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Bermudadreieck: Party off

Das Bermudadreieck (Foto: Roland W. Waniek)

Über 80 Kneipen, Clubs und Restaurants, 1600 Beschäftigte und bei schönem Wetter bis zu 30.000 Gäste am Tag. Das Bermudadreieck in Bochum gehört zu den größten Gastro-Quartieren der Republik. Normalerweise. Doch in Corona-Zeiten ist nichts normal.

Die Kneipen haben geschlossen, die Türen der Clubs sind verriegelt und in den Restaurants bleibt die Küche kalt: Seit dem 11. März, dem Tag, an dem die NRW-Landesregierung beschloss, die Gastronomie herunter zu fahren, herrscht Ruhe im Bochumer Bermudadreieck. „Schon Ende Februar merkten wir, dass es ruhiger wurde. Da fingen die ersten an, sich wegen Corona Sorgen zu machen und gingen nicht mehr aus.“ Dirk Steinbrecher ist Sprecher der Interessensgemeinschaft Bermudadreieck, einem Zusammenschluss der Gastronomen, Immobilienbesitzer und Händler des Quartiers und Geschäftsführer des Clubs „Riff“ und des Mandragoras, einer der ältesten Kneipen am Platz.

 

Hinter ihm liegen arbeitsreiche Wochen: „Ich habe Kurzarbeit für die Mitarbeiter beantragt, wir haben unsere Strompauschale gesenkt, Hilfe beim Land beantragt, mit der GEMA verhandelt und unsere Lebensmittel verteilt.“ Alle seien hilfsbereit gewesen, die versprochene finanzielle Unterstützung des Landes schnell gekommen. Nun muss er abwarten.
Steinbrecher sieht bei den Hilfen noch Verbesserungsbedarf:  „Ich wünsche mir auch Kurzarbeitergeld oder Lohnhilfen für Minijobs und Werkstudenten, die sind bis jetzt raus.“

Wann es wieder losgeht, weiß er so wenig wie die Verantwortlichen in Bund, Land und Stadt. Die Bekämpfung des Coronavirus bestimmt die Politik. Es könnte noch lange notwendig sein, Kontaktsperren aufrecht zu erhalten.

 

„Ich bin mir sicher“, sagt Steinbrecher, „dass niemand einen Schalter umlegen wird und von einem Tag zu anderen ist alles wieder wie früher.“ Vielleicht dürfen Restaurants bald wieder über Mittag öffnen, müssen aber Tische weit auseinanderstellen, Kneipen draußen Bier verkaufen. Wann es wieder Party und Konzerte in den Clubs geben wird? Heute nicht absehbar. Da Clubs oft hohe Pachten zahlen müssten, seien sie am stärksten gefährdet.

„Ein bis zwei Monate werden das die meisten von uns durchhalten. Dann wird es für die ersten eng.“ Viel hängt an den Vermietern: „Wenn die auf der vollen Miete bestehen, wird es schwer. Wenn sie auf die ganz oder teilweise verzichten und ihrem Mieter entgegenkommen, steigen die Überlebenschancen.“

Viele seiner Kollegen würden sich überlegen, Darlehen zu nehmen, aber das sei ebenso riskant wie Mietstundungen: „Das Geld muss dann später erwirtschaftet werden und ob wir sofort alle wieder die Umsätze der Vergangenheit machen, bleibt abzuwarten.“ Die Jungen würden sicher schnell wieder ausgehen, die Älteren eher noch eine ganze Zeit vorsichtig bleiben.

Was sich Steinbrecher vom Staat wünscht würde, um den Gastronomen das Leben nach der Wiedereröffnung zu erleichtern, wäre eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf sieben Prozent. „Wenn McDonalds Burger außer Haus verkauft, müssen sie nur sieben Prozent Mehrwertsteuer abführen, wenn wir dem Gast das Essen am Tisch servieren, zahlen wir 19 Prozent. Die Regel ist unsinnig und in Europa einzigartig.“

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