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Beck fordert Zeichen der Solidarität mit Juden

Volker Beck Foto: Angelika Kohlmeier Lizenz: Copyright

Volker Beck Foto: Angelika Kohlmeier Lizenz: Copyright

Bei den Mordanschlägen gestern in Paris kamen 4 jüdische Geiseln um. Erstmals seit der Besatzung durch die Nazis sind heute in Frankreich alle Synagogen geschlossen. Volker Beck, der innenpolitische Sprecher  der Grünen fordert nun ein Zeichen der Solidarität mit den Juden:

„Nach den 4 ermordeten Geiseln in einem jüdischen Supermarkt muss auch ein Zeichen der Solidarität mit den Juden in Frankreich, Deutschland und ganz Europa geben. Der Angriff auf den jüdischen Supermarkt dürfte kein Zufall gewesen sein: Mit Angriffen auf Juden versuchen Islamisten einen Kampf der Religionen heraufzubeschwören.

Wir dürfen nicht hinnehmen, dass antisemitische Straftaten in unseren Ländern sich immer wieder wiederholen.
Der Antisemitismus, den wir auch im letzten Sommer auf unseren Straßen gehört und gesehen haben, muss von Politik und Schulen ernster genommen werden!
Auch Migrantenorganisationen und muslimische Verbände müssen hier ihre Aufklärungsarbeit intensivieren.

Antisemitismus ist Menschenfeindlichkeit und hat in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz, auch wenn er in der Gestalt der sogenannten „Israelkritik“ daher kommt.“

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25 Kommentare zu “Beck fordert Zeichen der Solidarität mit Juden

  • #1
    keineEigenverantwortung

    Im Großraum Paris gab es Todesopfer, die versch. Religionen angehört hatten.

    Zum Beispiel:
    http://www.bild.de/news/ausland/charlie-hebdo/erschossener-polizist-paris-war-muslim-39246966.bild.html

    Es ist deshalb wichtig, auf breiter Basis Religionsfreiheit, Toleranz etc. auf Basis der Landesgesetze einzufordern. Jeder kann Opfer von Intoleranz und Terroristen werden. Deshalb ist es wichtig, dass es eine Solidarität mit den Opfern, aber auch ein klares Zeichen FÜR eine Zusammenleben aller Menschen auf Basis des Grundgesetzes gibt.

    Dass Juden und jüdische Einrichtungen insbesondere in Frankreich immer wieder angegriffen werden und dass deshalb viele Juden auswandern, wurde in den letzten Wochen immer wieder beschrieben.
    Trotz der doch eher gefährlichen Lage in Israel verlassen viele Juden Frankreich und andere Länder. Das sollte uns zu denken geben.

    Wenn man dann auf die hohen dt. Auswanderungszahlen (alle Gruppen) anschaut, sieht man, dass auch hier vieles nicht stimmt.

    Ist unser Lebensmodell nicht mehr attraktiv?
    Ich mag das ständige Eingruppieren von Menschen nicht. Deshalb finde ich es wichtig, dass Berichte sich nicht immer auf eine Gruppe fokussieren, sondern das Probleme, das andere Gruppe auch haben, in den Fokus nehmen.

  • #2
    Thomas Weigle

    @ KE „Ist unser Lebensmodell noch attraktiv?“ fragst Du Für die, die auswandern sicher nicht. Für die, die hierbleiben auf jeden Fall attraktiver als Auswandern, für die, die zuwandern ist es offenbar attraktiv. Aber attraktiv hin oder her, es geht darum, die Werte unserer Verfassung für alle verbindlich zu machen, denn diese sind nach wie vor attraktiv. Diese Auseinandersetzung muss mit allen Mitten geführt werden, die der demokratische Rechtsstaat bietet. Wenn dies nicht in ausreichendem Maße geschieht, ist es auch Sache der Ruhrbarone, dies immer wieder einzufordern. Bisher sind die Ruhrbarone in dieser causa doch gut aufgestellt.

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  • #4
    Gerd

    „Der Antisemitismus, den wir auch im letzten Sommer auf unseren Straßen gehört und gesehen haben, muss von Politik und Schulen ernster genommen werden!“

    Das nenne ich doch mal einen Fortschritt. Im Sommer mußten die Juden die Demo gegen Judenhass selber aufgleisen, da die sonst aktiv werdenden Gruppen/Organisationen scheinbar keine Notwendigkeit sahen in Aktion zu treten.

  • #5
    Aimée

    @KeineEigenverantwortung

    „Trotz der doch eher gefährlichen Lage in Israel verlassen viele Juden Frankreich und andere Länder. Das sollte uns zu denken geben.“

    Das sieht vom Ausland vielleicht so aus, allerdings ist es nicht so. Bis auf wenige Ausnahmen kenne ich, die ich an der Hand abzählen kann, tragen unser Männer die Kippe nicht sichtbar (z.B. versteckt unter einem Baseballkappe). Hier und in Frankreich sind Synagogen bewacht, Gemeindezentren und seit Sommer huschen die meistens eher hinein. Zu den Hohen Feiertage sind Infobriefe verschickt worden, wie die Gefährdungslage ist und wie man sich „außerhalb“ verhalten, genauer wie auffällig man sich als Jude kennzeichnen kann.
    Das Problem, d.h. des täglichen Lebens hat man in Israel nicht. Der äußere Feind, manchmal auch innere durch arabische Israelis ist da, aber Terror herrscht auch hier. Bei der Bedrohung von außen, nun nicht schön, aber Gewohnheit und man rückt zusammen.

    Frau Merkel hat zu dem Terrorakt sich schnell zu Wort gemeldet und direkt auch auf die Situation von Muslimen in Form von „keine Pauschale Verurteilung“ vornehmen gesprochen. SOLCHE klaren Worte fehlten im Sommer, als wir (Juden) auf Deutschlands, Frankreichs, etc. Straßen bedroht wurden, der Lynchmob durch die Straßen zog „Hamas, Hamas Juden ins Gas“ , etc. schrienen WO war da die Stimme von Frau Merkel oder dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime „keine pauschale Vorurteilung/Hatz“ auf Deutsche jüdischen Glaubens?

    V.B. ist da eine rühmliche Außnahme, in vielerlei Hinsicht.

    Zu deinem Eintrag „Im Großraum Paris gab es Todesopfer, die versch. Religionen angehört hatten.“

    Stimmt, nur der Attentäter ist eben genau zu dem Zeitpunkt in einen koscheren Supermarkt kurz vor Schabbat, d.h. zu diesem Zeitpunkt sind i.d.R. viele Menschen da und Frauen/Kinder. Das war gezielt und auh hier, die Menschen dort waren in erster Linie Franzosen mit dem Zusatz jüdischen Glaubens.

    Die Menschen hier sprechen, schreiben so gerne über Islamophobie, gehen für Nazis auf die Straße; was richtig und wichtig ist, aber verkennen die Situation „Antisemitismus“ herrscht in den Köpfen vieler Deutscher (nichtjüdischen Glaubens) nur in Form von „Gedenken“ an die Shoah, aber das es -noch- lebende Juden hier gibt, die vergißt man.

    Sukkot (Laubhüttenfest) war letztes Jahr eine Art „Immobilienschnuppner“ in Israel für Juden, überwiegend aus Frankreich. …..
    …wenn dann die letzten Juden Europa verlassen, Europa dann so judenrein ist, darf dann zumindest weiter demonstriert werden, weil ja den Araber Land geraubt wird. Irgendwo muss man wohnen, aber auch der Anschlag zeigt und da bewahrheitet sich die Weisheit einer alten Tante „letztendlich können wir uns nur auf uns verlassen!“

  • #6
    Thomas Weigle

    Schon allein weil Israel für bedrängte und verfolgte Juden die letzte einigermaßen sichere Heimstatt ist, kann es für uns auch kein Wackeln bei der Unterstützung für Israel geben. Die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus reicht da nicht, denn in diesem Kampf ist der Sieger noch lange nicht ausgemacht.

  • #7
    Rainer Möller

    Thomas Weigle,
    „Aber attraktiv hin oder her, es geht darum, die Werte unserer Verfassung für alle verbindlich zu machen, …“
    Der Anfang der Weisheit bestände darin, zu akzeptieren, das die De-facto-Bevölkerung der BRD KEINE Wertegemeinschaft bildet und auch nicht dazu gezwungen werden kann. Und selbstverständlich bildeten auch die antisozialistischen Katholiken und die antikatholischen Sozialisten im Parlamentarische Rat KEINE Wertegemeinschaft. Was sie erfolgreich ins Werk setzten, war ein Regelsystem, das es Menschen mit gegensätzlichen Werten erlaubt, friedlich nebeneinander zu leben. Und genau diese Leistung verspielen wir, wenn wir uns auf die affige Forderung einlassen, alle Bewohner der BRD müssten eine „Wertegemeinschaft“ bilden.

  • #8
    der, der auszog

    Gestern haben sie Volker Beck die Drogen weggenommen. Über seinen grünen, moralischen Zeigefinger mag man sicherlich streiten können, aber er hat ihn oft genug in die richtigen Wunden gelegt, bei Pegida genauso wie bei israelkritikern und Antisemiten. Wieder ein Politiker, der über seine eigenen Ansprüche gestolpert ist und den man gerade jetzt recht gut gebrauchen könnte. Schade eigentlich.

  • #9
    Helmut Junge

    dda, Becks Nachfolger wird in dieser Hinsicht ähnlich agieren. Auch wenn ich sonst kein gutes Haar an den Grünen lasse, die Grünen sind schließlich nicht die Linkspartei, die mit Antisemiten aufgequollen ist. Auf ihrem langen Marsch in die Arme der CDU können sie sich antisemitische Tendenzen überdies auch gar nicht leisten.

  • #10
    Thomas Weigle

    Leider ist Beck nicht Mitglied der CSU und Biertrinker. Denn als Mitglied dieser Partei in öffentlichen Funktionen kann man betrunken Auto fahren, Polizisten anpöbeln und wenn man betrunken einen tödlichen Verkehrsunfall baut, kann man sogar noch Minister werden, wie der Fall Wiesheu zeigte. Wurde der nicht sogar Verkehrsminister?
    Die Frage stellt sich: wurde er gezielt kontrolliert, weil irgendwer ihm übel wollte?

  • #11
    helmut Junge

    dda, Der Weg in die Arme der CDU ist viel kürzer, als ich noch im vorigen Kommentar dachte:
    Kretschmann ist schon da.
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/volker-beck-winfried-kretschmann-ruegt-schweres-fehlverhalten-a-1080391.html

  • #12
    Walter Stach

    DER,DER…..-8-
    Thomas Weigle -1o-

    Zustimmung!!

    Thomas Weigle,
    mit Blick auf CSU-Politiker – sh..Seehofer, sh.Söder- sollte nicht unerwähnt bleiben, daß für diese der Sex eine beliebte Droge bei der Bewältigung des Alltages zu sein scheint, aber eben eine vor allem in Bayern allseits akzeptierte, wegen der man nicht attackiert, sondern mehr oder weniger offen bewundert wird, selbst dann, wenn wie bei Seehofer und Söder die Droge Sex dazu geführt hat, daß außerehelich (neben-ehelich) Kinder gezeugt wurden.
    Ich stelle das fest, nicht um in Sachen Sex zu moralisieren, das wäre mir wesensfremd, sondern um wieder einmal hier bei den Ruhrbaronen die Gelegenheit zu nutzen, Scheinheiligkeit anzuprangern.

    Da ich Springer-Medien aus Prinzip nicht nutze, frage ich ‚mal, wie diese denn mit der "Schande des Volker Beck" umspringen.
    Ansonsten habe ich den Eindruck, daß medial die ganz große Keule derr moralischen Verurteilung von von Beck nicht geschwungen wird oder?

    Helmut Junge -11-
    Du weist damit auf ein parteiübergreifendes Problem hin, das darin besteht, kaum noch "den Markenkern" einer Partei ausmachen zu können bzw. das, was sie von den anderen Parteien unterscheidet und abgrenzt -sh. die "merkelsche"CDU, sh. die SPD, sh.die Grünen..
    Ein eigenes Profil scheint mir noch erkennbar zu sein bei der Partei DIE LINKE, bei FDP und CSU -mit Vorbehalten- und, wenn auch ein abschreckendes, bei der AFD.

    Die merkelsche CDU….
    Die kretschmannschen Grünen…..
    Die gabrielsche SPD……….

    wer oder was sind sie, wer oder was wollen sie sein?

    Immerhin fragen sich das Mitglieder und Anhänger der genannten Parteien und suchen im Diskurs nach Antworten .Insofern wird -doch noch und weiterhin-parteiintern politisiert.

  • #13
    der, der auszog

    @Helmut

    Für Kretschmann geht es um alles, nachdem sich sein Koalitionspartner SPD in 5 Jahren Regierungsbeteiligung mehr oder weniger zu Tode regiert hat. Wir werden in 10 Tagen eine Premiere erleben. Erstmals in einem Westdeutschen Bundesland rutscht das Interesse der Bürger an der deutschen Sozialdemokratie weit unter 20%, weshalb sie in BW nur noch für eine Ampelkoalition mit CDU und FDP taugt, was ich mir nicht wirklich vorstellen möchte. Will Kretschmann Ministerpräsident bleiben, müssen die Grünen mehr Stimmen holen als die CDU. Beide liegen derzeit gleichauf bei ca. 30% und werden unter Umständen nach dem 13. März miteinander regieren müssen. Law&Order ist seit Silvester nicht nur in NRW ein wichtiges Thema und Drogen gehören ganz bestimmt mit in diesen Komplex hinein. Wer also ist der härtere Sheriff im Ländle, der schwarze Guido oder der grüne Winfried?

  • #14
    Helmut Junge

    Die nächsten Wahlen werden zeigen, ob die Wähler der Parteien genau so denken, wie die Politiker, die um die Mitte der Wählerlandschaft buhlen.
    Die CDU verliert wohl nach Rechts und an die Grünen. Kompensation dafür kommt von der SPD, deren Wähler den Merkelkurs besser finden, als das nicht erkennbare SPD-Programm. Selbst SPD-Politiker sind ja der Meinung, daß Merkel so gut sei, daß es nicht sinnvoll wäre, einen eigenen Kandidaten gegen sie aufzustellen.
    Aus Sicht des klassischen SPD-Wählers ist die SPD sowieso ein Fall für die Archäologie.
    Aber, wie werden die grünen Wähler mit Kretschmanns konservativem Kurs zufrieden sein?
    Werden nicht etliche von ihnen denken, daß das so ist wir immer?
    Früher sagte man bei uns in der Gegend, "das ist dasselbe in Grün", wenn man der Meinung war, daß sich eigentlich nichts geändert hat. Bei Kretschmann kommt dieser Spruch hin, soweit ich das von hier aus beurteilen kann. Aber Kretschmanns Verurteilung des Fehltritts von Beck ist zwar hochkonservativ, aber der Teil der Grünen, der Änderung will, dürfte verschreckt worden sein.
    Wir werden eben sehen, ob er damit nicht auf einer Seite verliert, was er gerne auf der anderen Seite gewinnen möchte, vielleicht aber doch nicht kriegt.

  • #15
    Walter Stach

    Helmut Junge,
    es scheint ja so zu sein, daß viele Wähler eine Konsequenz aus dem für sie nicht mehr hinreichend auszumachen Profil der jeweiligen Parteien bereits gezogen haben, indem sie sich mehr und mehr am Spitzenpersonal der Parteien orientieren und somit letztendlich Personalentscheidungen treffen -gilt "vor Ort", aber auch auf Landes- und Bundesebene-:

    Merkel wird von Vielen gewählt, obwohl sie Parteivorsitzende der CDU ist, Kretschmann wird von Vielen gewählt, obwohl er Landesvorsitzende der Grünen ist. Und Gabriel…….??????

    Ob sich hier von einem Trend sprechen läßt und ob dieser sich ehe "vor Ort" ausmachen läßt als auf Landes- und Bundesebene?
    Ob und wie sich ggfls. ein solcher Trend auf die Parteien, auf die Demokratie, auf die Parteiendemokratie mittelfristig auswirken wird?

    Darüber ließe sich streiten.

  • #16
    Helmut Junge

    Walter Stach, "Da ich Springer-Medien aus Prinzip nicht nutze, frage ich ‚mal, wie diese denn mit der "Schande des Volker Beck" umspringen."
    Da ich alles lese bin ich auch informiert. aber ich gönne dir über die Links die Teilhabe an Informationen. Paß nur beim Öffnen etwas auf, damit dir nicht der "Leibhaftige" begegnet und dich testet.
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article152885423/Volker-Beck-haette-nicht-zuruecktreten-muessen.html
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article152870774/Claudia-Roth-nimmt-Beck-nach-Drogenfund-in-Schutz.html
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article152851490/Gruenen-Abgeordneter-legt-nach-Drogenfund-alle-Aemter-nieder.html
    http://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article152871637/Kretschmann-kritisiert-gruenen-Abgeordneten-Beck.html

  • #17
    der, der auszog

    @Helmut

    Die Welt ist nicht alles, was Springer verlegt, immerhin ist Springer auch für die auflagenstärkste Zeitung der Republik verantwortlich und in der Bild heißt es heute:

    "Grüner mit Hitlerdroge erwischt."

    Was hat Volker Beck mit Hitler zu tun? Nichts. Offensichtlich ist diesem Blatt die öffentliche Empörung über Beck nicht groß genug, zumal in dieser Angelegenheit bislang auch vom politischen Gegner mehr Respekt als Kritik zum Ausdruck gebracht wurde. Wenn Beck, der sich immer leidenschaftlich gegen Antisemitismus engagierte auf einmal mit dem Antisemiten Adolf Hitler auf eine Stufe gestellt wird, dann ist die Empörung natürlich da.

    Stellt sich die Frage – mir zumindest – was sich die Redakteure im Springerverlages so alles reingreifen, um auf solche dämlichen Schlagzeilen zu kommen.

  • #18
    Walter Stach

    Helmut Junge,
    danke für die Tips.
    Aber…….
    ich werde sie nicht nutzen!

  • #19
    Walter Stach

    Ergänzend zu den Überlegungen in Sachen Kretschmann bzw. zu den " kretschmannschen Grünen" und zu dem von mir wahrgenommenen Trend in der Wählerschaft, sich mehr und mehr von den Persönlichkeiten und niccht von Partei-/Wahlprogramm bei der Wahlentscheidungen leiten zu lassen:

    Wenn ich die jüngste ARD-Umfrage zur Wahl in Baden-W.lese, könnte man meinen, die angestellten Erwägungen gingen "in die richtige Richtung";

    Kretschmann Grüne 32 %, die CDU nur noch 28% und "meine" SPD bei 13 Prozent.
    Wenn das Wahlergebnis dieser Wahlumfrage in etwa entsprechen wird, bedeutet das nicht nur interessante Diskussionen über die zukünftige Regierungskoalition in Baden-W., sondern vor allem auch, daß "man" in allen Parteien über sich, über sein Selbstverständnis mehr denn je selbstkritisch nachzudenken hat, auch darüber, ob nicht das gesamten hergebrachte Parteiengefüge sich neu formieren muß.
    Politik in Deutschland wird wieder höchst interessant und höchst spannend, nachdem ich mich jahrelang nur über den "politische Mief der Merkel-Ära" und über "den Wegfall des politischen Diskurses" beklagen konnte.

  • #20
    der, der auszog

    @Walter (#18)

    Jetzt zier Dich doch nicht so. 😎 Den Artikel von Kurt-Tucholsky-Preisträger Denis Yücel solltest Du auf jeden Fall lesen, zumal er vor einem Jahr so wohl auch in der taz gestanden hätte:

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article152885423/Volker-Beck-haette-nicht-zuruecktreten-muessen.html

  • #21
    Walter Stach

    DER,DER…..
    danke für den gutgemeinten Rat.

    Aber……
    Ich gebe gerne zu, daß ich in Sachen Springer-Medien mittlerweile ein so fest gefügtes (Vor-?)Urteil haben, gewachsen über ca. 5o Jahre, daß ich diesbezüglich selbst gegen gutgemeinte Ratschläge resistent bin .
    Ich lese regelmäßig FAZ und FAS, so daß ich u. a. so kompetent, sachorientiert, qualitätsvoll, oft geprägt von besonderem journalistischen Esprit erfahre, was und wie im sogenannten bürgerlich-konservativen Lager gedacht wird.

    In Sachen Volker Beck habe ich -Stand heute-den Eindruck, daß man mehrheitlich -in der Politik, in den Medien- dazu neigt, Beck k e i n unverständliches, unentschuldbares, gravierendes moralisches Fehlverhalten anzukreiden. Beck selbst, so scheint mir, hat mit dem Rücktritt von mehreren politischen Funktionen überreagiert, was erkläbar ist, aber unnötig war.

  • #22
    Thomas Weigle

    @Walter Stach Bei unseren Urlauben in Dänemark außerhalb der Hauptsaison ist das Angebot an deutschen Zeitungen in den kleinen Orten sehr begrenzt: Bild, Hamburger Mopo, Welt und manchmal die FAZ. Als ich deshalb vor Jahren erstmals zur Welt griff, war ich bass erstaunt ob deren liberalen Haltung. V.a. im letzten September hat die Welt in der Flüchtlingsfrage und der Berichterstattung über die "Willkommenskultur" eine Haltung gezeigt, die ich als grundanständig bezeichnen möchte. Ebenso in Sachen Antisemitismus gibt es bei der Welt, so weit ich das überblicke, kein Wackeln. Und nicht zu vergessen: der Obemotz unserer Ruhrbarone schreibt ja ebenfalls gelegentlich in der Welt.
    Und noch mal ein Wort zu der verlogenen Doppelmoral in Sachen Beck.
    Hat nicht Strauß während der Kubakrise besoffen in Büsche gekotzt? Ist er nicht im Herbst 70 angetrunken von New Yorker Damen des horizontalen Gewerbes ausgeraubt worden? Gab es da nicht einen Wahlabend nicht lange vor seinem Tod, an dem er offensichtlich betrunken aus München zugeschaltet war? Hat ihm das in Bayern geschadet? Dieses Verhalten hat die Bayern nicht davon abgehalten, ihn und seine Partei mit Wahlergebnissen auch schon mal jenseits oder knapp unter 60% zu "belohnen".

  • #23
    Walter Stach

    Thomas Weigle,
    ich "gönne" ja gerne jedem seine WELT und meinetwegen auch jedem seine BILD. Nur mir gönne ich die eben nicht . Lassen wir’s dabei.

    Reaktionen aus der Politik in Sachen Beck:
    Von " Spitzenpersonal" aus Fraktion und Partei der Grünen auf Bundesebene, aber auch vom wahlkämpfenden Kretschmann habe ich Reaktionen vernommen , die alldem widersprechen, was angeblich die GRÜNEN von den anderen Zeitgenossen unterscheidet, z.B. Toleranz, Mitmenschlichkeit, Sachgerechtigkeit statt Populismus – und jetzt und hier? Das ist auch eine Art von Doppelmoral, hier seitens "grüner Parteifreunde" von Beck.
    Wenn Du zurecht im Zusammenhang mit Strauss diejenigen, die jetzt von der hohen Warte ihrer vorgeblichen Moral den Volker Beck "der Meute zum Frass vorzuwerfen versuchen", ihre Doppelmoral vorhälst , dann will ich mich ‚mal insofern zum Verteidiger von Strauss aufschwingen -der gesoffen hat, der gehurt hat, der…… Aber m.W. hat der insofern nie Wasser gepredigt und Wein getrunken. Er war nicht scheinheiilig. Und das schätze ich nicht nur im nachhinein an Strauss, sondern an jedem Menschen, ob er mir ansonsten in seinem Denken, in seinen Worten, in seinen Taten "paßt oder nicht paßt".

  • #24
    Helmut Junge

    im Laufe des Lebens kann man durchaus lernen, daß Heuchler schlimmste Zeitgenossen sind, schlimmer noch als anerkannte Brutalos. Geht mir oft so.
    Denn gegen Brutalos kann man leicht mobilisieren, gegen Heuchler ist das wesentlich schwerer.
    Denn den Heuchler zu enttarnen, verlangt eine intellektuelle Leistung, die zu erbringen viele Menschen gar nicht erst den Willen haben, manche auch gar nicht können.

  • #25
    Walter Stach

    Helmut Junge,
    ja, so ist das.

    Ich bin mir schon bewußt, daß Offenheit, daß Klarheit, daß fehlendes Taktieren, daß das "Kämpfen mit offenem Visier" meinerseits, wenn ich mich wo und wie auch immer "zu Wort melde" ,auch damit zu tun haben, daß ich mir das Alles in meinen Alter relativ gefahrlos erlauben kann -materiell und ideell, privat und öffentlich.

    Die Jüngeren genießen dieses Privileg nicht, d.h., sie müssen sich häufig aus materiellen und ideellen Gründen "vorsichtig" und "taktierend" verhalten, jedenfalls wenn sie "mit offenem Visier" kämpfen, z.B.hier bei den Ruhrbaronen, und dabei mag dann ihnen dann auch ‚mal Heuchelei geboten sein.
    Und leider, leider ist "Heuchelei" in der Politik eine der beliebtesten Waffen, wenn es darum geht, den größten "Beifall der Massen" einzuheimsen. Diese Waffe ist gegenüber denjenigen eine stumpfe, die von ihrer Existenz wissen und sich ihres permanenten Einsatzes stets bewußt sind.

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