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Gute Gründe für das Archäologie-Aus in NRW

Irgendein sexistischer, männlicher römischer Gott. Foto: Marcuc Cyron Lizenz: GNU/CC3.0

Irgendein sexistischer, männlicher, römischer Gott. Foto: Marcuc Cyron Lizenz: GNU/CC3.0

Die rot-grüne Landesregierung in NRW wird die Zuschüsse für Archäologie und Denkmalpflege auf Null senken. Dafür gibt es zahlreiche gute Gründe – wir nennen sie:

1. Römer waren Sklavenhalter!

2. Noch nie wurden Reste einer matriachalischen Kultur in NRW gefunden!

3. Die meisten Denkmäler wurden von Männern errichtet!

4. Keine  jemals gefundene Inschrift war in geschlechtergerechter Sprache verfasst!

5. Immer wieder finden Archäologen Waffen, was indirekt einer Kriegsverherrlichung gleichkommt!

6. Archäologen tun mit ihren Schaufeln Mutter Erde weh!

7. Römer pflegten sexistische Kulte!

8. Die meisten der einst im heutigen  NRW ansässigen Germanenstämme ernährten sich nicht vegan!

9. Mit der Radiokarbon-Methode  nutzen Archäologen Atome!

10.  Kelten holzten Wälder ab!

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59 Kommentare zu “Gute Gründe für das Archäologie-Aus in NRW

  • #51
    Wonne

    Nicht zu vergessen: Es wird doch auch an künftige Generationen gedacht, die wollen schließlich auch noch was zu buddeln haben.

  • Pingback: NRW: Petition gegen Archäologie-Aus | Ruhrbarone

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  • #54
    Claudia

    Als Nicht-Betroffene kann man immer gut reden. Wir sind aber betroffen. Die Stadt Duisburg will uns verdonnern, die Kosten für Ausgrabungen auf unserem Grundstück allein zu tragen. Wir haben begonnen, in unserem Garten einen Schwimmteich bauen, weil die Freibäder in unserer Nähe in der nächsten Zeit geschlossen werden. Damit unsere Kinder im Sommer baden können.
    Die Stadt Duisburg schreibt uns, dass es von Interesse ist die „Hinterlassenschaft der Römer wie z.B. Pflanzenreste, Pollen, Knochen, Fischschuppen, Holzkohle, Asche zu bewahren.“ Das seien unverzichtbare Zeugniswerte.
    Nur weil sich irgendwelche Interessen-Gruppen (Archäologen, Beamte) irgendwann einmal für ein Römergebiet stark gemacht haben, müssen andere darunter leiden ( u.a. auch mit Herzinfarkt) und es auch noch bezahlen.
    Unsere 7 -jährige Tochter fragt uns „Wir haben andere Probleme in der Welt. Es gibt Kriege und Hunger in der Welt. Wieso müssen die sich um die Römer kümmern.“
    Wir gehen arbeiten, zahlen Steuern, kümmern uns um unsere Kinder und um unsere Eltern und zahlen können wir auch noch alles. Von unseren Steuern werden die Beamten bezahlt. Wenn man ins Rathaus geht und sieht, wie dort gearbeitet wird, dann kriegt man richtig Wut. Entweder sind die Beamten wochenlang krank oder es hängen Schilder an der Tür, dass die gerade nicht da sind (Raucherpause). Dicke Bäuche sieht man auch haufenweise.
    Nur weil Menschen etwas studiert haben, was sie interessiert (z.B. Archäologie) und dann bei der Stadt arbeiten, ist es natürlich ganz wichtig, alles zu bewahren. Klar, sonst können die sich ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen.
    Man muss die Dinge auch mal aus dem Blickwinkel von wirklich Betroffenen sehen. Von daher kann ich die „Guten Gründe“ nachvollziehen. Viele, die hier geschrieben haben, sind von dem Gesetz doch gar nicht betroffen. Was ist denn das öffentliche Interesse: Wenn man in seiner Freizeit nach immer neuen tollen Ausflugsmöglichkeiten sucht und weite Strecken durch die Gegend fährt. Oder wenn Schülergruppen, nur um aus dem Schulalltag rauszukommen, nach Xanten fahren. Es geht doch den Städten letztlich wieder nur darum, Geld zu machen.

    Ich hoffe, ich kann jetzt wieder einschlafen.

  • #55
    Helmut Junge

    @Claudia, ich empfehle Ihnen, mal einen Anwalt aufzusuchen. Vermutlich ist das Gesetz, auf das sich die Duisburger Verwaltung beruft noch nicht einmal rechtsgültig, bzw. deren Interpretation eigenwillig.
    Es kann m.E. überhaupt nicht sein, dass der Staat seine eigene Verantwortlichkeit an einzelne Bürger abschiebt.
    Den Pool würde ich allerdings unter diesen Umständen erst gar nicht bauen. Denn dann entfällt auch das für das Gesetz nowendige Verursacherprinzip.
    Nur wenn eine archäölogische Ausgrabung durch Baumaßnahmen notwendig wird, kann ein Verursacherprinzip begründet werden.

  • #56
    der, der auszog

    @#54

    Wie man mit dem Bau von Schwimmteichen und ökologischen Wellnessoasen in deutschen Kleingärten den Krieg und Hunger in der Welt in den Griff bekommen will, ist mir irgendwie nicht einleuchtend. Aber vielleicht bin ich auch schon zu alt, um sowas zu begreifen. Auf jeden Fall scheint Duisburg in jeder Hinsicht eine seltsam betroffene Stadt zu sein.

  • #57
    Helmut Junge

    @der,der
    es gäbe noch etliche Sonderheiten im Kommentar von @Claudia die du hättest erwähnen können.
    Aber ich bin ja gegen dieses archäologiefeindlche Gesetz der derzeitigen Landesregierung. Und da kommt so ein Fall, wie das Gesetz in der Praxis umgesetzt wird. Deshalb reduziere ich gedanklich ihren Kommentar auf den Fakt, dass sie beim Bau eines Schwimmbeckens einen Fund, angeblich aus der Römerzeit gemacht hat. Sie hat diesen Fund gemeldet und soll jetzt für die archäologische Ausgrabung zahlen.
    Das ist die Seite des Gesetzes, die wir bisher gar nicht berücksichtigt haben.
    Das kann nämlich jedem passieren, der ein Grundstück hat. Und das ist in der Welt vermutlich einzigartig.
    Vermutlich wird jetzt niemand mehr einen Fund melden, und das fände ich entsetzlich.

  • #58
    Fabernoster

    Den meisten ist schon die drohende Verzögerung im Bauvorhaben Grund genug, mögliche Funde zu zerstören und gut gemischt mit Bauschutt zur Entsorgung zu bringen. Das ist keine Vermutung, sondern mir immer wieder von Nachbarn, mir bekannten Bauunternehmern und Bauherren so berichtet worden. (Als wäre es selbstverständlich.)
    Claudia, der von Dir unterstellte Grund, warum möglichst alles bewahrt werden soll, ist schlicht falsch. Brauchbare Funde sind rar und unser Bild von der Vergangenheit ist lückenhafter, als Menschen, die sich nicht mit Archäologie beschäftigen, gemeinhin glauben.
    Unabhängig davon ist es natürlich ein Skandal, wenn Kosten für Ausgrabungen auf Grundeigentümer abgewälzt werden!

  • #59
    der, der auszog

    @#58 Fabernoster

    Das Problem liegt da weniger bei Claudia, sondern in erster Linie beim Land NRW bzw. der derzeitigen Landesregierung. Die fährt nämlich nicht nur die für den Denkmalschutz bereit gestellten Gelder gegen Null, sondern verändert auch aufgrund ihrer desaströsen Haushaltslage die bestehenden Denkmalschutzgesetze dahingehend, dass zum einen der Bauherr verpflichtet ist, die Kosten für die Ausgrabungen von Bodendenkmälern bei privaten Bauvorhaben zu tragen. Zum anderen sollen die geborgenen Bodenschätze aber künftig komplett in den Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen übergehen. Im Klartext: Der Bauherr wird gesetzlich verpflichtet zu buddeln, um das, was er beim Buddeln findet sofort und unentgeltlich an das Land abzudrücken. Der Privatmann soll dem Land quasi die Ausgrabung bezahlen, weil es dafür kein Gelder mehr bereitstellt, ohne dass er selber was davon hat.
    Bislang konnte der Bauherr zumindest das, was er an Schätzen im Boden fand, zu 50% behalten. Die anderen 50% gingen an den Grundstückseigentümer. Dieses Prinzip nennt sich ‚Hadrianischen Teilung‘ und soll jetzt durch das sogenannte ‚Schatzregal‘, wonach das Land automatisch Eigentümer der archäologischen Funde ist, abgelöst werden.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/nordrhein-westfalen-plant-meldepflicht-fuer-archaeologische-funde-a-904016.html

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