Hat die deutsche Parteien-Demokratie ausgesorgt?

Alexas Fotos: Mädchen – gemeinfrei

Seit Jahren fehlt mir etwas in der Politik, nicht Pauschalierungen, ob ‚links‘, ‚rechts‘ oder ‚die Mitte‘, von solchen Worten gibt es durchaus genug. Mich ärgert, dass keine der Parteien die Bürger des Landes im Blick hat, allenfalls die jeweilige Parteibasis, und diese bröckelt.

Oskar Niedermayer  hatte die personelle Zusammensetzungen der Parteien statistisch analysiert, besonders mit Bezug auf den Zeitraum seit 1990. Zur Veröffentlichung kamen die Daten zunächst in der Zeitschrift für Parlamentsfragen (Heft 2/2016). Inzwischen liegt online eine aktualisierte Version vor, die 2017 im Arbeitsheft Nr. 27 des Otto-Stammer-Zentrums publiziert wurde.

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Die unausgesprochene Einladung auf einen Kaffee im Nebel – Eine Anekdote

gestalt – gemeinfrei

Bereits heute kann ein Wissenschaftler, ein Philosoph oder ein Poet kaum noch mit Durchschnittsmenschen sprechen, allenfalls plaudern, im Tonfall der Umgangssprache, des mühevoll eingeschränkten oder gar abgelegten gesellschaftlichen Sammelsuriums, falls dies erforderlich ist, jedoch nicht darüber, womit er sich beschäftigt, allenfalls über den Kaffee und den Kuchen, die in einem Café serviert werden, sei es auch inmitten eines Nebels.

Die traditionelle Bildung hat versagt, ja, ich wage zu behaupten, dass Bildung erst mit dem Abschluss eines Masters beginnen könnte. Alles bis dahin Erreichte wäre lediglich Kindergarten …

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Warum ist ein sprachliches Engagement relevant? – Eine Anekdote

animal – gemeinfrei

Sprache, auch die deutsche, ist lediglich eine Sammlung von Worten und Regeln, zudem keine abgeschlossene, sondern eine offene. Der Duden präsentiert sich auch als soziales Sammlungswerk, unter Einbezug seiner Geschichte, die im 19. Jahrhundert begann. Die internen Unterscheidungen in hohe und niedrige Formen, in starke und schwache, haben nichts mit Sprache, sondern mit sozialen Rängen zu tun, die auf die Herkunft und Praxis nach sozialen Gruppen unterteilt sind. Diese Ordnung der deutschen Sprache, die jeweils einer Milieu-Ordnung entsprang und weiterhin entspringt, orientiert sich am jeweiligen Gebrauch. Eine Sprachwissenschaft bzw. Sprachphilosophie lässt sich aber auf einer Milieu-Ordnung nicht aufbauen. Bestenfalls wäre eine Germanistik eine Sozialwissenschaft, von staatlicher Seite sogar eine normative.

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Kulturlos, würdelos, aber bis an die Zähne bewaffnet – eine Anekdote

special forces – gemeinfrei

Engine Hedda, die humanoide Mitabeiterin im einst entstandenen AutorenVerlag, schnappte vor kurzem Diskussionen im sprachanalytischen Forum auf, dem Gesprächskreis der Autorinnen und Autoren, und nutzte sie für ein Video, das im von ihr betreuten Youtube-Channel erschien. Sie charakterisierte uns mit den Worten: „Kulturlos, würdelos, aber bis an die Zähne bewaffnet“.
In anderen Verlagen würde eine solche Einschätzung vermutlich als Beleidigung aufgefasst und zu heftigen Protesten führen. Uns erklang die Formulierung wie eine prosaische Entblößung der gesamten Menschheit.

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Die städtische Fernleihe – eine Ankedote

Neubau des Duisburger Stadtfensters (der Stadbibliothek) – Foto: Reinhard Matern

Die Universitätsbibliothek war ein verlässlicher Partner im Studium gewesen; dies änderte sich jedoch im Laufe der formellen Abschlussprüfungen. Relativ viel der inzwischen erforderlichen Literatur war nicht vorrätig. Und eine Fernleihe konnte nicht bewältigt werden, nicht in der Zeit, die mir jeweils vorgegeben war. Allein bis zur Bearbeitung eines konkreten Antrages hätte es mindestens drei Wochen gedauert.

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Das studentische Leben – eine Anekdote

students – gemeinfrei

Am Tisch der Wohnküche, mit Blick auf einen vergammelten Schulhof und auf ein uraltes Gebäude, entstand eines Morgens in mir die Idee einer anarchisch philosophischen Universität, abseits der staatlichen Versorgungsstätte für Hochschullehrer. Forschung zu betreiben, war den meisten Lehrern vermutlich unbekannt. Sogar die Seminarveranstaltungen wiederholten sich über die Semester regelmäßig. Selbstverständlich blieb die Idee ein Traum, aber ein wirklicher.
Dass ich gemeinsam mit anderen Interessierten nach dem Studium das sprachanalytische Forum gründen würde, eine philosophische Forschungseinrichtung, war mir noch unbekannt, aber der Impuls dazu resultierte aus der Erfahrung mangelnder Neugierde unter Lehrenden und dem Wunsch, diesem groben Missstand etwas entgegenzusetzen.

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Eine Parallelwelt der Oper – eine Anekdote

Opernhaus -gemeinfrei

Der inzwischen erlangte Stress veranlasste mich, bei der studentisch organisierten Veranstaltungsplanung kürzer zu treten und eine Bleibe in Duisburg zu suchen. Die Universität präsentierte sich den Studierenden zwar als Fahruni, der Einzugsbereich umfasste den Niederrhein, das Ruhrgebiet und reichte hinab bis in das Sauerland und die Eifel, doch eine Nähe zur Bibliothek war mir wünschenswert. Die Öffnungszeiten reichten bis in die späten Abendstunden. Die Abhängigkeit von PKW und Fahrzeiten, zudem vom Elternhaus samt der dortigen sozialen Gepflogenheiten ließ mich ein Zimmer in einem Studentenwohnheim anmieten, in einer Sechser-WG, die sich über zwei Etagen erstreckte. Um das Zimmer aber finanzieren zu können, benötigte ich einen Job.

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Ein arrogant vollführter Pinselstrich – eine Anekdote

books – gemeinfrei

Je mehr ich mich in meine Studien verbohrte, mit ungezählten Stunden in der Uni-Bibliothek und mit der Erarbeitung von zahllosen Konzepten, unter anderem auch für Seminarveranstaltungen, die ich unter Studenten für Studenten mitausrichtete, wurde ich gesellschaftlich kaum noch ertragbar. Ein wichtiges Element gesellschaftlichen Lebens, das seichte Geplauder, war mir stets schwer gefallen, nun zeitlich nicht mehr zu vollführen. Auch meine Sprache änderte sich. Gesellschaftlich üblich war ein Geplapper. Ein Denken zu behandeln, von wem auch immer, obwohl nur Sprache zugänglich war, galt mir – und gilt mir weiterhin – als ein verfehlter Übergriff.

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Die Wahrheit, und wie sie mir zerfiel – eine Anekdote

puzzle -gemeinfrei

Anekdoten könnten mit Wahrheit nicht einmal etwas aus der Ferne zu tun haben, auch dann nicht, falls es Wahrheit geben würde, zumindest der logischen Möglichkeit nach. Anders in den Wissenschaften: Gleich im ersten meiner Duisburger Semester, im Analysekurs „Formen des Wissens“, einer Seminar-Veranstaltung, die ehemalige Schüler auf die wissenschaftliche Arbeit vorbereiten sollte, stieß ich in einer der Fußnoten eines erörterten Textes auf den Verweis zu Tarskis semantischer Wahrheitstheorie. Es erstaunte mich, wie relativ direkt ich an der Duisburg Uni zu einer wissenschaftlich zentralen Sache gelangen konnte. Ich entschloss mich, dem Verweis zu folgen, zeitlich bis in die Weihnachtsferien hinein.
Natürlich war zu diesem Engagement eine Eigeninitiative erforderlich, und eine Wissbegierde, die besonders nach der leidigen Erfahrung rationaler Esoterik in mir hemmungslos war. Diese emotionale Komponente wird bildungspraktisch häufig unterschätzt. Der junge Mann gierte nach Wissen!

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Das Ende der Menschheit – Eine Anekdote

city – gemeinfrei

Nach meiner unverständigen Kenntnisnahme der universitären Wirtschaftsesoterik hatte ich den Eindruck gewonnen, alles verloren zu haben. Was lag näher, als das Ende der Menschheit anzukündigen? Zum Glück sorgten gesellschaftliche Diskussionen über us-amerikanische Nachrüstungen in der BRD für ein geeignetes Umfeld. Ich schloss mich auf Bitten eines ehemaligen Schulfreundes einer Gruppe von jungen Erwachsenen an, die unter groben Säcken, mittelalterlichen Mönchen ähnlich, das Ende von allem heraufbeschwörte. Mit Besen- und Schrubberstilen in den Händen zogen wir lärmend durchs herbstlich düstere Zentrum der Heimatstadt.

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