3 FÜR 7 – (Sexy) Essen-Special

jingo-de-lunchHouellebecq ist doof bzw. ein übler Selbstdarsteller. Man kann es nämlich alles auch kürzer und einfacher sagen. Z.B.: Natürlich glauben die Leute nicht nur was ihnen passt, sondern sie glauben auch Leuten gern, die sie z.B. ganz stumpf sexy finden (wollen). Daher all die schicken Moderations-Nichtpersonen bei TV & Co., aber das gilt selbstredend auch für die Trendpostillen, Blogs, etc. – bei denen zur Newsproduktion auch immer ein gehöriges Maß an Sich-selbst-Produzieren dazugehört. Deshalb stolziert auch jede Wasserstandsmeldung neuerdings daher, als wolle sie als letztes aus einem Container raus oder sonst einen Contest gewinnen. Wie blasiert! Themen: Tanz, Jingo de Lunch, eine Kunstakademie.

Die sublimierte Erotik des Tanzes: Das ist ja immer ein wenig heikel. Wo früher Söhne und Töchter aus nicht unreichem Hause zum Erbauen älterer Mitglieder der Gemeinde ein adrettes Ballett auf die Bühne brachten, sind mittlerweile ein wenig mehr Autoerotik und Verkopftheit eingezogen. Die Beziehung zwischen Dramaturgen bzw. Lehrern und Tänzern ist weniger offen autoritär, dafür müssen die Zuschauer nun auch verstärkt im Grunde Untanzbares getanzt sehen – fast wie ja denn nach Auschwitz doch eben genau mehr denn je Gedichte und Lieder geschrieben werden als je zuvor. Wilde Zusammenhänge hier: Massenmord, Erotik, 68er! Na, macht das an? Jedenfalls ist am Freitag Großtanztag in Essen: Im Rahmen der Biennale Tanzausbildung und darüber hinaus Mary Wigman und Gerhard Bohner bei PACT Zollverein.

Der derbe Charme von Kreuzberg-Rockern: Uh, yeah!!! Ausgezogen aus der Klein- oder Großstadt dahin, wo mitten in Deutschland total selbstbestimmtes Leben erkämpft werden soll – wie romantisch! Und dazu gehört dann auch „auf die Fresse“, „zünd an“ und „Rock!“, na klar! Oder gleich da geboren sein, wo Traditionen, wenn auch nicht sehr alte, so hoch gehandelt werden wie sonst nur in bayerischen Dörfern. Süßes, schmutziges, muskelbepacktes Alternativ-Berlin: hat was (für manche). Pomade und Tattoos, Jeans und Leder, Gitarre und Rumspucken sind da natürlich nur ein ähem Ausfluss des Ganzen, und natürlich finden sich in benachbarten Arealen leicht andere Appeals. Aber bei Jingo de Lunch (übersetzt: Typ aus Essen; Foto: Promo) in der Zeche Carl wird doch wohl deutlich, worum es geht: Rock’n’Roll wird erst dann sterben, wenn New York und Berlin endlich dicht gemacht sind. Bis dahin also schnell noch solche Konzerte gucken! (Interview mit der Support-Band Die Zelten! hier.)

Selbstverwirklichung an der Akademie: Ja, hurra! Freie Künste sind etwas Feines, sozusagen der Ursprung der modernen Ich-AG-Produktion: Es wird an sich und am eigenen Stil und schließlich der Verwertbarkeit von Image und Schöpfung gearbeitet, bis entweder davon gelebt werden kann – oder über andere geschrieben werden muss. Das ist natürlich bei allen äh Wissenschaften so, bei Bildender Kunst gibt es jenseits des Herbeizitierzwangs irgendwelcher „Vorbilder“ und „Inspirationen“ aber kaum irgendwelche Hemmnisse, einfach ganz in Leben und Werk aufzugehen. Zum Glück sind manche Künstler/innen sozusagen schizophrenie-fähig, sonst gäbe es nur noch Fulltime-Künstler auf der Welt, ganz Image, ganz unerschütterlich – und wenn was passiert da draußen: Schnell in Kunst und Aufmerksamkeit für eineN selbst umwandeln! Ts. Was war? Ach ja: Der Rundgang 2010 bei der Freien Akademie der bildenden Künste. Für Leute, die sich ganz zwanglos für die Kunst anderer Leute interessieren.
Nächste Woche: Was das alles mit dem sogenannten Kapitalismus zu tun hat und welche Formen von Währungen es sonst noch so geben könnte. (Mal sehen.)

Tanz am Freitag.
Jingo de Lunch am Donnerstag.
Rundgang bei der FAdbK ab Freitag.

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