Auch bei KI erweist sich die Energiewende als Totengräber

Hendrik Wüst, CDU (Foto: Roland W. Waniek)

Während die traditionellen Industrien sterben, ist Deutschland als Standort nicht bereit für Zukunftstechnologien.

Im Februar zitierte das Handelsblatt den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten mit der selbstbewussten Aussage: „NRW ist schon heute der KI-Hotspot in der Welt.“ Klingt gut, ist aber vollkommener Unsinn: Zwar hat mit DeepL ein weltweit wichtiges KI-Unternehmen seinen Sitz in NRW, aber von den KI-Start-ups mit dem größten Wachstumspotenzial stammt keines aus NRW. Nordrhein-Westfalen stellt zwar fast ein Viertel der Bevölkerung der Bundesrepublik, liegt bei KI-Unternehmensgründungen aber deutlich unter diesem Anteil, wie die FAZ schreibt: „Auf Bundesländerebene liegen Berlin (30 Prozent aller KI-Start-ups) und Bayern (25 Prozent) vorne, gefolgt von Baden-Württemberg (zwölf Prozent), NRW (zehn Prozent), Hamburg (acht Prozent) und Hessen (sechs Prozent).“ Weltweiter Hotspot? Es reicht nicht einmal für einen deutschen Hotspot.

Aber nicht nur Nordrhein-Westfalen, auch die Bundesrepublik und Europa haben längst den Anschluss verloren. Die EU will mit 20 Milliarden Euro bis zu fünf „KI-Gigafactories“ fördern. Jede soll mit 100.000 Chips von Nvidia arbeiten. Klingt viel, war es auch noch vor zwei Jahren, ist aber schon heute nur noch Mittelmaß und in drei Jahren, wenn theoretisch die ersten dieser Rechenzentren an den Start gehen könnten, ein Witz: Nvidia und OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, haben angekündigt, Rechenzentren mit Millionen Chips und einer Leistung von 10 Gigawatt zu bauen – dafür braucht es mehr als zehn Großkraftwerke. OpenAI baut mit Oracle in Texas ein Rechenzentrum mit 400.000 Nvidia-Chips. Meta, der Konzern hinter Facebook, plant ein Rechenzentrum von der Größe Manhattans. In Texas entsteht ein weiterer Park an Rechenzentren mit einer Leistung von elf Gigawatt. In Deutschland mit seiner fragilen und teuren Stromversorgung und seinem bis an den Anschlag belasteten Stromnetz sind Projekte in dieser Dimension undenkbar. Westnetz, dem größten Verteilnetzbetreiber Deutschlands, liegen für NRW, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen Anfragen von Rechenzentren in Höhe von rund 10 GW vor. „Reicht die vorhandene Netzkapazität nicht aus“, schreibt Westnetz auf Anfrage, „muss das Netz ertüchtigt oder ausgebaut werden. Hier können langwierige Genehmigungsverfahren erforderlich werden: Allein der Prozess von der Beantragung bis zur Inbetriebnahme einer Hochspannungsfreileitung kann acht bis zwölf Jahre dauern.“

Und auch zwischen Köln und Aachen, wo Künstliche Intelligenz nach Willen der schwarz-grünen nordrhein-westfälischen Landesregierung die Braunkohle als wichtigste Branche ablösen soll, ist es eng: 14 Rechenzentren haben einen Anschluss an das Netz von RheinNetz beantragt. Aber das ist nicht alles: „Neben den genannten Rechenzentren haben wir tatsächlich auch Anfragen von Batteriespeichern und Industrieprojekten in dieser Größenordnung.“ Sollte an einem Standort die angefragte Leistung nicht zur Verfügung stehen, plant das Unternehmen den Ausbau des Netzes. „Dieser wirkt sich allerdings negativ auf die Realisierungszeiten aus.“

Zu spät, zu klein, zu langsam: Nach 50 Jahren Dauerpropaganda gegen neue Technologien, einer ruinösen Energiewende, die zu hohen Stromkosten und mittlerweile auch mittelfristig unsicherer Versorgung geführt hat, spielt Deutschland in dem globalen KI-Rennen keine Rolle mehr. Selbst die Bewerbung um einen der Standorte für eine „KI-Gigafactory“ lief chaotisch. Zwar hatten CDU und SPD im Koalitionsvertrag angekündigt: „Wir stärken den Rechenzentrumsstandort Deutschland als Leuchtturm Europas, indem wir Cluster sowie regionale und dezentrale Ansiedlungen unterstützen. Wir holen mindestens eine der europäischen ,AI-Gigafactories‘ nach Deutschland“, aber wie viele andere Versprechen der Bundesregierung ist es nicht das Papier wert, auf dem der Koalitionsvertrag gedruckt wurde.

Während die traditionellen Industrien sterben, ist Deutschland als Standort nicht bereit für Zukunftstechnologien. Die Energiewende nach Grünen-Art und vor allem der Ausstieg aus der Kernkraft erweisen sich ein weiteres Mal als Totengräber der wirtschaftlichen Entwicklung dieses Landes.

 

Mehr zu dem Thema:

Deutschland bremst sich aus – warum der KI-Standort an den Netzen scheitert

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hase12
4 Monate zuvor

Was mich jedes Mal aufs Neue wundert ist, dass vielen Leuten gar nicht auffällt und klar zu scheinen scheint, dass die Energiewende, insbesondere der Ausstieg aus der Kernenergie verfassungswidrig ist. Man führe sich dazu nur Artikel 20 Absatz 1 Grundgesetz vor Augen: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ Da eine soziale Energiepolitik bedeutet die effizienteste Energieform(en) überhaupt zu verwenden, bedeutet dies, dass die Kernenergie als Einzige in Frage kommt, weil die Kernenergie bezüglich der Energieeffizienz unschlagbar ist. Denn je höher die Effizienz eines Energieträgers ist, desto geringer ist der Strompreis für den daraus erzeugten Strom (Wirtschaftsgrundwissen – sollte man in der Schule lernen bzw. gelernt haben!)! Dass dies vielen Politikern nicht auffällt, lässt nur einen einzigen Schluss zu: Hier handelt es sich um einen massiven Fachkräftemangel! Was wiederum zur allgemeinen Situation in Deutschland nur allzu gut passt!

paule t.
paule t.
4 Monate zuvor

@ hase12:
Das Märchen von der „billigen Kernenergie“ in immer neuen Worten zu wiederholen, macht es nicht wahrer. Kernenergie ist sehr teuer, wie man bei allen europäischen Neubauten und Planungen sehen kann – die kommen ohne erhebliche Subventionen, deutlich über den aktuell noch nötigen Zusicherungen für erneuerbare, nicht aus. Der französische Rechnungshof weiß schon sehr genau, warum er von den Kernkraft-Plänen der französischen Regierung massiv abrät.

Die billigste Engergieversorgung sind derzeit die erneuerbaren Energien, weswegen die in den letzten Jahren auch ein beispielloses Wachstum hingelegt haben. Photovoltaik bauen Firmen und Proivatleute derzeit nicht wegen Einspeisevergütungen (die man nur noch als Sicherheit braucht, damit der Strom an Tagen mit hohem Angebot nicht verschenkt werden muss), sondern einfach weil es sich lohnt, den eigenen PV-Strom zu nutzen, statt Strom aus dem Netz zu kaufen.

Und genauso wie zuvor die Preise für PV-Technik massiv gefallen sind, geschieht es aktuell mit denen Energispeichertechniken. Damit werden sich zügig auch die aktuellen Probleme der erneuerbaren lösen lassen. Leider sind Skeptiker moderner Techniken wie die Wirtschaftsministerin oder auch der Autor dieses Artikels demgegenüber aus ideologischen Gründen verschlossen.

Wolfram Obermanns
Wolfram Obermanns
4 Monate zuvor

Keins der großen Rechenzentren steht in der Knüste. Vielmehr sind Standorte mit Direktanschluss an ein Kraftwerk gesucht.
Das Thema Netzausbau mit KI zu verknüpfen ist nur beim deutschen Sonderweg alles auf regenerative Energien zu setzen sinnvoll.
Speziell bei der Entstehung eines neuen Industriezweigs mit enormen Energiehunger stellt sich die Frage nach der schnellen Projektierung grundlastfähiger Kraftwerke mit hoher Leistung. Das macht im Ausland Kernkraft für die KI- Unternehmen interessant. Welches Interesse diese Unternehmen an D entwickeln sollen, wird man grundsätzlicher beantworten müssen.

Ob Tif-Chips eine Lösung des Problems sein können, dürfte wie alles andere davon abhängig sein, ob die hiesige Verwaltung wieder funktional wird.

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