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Armin Laschet hat begonnen, die Energiediskussion der Zukunft zu führen

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (Foto: Land NRW / Ralph Sondermann)

Bei den Themen Energie und Klima beschworen alle Parteien Deutschlands Zukunft als grünes Bullerbü, in dem der Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen kommt. Nur Armin Laschet kritisierte die deutsche Provinzialität und begann, die Tür zu einer Debatte über die Stromversorgung der Zukunft aufzustoßen.

Im Wahlkampf lief die Debatte unter den demokratischen Parteien um Zukunft der Energieversorgung in Deutschland unter dem Titel „Four Shades of Green“. Egal ob CDU, SPD, Grüne oder FDP: Alle beteuern, dass Deutschland, eines der nach wie vor größten und vom Export abhängigen Industrieländer in mehr oder weniger naher Zukunft seine Energie ausschließlich aus erneuerbaren Energien beziehen wird. Diese deutsche Provinzialität wird sich das Land nicht lange leisten können: Steigende Strompreise und Blackouts werden dafür sorgen, dass in absehbarer Zeit über die Energieversorgung neu diskutiert werden muss. In den vergangenen Jahrzehnten ist es Milliarden Menschen, vor allem in Asien gelungen, sich aus der Armut zu befreien. Weiter Milliarden, viele davon in Afrika, sind haben sich aufgemacht ihnen zu folgen. Die Grundlage von Fortschritt und Wohlstand ist jedoch preiswerte und sicher verfügbare Energie.  Und damit wird das Thema Kernenergie wieder auf die Tagesordnung kommen. Weltweit wird an ihrer Weiterentwicklung geforscht. In wenigen Jahren könnten neue Reaktortypen auf den Markt kommen, die das Zeug haben, die Energieversorgung der Menschheit zu revolutionieren.

– China erprobt Thoriumreaktoren und strebt die Marktreife ab 2030 an.

– Rolls Royce entwickelt in Großbritannien Mini-Reaktoren die in Serie gebaut werden können.

– Terrapower, die Nuklearfirma von Bill Gates, plant einen Reaktor in Wyoming

– In Kanada wird ebenfalls an Kleinreaktoren gearbeitet.

Auch bei der Kernfusion wurden in den vergangenen Monaten große Fortschritte erzielt:

– Der Bau des europäischen Kernfusionsreaktors ITER schreitet voran.

– Das MIT hat die Tür zur kommerziellen Nutzung der Kernfusion geöffnet.

– China hat bewiesen, dass die laserinduzierter Fusion möglich ist.

Innerhalb der Europäischen Union setzen Länder wie die Niederlanden, Frankreich, Polen oder Tschechien auf Kernkraft.

Das alles spielte im Bundestagswahlkampf keine Rolle. Nur Armin Laschet öffnete zaghaft die Tür zu einer Debatte über Kernkraft. Mehrmals wies er darauf hin, dass es ein Fehler ist, zuerst die Kernkraftwerke, die kein CO2 ausstoßen, abzustellen und dann erst aus Steinkohle, Braunkohle und Gas auszusteigen. Ein logischer Gedanke, der von Olaf Scholz und Annalena Baerbock als Politik der 80er Jahre zurückgewiesen wurde. Dabei sind es Scholz und Baerbock, die dem ewigen Mantra der reaktionären deutschen Umweltbewegung folgen, die von Spendenkonzernen wie Greenpeace, BUND und der Deutsche Umwelthilfe bestimmt werden, die wirtschaftlich darauf angewiesen sind, an ihren seit Jahrzehnten verbreiteten Dogmen festzuhalten. Ein Kurswechsel hin zur Kernenergie dürfte sich auf den Spendenkonten unangenehm auswirken.

In ein paar Jahren könnte Armin Laschet als derjenige gelten, der die Debatte um die Kernenergie begonnen hat. Im Wahlkampf hat er gezeigt, dass er den Mut dazu hat. Zumindest ein wenig. Nicht die schlechteste Eigenschaft für einen Kanzler.

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15 Kommentare zu “Armin Laschet hat begonnen, die Energiediskussion der Zukunft zu führen

  • #1
    sneaking_beauty

    Da sind jetzt natürlich sehr selektiv Maßnahmen genannt, die der Atomlobby in den Kram passen. Im Gegenzug könnten wir die zahlreichen Dinge aufzählen, die in Sachen Wind- und Solarenergie in anderen Ländern schon durchgeführt wurden oder die noch ambitionierten geplanten Projekte z.B. in Marokko. Von der öffentlichen Förderung des ÖPNV in anderen europäischen Ländern will ich gar nicht erst anfangen…

    Von den Blackouts lese ich nun schon seit 2011 oder gar seit den frühen Noughties. Fakt ist, dass bisher keines dieser Szenarien eingetreten ist.

    In stimme ja zu, dass man weiter an der Kernfusion arbeiten soll, aber warum so krampfhaft an einer veralteten Technologie aus den 1940er Jahren festhalten, bei der zudem das Problem der Endlagerung weiterhin nicht gelöst ist? Das ist viel reaktionärer.

    (Mit 20 Prozent wird man wohl selbst in dieser Bundestagswahl nicht Kanzler)

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @sneaking_beauty: Es gibt in Deutschland keine Atomlobby mehr. Dafür in den Medien omnipräsente grüne Spendenkonzerne. Egal, der Strom wird teurer, die Versorgung unsicherer – wir werden sehen, was passiert.

  • #3
    Helmut Junge

    Klar Stefan, erst wenn ein Politike mit dem Rücken an der Wand steht, spricht er über ein wichtiges Thema, daß ihm aber eigentlich überhaupt nicht liegt. Die anderen Politiker sind noch nicht so weit.
    Im Parlament fehlen einfach die Ingenieure und Naturwissenschaftler.
    Darum reden sie auch nur über Schlagworte, die sie kennen, aber niemals konkret.

    https://www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/mdb_zahlen_19/Berufe-529492

  • #4
    paule t.

    Naja, "die Zukunft" wird hier in Spezialbedeutungen verwendet:

    a) eine Technologie, die keineswegs irgendwie neu ist, aber noch nie ohne massive Subventionen ausgekommen ist (entweder durch riesige Anschubfinanzierung oder durch massive Auslagerung von Kosten) und seit Jahrzehnten daran scheitert, ihre grundlegenden Probleme zu lösen

    b) leichte Veränderung eben dieser Technologie, die an den Grundproblemen nichts ändern;

    c) noch in der Entwicklung befindliche Technologien, die noch so weit von der Einsatzreife entfernt sind, dass unklar ist, ob sie überhaupt je einen relevanten Beitrag leisten können, das aber keinesfalls in der nahen Zukunft können, in der wir es brauchen würden.

    "Zukunft" ist hier also nichts als ein inhaltsleeres Buzzword, das dazu dient, nur ja nicht über eine stärkere Hinwendung zu den bereits vorhandenen, in den letzten Jahren massiv gewachsenen und immer günstiger werdenden Alternativen zu sprechen.

    Und nebenbei lässt der aufrechte Demokrat natürlich keine Gelegenheit aus, von Bürgern auch finanziell getragene NGOs zu diffamieren; denn wokommenwirdenndahin, wenn jede dahergelaufene Meinung aus der Gesellschaft mit Geld ausgestattet wird und nicht nur die Gruppen, die die Wirtschaftsoligarchie vertreten?

  • #5
    Dinos sterben niemals aus!

    "wir werden sehen, was passiert"

    ich weiss es: Stefan Laurin wird weiter Werbung für Uralt-Industrie machen, Kernenergie nur eine davon. Stefan Laurin ist ein echter Dino. Und darauf ist er stolz!

  • #6
    DAVBUB

    #1, sneaking_beauty: "Fakt ist, dass bisher keines dieser Szenarien eingetreten ist."
    Das ist m.M. nach so nicht ganz richtig. Zwar gab es bislang keinen flächendeckenden Blackout, den die Bevölkerung wahrgenommen hätte. Es kommt aber zu extrem kurzzeitigen Stromausfällen wg. Flaute oder bedecktem Himmel oder beidem gleichzeitig. Dann werden Großverbraucher -Aluminiumproduzenten oder Walzwerke- abgeschaltet, damit die Bevölkerung nicht beeinträchtigt wird (und das nicht zur Kenntnis nimmt?).
    https://www.saurugg.net/2019/blog/stromversorgung/zunehmend-mehr-instabilitaeten-im-europaeischen-verbundsystem
    Immerhin war die Kohle trotz Abschaltung mehrerer Kraftwerke im ersten Halbjahr des laufenden Jahres stärkster Energieproduzent in D. Bei der Vorrangigkeit der Einspeisung von "grüner" Energie schon interessant. Sollte der Verkauf von E-PKW, U-Elektronik und smarter Technik weiterhin solche Steigerungsraten wie in den vergangenen anderthalb Jahren zeigen, wird es eng. Dann wird das grüne Auto mit importierter Kernenergie aus Frankreich betrieben.
    "…aber warum so krampfhaft an einer veralteten Technologie aus den 1940er Jahren festhalten, bei der zudem das Problem der Endlagerung weiterhin nicht gelöst ist?"
    Die ebenfalls aus dieser Zeit stammende Thorium-Technologie produziert Abfälle, die m.W. nach ca. nach einhundert Jahren abgeklungen sein werden. Zudem wird in diesem Bereich viel Forschungsarbeit -nur nicht in D- geleistet, so daß z.B. evtl. sogar aus den Castorbehältern Energie gewonnen werden kann und gleichzeitig die Lagerzeit verkürzt wird. Technische Probleme sollten technisch gelöst werden, nicht politisch.

  • #7
    Angelika, die usw.

    @Stefan Laurin
    Aber an "…das Problem der Endlagerung weiterhin…" (s. Kommentar 1) ist was dran, oder?

  • #8
    Bochumer

    Was der Autor wohl gesagt hätte, wenn wir vor 20 Jahren aus der Kohle ausgestiegen wären… das nicht getan zu haben, hat Luschet ja gestern als Fehler bezeichnet.

    Ach so… Wo soll das Endlager hin?

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Dinos sterben niemals aus!: Folgen sie mal den Links. Nichts daran ist Ural-Industrie. Aber bleiben sie ruhig grün und dumm.

  • #10
    paule t.

    Wenn ich den Links bzgl. Fusionsenergie folge, lese ich, dass ein Forschungsreaktor, auf dem ein kommerzieller Reaktor vielleicht irgendwann mal aufbauen könnte, gemächlich weitergebaut wird; dass es bezüglich eines essentiellen Bauteils Fortschritte in der Forschung gibt, die es immerhin zumindest theoretisch ermöglichen, dass so ein Reaktor tatsächlich netto Energie erzeugt; was bei einem anderen Forschungsergebnis zwar noch nicht der Fall ist, man es aber möglicherweise geschafft hat, die notwendige Kettenreaktion in Gang zu setzen.

    Aber klar, die Leute, die meinen, dass das zwar vielleicht ganz nette Ergebnisse sind (die vielleicht irgendwann mal Energieerzeugung ermöglichen könnten), diese aber bei der aktuell notwendigen Reduzierung von CO2-Emissionen nicht so richtig weiterhelfen, sind "dumm". Ja. Das kann als Zusammenfassung des Niveaus mal so stehen bleiben.

  • #11
    Helmut Junge

    @paule t., nennen wir duch mal eine Zahl. Sie glauben ja offensichtlich, daß die von den Grünen geplanten Maßnahmen wirken werden. Hat da jemals jemand gesagt, bis wann das Ziel erreicht sein wird? Wenn nicht, warum nehmen Sie dann an, daß heutige Forschung zu spät kommen würde? Kommt Ihnen dieser Gdankengang nicht auch merkwürdig vor?
    2050 könnten Fusionsreaktoren Strom liefern.
    Also als Zahl nehme ich jetzt 2050. Ist das CO2-Problem über den Verzicht auf Energie bis dahin gelöst?. Da können Sie ruhig googeln. Finden Sie eine Angabe zur Zeitdaue bis zur Lösung des CO2-Problems., Von Berechnungen wagen ich garnicht zu reden.
    Aber Sie wundern Sie sich über lange Forschungszeiten und sagen, daß die nichts zur Lösung beitragen? Und dann schmollen Sie stellvertretend für @5, der von Laurin eine Diagnose samt angedeutetem Therapievorschlag bekam, weil er Laurin einen Dino nannte?
    Wenn jemand berechnen kann, daß das CO2-Problem innerhalb 30 Jahren, allein durch Verzicht gelöst werden kann, soll er oder Sie das berechnen und allen zeigen. Aber dageht es um reinen Glauben.. Ich habe 2050 gewählt, weil die Chinesen behaupten, daß sie bis 2050 eine "großangelegte kommerzielle Verwndung von Fusionsenergie" erreicht zu haben.
    Den link finden Sie hier:
    http://german.cri.cn/china/china_heute/3255/20210114/604097.html
    Ob die das hinkriegen. Das weiß ich nicht. Aber die haben das Ziel.
    Haben wir solch ein Ziel?
    Nein, der Bau von Iter ist verschleppt und verhindert worden. Und raten Sie mal von wem?
    Ja richtig! Von den Grünen. Lesen Sie mal:
    https://www.abgeordnetenwatch.de/bundestag/17/abstimmungen/austritt-aus-der-kernfusion-iter
    Die Grünen haben sogar im Bundestag einen Antrag gestellt, Iter das Geld zu entziehen. Glücklicherweise hat der keine Mehrheit gefunden. Der obige Link zeigt sogar das Abstimmungsergebnis nach fraktionen. Und jetzt kommen grüne wie Sie und sagen, daß sich da auf dem Gebiet nichts tut? Und schmollen sogar stellvertretend, weil Laurin so grob ist. Aber Ihre Reaktion ist defensiv und längst nicht mehr so offensiv wie 2011 während des Antrags auf Stillegung. Das ist ja schon was.

  • #12
    paule t.

    Herr Junge, wieder einmal kann ich meine Position in dem, was Sie dazu sagen, fast nicht wiedererkennen. Nein, auch die von den Grünen vorgeschlagenen Maßnahmen werden nicht reichen. Allerdings gehen diese immerhin merklich in die richtige Richtung (und übrigens keineswegs nur mit "Verzicht", wie sie fälschlich behaupten).

    Stattdessen kommen Innovationsverweigerer wie Laurin mit Dingen um die Ecke, die teils Uralt-Technologien mit immer noch ungelösten Problemen sind und teils Science-Fiction-Ideen, bei denen sie ganz stolz sind, dass sie nach neuesten Erkenntissen immerhin theoretisch mal Energie liefern könnten – wobei völlig unklar ist, wann das tatsächlich der Fall sein könnte (wie kommen Sie auf 2050? MW ist das bestenfalls die optimistische Einschätzung der Befürworter).
    Und all das bloß, um sich der weiteren Implementierung der tatsächlich vorhandenen, bereits funktionierenden und sich immer weiter verbessernden Alternativen verweigern zu können.

  • #13
    Helmut Junge

    @Paule t. Eine Innovation ist eine Neuerung. Das kann eine neue Technologie sein. Der Thoriumreaktor ist eine neue Technologie, die als Idee zwar alt ist, aber bisher noch nie verwirklicht werden konnte.
    Es hat vom Schneider von Ulm bis zu dem ersten Motorflug der Brüder Wright etwas 400 Jahre gedauert. Aber heute kann der Mensch fliegen. Entscheidend dafür war die Erfindung eines Motors.
    Was beim Thoriumreaktor bisher gefehlt hat, weiß ich nicht genau. Offenbar gabe es kein Material, das das heiße flüssige Salz lange genug aushielt. Wenn die chinesen ein derartigen Reaktor in Serie bauen wollen, müssen sie dieses Problem gelöst haben. Dann hat es gute 70 Jahre von der Idee bis zur Marktreife gedauert. So ist das eben mit Ihrem Schience Fiction. Dahinter steckt oft harte, jahrzehntelange Forschungsarbeit. Und 70 Jahre erscheinen kurz, wenn man daran denkt, was dabei herauskommen kann. Der Thoriumreaktor unterscheidet sich nämlich von den bisherigen Kernreaktoren durch viele wichtige Dinge. Er kann klein gebaut werden, Die stromerzeugenden Turbinen sind größer als der Reaktor. Und der kann nicht "hochgehen", weil die radioaktiven Elemente in einer heißen Salzlösung vorliegen. Wenn der Behälter durch Korrosion reißt, kühlt das Salz ab und wird fest. Es gibt also keinen Dampfaustritt. Das erstarrte Salz kann wiederverwendet werden. Und ein thoriumreaktor kann nicht zur Erzeugung von Atomwaffen verwendet werden.
    Thoriumreaktor abfall hat kürzere Halbwertszeiten als Uranabfälle. Das Endlagerproblem ist also griffiger. Mich wundert es nicht, wenn solche Reaktoren bald in großen Stückzahlen gebaut werden, passen sie doch in ein Einfamilienhaus. China will bis 2060 klimaneutral sein und wird dort als Übergang bis zur Verwirklichung der Fusionsreaktoren angesehen und auch eingesetzt werden.
    Dieser Idee folgen auch GB, die USA und Kanada, die Laurin oben erwähnt.
    Das abzutun als "Uralt-Technologien" ist ziemlich technologiefern, weil es in -China bereits 2030, also in 9 Jahren den ersten kommerziellen Thoriumreaktor geben soll.

  • #14
  • #15
    Der Sofa-Hunne

    Ach Michael, bist du jetzt der Gesprächsabbruchtroll der@Paule?
    Das wäre schade, weil ich erstmals lese, dass im Ausland an Möglichkeiten geforscht wird, die notwendige Energie auch ohne CO2-Erzeugung zu gewinnen. Das wäre doch was.

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