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NRW CDU zur Stinktier-Kampagne: „…der größte Unsinn, den ich je gesehen habe.“

Julika Lendvai, Sprecherin der NRW CDU

Die Stinktier-Kampagne der Sinziger Agentur Friedsam und Gemein gegen Hannelore Kraft erhitzt die Gemüter. Laut Handelsblatt postete die Agenur heute: „„Dies ist eine Aktion, die komplett ehrenamtlich läuft. Das machen wir mit unseren Mittel, weil wir eine Werbeagentur sind. Es gibt keinen Auftraggeber.“ Blöd für Friedsam und Gemein: Auch umsonst will die NRW CDU nichts mit dem Laden zu tun haben. Und überlegt, die Anwälte einzuschalten.

Ruhrbarone: Von der pro Röttgen-Kampagne der Agentur Friedsam und Gemein auf Facebook sind sie nicht begeistert.

Julika Lendvai: Absolut nicht. Das ist der größte Unsinn den ich je gesehen habe. Weder die CDU Nordrhein-Westfalen, die Junge Union noch Norbert Röttgen haben damit etwas zu tun. Die NRW-CDU distanziert sich ausdrücklich von dieser Kampagne.

Ruhrbarone: Die Agentur Friedsam und Gemein sagt, es wäre eine private Initiative.

Lendvai: Wir freuen uns, wenn Bürger Norbert Röttgen unterstützen wollen. Aber diese Aktion ist so niveaulos, dass sie uns schadet, weil sie den Anschein erweckt, die NRW-CDU hätte etwas damit zu tun. Wir sind in Gesprächen mit unserem Justiziar, ob wir juristisch dagegen vorgehen können. Aber die Aussichten sind eher schlecht – weder der Name CDU noch unser Logo wurde verwendet.

Ruhrbarone: Hinter der Aktion steht eine Agentur aus Sinzig.

Lendvai: Wir kennen diese Agentur nicht, haben denen auch noch nie einen Auftrag gegeben. Und wenn ich mir anschaue, was die fabriziert haben, können sie es sich auch künftig ersparen, uns anzusprechen.

Ruhrbarone: Ein Kunde der Agentur ist die Bundes CDU.

Lendvai: Ich weiß nicht was diese Agentur für die Bundes-CDU gemacht hat, aber auf keinen Fall etwas, das so geschmacklos ist, wie diese Facebook-Kampagne. NRW wird schlecht regiert, ist überschuldet und verliert den Anschluss an die anderen Bundesländer. SPD und Grüne haben gezeigt, dass sie es nicht können. Wenn das noch fünf Jahre so weitergehen würde, läge NRW am Boden. Es wäre schlicht und ergreifend pleite. Das sind die Themen über die wir im Wahlkampf reden wollen. Und dazu brauchen wir weder Stinktiere noch niveaulose Aktionen aus Sinzig.

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26 Kommentare zu “NRW CDU zur Stinktier-Kampagne: „…der größte Unsinn, den ich je gesehen habe.“

  • #1
    Mao aus Duisburg

    Die CDU ist also unschuldig. Aha. Immerhin hat es 24 Stunden gedauert, bis sich die CDU zu einer inhaltlichen Distanzierung durchgerungen hat. Wenn man nix damit zu tun hat, geht so was schneller. Und noch etwas: Es ist ja, glaube ich, nicht das erste Mal, dass die CDU-NRW solche „ehrenamtlichen Helfer‘ hat. Schon untet Rent-a-Minsterpraesident Ruettgers rutschte die CDU ja in einen solchen Geachmaeckle-Sumpf der verdeckten parteispenden oder?

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mao: Das es so lange gedauert hat lag an mir, nicht an der CDU. Frau Lendvai hatte mehrmals vergeblich versucht mich zu erreichen. Hätte es geklappt, wäre dieser Text schon gestern Abend erschienen.

  • #3
    Mao aus Duisburg

    Diese ehrliche Antwort ehrt dich – relativiert aber das Imageproblem der CDU nicht. Gerade mit Blick auf die vergangenen Skandaelchen und Affaerchen von Ruettgers, Berger & Wuest….. Und das NRW schlecht regiert wird, kann man bei Zustimmung zu Kraft wohl kaum vor diesem Hintergrund glaubhaft vertreten – oder kann sich auch nur einer an eine inhaltliche Glanzleistung von CDU und FDP erinnern. Und dabei meine ich nicht die Aktion „Abendsonne“, in der Ruettgers und Co gut 90 CDUlern sehr gut dotierte Vertraege als Landesbedienstete besorgt haben soll, wie die Medien berichteten…..

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mao: Die Zustimmung zu Kraft sagt nichts über die Qualität ihrer Arbeit aus. Johannes Rau war auch beliebt und fiel vor allem durch Skatspielen und Nichstun auf. Die Grünen warben 1990 im Landtagswahlkampf auch mit einem Hund der auf einem Sessel eingeschlafen war. Der Slogan damals: „NRW braucht Bewegung!“

  • #5
    Mao aus Duisburg

    Guter Slogan…. 🙂

    Aber was faellt Dir denn an glanzvoller Programmatik unter Ruettgers ein – offenbar nicht so viel ( und jetzt komm mir nicht mit dem liberalen nichtraucherschutzgesetz)….

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mao: Abgesehen von einem guten Nichtraucherschutz fuhren FDP und CDU vor der Krise 2008 auch die Schulden herunter, der Ladenschluss wurde liberalisiert, der RVR bekam das Planungsrecht zurück, Einkaufszentren auf der Grünen Wiese wurden verboten und Projekte wie Datteln 4 und die CO-Pipeline konnten angegangen werden.

  • Pingback: Vielleicht hat Norbert Lammert doch recht

  • #8
    Ulrich

    Das ganze erinnert an den Wahlkampf in den USA. Dort ist es mittlerweile üblich geworden dass angeblich „unabhängige Stimmen“ hetzen was das Zeug hält, die Parteien und ihre Kandidaten waschen während dessen die Hände in Unschuld.

  • #9
    Helmut Junge

    @Ulrich (8),
    Nur dass so was in den USA direkt einer von zwei Parteien nützt.
    Hier bei uns gibt es aber eine so große Auswahl an konkurrierenden Parteien,
    dass selten der Emittent solcher Hetze daraus profitiert. Weil das also nichts bringt, glaube ich auch nicht, dass es so gemeint sein muß.
    Schlechte TV- Serien werden oft gerne gesehen. Ganz selten geschieht es aber, dass die Grenze der Geschmacklosigkeit so weit überschritten wird, dass alle entsetzt sind.
    Möglich ist, das Ding ist vielleicht einfach nur mißglückt. Überzogen.
    Dann will es meist keiner gewesen sein.

  • #10
    Paul

    Laut Handelsblatt hat die Kampagne ja nun doch mit der CDU zu tun:

    „Ex-Merkel-Sprecher steckt hinter Schmutzkampagne

    (…) [Franz-Josef Gemein] war stellvertretender Bundessprecher der CDU von 2000 bis 2002. Gemein ist auch heute noch Mitglied der CDU, bestätigte er Handelsblatt Online (…)“

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/nrw-wahl-2012/wahlkampfaffaere-ex-merkel-sprecher-steckt-hinter-schmutzkampagne/6448854.html

  • #11
    Mao aus Duisburg

    #6: Auweia. Stefan! Jetzt wird die virtuelle Verdrehung der Tatsachen aber haarsträubend – den Schwarzbau Datteln 4 als große Leistung der CDU/FDP-Regierung zu feiern, ist schon völlig daneben. Die Co-Pipeline zu rechtfertigen, die völlig an der Bevölkerung vorbei geplant und durchgedrückt wurde, und bei denen das Gericht erst kürzlich gravierende Umsetzungsdefizite festgestellt hat, ist doch echt irre. Es ist bezeichnend, das selbst die CDU und die FDP diese großartigen politischen Leistungen dezent verschweigen……

  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Paul: Der Mann war viir 10 Jahren Merkels Sprecher. Damals war Bionade noch kein Schimpfwort sonder ein Getränk.

  • #13
    der, der auszog

    @Julika Lendvai

    Im obigen Artikel behaupten Sie folgendes:

    „Wir kennen diese Agentur nicht, haben denen auch noch nie einen Auftrag gegeben.“

    wen meinen Sie mit „wir“?

    Gehen Sie doch mal bitte auf diesen Link:
    http://www.friedsam-gemein.de/de/aktuelles/zwei-werbeprofis-bundeln-kompetenzen.html

    Dort können Sie im untersten Abschnitt folgendes lesen:

    „Er (Franz-Josef Gemein) blickt zudem auf eine rund 15 jährige Erfahrung als Bundespressesprecher für unterschiedliche Institutionen und Verbände zurück. Unter anderem arbeitete er als stellvertretender Sprecher der CDU Deutschlands und ihrer Vorsitzenden Angela Merkel sowie als Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Hessischen Sozialministerium.“

    Wollen Sie, als Sprecherin der NRW-CDU wirklich behaupten, dass Sie die ehemaligen CDU Sprecher des NRW-Nachbarlandes Hessen und der Bundes-CDU nicht kennen???

  • #14
    Jan

    Ich bin kein Grafiker … aber zumindest bei den Texten ist die Kampagne gnadenlos plump! Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei der NRW-CDU irgendjemand so etwas abgenickt haben könnte, was in seiner gesamten Machart ja eher absehbar absenderverunglimpfend ist!
    Ich kann mir vorstellen, dass die Agentur sich hier einfach mal bei der CDU ins Gespräch bringen wollte, und man hier hoffte, dass eine erfolgreiche virale Kampagne Aufträge aus dem Partei generiert. Die Partei kann aber nichts dafür, dass eine Agentur hier einen solchen Plan hatte.

    Die Kampagne ist eher ein Fall eines peinlichen Sympathisanten, wie ihn jeder Politiker hat, als einer deutschen Variante eines SuperPACs …

  • #15
    Sven

    Die CDU setzt offenbar alles daran die SPD zur absoluten Mehrheit der Mandate zu treiben und sie scheint bei der Strategie verdammt erfolgreich zu sein.

  • #16
  • #17
    68er

    Die Verbindung: Merkel – Gemein – Röttgen lässt ja die spannendsten Spekulationen zu.

    Wenn die NRW-CDU nicht hinter der Kampagne steckt, wer könnte sonst noch so gemein sein, Herrn Röttgen diese Kampagne anzutun?

  • #18
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  • #21
    der, der auszog

    @Klaus

    dasselbe dachte ich auch, als ich das Foto oben sah. Und dann fiel mir spontan Silvana Koch-Mehrin ein. Die sah auch immer recht gut aus… 😎

  • Pingback: Pottblog

  • #23
    Paul

    Es gibt inzwischen ein grosses Medienecho zur „Stinktier-Affäre“, und sogar die Werber berichten – schwer beeindruckend, wie Kritik-resistent Herr Gemein ist, siehe den letzten Absatz:

    http://www.wuv.de/nachrichten/agenturen/cdu_aetzt_gegen_gemein_kampagne_der_groesste_unsinn

    „CDU ätzt gegen Gemein-Kampagne: ‘Der größte Unsinn’

    W&V – Werben & Verkaufen · 29.03.2012 · Agenturen · Artikel

    Er hat es gut gemeint, der Herr Gemein. Mit seiner Facebook-Initiative „Weniger Kraft“ wollte der Wiesbadener Werber der CDU und ihrem Spitzenkandidat Norbert Röttgen im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen unter die Arme greifen – ungefragt und unentgeltlich. Aber der Schuss ging nach hinten los. Die Sprecherin der CDU in NRW, Julika Lendvai, macht gegenüber den Bloggern von Ruhrbarone.de deutlich: „Das ist der größte Unsinn, den ich je gesehen habe.“

    Kein Wunder, denn die Sprüche wirken in der Tat platt (…)

    Dass Gemein die Seite vom Netz nimmt, ist eher unwahrscheinlich. Auf Facebook gibt er sich kämpferisch: „Einschüchterungsversuche gehören offenbar zum Repertoire der Gegenseite“ heißt es da. Auch die Tatsache, dass die Partei, die er eigentlich unterstützen will, nur die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, kümmert ihn offenbar wenig. In einem Kommentar auf „Weniger Kraft“ kraftmeiert er: „Wir machen weiter.“

  • #24
    der, der auszog

    Selbst wenn die NRW-CDU Schaden aus der Stinktieraffäre ziehen sollte, hat es Franz-Josef Gemein auf jeden Fall geschafft, für das eigene Unternehmen zu werben. Die Welt, Stern, Handelsblatt, WAZ… selbst Zeitungen in der Bayrischen Provinz, wie der Donaukurrier, berichten über diese Schmuddelaktion. Negativwerbung für die CDU bedeutet ja nicht gleichzeitig Negativwerbung für die Agentur Friedsam & Gemein.

    Was mich wundert ist die öffentliche Zurückhaltung von Norbert Röttgen zu dem Thema, denn scheinbar spricht, oder besser: schreibt ja ganz Deutschland über diese Werbeaktion. Und selbst wenn die CDU juristisch machtlos ist, weil weder ihr Name noch ihr Logo benutzt wurde: Der Name Röttgen steht auf jeden Fall auf den Werbetafeln.

    Sorry, wenn ich die Frage stelle, aber: Was ist das nur für ein Kandidat auf das Ministerpräsidentenamt, der sich soetwas bieten lässt? Wie will Röttgen das größte Bundesland regieren, wenn er noch nicht einmal die CDU nahen Werbeagenturen im Griff hat und diese – aus welchen Gründen auch immer – mit seinem Namen machen können, was sie wollen?

  • #25
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