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Lydia Benecke: Shades of Grey ist sexuelle Gewalt

Kennt sich mit BDSM und Sadisten aus: Dipl.-Psych. Lydia Benecke (Foto: Felix Linde)

Aktuell läuft in den Kinos der zweite Teil des Hau-und-Popp-Films „Fifty Shades of Grey“ an. Für viele Kinobesucher werden die dargestellten Handlungen der Inbegriff von „Sado-Maso“ oder „BDSM“ sein. Die bekannte Kriminalpsychologin und ehrenamtlich Jugendschutzbeauftragte des SMJG e.V. („BDSM-Jugend“) Lydia Benecke sieht das jedoch nicht nur etwas, sondern komplett anders. Und das schon seit Erscheinen des Buches, wie sie in diesem Gastbeitrag klar macht. Zudem erklärt sie, was ungesunde Doms ausmacht.

Shades of Grey handelt von psychischer, häuslicher und sexueller Gewalt, von sexueller Nötigung und Körperverletzung, nicht aber von einvernehmlichem BDSM.

(Grundlage meiner Ausführungen ist die von Merc Enary erarbeitete und von mir noch überarbeitete Übersetzung des hier verlinkten Artikels, den Maike Ruthenberg am 16. August 2014 auf meiner Facebook-Seite gepostet hatte.
Zur Unterscheidung zwischen inklinierendem und periculärem sexuellen Sadismus verweise ich auf meine Diplomarbeit.)

„Da Fifty Shades of Grey in einem Film verarbeitet wurde, habe ich versucht, ins Bewusstsein zu rufen, dass es hierin nicht um BDSM, sondern vielmehr um häuslichen und sexuellen Missbrauch geht. Viele Frauen argumentieren, dass es in dem Buch um eine BDSM-Beziehung geht, was aber BDSM in ein schlechtes Licht rückt.

BDSM ist eine Gemeinschaft, die an Sicherheit und Geborgenheit glaubt. Einwilligung ist immer notwendig und Partner kümmern sich um einander. Nach Handlungen und Rollenspiel sind die Partner gefühlsmäßig füreinander da, um sich beim Übergang aus dem Spiel zu helfen. FSOG beinhaltet nichts davon. Mr. Grey stellt Anastasia (einer Noch-Jungfrau) ein Ultimatum: Einen Vertrag zu unterschreiben oder zu gehen. Sie ist sexuell unerfahren (als Jungfrau) und er manipuliert dies, um ihre Grenzen zu verschieben und es so wirken zu lassen, als wären die sexuell gewalttätigen Dinge, die er tut, okay. Es gibt Vorkommnisse nach dem Spiel, in denen er wütend auf sie ist, weil sie emotional aufgelöst ist, sie aber nicht tröstet. Er nutzt Alkohol, um sie zur Einwilligung zu überreden – was rechtlich eine Vergewaltigung darstellt. Es gibt auch Momente, in denen sie das Safe Word sagt und er dennoch weiter macht. Hier wird die Einwilligung zurückgezogen, was Christian ignoriert. Das ist sexuelle Nötigung.

Dies sind nicht die einzigen problematischen Momente. Anastasia beginnt Dinge, aus Angst vor Christians Wut, vor ihm zu verstecken. Er wird eifersüchtig und leicht reizbar. Anastasia hat Angst um ihre Sicherheit. Experten haben dieses Verhalten dem einer misshandelten Frau gleichgesetzt, in Übereinstimmung mit dem CDC (mangels besserer Terminologie: Zentrum für Krankheitskontrolle und Präventionsbeschreibung von Beziehungsgewalttaten).

Dieses Buch wirft Menschen die BDSM praktizieren in ihrer Gesamtheit den Wölfen zum Fraß vor, indem es BDSM als solches völlig falsch darstellt. Es gibt Fälle, in denen schlechte Menschen sich in BDSM-Kreise einschleichen, in der Hoffnung einer Strafverfolgung ihrer tatsächlich gewalttätigen Vorlieben zu entgehen, aber die absolute Mehrheit derer die BDSM praktizieren sind nicht gewalttätig, wie dieses Buch glauben machen will.

Das Buch verklärt und fetischisiert Missbrauch, und Missbrauch in ein „sexy“ und „spaßiges“ Licht zu rücken ist für Frauen wirklich gefährlich. Eine von fünf Frauen wird in ihrem Leben häusliche Gewalt erleben, was ein Grund dafür ist, dieses Buch nicht zu verteidigen. Es als okay darzustellen dieses Verhalten von einem Mann zu akzeptieren ist gefährlich. Menschen werden beeinflusst, im BDSM herum zu pfuschen ohne eine wirklich Ahnung davon zu haben, was es wirklich ist und sie werden dabei verletzt werden.

Es ist jedem selbst und niemandem sonst überlassen, was er lesen will. Worum es in diesem Beitrag geht, ist nicht die Lesegewohnheiten von irgendjemandem zu kontrollieren, sondern hervorzuheben, dass FSOG problematisch ist. Ich weiß, dass viele Frauen (und Männer) dieses Buch verteidigen ohne zu verstehen, dass es als der Missbrauch, der es ist, gesehen werden kann. Und ich hoffe, dass man sich dies mehr ins Bewusstsein ruft, damit andere nicht dadurch beeinflusst werden.“

Wie erkennt man nun einen ungesunder Dom? –
oder:  „Das Christian-Grey-Syndrom“

Menschen, die an Personen geraten, welche sich selbst als einvernehmliche BDSMler darstellen, allerdings gleichzeitig folgende Merkmale im Kontext von BDSM als „normal“ ansehen und praktizieren, sollten die entsprechenden Merkmale als „Warnsignale“ deuten:

  • Du bekommst vor den ersten heftigeren Handlungen bewusst starken Alkohol angeboten, damit du möglichst enthemmt bist und deine Schmerzwahrnehmung reduziert ist.
  • Der dominante Part betont, wie erfahren er in BDSM ist und animiert dich dazu, sehr bald (möglichst in alkoholisiertem Zustand) dir bis dahin in dieser Form unbekannte, heftige Praktiken (z.B. heftiges Schlagen, aber auch „Spiele mit Nadeln“, „Cutting“ = Ritzen der Haut oder andere für dich irgendwie „krass“ erscheinende Dinge) „auzuprobieren“.
  • Wie heftig diese Praktiken wirklich waren, merkst du teilweise erst am nächsten Tag an den überraschenden „Spuren“ an deinem Körper oder an Foto- oder Video-Aufnahmen, die der andere angefertigt hat und die du zu sehen bekommst.
  • Du wirst dafür gelobt, „wie viel du aushältst“ und wie besonders toll es daher mit dir ist. ( = Belohnung des gewünschten Verhaltens „tun was der dominante Part will„)
  • Wenn du während der Handlungen ein Safe Word sagst oder anders signalisierst, dass dir etwas gerade zuviel ist, wird dies vom anderen mit scheinbar neckischen Anmerkungen wie „ach komm, stell dich nicht so an“ negativ kommentiert und es wird stets noch etwas länger weiter gemacht, auch wenn du deinen Widerwillen signalisiert hast. ( = Bestrafung des unerwünschten Verhaltens „eigene Grenzen gegen den dominanten Part verteidigen“)
  • Dir wird von dem anderen, meist lebenserfahreneren Part eingeredet (siehe „Belohnung und Bestrafung“), dass du es bist, der/die an diesen heftigen Praktiken Spaß hat, dass es deine eigenen Vorlieben sind. Da du nicht langsam und überlegt deine Vorlieben ausgetestet hast, sondern quasi „ins kalte Wasser“ gestoßen wurdest, kannst du dies schließlich kaum mehr selbst beurteilen. Durch Wiederholung und aufgrund deiner – im Verhältnis zu deinem Gegenüber – wenigen Vorerfahrungen in diesem Bereich glaubst du die Meinung des dominanten Parts schließlich auch selbst.
  • Es könnte dich allerdings zum Nachdenken bringen, wenn du bemerkst, dass dieser „erfahrene, dominante“ Part haargenau dieselbe Vorgehensweise wie mit dir schon mit zig Personen vor dir genau so durchexerziert hat und seine eigenen Vorlieben bei all diesen Personen – so gut es im Rahmen der Manipulation möglich war – genau so wie bei dir „einzuprägen“ versuchte.

Anmerkung: In unregelmäßigen Abständen werden nun Gastbeiträge von Lydia Benecke bei uns erscheinen. Diese sind teils in sehr ähnlicher Form in ihrem Facebook-Profil erschienen.

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29 Kommentare zu “Lydia Benecke: Shades of Grey ist sexuelle Gewalt

  • #1
    emiru

    Inhaltlich echt super, und etwas, was ich schon lange denke, danke Frau Benecke. ^^ Aber könnte da vllt jemand noch ein paar Kommas ergänzen? An manchen Stellen bleibt man beim Lesen einfach hängen.

  • #2
  • #3
    Marcus

    Nehmen Sie sich doch mal Grimms Märchen vor, das ist Horror und Splatter vom feinsten Frau Benecke! FSOG ist genauso ein BUCH!
    Sie nehmen das Buch und sich selbst zu wichtig.

  • #4
  • #5
  • #6
    Julia

    @Marcus: Aber kein Mensch spielt Schneewittchen oder Aschenputtel nach und denkt, das sei alles richtig und okay und so romaaaaantisch! Ja, ich habe Frauen im Bekanntenkreis, die den Scheiß romantisch finden, aber diese haben nicht die geringste Ahnung von BDSM oder davon, dass ich BDSM aktiv lebe. Mit einer Freundin, die nicht in der BDSM-Szene aktiv ist, aber weiß, was ich mache, hatte ich im Kreise meiner vertrautesten Kinkster eine lebhafte Diskussion. Die sah es auch einfach nur als ein wenig seichte Unterhaltung.

    Worauf es hier aber ankommt: 1. Die Autorin hat nicht die geringste Ahnung von BDSM. Sie hat "Twilight" (daher das dämliche Frauenbild und die Tussi, die sich gerne bevormunden lässt) und den großartigen Film "Secretary" (daher der Name Grey und das BDSM-Element) mit Küchenpsychologie vermischt (daher die Idee, dass der arme, arme Christian eine ach so schlimme Kindheit hatte, sonst wäre er ja nicht so pervers geworden und Anastasia hätte ihn nicht "heilen" können) und dummerweise einen Bestseller produziert.

    2. Leute, die noch nicht mal ansatzweise was mit BDSM anfangen können und alles, was über Augen verbinden hinausgeht, absurd finden, sehen in diesen Romanen lediglich Unterhaltung.

    3. Menschen, insbesondere Frauen, insbesondere junge Frauen, die in sich eine Tendenz zu Unterwerfung und Masochismus verspüren, bekommen durch die Bücher einen komplett verqueren Eindruck. Dies nutzen dann Männer des Schlages "Dumm-Dom" aus, die eben, wie im Text erwähnt, ihre kriminellen und missbräuchlichen Neigungen so ganz prima als BDSM maskiert bekommen.

    Ich bin nicht mehr ganz so jung und hatte das Glück, meine ersten Erfahrungen mit vertrauten Freunden machen zu können. Dennoch war es auch mir mit Erfahrung nicht immer möglich, die Spreu vom Weizen zu trennen – Menschen, die beim ersten Treffen im Biergarten sortiert, reflektiert und vernünftig wirkten ignorierten dann Safewords oder lachten über den Einsatz desselben, statt auffangend zur Stelle zu sein.

    4. Jeder junge Mensch, der sich durch diese Bücher angesprochen fühlt in einer Weise, die über "nette Unterhaltung" oder "romaaaantisch" herausgeht, sollte sich an die SMJG wenden, oder, wenn er/sie älter als 27 ist, an den BVSM oder mal in den einschlägigen Datingportalen nach einem Stammtisch in der Nähe suchen. Nichts ist in dem Zusammenhang gefährlicher als blind auf BDSM-Dates zu gehen, und auf dem Stammtisch findet man viele nette reale Menschen, die einen gerne covern, wenn man daten geht. Oder die über ihre Erfahrungen sprechen.

    Sorry für den Sermon, aber es liegt mir sehr am Herzen, dass dieser Schwachsinn nicht den Ruf der Szene versaut. Ich habe auf unserem Stammtisch meinen Lebensgefährten und sehr viele enge Freunde kennen gelernt und bin vertrauenswürdiger in die Szene eingeführt worden als es über Portale je ging.

  • #7
    Vaperfreak

    Ok…Es ist ein Scheiß Buch und ein scheiß Film. Aber denoch. Das hier beschriebene ist genau das selbe was man früher über Horrorfilme gelesen hat und heute über Computerspiele gesagt wird. Und wie immer lautet die Antwort. Menschen die Amok laufen, morden oder nun auch ungesunde Doms sind, brauchen weder Horrorfilme, noch Computerspiele noch FSOG. Denn die Macke hatte sie alle schon vorher. Ein gesunder Menschenverstand kann Realität und Fiktion unterscheiden.

  • #8
  • #9
    Olex

    Tja, schön wäre es, wenn jeder diesen gesunden Menschenverstand hätte.
    Die Parallelen zur Sexualaufklärung (und auch zu Filmen) sind da ziemlich leicht zu sehen: In der Sexualaufklärung lernt man klar und verständlich: "wer vögelt, bekommt Kinder, dagegen gibt es Verhütungsmittel" + Erklärung, sowie "macht nur das, was ihr eigentlich machen wollt" (und Pornos sind auch nur gestellte Filme, keine Realität)
    Nun versetze dich mal in einen jungen Menschen, der merkt, er/sie steht darauf, "gegen den eigenen Willen" z.B. Schmerzen zugefügt zu bekommen.
    Dabei geht in dem "gegen den eigenen Willen" die Komplexität von (BD)SM unter:
    – es ist nur bedingt gegen den eigenen Willen
    – das ganze muss vorher abgeklärt werden, man muss sich gut kennen, sonst geht es schief
    – Realität und Fantasie sind meistens seeehr unterschiedlich – auf wie intensive Schmerzen man steht, kann man im Voraus fast nicht wissen
    – danach braucht es viiiiel Zuneigung
    – Schmerzen sind nicht gleich Schmerzen (Spitz/stumpf/lang anhaltend/kurz/etc)
    – und mehr, was ich jetzt vergessen habe

    Das alles kann man ohne den Hintergrund zu wissen maximal noch erahnen. Teils sind die Punkte auch auf den ersten Blick komplett widersprüchlich zu dem, was man sonst gelernt hat (man muss stark sein, Schmerzen sind etwas schlechtes, etc)
    Mit den psychischen Spielarten (Demütigung, Unterwerfen etc) fang ich gar nicht erst an, das ist noch komplexer.
    Ich hoffe, du erkennst jetzt das Problem von Unerfahrenen neuen, die an BDSM herangehen.

    Daher:
    tl;dr: Man hat ohne viel Aufklärung keine Chance, seinen gesunden Menschenverstand einzusetzen, weil der mangels Grundlagen und Hintergrundwissen nirgendwo ansetzen kann

  • #10
    Olex

    Oh, in der Eile vergessen, warum die Parallelität zur Sexualaufklärung existiert:
    In China gibt es die nicht.
    Dort wird regelmäßig abgetrieben, weil die Leute nicht wussten, dass man von Sex schwanger wird. "Wir haben das so in einem Porno gesehen und nachgemacht"
    Gibt irgendwo nen tollen Artikel darüber, finde ihn leider auf die Schnelle nicht.

    Und bei BDSM kann man mehr als nur schwanger werden…

  • #11
    Anderer Max

    Teils echt peinliche Kommentare …
    Da analysiert eine Diplom-Psychologin das Buch und reflexartig greifen Leute zu dem "Zensur"-Argument .

    "Das hier beschriebene ist genau das selbe was man früher über Horrorfilme gelesen hat und heute über Computerspiele gesagt wird."
    So ein Quatsch! ich bin selbst Gamer und hielt die Counter-Strike Debatte von vor ca. 15 Jahren für extrem daneben, aber was hat das mit dem Vergleich der Darstellung von einvernehmlicher Sexualität und sexueller Nötigung zu tun?
    Es geht nicht darum, BDSM zu kritisieren, sondern die Darstellung des BDSM in diesem Buch als schlicht falsch, irreführend und sogar gefährlich herauszuarbeiten.
    Zumal FSOG wohl noch eine weitaus größere Zielgruppe bedient, als Evildead oder Manhunt.

  • #12
    Eli

    Ich frage mich ja immer wieder, ob manche RezentInnen (vor allem in der Szene) die Bücher gelesen haben bzw. ob sie andere Bücher als ich gelesen haben.

    Anastasia verlässt ihn ja am Ende des ersten Bandes. Weshalb? Weil die anfangs so schüchterne junge und verliebte Frau zunehmend merkt, dass "das", was Christian Grey bietet/will/zu brauchen meint, nicht zu ihren Wünschen und Bedürfnissen passt. Und auch wenn sie das Safeword im "Spiel" nicht benutzt hat, im Alltag benutzt sie es – sie verlässt ihn. Ist doch sogar emanzipatorisch.

    Über die Stimmigkeit von Christian Grey’s psychologischen Entwicklung kann man mit Sicherheit streiten, aber auch er ist jung, er hat in der Adoleszenz Mechanismen entwickelt, die ihm sowohl für eine gewisse Zeit geholfen haben (auch emotionale Bindungen zu verhindern), aber war auch der unterwürfige Teil in einer ausbeuterischen, gewaltsamen Beziehung. Und in meiner Küchenpsycholgie passt das: "Geschlagene Kinder werden zu schlagenden Eltern." Er merkt zunehmend, dass "das" sich überholt hat, und stellt sich seinen zwischenmenschlichen Problemen.

    Am Ende haben wir dann (Märchen lässt grüßen) ein wohlhabendes glückliches Paar, das sich auf Augenhöhe begegnet und trotzdem spielt – SSC.

    PS: Für das Selbstbildnis von jungen Frauen halte ich übrigens diese Vampirgeschichte ("Biss Xylophon") für gefährlicher, die sich auch noch an ein jüngeres Publikum als "Fifty Shades" richtet.

  • #13
    maxx

    Wiedermal so eine Mrs Superschlau die denkt den Kral des einzig richtigen SM zu wahren. Was für ein Schwachsinn.
    Einzig die Punkte woran man einen "ungesunden Dom" erkennt sind richtig, aber auch da wird es Menschen geben die genau diesen suchen.

  • #14
    der, der auszog

    Liebe Lydia

    Sex & Crime sells. Das wissen die Macher der BILD genauso wie Erika Leonard, nur dass man in dem Springer Blatt immer noch ein Quäntchen Wahrheit finden wird, während es sich bei ‚Shades Of Grey‘ um reine Fiktion handelt, die nicht den Anspruch erhebt, in irgendeiner Form richtig oder wahrhaftig zu sein. Dass sich Sex & Crime gut verkaufen lässt, weißt übrigens auch Du, wenn Du bei der Gelegenheit auf dem Foto oben Dein Aktuelles Buch „Sadisten“ präsentierst, eingeschnürt in eine hübsche Corsage unter dem figurbetonten Sakko und als Vamp gestylt. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn wer wie sein Geld verdient, sollte eigentlich egal sein; die BILD hat es immerhin zur auflagenstärksten Tageszeitung in Deutschland gebracht, Shades Of Grey ist von Millionen Menschen gekauft, gelesen oder gesehen worden, und unter Umständen wird sich auch Dein Buch ‚Sadisten‘ zu einem Kassenschlager entwickeln. Was ich allerdings schäbig finde ist die Art, wie Du Dein Buch hier in aller Öffentlichkeit präsentierst, nämlich in der Form, dass Du ein anderes Buch zerreißt. Hast du das echt nötig?

    Hier bei den Ruhrbaronen wird sehr viel über Freiheit geschrieben und anschließend in den Kommentaren diskutiert. Themen, die mit Sexualität zusammenhängen passen da vorzüglich, egal, ob es nun um sexuelle Selbstbestimmung, Prostitution, Genitalverstümmelung, religiöse Rieten und Moralvorstellungen etc. geht, oder der von Dir hier neu vorgestellte Themenkomplex BDSM. Es wirkt allerdings sehr befremdlich, wenn Du Deinen Einstieg gleich so gestaltest, dass Du den Lesern sagst, was sie besser nicht lesen sollen und bei der Gelegenheit einen Katalog um die Ohren haust, in dem es darum geht was beim Sex gesund und was ungesund ist. Barbara Steffens und ihre Erziehungspolitik lassen grüßen…

    Meines Erachtens wäre es von Vorteil gewesen, wenn Du als Einstieg in Deine Gastbeitragsreihe erst einmal grundlegende Begriffe wie BDSM oder DOM klärst und voneinander abgrenzt oder die Szene beschreibst, in der diese Begriffe Verwendung finden. Die Kommentare zeigen, dass es da ganz unterschiedliche Vorstellungen gibt.
    Bei BDSM soll es u.a. um Sadismus und Masochismus gehen. Zumindest impliziert das die Abkürzung. Viele Menschen denken da sicherlich an 50 Shades of Grey oder Donatien Alphonso Francois (den Marquis de Sade), andere denken vielleicht an Josef Fritzl aus dem österreichische Alstätten, an Paul Schäfer, dem Gründer der Colonia Dignidad in Chile, oder die Nazischergen in den Bordelle der deutschen Konzentrationslager; wieder andere an in Latex oder Leder gekleidete Carnevalsclowns mit Gummimaske, die ihren Partner mit Plüschahndschellen ans wackelige IKEA Bett ketten. Über was also möchtest Du hier schreiben?

    ich vermute mal ganz stark, dass es Dir um die letztgenannte Gruppe geht, wohlwissend dass meine Beschreibung der BDSM-Szene als Karnevalsverein so manchen Dom mit seiner Sub auf die Palme treibt, wenn er/sie ihn/sie nicht schon mit dem Kopf nach unten an selbiger aufgehängt hat. Es gibt zumindest nichts schlimmeres für eine(n) praktizierenden BDSMler, wenn man sich über sie, ihn oder es lustig macht. Zumindest ist das meine Erfahrung. Aber auch in diesem Zusammenhang sehe ich Deinen Ansatz als verkehrt an. Oben habe ich bereits beschrieben, dass es sich bei Shades of Grey um einen Roman und damit um reine Fiktion handelt. Genauso fiktiv sollten die Aktivitäten innerhalb der BDSM Szene sein. Du redest selber von ‚Rollenspielen’. Vergleichen könnte man ein solches Spiel mit einem Drama, wo jeder in eine bestimmte Rolle schlüpft, am besten die, welche ihm durch sein Naturell am ehesten auf den Leib geschrieben ist, und aus der er jederzeit wieder aussteigen können sollte. Statt den Roman von Erika Leonard zu verreißen, fände ich es daher angebrachter, diejenigen, die Du warnen möchtest dahingehend aufzuklären, dass das was sie machen (sollen), eigentlich nichts anderes ist, als ein riesengroßes Theater.

    Abschließend möchte ich noch auf Deine Darstellung der BDSM Szene ‚als eine Gemeinschaft, die an Sicherheit und Geborgenheit glaubt‘ eingehen. Deine Formulierung beschreibt da einen Idealzustand, wie er sein sollte. Man bräuchte in diesem Zusammenhang allerdings keine Beauftragten, die unsere Jugend schützen, wenn es so wäre, wie Du es hier zu verkaufen versuchst. ich habe mich zwei Jahre in dieser Szene bewegt, was allerdings schon über 10 Jahre her ist. Mir sind in keiner Community soviel Wracks begegnet, wie bei den BDSMlern. Du als Frau könntest mir wahrscheinlich einige Stories erzählen, von Männern, die sich daneben benehmen, wie es in Deinen Ausführungen ‚wie erkennt man…‘ angedeutet wird. Ich kann Dir von Frauen berichten, die Lust dabei empfinden, sich die Arme zu ritzen, die aber eigentlich auf die rote Couch gehören und bei denen man(n) aufpassen muss, nicht auch auf selbiger zu landen. Das sind leider keine Fiktionen und letztendlich waren sie für mich der Grund, dieser Szene, in der es sicherlich auch ‚sexy‘ und ‚spassig‘ zugeht, den Rücken zu kehren. Ich will jetzt gar nicht alle praktizierenden BDSMler über einen Kamm scheren. Die Mehrzahl dieser Community weiß sicherlich genau, was sie da macht. Aber müsste man diese Community nicht auch in Frage stellen und vor ihr warnen, wenn nur jeder 5. in ihr einen an der Klatsche hat?

    Schöne Grüße aus Gelsenkirchen

    Johannes.

  • #15
    Christian Perzl

    Ich kann den Beitrag von Lydia Benecke gut folgen, und verstehe ihr Anliegen.

    Was ich aber nicht verstehe, wieso soll so eine verkappte Schnulze ala "Shades of Grey" in den Köpfen von, meist, selbstständigen Menschen wirkmächtiger sein als, um ein Thema aufzugreifen worüber Frau Lydia Benecke ebenfalls geschrieben hat, die Subkultur/das Gedankengebäude der Schwarzen Szene auf ihre Mitglieder.

    Sicher, ich will "Gruftis, Stampfer und Glühwürmchen" jetzt damit nicht in die Ecke der gewalttätigen Satanisten stellen. Aber die Frage bleibt, wieso soll sich der gesamte obskure Mist, der weit aus gefährlicher sein kann als alles was E. L. James je geschrieben hat, bei den Menschen in der schwarzen Szene als harmlos erweisen?

    @Maxx
    Einige Verständnisfragen an Sie gerichtet:
    – Was ist an den Ausführungen von Frau Benecke so falsch das Sie ihr eine verengte Sicht auf das Thema vorwerfen?
    – Wie schaut für Sie der wahre SM aus?
    – Gibt es für Sie im Bereich BDSM irgendwelche allgemein verbindliche Grundsatzregeln?

  • #16
    DJ

    Manche Kommentare hier… einfach traurig.
    Klar ist es Fiktion aber es ist für einige Leute eben nicht so einfach Fiktion und Realität auseinander zu halten, vor allem nicht wenn es um eine Beziehung geht, die ja wohl realer und wahrscheinlicher sein kann als Magier und Drachen.
    Das beste Beispiel sind die Nachrichten die nach dem ersten Film immer wieder von Leuten berichteten, die mit Kabelbinder FSoG nachspielen wollten und zu dumm waren sich vorher zu informieren wie und was man richtig macht und machen kann. So weit hergeholt dass auch Fiktion gefährlich sein kann ist es ja wohl also nicht.
    Und wenn man keine richtige Ahnung von der BDSM Szene hat, sollte man sich mal ganz zurück halten. Zwei Jahre in der Szene unterwegs gewesen zu sein bedeutet nicht, dass man die Dinge versteht 😉

  • #17
    Del

    Klar ist es Fiktion aber es ist für einige Leute eben nicht so einfach Fiktion und Realität auseinander zu halten, vor allem nicht wenn es um eine Beziehung geht, die ja wohl realer und wahrscheinlicher sein kann als Magier und Drachen.
    Das beste Beispiel sind die Nachrichten die nach dem ersten Film immer wieder von Leuten berichteten, die mit Kabelbinder FSoG nachspielen wollten und zu dumm waren sich vorher zu informieren wie und was man richtig macht und machen kann. So weit hergeholt dass auch Fiktion gefährlich sein kann ist es ja wohl also nicht.
    Und wenn man keine richtige Ahnung von der BDSM Szene hat, sollte man sich mal ganz zurück halten.

    Und mal explizit an @der, der auszog
    Weil es nicht in jeder Community auch Verrückte oder Bekloppte gibt. Ich bezweifle jetzt einfach mal, dass du jeden fünften BDSMler kennst 😉 Zwei Jahre in der Szene unterwegs gewesen zu sein bedeutet nicht, dass man die Dinge versteht oder die komplette Szene kennt.

  • #18
    der, der auszog

    @#16/17

    "Und wenn man keine richtige Ahnung von der BDSM Szene hat, sollte man sich mal ganz zurück halten."

    Jemandem Ahnungslosigkeit vorzuwerfen, nur weil er eine andere Meinung vertritt, ist arrogant und intolerant, aber kein Beleg dafür, dass man selber mehr Ahnung hat. ich werde mich sicherlich nicht zurückhalten, mein lieber DJ, Del oder wie auch immer.

  • #19
    abraxasrgb

    der, der auszog weitgehend d´accord
    Die post-SOG "BDSM-Szene" funktioniert nur exklusiv, nicht inklusiv 😉
    YKINMKBIOK ist denen fremd.
    Die beste Karikatur dieser pc-Sadisten ist bei Chuck Palahniuk in "Choke" zu finden. Check- und Wunschlisten und das Safeword "Pudel". Selten so gelacht.
    Ansonsten kann sich die Lifestyle-SM Fraktion den Satz merken: Wer die Musik nicht hört, hält die Tanzenden für wahnsinnlich.
    RACK, DEBRIS, Metakonsens sind die Trigger-Konzepte des Mainstreams 😉
    Schond er erste Punkt bei Lydia ist witzig: SM wird gefälligst stocknüchtern (und mit heiligem Ernst praktiziert) 😉 Protestantismus und Lust passen einfach nicht zusammen …

  • #20
  • #21
    Lydia Benecke

    Nur eine kleine Aufklärung von einigen der Fehlannahmen des Menschen, der sich hier "der, der auszog" nennt:

    Am 8. Februar um 14:37 Uhr hat meine Facebook-Leserin "Tini Ähmpunkt" einen mir schon lange bekannten Kommentar zu "Shades of Grey" auf meine Facebook-Chronik gepostet, da dieser zu der von mir bereits lange vertretenen Meinung zur entsprechenden Buchreihe passt. Hierauf habe ich am selben Tag um 17:19 Uhr unter dem betreffenden Posting kommentiert: "Siehe dazu auch mein Posting von 2014: https://www.facebook.com/LydiaBenecke.official/posts/852317318114205 " -> Der Text wurde also von mir bereits am 8. August 2014 gepostet und beinhaltet übrigens (wie auch explizit beschrieben) eine längere Übersetzung eines Artikels (gekennzeichnet durch den entsprechenden expliziten Verweis & Link zum Originaltext sowie die längere Textstelle in "…"), den ich sehr gut fand und speziell bezogen auf Warnsignale im Bereich BDSM erweitert habe. Noch am selben Tag, um genau zu sein um 19:46 Uhr, fragte mich Sebastian Bartoschek, ob er nun diesen Post als Artikel bei den Ruhrbaronen veröffentlichen könnte, was ich natürlich ok fand – warum auch nicht? Da Artikel nunmal häufig mit Bildern versehen werden, hat Sebastian aus den auf meiner Homepage befindlichen Pressebildern eben dieses (ebenfalls aus dem Jahre 2014!) ausgewählt – vermutlich, weil es in dem Artikel wie auch in meinem Buch um sexuellen Sadismus geht – liegt irgendwie nahe, nicht wahr? 😉 Das Sadisten-Buch verkauft sich übrigens seit seinem Erscheinen super und ist keineswegs neu auf dem Markt. Aber du, lieber "der, der auszog", hattest ja direkt ne Meinung und ein komplett verzerrtes, vorgefertigtes Bild zu diesem Artikel hier, seiner vermeintlichen Entstehung und vermeintlichen Intention, was hätte dir da gebracht, die Fakten zu prüfen?

    Kurz gesagt: Weder habe ich initiiert, dass mein Posting aus dem Jahre 2014 hier veröffentlicht wird, noch hatte ich mit der Auswahl des hier veröffentlichten Fotos zu tun. Ich bin mit beidem einverstanden, weil ich hoffe, dass der ein oder andere Mensch hierdurch eine alternative Sichtweise auf die Thematik vermittelt bekommt und weil ich wie beschrieben verstehe, dass Artikel häufig mit Fotos veröffentlicht werden, wobei ein thematisch passendes Foto durchaus Sinn macht.

    Übrigens gehöre ich seit über 20 Jahren der Gothic-Subkultur an (Infos siehe z.B. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Gothic_(Kultur) ), sodass mein Kleidungsstil schlicht in diesem Zusammenhang zu sehen ist. Dass die auf dem Foto abgebildete Kleidung von dir, lieber "der, der auszog", in den Kontext "Sex & Crime" gerückt wird, halte ich für an den Haaren herbeigezogen – wie so einige deiner teils recht frei assoziierten Gedankenketten… Persönliche Angriffe wie negativ konnotierte Kommentare zu meiner auf dem Foto abgebildeten Kleidung oder abwertende Standardaussagen wie "Hast du das echt nötig?" sind in meinen Augen ein Zeichen von Frustabbau und eigener Schwäche, denn sachliche Kritik zu einem Inhalt sieht anders aus.

    Es tut mir Leid, dass du vor 10 Jahren für dich negative Erfahrungen innerhalb der BDSM-Szene gemacht hast, die auch an einigen Stellen in deinen Äußerungen durchscheinen. Deine persönlich gefärbte Sicht auf diese Thematik mag der Grund dafür sein, dass du dich in dieser Form äußerst. Vielleicht recherchierst du einfach in Zukunft in Ruhe, bevor du direkt aufgeregt Vorwürfe in einen Kommentar verpackst, die sich bei objektiver Prüfung als falsch herausstellen.

    Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich bereits Ende 2012 von der BDSM-Community in den USA mitbekam, in welcher Form "Shades of Grey" zum vermehrten Auftauchen durch diese Romane leider fälschlich inspirierter Personen bei Stammtischen und Partys führte, die mit der Diskrepanz zwischen Roman und Realität große Schweirgkeiten hatten. Dieses Phänomen schwappte parallel zur Verbreitung dieser Bücher im deutschsprachigen Raum auch nach u.A. Deutschland über und entsprechende Berichte häuften sich auch innerhalb der deutschen BDSM-Community – ich kann da speziell für die jüngere BDSM-Community im Sinne der SMJG sprechen. Meine Äußerungen sind also eine *Reaktion* auf tatsächlich durch die Romane ausgelöste Phänomene.

    So weit, ich habe leider nur begrenzt Zeit, um mich in dieser Form in Diskussionen zu begeben und hoffe, hiermit eine relevante Ergänzung zu den Hintergründen dieses Artikels geliefert zu haben.

  • #22
    abraxasrgb

    Davbub
    Your kink is not my kink but it is ok : YKINMKBIOK
    Du gerierst Dich auch nicht als "Beauftragter" einer Szene, die sich Sub-Kultur(sic!) dünkt, aber mittlerweile Hausfrauen-Mainstream geworden ist … dank SOG 😉

    YKINMKBIOK ist eine gängige Abkürzung in der internationalen SM und Fetisch Szene, die besagt, dass erotische Präferenzen (nur) persönlich sind. Wenn man sie nicht mag, hat das nichts mit den beteiligten Personen / Gruppen zu tun. Es gibt zu viele Präferenzen, die kann man unmöglich alle gut finden. Damit man die größtmögliche Bandbreite innerhalb eine Sub-Kultur miteinander friedlich umgehen lassen kann, sollte man von "Igitt", "Böse" "ungesund" etc. absehen. Mehr sagt die Abkürzung nicht aus, aber eben auch nicht weniger. Es gibt / gab eine Fraktion, die sich an der ICD-10 Klassifikation als deviantem Verhalten stört / störte und eine, der es völlig egal ist, was andere denken / machen.
    Dieses morlainsaure, dies ist böse, davor muss ich dich / euch warnen, ist für mich nur ein Über-Ich Gehabe. Alles schön Regelkonform und normiert. Im negativen Sinne, eben typisch deutsch 😉

    Ähnlich, wie YMMV, Your mileage may vary (übertragen: "Deine Meinung mag eine andere sein" …).

    Am Ende wird Erotik moralisiert, was ich – pardon – völlig abstrus finde. Das geht nur die beteiligten Personen etwas an … YMMV 😉

  • #23
    Bianca

    So ein toller und tiefgründiger Artikel, und es regen sich welche über Satzzeichenfehler auf???? lol, ich würd ja jetzt sagen chron. Unterv… , aber nee, lassen wir das ^^ Ich hab weder ein Buch gelesen noch einen Film gesehen, allein die Tatsache das Frauen in den Wechseljahren und Teens drauf abfahren schreckt mich massivst ab 😛

  • #24
    ClassicMistress

    Im Großen und Ganzen stimme ich Ihnen völlig zu. Allerdings halte ich BDSM nicht für etwas, das bierernst praktiziert werden muss, aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es möglich ist, die Spiele – natürlich OHNE Alkohol, korrekt – sehr heiter und gelöst zu spielen.

    Nicht einverstanden bin ich aber mit dem Satz "Du wirst dafür gelobt, „wie viel du aushältst“ und wie besonders toll es daher mit dir ist. ", der unter der Überschrift "Wie erkennt man nun einen ungesunder Dom? ! (es müsste korrekt "ungesunden Dom" heißen, aber wegen der Grammatik kommentiere ich hier nicht vorrangig). 🙂

    Ich kann eine sub (männliche subs inklusive), mit der ich vorher genau durchgesprochen habe, was sie will und wo ihreTabus liegen, an ihre Grenzen bringen. Spricht sie dann das Safeword, ist Schluss. Will sie- auf Nachfrage und nach einer Pause – mehr, dann herzlich gern, und dann ist natürlich so ein Lob auch angebracht – am Ende des Spiels und in Zusammenhang mit beruhigenden Zärtlichkeiten (Streicheln, Küsse). Dann wird daraus eine positive, bestätigende Erfahrung.

  • #25
    Magister_Regenz

    Es gibt eben einen kleinen aber feinen unterschied zwischen animalischem sadismus und edler dominanz.

    weder film noch buch scheinen dies vermitteln zu wollen, vielmehr verschmilzen die grenzen da die hauptperson ja kultiviert und gentleman like wirkt.
    mit BDSM hat das wirklich kaum etwas zu tun ich bin ebenfalls der meinung das es die szene in ein negatives licht rückt aber deswegen kein aufriss nötig ist.

    die szene weiß wie es wirklich ist und die anderen glauben an das was in der BILD steht.

  • #26
    der, der auszog

    @Lydia Beneke (#21)

    Bevor wir uns falsch verstehen: ich habe weder mit Deinem Kleidungsstil, noch mit Deinem Buch ein Problem (Zitat aus #14 „Dagegen ist nichts einzuwenden, denn wer wie sein Geld verdient, sollte eigentlich egal sein.“) Sowohl meine Frau, die als Vormund in der Jugendpflege arbeitet, als auch ihre älteste Tochter, die sich als Psychologin gerade auf ihre Approbation zur Psychotherapeutin (PP) vorbereitet, sind bekennende Benecke-Fans, weshalb sich in unserer Hausbibliothek Bücher von beiden Benekes befinden.

    Wie Werbung funktioniert wird man Psychologen nicht erklären müssen. Daher müsste es für Dich zumindest nachvollziehbar sein, wenn man als Leser einen Zusammenhang zwischen den Informationen, die in dem Foto transportiert werden und den Informationen, die der Text vermittelt, herstellt: Empfehlung für Sadisten von Lydia Beneke, Warnung vor FSOG von Erika Leonard.
    Ich halte das nach wie vor für schlechten Stil, kann allerdings deinen Ausführungen in #21insoweit folgen, dass nicht du dafür verantwortlich bist.

    Johannes

  • #27
    der, der auszog

    Um aufzuzeigen, dass man Fifty Shades Of Grey auch völlig anders als Lydia Beneke erzählen und interpretieren kann, möchte ich gerne folgenden Text, der aber nicht von mir stammt, einbringen:

    „Der 600-Seiten-Roman ist weder pornografisch noch eine Propagandaschrift für Sadomaso-Praktiken und weibliche Unterwerfung – er ist schlicht ein Liebesmärchen.

    … Der Traumprinz liebt seine Wachgeküsste ebenso wie sie ihn. Er ist ritterlich, fürsorglich und ein fantastischer Liebhaber – solange er es nicht übertreibt. Doch genau das will er. Er will mit ihr seine dunkle Seite ausleben. Die ist – das erfahren wir früh – Resultat seiner schweren Kindheit. Und die verliebte Frau ist bereit, den Mann zu retten. Wie gewohnt.

    Also lässt sie sich ein Stück auf seine Fantasien ein. Sie macht mit und entdeckt zu ihrem Erschrecken, dass manches auch ihr Spaß macht. Doch bevor es echt ernst wird, geht sie. Die trotz ihrer Naivität keineswegs schwache Literaturstudentin verlässt den strahlenden Multimillionär, der ganz nebenher auch noch Gutes in Afrika tut. Sie unterwirft sich ihm letztendlich eben nicht! Und genau das macht wohl die Faszination der Millionen Leserinnen aus: Das Spiel mit dem Feuer, das sie selber löschen können.“

    aus: Alice Schwarzer: „Wie masochistisch sind Frauen?“ veröffentlicht auf ihrer Homepage am 13. Juli 2012)

    @abraxasrgb (#19)

    Eso es. Man muss schon selber einen am Paddle (zu deutsch: Klatsche) haben, um von BDSMlern – egal ob mit oder ohne Paddle – ernst genommen zu werden. Und auch nur dann verstehen diese Leute Spaß. Im Endeffekt aber verhält es sich mit ihnen ähnlich, wie mit einer Packung Tofuwürstchen: nach außen soll der Eindruck vermittelt werden, dass es sich um Fleisch handelt, unter der Pelle steckt aber nichts anderes als Bohnenquark.

    …was nicht ausschliesst, dass auch Fleischersatzprodukte verderben können.

    falls wer Belege braucht:

    hier gehts zum Paddle:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Paddle_(Spanking)

    hier gehts zu Schwarzer:
    http://www.aliceschwarzer.de/artikel/wie-masochistisch-sind-frauen-154421

  • #28
    J.M.

    In welchen Momenten (Plural!) sagt sie das Safeword und er macht dennoch weiter?

    Schade, dass ein solcher Artikel offenbar nötig ist. Das Ganze ist Fiktion, eigentlich sollte jedem klar sein, dass die Realität anders aussieht.
    Ich hab noch keine Erfahrungen im BDSM-Bereich gemacht, habe das auch nicht vor und mag die Bücher sowie Filme dennoch und bin auch nicht davon ausgegangen, dass die klassische BDSM-Beziehung so abläuft.

    Die Bücher und Filme sind ziemlich gehyped, also erreichen sehr viele Menschen. Und da sind auch genug dabei, die die Realität eben nicht von der Fiktion auseinanderhalten können. Das konnte die Autorin auch nicht wissen. Aber deswegen hat ein solcher Artikel auch seine Daseinsberechtigung.
    Er regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

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