlagenem Blatt steht die Frage, ob und inwieweit die Kritik am Zustand der freiheitlich-pluralistischen Gesellschaft und am Zustand des demokratischen Rechtstaates Israel und an seinem Verhalten, an seinem Verhältnis gegenüber den Palästinenser begründet , ob sie in ihrem Ausmaß verhältnismäßig ist und vor allem, ob sie in ihrem Wie, wenn die Kritik aus Deutschland kommt, von Deutschen kommt, nicht eines besonderen Hinterfragen bedarf und das alles im Wissen um die Gefahr, dass Kritik an der Politik der jeweiligen israelischen Regierung mißbraucht wird, um dem Antisemitismus freien Lauf lassen zu können oder aber, um diese Kritik als Antisemitismus umzudeuten.

  • #16
    Sarah

    Der Artikel suggeriert, dass man die Dynamik von Migrationsbewegungen an der Zahl in Deutschland gestellter Asylanträge ausmachen könnte. Damit folgt man der These, dass alle Flüchtlinge sowieso nach Deutschland wollten. Das ist keine linke These.

    Von den derzeit 11 Millionen Menschen, die als „Palästinenser“ gezählt werden, besitzen heute bereits ca. 7 Millionen der internationalen Status „Flüchtling“. Die meisten allerdings bleiben, genauso wie der Großteil der Geflüchteten weltweit, in den direkten Nachbarstaaten. Allein wegen familiärer Beziehungen, sprachlichen und kulturellen Aspekten.

    Den Gaza-Streifen kann man auch nicht einfach verlassen und mal so von Israel aus nach Deutschland fliegen, wie es Laurin vorschwebt. Übrigens ein weiterer blinder Fleck der BDS-Kampagne, denn es ist Ägypten, dass seit Jahren den Grenzübergang nach Gaza dichthält.

    Ferner gibt es in Deutschland überhaupt keine Statistik, die „Palästinenser“ erfassen würde. Sie gelten als „staatenlos“ und/oder werden meist als Libanesen, Syrer oder Jordanier geführt.

    Sie fatal und auch antisemitisch die BDS-Kampagne ist und auch weite Teile der angeblichen „Palästina-Solidaritätsbewegung“ so fahrlässig geht der Autor mit gegebenen Sachverhalten um. Das hilft der Auseinandersetzung nicht, sondern macht die notwendige Kritik an BDS und Co. angreifbar

  • #17
    Helmut Junge

    @Sahra, Sie schreiben es selbst:"Ferner gibt es in Deutschland überhaupt keine Statistik, die „Palästinenser“ erfassen würde. Sie gelten als „staatenlos“ und/oder werden meist als Libanesen, Syrer oder Jordanier geführt. "
    Demzufolge würden hier in Deutschland Araber, die aus Israel geflüchtet sind, in den Statistiken nicht als Palästinenser, sondern als Israelis geführt. Und davon gibt es Wenige.
    Und darum geht es ihm. Diese Araber würden aus Israel fliehen, wenn sie dort so schlecht behandelt würden, wie vorwiegend Teile der Linken sehen. Der Gaza-Streifen gehört nicht zu Israel. Der hat soweit ich weiß, eine eigene Regierung.

  • #18
    thomas weigle

    Die letzten Bürger Israels dürften 2005/6 Gaza verlassen haben, als die "widerrechtlich" errichteten Siedlungen geräumt wurden. Den abziehenden Israelis folgten allerdings keine guten Wünsche, sondern eine Unzahl von Raketen.

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