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Grüner und Antisemitismus: Ulf Dunkel Dokumentation von Tobias Raff

Ulf Dunkel Foto: Grüne Cloppenburg

Ulf Dunkel Foto: Grüne Cloppenburg

Der niedersächsische  Landtagskandidat der Grünen, Ulf Dunkel, hat erklärt sein Landtagsmandat nicht anzunehmen, für den Fall, dass er in den Landtag einzieht. Vorangegangen war eine heftige Debatte über Gedichte Dunkels zur Beschneidungsdebatte, in der er Juden und Muslime unter anderem als “Arschlöcher” bezeichnet hat. Dunkel hat sich zudem für sein Gedicht  entschuldigt.

Sein Kreisverband, die Grünen aus Cloppenburg, stehen hinter Dunkel und bedauern, dass die Landespartei nicht solidarisch mit ihm war:

Wir nehmen mit großem Bedauern zur Kenntnis, dass der Niedersächsische Landesvorstand trotz intensiver Gespräche keine Möglichkeit gesehen hat, sich hinter unseren Kandidaten zu stellen. Nicht akzeptabel ist für uns allerdings, dass der eigene Verband Dunkel „Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus” in einem Schreiben an die Süddeutsche Zeitung, das dem Kreisvorstand vorliegt, unterstellt. Als Kreisvorstand protestieren wir darüber hinaus gegen die Ankündigung, “weitere rechtliche Schritte” in “enger Zusammenarbeit mit dem Bundesvorstand” zu prüfen.

Das es bei den Antisemitismusvorwürfen gegen Dunkel nicht nur um die beiden Gedichte ging und dass die Cloppenburger Grünen offenbar des Lesens unkundig sind, geht  aus einer Dokumentation des Journalisten und Bloggers Tobias Raff hervor.

Tobias belegt mit zahlreichen Zitaten, dass die Cloppenburger Grünen gut daran täten, sich von Dunkel zu distanzieren. Kostprobe gefällig?

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Die deutsche Schuld in Anführungszeichen zu setzen sollte auch bei Grünen in Cloppenburg zum Nachdenken führen, aber wahrscheinlich wäre es für Dunkel problematischer, wenn er sich für den Autobahnausbau einsetzen würde.

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12 Kommentare zu „Grüner und Antisemitismus: Ulf Dunkel Dokumentation von Tobias Raff

  • #1
  • #2
    sol1

    Was ist an diesem Posting schlimm?

    Ulf Dunkel reagierte hier lediglich auf die aberwitzige Hetze, mit der Vertreter des Judentums eine gesetzliche Erlaubnis der Zwangsbeschneidung eingefordert haben.

    Eins von unzähligen Beispielen:

    Der orthodoxe Berliner Rabbiner Yitshak Ehrenberg hielt einen Brief des Staatsanwaltes hoch, den er wegen seines Bekenntnisses zur Beschneidung bekommen habe. „Wir machen weiter. Das ist der Grund für die Strafanzeige“, so Ehrenberg. „Ich werde es noch einmal sagen: Wir machen weiter.“ Im Publikum erntete er mit der Entschlossenheit Applaus.

    Vorschläge, auf die Beschneidung von älteren Säuglingen zu verzichten, um sie zu einem späteren Zeitpunkt selbst über den Eingriff entscheiden zu lassen, wies Ehrenberg energisch zurück: Das widerspräche der Tradition des Judentums und sei „aus Religionssicht noch schlimmer als physische Vernichtung“.

    http://www.taz.de/!101300/

  • #3
    Puck

    @Soli1

    Darf man mal fragen, wo in dem von Ihnen genannten Beispiel die vollmundig angekündigte “aberwitzige Hetze” versteckt sein soll?

    Kann es sein, daß Sie ein wenig projizieren?

  • #4
    Puck

    Die Reaktion der Cloppenburger Grünen ist typisch: Statt sich mal zu fragen, wen sie da in ihrer Mitte haben stehen sie in Nibelungentreue zu Dunkel.

    Da gibt es diverse Möglichkeiten:
    a) sie haben es tatsächlich nicht gewußt und sind jetzt bestrebt, die Sache herunter zu spielen nach dem Motto: Ist doch alles halb so schlimm, sowas kann einem doch schonmal “rausrutschen” und in 3 Monaten spricht sowieso keiner mehr drüber. Dann hätten die Grünen in Cloppenburg allerdings ein ernsthaftes Kommunikationsproblem und der Verdacht liegt nahe, daß alle weitgehend unabhängig voneinander vor sich hin pröddeln und die Zugehörigkeit zu dieser Partei eher dem Wunsch nach Karriere als irgendwelcher Überzeugung entspricht.
    b) sie haben es gewußt und teilen seine Ansichten, weshalb sie (Angriff ist die beste Verteidigung!) mit dem Finger auf die böse Bundespartei zeigen – was allerdings ein bißchen so klingt wie der alte Witz über den Autofahrer, der im Radio die Warnung vor einem Geisterfahrer hört und ruft: EINER? DAS SIND DOCH HUNDERTE!
    c) Die Grünen in Cloppenburg sind der irrigen Meinung, ein Grüner könnte sozusagen von Natur aus gar kein Antisemit sein, weil Antisemiten nämlich RECHTS sind – weshalb sich, das nur nebenbei, diese Fehleinschätzung auch hartnäckig in linken Kreisen hält.

  • Pingback: Vorhaut-Poet Ulf Dunkel und die Neue Völkische Erbauungslyrik |

  • #6
    philmus

    Nein, er hat “sich” nicht “entschuldigt”, sondern um Entschuldigung gebeten, wie es guter Stil fordert. Weniger guter Stil ist es, Religionskritik als “Antisemitismus” zu diskreditieren und auch nach wiederholter Distanzierung von etwaigen antisemitischen Konnotationen seiner emotional aufgeladenen Äußerungen darauf zu beharren, daß der Mann doch nun auch unbedingt Antisemit sein MUSS.

  • #7
    Stefan Laurin Autor

    @philmus: Stil ist Dunkels Sache mit Sicherheit nicht: http://www.ruhrbarone.de/ulf-dunkel-dokumentation/ Es ging in der Kritik an Dunkel auch nie um die von ihm angeblich geübte Religionskritik, sondern um antisemitische, rassistische und beleidigende Äusserungen. Aber klar, so einer wie Dunkel muss ja immer Opfer und darf nie Verantwortlicher sein.

  • #8
    Klaus

    @#6 Die Bitte um Entschuldigung galt lediglich “insoweit” für den, seines Erachtens falschen, Eindruck, den er hinterlassen habe. Das dreisterweise Entschuldigung zu nennen, ist schon ein Euphemismus. Er hat nicht verstanden und erst recht nicht eingesehen, wie seine Texte (nicht nur das Gedicht) von Antisemitismus triefen und von Hass erfüllt waren.

  • #9
    Puck

    @philmus

    Nur mal so gefragt: Haben Sie sich das “Gedicht” mal durchgelesen?

    Es geht hier nicht um Stilfragen. Wenn der Stil nur unterirdisch wäre, würds ja keinen interessieren. Unterirdische Gedichte gibts zuhauf.
    Aber er unterstellt, daß Moslems und Juden aus lauter Lust an der Machtausübung gegenüber Wehrlosen beschneiden, also Kinderquäler wären, das ist keine Religionskritik sondern Hetze.
    Herr Dunkel ist Politiker, und als solcher hat er das Gedicht veröffentlicht. Ein Politiker ist sich bewußt, daß seine Worte von den Medien kritisch abgewogen werden – es handelt sich nicht um ein “Gedicht”, das Dunkel als 15-jähriger im Überschwang der Gefühle verfaßt hätte und das jetzt gemeinerweise an die Öffentlichkeit gezerrt wurde!

    Die ganze Affaire folgt einem beliebten Muster:
    Phase 1:
    Man haut ein unmögliches Statement raus (mal sehen, wie weit man so gehen kann!). Wenns was mit Juden oder Moslems (oder Amis!) ist, kann man sich sicher sein, daß es Beifall gibt…
    Phase 2:
    Natürlich haben auch einige was zu nörgeln, da rudert man halt zurück: War alles ein Mißverständnis! Die zumindest teilweise Einsichtigen beteuern, daß sie sich halt ein bißchen blöd ausgedrück haben, Experten wie Herr Dunkel gehen subtiler vor: Es tut ihnen leid, daß ihr Statement andere beleidigt hat, was selbstverständlich nicht die Absicht war – mit anderen Worten, es tut ihm leid, daß die anderen nur zu blöd waren, ihn zu verstehen; was genau genommen, keine Entschuldigung, sondern eine Unverschämtheit ist. Aber es gibt enervierende Zeitgenossen, die das merken. Spätestens dann, Tusch! wird es Zeit für
    Phase 3:
    Wenn das auch nicht klappt, faselt man was von “Hexenjagd” und spielt die beleidigte Leberwurst.

  • #10
    Puck

    @Klaus

    Jetzt verlangen Sie aber ein bißchen viel: Daß ein Antisemit sich tatsächlich als solcher erkennt! Wann hats das denn schonmal gegeben?

    Noch der krudeste Mist galt Antisemiten noch immer als gesicherte Erkenntnis, die man ja wohl noch sagen darf – ob mit letzter Tinte oder bewiesen anhand irgendwelcher “Protokolle”!

    Das ist das gefährliche an Vorurteilen: Daß man selbst sie immer als gesicherte Erkenntnisse wahrnimmt.

    Das Internet ist da einerseits ein Instrument der Aufklärung, aber leider gleichzeitig auch eins der Verdummung – wie seinerzeit auch die Erfindung des Buchdruckes, nur das Internet beschleunigt die Dinge.
    Antisemitismus, Aberglaube und Verschwörungstheorien ( und Antisemitismus ist weitgehend eine Verschwörungsstheorie) haben schon immer davon gelebt, daß die Protagonisten fleißig voneinander abgeschrieben und sich anschließend aufeinander berufen haben: wenn so viele Leute das Gleiche schreiben, muß ja wohl was dran sein…

  • #11
    Till Benz

    Zur Klarstellung:
    Täter sind hier die, die sich unter Verletzung der wichtigsten Menschenrechte an Kindern vergehen.
    Staatsfeinde sind jene, die drohen Gesetze und Verfassung des Staates missachten zu wollen, wo diese ihren Vorstellungen widersprechen.

    Und statt das anzuklagen meinen einige hier, sich auf jemand stürzen zu müssen
    der nichts anderes gemacht hat als seine berechtigte, maßlose Entrüstung darüber in falschen Worten (!) zu äußern – und sich dafür entschuldigt hat.

    Das muss man wohl nicht verstehen.

  • #12
    Sebastian Wiemann

    Auch wenn’s ein bißchen spät ist: Hier scheint ja die übliche Antisemitismus-Paranoia am Werk zu sein, die doch sehr possierlich ist. Ich habe Ulf Dunkels Gedichte gelesen und auch einen satirischen Artikel über den damit verbundenen “Skandal” geschrieben. Die Gedichte gehen völlig in Ordnung und sind das, was man in unserer pseudoreligiösen Zeit braucht, in der man jeden Schwachsinn mit dem Begriff der religiösen Tradition oder Empfindung zu verteidigen sucht.

    Man muß wohl vermuten, daß dieses Blog eher nicht links bzw. konservativ eingestellt ist. Dann klappt’s natürlich nicht so gut mit der Religionskritik. :) Es ist übrigens rein gar nichts gegen Religiosität einzuwenden, wohl aber gegen religiösen Fundamentalismus.

    Aber er unterstellt, daß Moslems und Juden aus lauter Lust an der Machtausübung gegenüber Wehrlosen beschneiden, also Kinderquäler wären, das ist keine Religionskritik sondern Hetze.

    Sehr naiv, mein Jungchen. Aus welchen Motiven schlagen denn Eltern ihre Kinder? Weil sie mit dieser Machtausübung und Opferdelegation ihre eigenen traumatischen Kindheitserfahrungen weiterhin verdrängen können.

    Aus genau denselben Gründen legitimieren Generationen von Juden und Moslems das Beschneidungsritual. Es ist sehr schmerzhaft, einen Irrtum einzugestehen, dem man selbst zum Opfer gefallen ist.

    PS: “Deutsche Schuld” kann man übrigens tatsächlich in Anführungsstrichen schreiben, wenn dieser Begriff nur noch hohl ist und für diverse Zwecke mißbraucht wird. :)

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