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Auf die Dürre folgt die Depression

 

Nermina Kukic im Rottstr5-Theater. Foto: Rottstr5-Theater

Manchmal ist die persönliche Quengelei im Universellen verortbar. Heute Abend feiert The Waste Land, das Ulysses der Lyrik, von T. S. Eliot im Bochumer Rottstr5-Theater Premiere. Nermina Kukic bringt das Jahrhundertgedicht mit musikalischer Ergänzung von Ingmar Kurenbach auf die Bühne. Es wird rhythmisch und poetisch. Dazu kommen starke sprachliche Bilder, emotionale Apokalypse und berstendes Leid.

„April is the cruelest month“, lautete die berühmte Anfangszeile. „April ist der grausamste Monat“. Fünf Jahre lang las Kukic The Waste Land jedes Jahr im April. Irgendwann war klar, dass Kukic Das Wüste Land auf die Bühne bringen wollte. Arne Nobel, der Intendant der Rottstr5, gibt der ambitionierten Schauspielerin in seinem Theater die Gelegenheit dazu. Mit diesem Gedicht hat sich Eliot von der Seele geschrieben, was tatsächliche Dürre und Depression ihm angetan haben. Er ist wütend und benennt, was ihm widerfahren ist. Seine 433 Verse bieten reichlich Raum für Identifikation. Denn es sind dieselben alten Geschichten, die von immer neuen Menschen erlebt werden.

So etwas wie Liebe, Tradition und Glauben gibt es im wüsten Land von Eliots zeitloser Allegorie nicht. Angereichert mit zahlreichen literarischen Verweisen und intertextuellen Anspielungen auf Shakespeare, Wagner oder die Bibel schildert Eliot seine Perspektive auf eine fragmentierte moderne Welt – ein Haufen zerbrochener Bilder. Zwischen den Versen sprießen poetische Wortschöpfungen und ausdrucksstarke Naturbeschreibungen. Mythisches und Alltägliches finden Eingang in Eliots Kritik zeitgenössischer Kultur. Es markiert den Versuch, eine undurchschaubar gewordene Welt wieder mit Sinn auszustatten. Das vermag nur eine wirkliche Begegnung. The WasteLand ist ein Meilenstein der englischsprachigen Lyrik des 20. Jahrhunderts und gilt als Schlüsselwerk der literarischen Moderne.

Kukic wuchs in Wuppertal auf, studierte zunächst Anglistik und Philosophie und legte dann ein Schauspielstudium in Bochum nach. Neben zahlreichen Theaterengagements wurde sie auch durch ihre Zeit bei der Vorabendserie Marienhof bekannt. Kurenbach steuert Kukics Rezitation Hinweismelodien bei.

Die Premiere findet heute am 5. Mai um 19.30 Uhr im Bochumer Rottstr5-Theater statt. Die zweite (und zunächst letzte) Aufführung wird am Sonntag, den 8. Mai gezeigt.

 

 

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