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Dortmund: Autonomes Zentrum statt Museumsruine?

Der AK Freiraum ruft für Samstagnachmittag zu einem kleinen Fest vor dem leerstehenden Museum am Ostwall in Dortmund auf.

Das Museum am Ostwall ist umgezogen in den U-Turm. Der sollte zwar irgendwas mit Kreativwirtschaftsdinbgsbums werden, aber das war vergessen, als die Subventionen flossen. Jetzt ist der U-Tum eine Mischung aus Museum und Ausstellungsraum.   Und der Kram mit Kreativwirtschaftsdinbgsbums war sowieso nie so richtig ernst gemeint.

Der AK Freiraum möchte gerne eine Gebäude als Autonomes Zentrum nutzen. In Mülheim gibt es so etwas schon, wir verweisen regelmäßig auf dort stattfindende Konzerte. Im AZ soll es Veranstaltungen aller Art geben. Higher Bubu, Kickstern und andere sorgen bei dem kleinen Fest am morgigen Samstag ab 16.00 Uhr für die Musik und wer keine Lust auf das “Vokü-Essen” hat – schräg gegenüber gibt es einen ordentlichen Thai.

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11 Kommentare zu “Dortmund: Autonomes Zentrum statt Museumsruine?

  • #1
    Thomas Nueckel

    Es würde sogar die Stadt Dortmund davon profitieren, wenn an diesem Ort, Raum für emanzipatorischen, kreativen Inhalt geschaffen würde. Diesen Platz gibt es in der selbst ernannten “Westfalenmetropole” (noch) nicht. Niedrigschwellige Angebote, ähnlich dem AZ Mühlheim könnten die Trostlosigkeit städtischer Kreativobjekte mildern. In dieser Stadt gibt es nur Raum, wenn die Brieftasche gezückt wird und das ist zwar einem Wollen von Kulturhauptstadthäuptlingen genehm, bedeutet langfristig jedoch den Untergang freier Kreativität. Also: Hingehen, hinhören, das Fest genießen. Findet im Übrigen nicht heute, sondern Samstag, den 07.08 ab 16:00 Uhr statt.

  • #2
    Bert

    Wenn man sich das Ak in Köln ansieht, möchte ich wirklich nicht, dass das schöne Museum am Ostwall so herunterkommt…

  • #3
    uz:uz

    @ bert: über geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. eine lebendige stadt ist nunmal der ort, wo viele verschiedene menschen und lebensentwürfe zusammenkommen. und ja, es kommt zu berührungspunkten, austausch, auseinadersetzungen, die durchaus spannungen produzieren (aber dadurch eben auch als spannend empfunden werden).

    es ist stets “das andere”, wodurch sich die “wir” identität herausprägt. und nur mal so nebenbei: wenn du “das andere” ins off verbannst, weisst du ja gar nicht mehr wer du bist? die ewige drehung um die eigene achse hat bisher noch jedeN schwindelig gemacht.

    anstatt die warum-frage zu stellen, ist es womöglich höchste zeit das “warum nicht” zu fokussieren. was passiert, wenn nichts passiert?

  • #4
    land for what

    Und es bewegt sich doch. Während in Essen noch verhandelt wird, ist man in Dortmund über die Frage „was passiert, wenn nichts passiert“ hinaus und wendet sie progressiv. Was passiert, wenn was passiert? heisst es auf dem blog der initiative für ein UZDO. Hiermit folgt die initiative der Einladung der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 „Wandel durch Kultur“ zu organisieren und verknüpfen es mit ihrem Recht auf Stadt. Während hier noch mit einer direkten Aktion und einer Aktionswoche ab dem 13. August 2010 kokettiert wird, hat der akfreiraum bereits heute eine Kundgebung vor dem leerstehenden Ostwallmuseum mit bis zu 100 Teilnehmer/innen durchgeführt.

    Neben diversen Redebeiträgen und einem Aufruf zur Blockade des durch Neonazis verklärten Antikriegstags in Dortmund am 4. September waren 4 bands im Programm, die durch die Auflagen der Polizei aber nur bedingt spielen konnten. Zugegeben, trägt der akfreiraum eher sowas wie Maximalforderungen in die Öffentlichkeit, nur ging es den Veranstalter/innen letztlich um Leerstand (oder freien Raum) in Dortmund. Dass das Recht auf Stadt umstritten, Leer- und Stillstand ein zu schützendes Gut und die musikalische Politisierung eines leerstehenden Museums eine Hundertschaft beschäftigt, ist einmal mehr ein Schlag ins Gesicht für den Imagewandel dieser Kulturhauptstadt.

  • #5
    Berliner Leser

    Von AZ`s geht aber immer ein nicht überhör- und übersehbarer kreativer Impuls aus, der das Image bestimmter Gebiete oder Stadtteile über kurz oder lang nachhaltig aufwertet.

    Das darf natürlich nicht mit steigenden Mieten und Verdrängung eben dieser Pioniere einhergehen.

    Nichts desto trotz profitiert auch die Stadt von autonomen Zentren, auch wenn sie für den OttO-Normalverbraucher abgefuckt aussehen.

    Die besten Beispiele ist das Tacheles in Berlin (Oranienburger Straße,
    ohne Tacheles fehlt der besondere Touch auf dieser unattraktiven Touri-Meile, http://de.wikipedia.org/wiki/Kunsthaus_Tacheles).

    Oder Hausprojekte bzw. AZ`s wie der Schokoladen in Berlin, die von der Räumung bedroht sind. http://www.youtube.com/watch?v=U71Z37HZYHY

    Für das Ruhrgebiet gilt die gleiche Faustformel wie für Berlin.
    Kapitalismus = keine AZ`s = negatives Chaos = Unattraktivität = Jugend ohne Perspektive

  • #6
    Dirk Haas

    @#4: „Während in Essen noch verhandelt wird, ist man in Dortmund über die Frage „was passiert, wenn nichts passiert“ hinaus und wendet sie progressiv.“

    Die Sentenz klingt lustigerweise so, als hätte niemand anders als Ullrich Sierau sie erfunden.

    Andererseits: Produktive Rivalität um die bessere Strategie kann ja nicht schaden; schöner Wettbewerb also: Welche Stadt – Essen oder Dortmund – hat zuerst ihren „Freiraum 2010“?

  • #7
    uzdo

    @ dirk haas: allerdings werden wir uns zweifelhafter verbündeter vergewissern… das ding ist, dass wir das (die vereinnahmung/ instrumentalisierung von seiten neoliberaler stadtpolitik) wissen, reflektieren und kommunizieren. wir sind nicht die spassverderber! und spass nicht das problem. die preiskopplung/ preissteigerung ist das problem.

    und einen albernen städtewettbewerb werden wir nicht mitmachen, sondern uns schlichtweg solidarisieren mit dem immer gleichen konflikt.

    grüsse nach essen.
    UZDO

  • #8
    Stefan Laurin

    @UZDO: Preissteigerung ist nicht das Problem im Ruhrgebiet. Das Problem ist die drohende Verödung.

  • #9
    Dortmunder Musiker

    Progressivität finde ich ein schönes Stichwort. Wenn die Ruhrmetropole im Allgemeinen und von mir aus die Westfalenmetropole im Besonderen gerade in diesem Jahr sich ihrer klaffenden Leerstands- und/also Kulturwunden nicht endlich bewusst wird, bzw. bei Ihrer Thematisierung durch engagierte Initiativen wie die des AK Freiraum auf Demonstrationen mit Auflagen, Auflagen und nochmals Auflagen reagiert, erkennt man nichts als unbesonnene Regressivität seitens der Stadt. Wenn sich dieses Bewusstsein innerhalb der Stadtpolitik nicht schleunigst verändert, darf sich niemand kultige Metropole schimpfen, dann bleibt Dortmund ein unbelebtes, graues, borniertes Dorf. Dorfmund. Bitte gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen.

  • #10
    Dirk Haas

    @UZDO (#7): Abgesehen von der Tatsache, dass der Städtewettbewerb um das beste „kritische Zentrum“ sehr viel zeitgemäßer wäre als die althergebrachte Konkurrenz ums dickste Sparkassengebäude: Im „immer gleichen Konflikt“ ist es durchaus opportun, unterschiedlichste Strategien auszutesten.

    Neoliberale Standortideologie kann man sich auch hier draußen im Ruhrgebiet zu nutze machen, gerade wenn eine Stadtregierung eher competitiv gestrickt ist – wie in Dortmund. Dass „smarte“ Städte zunächst einmal ordentlich in die gute alte counter-culture investieren müssen, dürfte längst in jedem Skript zur „kreativitätsorientierten“ Stadtentwicklung verzeichnet sein. Wobei „investieren“ kaum mehr meint als „ermöglichen“. Die Düsseldorfer Staatskanzlei will zwar auch das nicht verstehen, aber wer weiß, Ullrich Sierau et al. womöglich schon (-:

  • #11

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