Bescheuert im Netz

eim1Es ist eigentlich zu albern, um es ernst zu nehmen. Also machen wir uns ein wenig lustig über einen „Journalisten“ der versucht, die Nachfolge der erzkatholischen Hetz-Seite kreuz.net anzutreten.

Schauen wir zu Beginn auf die Person hinter der Website „Eltern-im-Netz“, um die es hier gehen soll. Der Urheber der Realsatire heißt angeblich Frank Torthoff. Er war in der Vergangenheit mal aufgefallen mit dümmlichen Interventionen in die Killerspiel-Debatte. Über den Autoren heißt es (wahrscheinlich geschrieben von ihm selber):

Journalist, Pädagoge, Medienexperte – wenn es ums Thema Killerspiele geht, hat Frank Torthoff viele Berufungen. Seit 2009 versucht der mediale Tausendsassa als Chefredakteur Eltern zu zeigen, wie gefährlich Killer-Games wirklich sind. Wie gut investigativen Recherchen im Mörder-Milieu ankommen, zeigt sich nicht zuletzt an den vielen Leserbriefen und Dankesschreiben, die Eltern im Netz täglich erreichen. In seiner Freizeit blitzt er gerne rücksichtslose Rambo-Raser und kontrolliert die Ausweise der Jugendlichen in seinem Lieblingspark. Zurzeit schreibt Frank Torthoff an seiner Autobiografie ‚MEIN KAMPF (gegen die Killerspiele)‘, die demnächst erscheint.

Unserem Frank deutscht es also zu den Ohren raus. Zum Einstieg in die fabelhafte Welt Torthoffs werfen wir zunächst einen Blick auf ein harmloseres Thema: Graffiti-Sprayer. Diese sind nicht einfach Sprayer, nein, „sie sehen aus wie Terroristen, sie gehen vor wie Terroristen und sie geben sich Pseudonyme wie Terroristen.“ Und diese, so weiß unser Frank, „kommen meist aus der rechten Szene und gelten als gewalttätige Verbrecher.“

In der Folge zitiert Nazigegner Torthoff einen „Experten“, über den im Netz nichts zu finden ist: „Als Symbole verwenden die Kriminellen oft Zeichen aus dem Nationalsozialismus wie beispielsweise das Hakenkreuz, um ihre rechte Ader auszudrücken.“ Vielleicht verarbeitet Torthoff diesen Schock ja in seiner Autobiographie „Mein Kampf“.

Lauter imaginäre Freunde

Zu seinen Storys erfindet Frank Torthoff stets eine Figur die als angeblicher Akteur auftritt. Das gibt den Geschichtchen Tiefe, Glaubwürdigkeit. Im Graffiti-Fall ist es ein Mann, der angeblich von Sprayern „fast tot schlugen“.

Zu seinen Lieblingsfeinden gehören auch die Homosexuellen. Hier kommt denn auch zum Vorschein, dass es wohl „kreuz.net“ ist, das als Vorlage herhalten muss. Ein kleiner Ausschnitt:

Wie jede andere Krankheit gibt es auch bei der Homosexualität Symptome, die einen drohenden Ausbruch ankündigen. Diese rechtzeitig zu erkennen, so der Schwulen-Experte, sei “der Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen das Gay-Gen.” Während es im frühen Stadium der Homosexualität noch die Psyche ist, die verrückt spielt, verlagert sich die Krankheit zunehmend auf den Körper: Schüttelfrost, Hautausschläge und die in der Fachwelt als Homopocken bekannte Beulen im Genitalbereich. “Am besten ist es, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen”, rät Dr. Pfeffer.

Weiter heißt es:

Die erste konkrete homosexuelle Erfahrung”, so der renommierte Homologe, “findet fast immer im Kinderzimmer statt.” Grabbeln, küssen und gegenseitiges Masturbieren seien dabei nur einige der Perverso-Praktiken, mit denen die Homo-Brut ihre ersten homosexuellen Erfahrungen machen.

Aber keine Angst. Die Homologie macht täglich Fortschritte. Und auch der zitierte Experte, den es selbstverständlich auch nicht gibt, träumt von einer „Anti-Homo-Pille, die die Gay-Viren bekämpft und aus seinem homosexuellen Sohn wieder einen normalen Menschen macht.“ Rettung ist also in Sicht.

Oh mein Gott, ein Koran!

Es ist skurril genug, wenn „Killerspieler“ „enttarnt“, dingfest gemacht und der Polizei übergeben werden. Doch richtig bescheuert wird es bei einem Artikel der zeigen soll, wie man unliebsame Nachbarn und ähnliches loswird. Torthoff zitiert eine Frau, die er wahrscheinlich einfach wieder selbst erfunden hat, folgendermaßen:

Seit nun 14 Jahren wohne ich in einem mehrstöckigen Wohnhaus. Vor ungefähr vier Jahren wurde die Wohnung gegenüber frei und eine alleinerziehende Mutter mit zwei furchtbaren Kindern zog dort ein. (…) Ich legte kleine Glassplitter in die Schuhe und wartete am Türspion darauf, dass die Bälger das Haus verlassen. Ihre Gesichter hätten Sie sehen sollen!

Ein „anderer“ berichtet:

Wir hatten mal eine Nachbarfamilie mit sechs Kindern. Bälger von 4 bis 17 waren dabei, da können Sie sich ja denken, was das jeden Tag für ein Theater war. (…) Ich schlich mich eines morgens, als die Blagen noch schliefen, zu ihren Rädern und schnitt ihnen die Bremsen durch. Seitdem ist Ruhe. Mit Krücken kann man ja schlecht Fußball spielen.

Den Vogel schießt aber dieser „Bericht“ ab:

Vor einigen Monaten erst wurde das Reihenhaus nebenan frei. Da die vorherigen Mieter ein schwules Paar waren, war meine Befürchtung groß, dass diesmal wieder Horror-Homos einziehen. Doch es kam noch schlimmer: Die neuen Nachbarn waren ein verheiratetes Ausländer-Ehepaar. (…) Ich habe absolut nichts gegen Ausländer, aber man liest ja immer wieder, wie gewaltbereit dieses Südländer-Volk ist. (…) Ich schlich mich also eines Abends ins Haus (…) Doch die schlimmste Entdeckung machte ich in einer versteckten Schublade im Schlafzimmer der Türken: Ein Koran. (…) Damit auch kein Zweifel bestehen konnte, legte ich eine kleinkalibrige Handfeuerwaffe aus meiner Kellersammlung unter das Bett und rief die Polizei. Als die Terror-Nachbarn aus dem Urlaub zurückkamen, wurden sie festgenommen.

Nun könnte man meinen, bei der Seite, von der ein Leser wohl zu Recht vermutet, sie sei „ein riesiges Troll-Projekt“, handelt es sich um eine Randerscheinung. Den Facebook-Likes zufolge erreicht unser Frank jedoch eine beachtliche Anzahl von Menschen mit seinen „Artikeln“: Mehrere zehntausend Leute klicken teilweise auf „gefällt mir“, unter manchen Artikeln stehen hunderte Kommentare. Ach ja, kommentieren kann man auf der Seite übrigens auch. Aber Achtung:

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11 Kommentare

  1. #1 | lattentreffer sagt am 10. September 2013 um 10:58 Uhr

    Ich sag’s euch nicht, aber Eltern im Netz ist eine Satire-Seite. Wenn ich jemandem zutraue eine Satire Seite als solche erkennen, ist das Der Postillon. Der verwies bereits am 31.03.2012 in seiner Rubrik „Links! Zwo! Drei! Vier!“ auf Eltern im Netz: https://www.der-postillon.com/2012/03/links-zwo-drei-vier-120.html

  2. #2 | Nansy sagt am 10. September 2013 um 12:36 Uhr

    Zitat: „Und diese (Anm.: Graffiti-Sprayer), so weiß unser Frank, „kommen meist aus der rechten Szene und gelten als gewalttätige Verbrecher.“

    Und ich dachte immer, die kommen aus der linken Szene? Also, so richtig kann ich den „Frank“ auch nicht verorten 😉

    Killer-Games-Spieler, Graffiti-Sprayer, Rambo-Raser, Homosexuelle und Ausländer mag er nicht – aber was ist mit rauchenden und trinkenden Eltern?
    Irgendwie fehlen die noch in der Sammlung dieser interessanten „Persönlichkeit“..

  3. #3 | Achim sagt am 10. September 2013 um 12:59 Uhr

    Danke Martin,

    nach „der Postilon“ und „die tagespresse.at“ habe ich
    eine weitere rattenscharfe Satireseite gefunden.

    Die Fähigkeit zum Erkennen von Satire ist eine schwierigsten
    Aufgaben der „Künstlichen Intelligenz“.

    Der „Turingtest“ basiert im wesentlichen auf der Unfähigkeit
    von Computern Satire zu erkennen und adaequat zu antworten.

    Ein oder zwei Testpersonen werden in zwei getrennte Räume gesetzt.

    In jedem Raum mit einem Menschen befindet sich ein Computerterminal zum
    Chatten.

    Die Versuchsperson kriegt eine Aufgabe gestellt.

    Hier ist ein Terminal.
    Du kannst hier chatten.
    Auf der anderen Seite ist
    entweder ein Computer oder ein Mensch.
    Sage uns ob es ein Mensch oder ein Computer ist.

    Der Turingtest wurde von Turing vorgeschlagen und bis heute
    ist es noch sehr schwer jedem Menschen einen Computer als
    Mensch zu verkaufen.

    Der bekannteste Fake ist das Programm „Eliza“,
    das die Gesprächsführung des bekannten
    deutschen Erfolgspüschologen Dr. Eliza Postel
    recht erfolgreich emuliert.

    Achim

    Und jetzt such mir zur Entspannung noch schnell eine Fanseite
    von „Fritz the Cat“, denn ich liebe schwarzen Humor.

  4. #4 | Achim sagt am 10. September 2013 um 13:30 Uhr

    Hier steht was über den Turingtest.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Turing-Test

    Auf FB hab ich einen User gefunden der beim Turingtest
    durchgefallen war.

    Der Postillion berichtete das Präsident Putin beim
    Reiten mit nacktem Oberkörper mit einem
    Schwulen verwechselt und von Schwulenhassern
    verprügelt worden sei.

    Kann das stimmen?

    Achim

    PS: Ein paar Fanseiten von Fritz the Cat habe ich gefunden…

  5. #5 | Tucholski sagt am 10. September 2013 um 13:35 Uhr

    „einen „Journalisten“ der versucht, die Nachfolge der erzkatholischen Hetz-Seite kreuz.net anzutreten.“

    HAHAHA!!!

    Astreine Recherchearbeit.

    SATIRE-ALARM!!!!!!!!!

    Wie arm ist das denn…?!?

  6. #6 | Harald sagt am 10. September 2013 um 14:55 Uhr

    Ähm,
    habe mir die Seite nun auch angeschaut. Dass das nicht ernst gemeint ist, ist ja wohl ziemlich eindeutig.

    Kommt Leute so langsam schießt ihr hier echt den Vogel ab. Erst Laurins Aufruf zum fröhlichen Syrien-Piloten-Abschießen, dann der Aufruf NPD-Wahlkampfhelfern (Plakatierern) eins auf die Fresse zu geben und nun Das. Oh man. Man kann sich als „journalistischer“ Blog auch selber ins Abseits stellen. 🙁

  7. #7 | JoS sagt am 10. September 2013 um 15:35 Uhr

    Ja, lieber Martin, nach Lektüre des Wackenberichtes verweise ich auch auf den eindeutig satirischen Inhalt dieser Seite 😉

  8. #8 | paule t. sagt am 10. September 2013 um 17:20 Uhr

    „So etwas prägt. Darum brach er daraufhin seine Studie zum saisonalen Paarungsverhalten der Diebischen Zwergameise ab, um sich ganz der Erforschung der Homosexualität zu widmen – “damit kein Elternteil mehr das durchmachen muss, was ich durchgemacht habe”, wie er sagt. Heute ist Dr. Pfeffer einer von Deutschlands führenden Homo-Forschern und Autor zahlreicher Fachliteratur zu dem Thema.“

    Tja, Martin, tut mir Leid, aber das ist in der Tat nicht Realsatire – sondern Satire.

  9. #9 | Michael Reiners sagt am 10. September 2013 um 21:54 Uhr

    Geschätzter Martin, also ich als alter Titanic – Freund finde den Artikel zur Homo Vorsorge wirklich gelungen.
    Z.B. die Stelle „Darum brach er […] seine Studie zum saisonalen Paarungsverhalten der Diebischen Zwergameise ab, um sich ganz der Erforschung der Homosexualität zu widmen.“
    Vielleicht solltest auch du, lieber Martin, deine saisonalen Erforschungen so blöder altseniler Meinungen wie etwa der von Scholl-Latour mal aufgeben und dich mehr mit komischen Texten befassen. Glaub mir, es lohnt sich.
    Altkollegiale Grüße wünscht
    Michael.

  10. #10 | philter sagt am 11. September 2013 um 00:39 Uhr

    @all: vielleicht betreibt der Autor hier ja auch meta-Satire!?
    wie sehr mich das freuen würde, wenn der sittenwächter-wächter auf eine Satire reingefallen wäre! HAHAHA
    Glaubwürdigkeit passé
    und ich freu mich auch auf laurins Kommentar zur heutigen Maischberger morgen!

  11. #11 | William sagt am 4. August 2014 um 00:09 Uhr

    Ich persönlich habe Angst um die Personen die ihm das abkaufen einfach schrecklich sowas… Man könnte auf dieser Seite noch was zu dem Alphabet von ihm schreiben welches völlig frei erfunden ist …

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