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BILD-Bashing: “Und wie oft hat er Dich gebumst?”

Judith Sevinç Basad Foto: Privat

Aus Anlass  der Entlassung von Julian Reichelt tobt sich der Springerhasser-Mob  online aus. Und kennt dabei keine Grenzen.

Judith Sevinç Basad ist BILD-Redakteurin. Leser dieses Blogs kennen sie auch als Gastautorin und haben vielleicht auch die Besprechung  ihres oft zitierten Buches “Schäm dich! Wie Ideologinnen und Ideologen die Welt in Gut und Böse einteilen” gelesen.  Wie viele Mitarbeiter der Bild und des Springer-Verlags ist auch Sevinç Basad ins Visier der Springerhasser geraten. Der Verlag ist liberal, solidarisch mit Israel und in all seinen Medien ein erklärter Gegenspieler von “Woko Haram”. Da ist die Entlassung von Julian Reichelt ein gern genommener Anlass, alte Ressentiments auszuleben und in den sozialen Medien ein paar billige „Likes“ abzustauben, denn Springerhass läuft immer, daran hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts geändert.

Doch die, die sich in der Gewissheit der eigenen moralischen Überlegenheit suhlen, belassen es nicht dabei, sich kritisch über den Verlag und seine Personalpolitik zu äußern. Sie greifen die Mitarbeiter des Verlags persönlich an und kennen dabei keinerlei Hemmungen. Vor allem auf Twitter tobt der Mob. Und eine junge Frau wie Judith Sevinç Basad ist dabei das ideale Ziel für entgrenzte sexistische Attacken:

Der Hass ihrer Gegner belegt, bei allen augenblicklichen Problemen des Blattes, die Bedeutung von BILD.

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43 Kommentare zu “BILD-Bashing: “Und wie oft hat er Dich gebumst?”

  • #1
    Lehmbruck

    Überzogenes Bashing ist nie gut. Aber dennoch würde mich Ihre Meinung zu Julian Reichelt und auch zu Mathias Döpfners Verhalten, insbesondere den DDR-Aussagen schon interessieren. Sehen Sie darin ein Problem, über das zu berichten es wert ist? Wie bewerten Sie die journalistischen Recherchen bei NYT und Ippen? Man kann schlecht den Axel-Springer-Verlag verteidigen, ohne sich dazu zu positionieren, wie sich die Berichterstattung der BILD unter Reichelt entwickelt hat und wie das Arbeitsumfeld dort war.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Lehmbruck: Der Verlag hat sich entschieden ihn zu entlassen und hatte seine Gründe. Bei BILD geht es mir wie mit allen Medien – diesem Blog eingeschlossen: Einige Beiträge finde ich gut, andere, die Drosten-Berichterstattung zum Beispiel, nicht. Alle Kollegen die ich bei BILD kenne sind gute Journalisten und machen einen guten Job. Zum Arbeitsumfeld bei BILD kann ich schlicht nichts sagen, ich kenne es nicht. Zuletzt war ich 1996 in einer BILD-Redaktion: Kettwig, es war ein Samstagnachmittag und ausser meinme ehemaligen Praktikusmsbetreuer von den Ruhr Nachrichten war kein Mensch da. Zu Döpfner: Er hat ja gesagt, das Zitat sei aus dem Zusammengang gerissen worden. Wenn man das bei mir – oder jedem anderen – machen würde, könnte man auch schnell etwas finden, das man skandalisieren kann.

  • #3
    der, der auszog

    Was Julian Reichelt sich als Bild-Chef erlaubt hat ist unter aller Sau und die Rolle, die Matthias Döpfner in diesem Schmierentheater gespielt hat ist für den Medienstandort Deutschland einfach nur peinlich. Der Mann ist ja nicht nur Bild-CEO, sondern repräsentiert als Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger die komplette Branche in Deutschland und im Ausland. (Für mich war Döpfner bis zur Causa Reichelt eigentlich immer das vernünftige und wichtige Gegengewicht zu den Intendanten der öffentlich-rechtlichen Anstalten, aber das ist hier nicht Thema)

    Dass Du, Stefan, als "Springer- Alimentierter" (in Anlehnung an Deinen gerne benutzten Begriff der "Staatsalimentierten"), lieber über die Opfer redest, die das derzeitige BILD-Bashing als Reaktion auf die Causa Reichert beispielsweise in der Person Judith Sevinç Basad nach sich zieht, ist natürlich Dein gutes Recht, aber es lenkt von den vielen anderen Opfern ab, die es im Hause Bild zu beklagen gibt und für die Du offensichtlich in Deinem Blog keine Worte finden magst.

    Aber:
    Sag doch auch mal was zu Reichelt und seine Methoden der Nachwuchsförderung, sag doch auch mal was zu Döpfner, der erst durch einen New York Times Artikel geschnallt hat, welchen Bock er mit Reichelt geschossen hat, sag doch auch mal was zu den Frauen, die von Reichelt mit Döpfners Segen auf sehr asoziale Art und Weise im Hause Springer ausgenutzt wurden und was ist mit deren SMS, Kurznachrichten, die sie von Reichelt bekommen haben, werden die auch irgendwann einmal auf Ruhrbarone veröffentlicht?

    Stattdessen machst du Dich lieber als Mann zum Fürsprecher einer Frau, von der ich bislang den Eindruck hatte, dass sie so selbstbewusst ist und eigentlich auch für sich selber reden kann. Aber vielleicht ist dieser männliche Fürsorgedrang gegenüber Frauen im Springerverlag Teil der Unternehmensphilosophie.

    Und nein. Ich finde es nicht ok, was Judith Sevinç Basad und andere derzeit ertragen müssen und das ist auch nicht zu akzeptieren. Aber die Ursache hierfür liegt sicherlich auch zu einem Großteil bei Deinem Arbeitgeber und seiner Unternehmensphilosophie, über den/die Du aber offensichtlich nicht gerne öffentlich reden möchtest.

  • #4
    Angelika, die usw.

    "…Alle Kollegen die ich bei BILD kenne sind gute Journalisten und machen einen guten Job…"

    So ähnliche Sachen hab ich im Leben schon 1000x gehört …
    Zu Kirche, zu Konzernen, zu Krankenhäusern, zu Hotels, zu Universitäten, zu Schulen, zu Stadtverwaltungen, zu allem Möglichen. Man muss dann nur kurz Bausteine tauschen.
    À la alle Ärzte, die ich in der Klinik Soundso kenne… Aber die Leitung? Aber der gesamte Aufbau? Aber die Satzung? Aber… Also Dr. Müller, Dr. Maier, Dr. Li-La-Lu sind nett … Dann ist ja gut …

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @der, der auszog: Springer ist nicht mein Arbeitgeber sondern einer meiner Auftraggeber: Wie auch Cicero, Focus, die Jungle World, die Jüdische Allgemeine und etliche andere Verlage. Ich werde auch nicht alimentiert, sondern verkaufe Beiträge, für die ich dann bezahlt werde. Und zwar für jeden einzeln. Und damit das klar ist: ich arbeite sehr gerne für Springer – und für meine anderen Kunden auch. Ich sitze in Bochum und kenne die Interna nicht. Aber Döpfner hat sich dazu gestern öffentlich geäussert:
    https://www.youtube.com/watch?v=C1MRo3Ft7HA
    Zur NYT: Springer drängt mit Politico auf den US-Markt. Die NYT hat gegen einen Konkurrenten geschossen.

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Angelika, die usw.: Meine Erfahrung: Wenn Du als Journalist Ärger hast, stehen die Führungskräfte hinter Dir. Das ist nicht bei allen Verlagen so.

  • #7
    Gerald

    Liest man die Kommentare, so ist es der Tenor „selber schuld“, wieso arbeitet ihr auch für so einen Verein. Um die Frau geht es nicht und um die ekelhaften schweinereien, die öffentlich gepostet werden, auch nicht. Bild ist eine der wenigen nicht linken, nicht orgelpfeifen Zeitungen. Ob euch das passt oder nicht. Twitter hingegen ist die personifizierte Verrohung der Sitten. Da sind auch die „erwachten“ der linken Weltretter Blase enthemmt. Irgendwann trifft einer der vielen Woken Shitstürme den Ventilator. Bin mal gespannt, wann der/ die Erste von einem empörten woken Weltretter Mob gelyncht wird. Wirklich gelyncht. Dieser Hass der von den Leuten verbreitet und als Die einzige Wahrheit verkauft wird, kann nicht ohne Folgen bleiben. Das ist in der Geschichte der Menschheit eine der sehr sicheren Wiederholungen.

  • #8
    DAVBUB

    @ 3, der, der auszog: " Aber die Ursache hierfür liegt sicherlich auch zu einem Großteil bei Deinem Arbeitgeber und seiner Unternehmensphilosophie, über den/die Du aber offensichtlich nicht gerne öffentlich reden möchtest."
    Klassische Täter-Opfer-Umkehrung á la "sie hatte ja auch einen sehr kurzen Rock an."
    Interesant auch, wie schnell sich die Diskussion hier von den frauenverachtenden Gutmenschen zu einer Grundsatzdiskussion über Springer entwickelt hat.

  • #9
    Angelika, die usw.

    @Gerald
    "…Twitter hingegen ist die personifizierte Verrohung der Sitten…"

    Stimmt in Teilen, stimmt nicht als allgemeine Aussage.

  • #10
    Lehmbruck

    @Stefan Laurin:
    Ich entnehme, dass Sie und Ihr Umfeld positive Erfahrungen mit Springer gemacht haben. Und ja, es gibt gute Leute dort. Robin Alexanders Reportagen lese ich mit Genuss, weil er einfach einen sauberen Job macht.
    Aber wenn ein System besteht, dass Frauen, also potenziell 50% der Menschen danach behandelt werden, ob sie dem Platzhirsch gefügig sind, dann ist das ein großes Problem. Dadurch werden die guten Journalistinnen vergrault, weil sie es sich leisten können, woanders als bei BILD zu arbeiten – und es bleiben die anderen übrig. Es ist einfach nicht mehr akzeptabel in der heutigen Zeit, und das hat nichts mit kleinlichen Gender-Debatten zu tun, sondern mit Menschenwürde. Und viele junge Frauen haben absolut keinen Bock, sich irgendwo hochzuschlafen – weil sie solche Abhängigkeiten zu Recht ablehnen.
    Die USA scheinen da weiter zu sein als wir, deshalb wurde Döpfner von dem NYT-Artikel kalt erwischt. Und auch davon, dass es bei uns mutige und solide investigative Journalistinnen wie Juliane Löffler gibt, die das "eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus" Spiel nicht mitzuspielen bereit sind.

  • #11
    Philipp

    Ist vielleicht etwas off-Topic, aber ich finde Matthias Döpfner als Verbandschef weiterhin absolut tragbar. Er ist ein extrem guter Manager, der früh auf wachstumsstarke Digitalgeschäfte gesetzt hat, während andere wie Holtzbrinck 5% der Facebook Anteile abgelehnt haben oder wie Bertelsmann nicht mit dem "Paradiesvogel Bezos" zusammenarbeiten wollten. Tzz. Und von Funke Medien will ich gar nicht erst anfangen.

    Und "Politico Europe", ein Springer Joint Venture ist eines der ganz wenigen Beispiele der letzten Jahre, wo Journalismus mit tragfähigen Geschäftsmodell nicht nur etabliert wurde sondern auf Wachstumskurs ist. Während andere wie DuMont ihre Zeitungen am liebsten aus der Bilanz kicken würden.

    Man zeige mir einen besseren deutschen (o. europäischen) Medienmanager als Döpfner.

  • #12
    der, der auszog

    @Stefan Laurin
    ich bin seit Jahren Welt-Abonnent und insofern kenne ich Deine Artikel bei Springer und weiß Dein Arbeitsverhältnis dort einzuordnen. Ich würde Welt nicht abonnieren, wenn ich ein "Springerhasser" wäre. Aber gerade weil ich seit Jahren Geld an den Laden überweise, möchte ich mich auch aufregen dürfen, wenn dort Mist gebaut wird.

    @DAVBUB
    Wenn Sie mich zitieren, dann bitte vollständig: Ich schrieb: "Ich finde es nicht ok, was Judith Sevinç Basad und andere derzeit ertragen müssen und das ist auch nicht zu akzeptieren."

    … das mit dem "kurzen Rock", meine lieber DAVBUB haben Sie geschrieben, das ist auf ihrem Mist gewachsen und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit "Gutmensch", das ist sonst echt nicht Ihr Niveau.

  • #13
    René Boldt

    @ der, der auszog:
    Indem Sie die Ursache für die sexistischen Anwürfe Springer zuschreiben, verlagern Sie auch die Verantwortung dorthin. Da paßt m.M. nach das mit dem kurzen Rock schon.
    Und der Gutmensch war ein passendes Ersatzwort für wokies. Eigentlich auf alle, die für sich für mpü ( moralisch-politisch überlegen ) halten und deshalb gerne die Methoden ihrer Gegner noch unterbieten. (Ich wollte Herrn Laurin nicht sein Lieblingsschimpfwort streitig machen.) Ich erkenne keine Unterschied in den Angriffen gegen Basad von links zu denen gegen z.B. Roth oder Künast von rechts; sogar die Wortwahl ist nahezu identisch.
    Die Ursache hierfür scheint mir zu sein, daß es Männer gibt, die gerne jeden Anlaß nutzen, um ihre tiefsitzende Frauenverachtung auszuleben. Da wird dann gerne von der community drüber hinweggesehen, es geht schließlich gegen den gemeinsamen Gegner. Wo sind denn die Solidaritätsadressen der #metoo-Initiatorinnen?
    @ 7, Gerald: Ist schon Realität.
    https://taz.de/Angriffe-auf-JournalistInnen-in-Leipzig/!5656625/
    https://www.welt.de/vermischtes/article231433867/Erfurt-Als-Polizisten-getarnte-Taeter-ueberfallen-Schlafende-in-Wohnung.html

  • #14
  • #15
    paule t.

    Solche sexistischen, persönlichen und herabwürdigenden Angriffe auf Personen, die mit der aktuellen Thematik gar nichts zu tun haben, sind natürlich in jeder Hinsicht abzulehnen. Das geht gar nicht. So etwas ist Springer-Niveau.

  • #16
    Walter Stach

    Bild-Chef (a.D.) Reichelt nebst "Freundes" -kreis – hier, "Regierungs-Chef (a.D.) kurz nebst "Freundes-" Kreis dort…….

    Der, Der……-sh.-3-……
    Naheliegend erscheint mir, daß sich nicht nur diejenigen, die BILD mit Reichelt und eine ÖVP-Regierung mit Kurz unkritisch bewundern, ja verehrt haben -und weiterhin zu bewundern und zu verehren scheinen-, sondern daß sich darüber hinaus jedermann/jedefrau- in Deutschland, in Europa (in vorgeblich christlich-humanistisch geprägten Gesellschaften) sich noch mehr als bisher veranlaßt sehen müßten , die gepredigten/propagierten Grundwerte menschlichen Zusammenlebens, die permanent beschworenen Regeln für das Miteinander der Menschen in der sog. westlichen Wertegemeinschaft zu vergleichen mit dem was ist in dieser Gesellschaft und in ihrem Staat tagtäglich üblich und durch einige ihrer Protagonisten tagtäglich in ihrem Job praktiziert -vorgelebt ?-wird.

    Bis dato in diesem Ausmaß für mich als "Mitglied dieser sog. westlichen Wertegmeinschft". unvorstellbare Zustände. Noch unvorstellbarer erschienen mir bis dato zudem die medialen Anstrengungen, das Verhalten von Reichelt und Kurz (-und Trump- zu entschuldigen, ja sogar zu rechtfertigen ,und gänzlich unvorstellbar erschien mir bis dahin, daß "sehr viele Menschen" in Österreich, in Deutschland mit Reichelt und Kurz nicht trotz, sondern gerade wegen ihres "Fehlverhaltens" sympathisieren. ( Das erinnert mich im "Unguten" an Trump und an die Wertsschätzung, die er nach wie vor bei ca. 5o% der US-Bürger zu genießen scheint,).

    Der, Der…..
    Ich will nicht und ich werde mich nicht daran gewöhnen können Zustände wie die umschriebenen und Verhaltensweisen eines Reichelt, eines Kurz, eines Trump als "zeitgemäß", als "normal" und insofern als hinnehmbar, ja als entschuldbar zu akzeptieren,. Nur ändert das nichts an den Realitäten hierzulande und in…….

    Dass mich nicht nur die Verhaltensweisen eines Reichelt, eines Kurz , eines Trumps anwidern, sondern gleichermaßen der regelmäßig unsägliche, menschenverachtende Umgang miteinander in den a-sozialen Netzwerken, sei angemerkt. Das gilt -selbstverständlich- auch bezogen auf die hier konkret angesprochenen Thematik/Problematik. Nur ändert auch das nichts an den Realitäten hierzulande und in……..

  • #17
    paule t.

    Ergänzend:
    Dass solche Springer-Methoden gar nicht gehen, auch wenn es gegen Springer-Leute geht, wie ich es in meinem vorigen Kommentar sagte, ist übrigens zwar mein voller Ernst. Und daran ändert sich auch nichts durch das folgende.

    Zur Story gehört aber auch, dass es sich um _Antworten_ auf folgenden Tweet von Basad selbst handelt, Zitat:

    "Ich habe Julian Reichelt als einen Menschen kennengelernt, der Talente gefördert hat – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Alter. Dass er jetzt als skrupelloser Sexist dargestellt wird, finde ich unerträglich."

    Sie hat sich also ganz bewusst persönlich vor Reichelt gestellt, ohne den Hauch einer Kritik an seinem Verhalten, sondern im Gegenteil mit einer ganz klassischen Opferstilisierung des Täters und einer impliziten Beschuldigung, dass die Angriffe gegen Reichelt falsch oder zumindest übertrieben seien.

    Dass man bei einer solchen persönlichen Stellungnahme für Reichelt dann auch persönliche Angriffe abbekommt, ist nur logisch. Auch wenn die Art der von ihr zitierten Angriffe natürlich – s. o. – in jeder Hinsicht abzulehnen ist.

    Schade, dass für dieses Detail der Story kein Platz im obigen Artikel war.

  • #18
    Zoloti Vorota

    Ich verstehe die Kategorie "Springerhasser" in Ihrem Artikel nicht und vor allem nicht, wie man Menschen, die Springer aus politischen, moralischen oder vielleicht auch ästhetischen Gründen ablehnen/"hassen", vorwerfen kann, dass es anscheinend nicht wenige misogyne Männer gibt die AUCH eine Abneigung gegen Springer haben oder sich zumindest dahingehend äußern.

    Ich habe in den vergangenen Tagen einige Diskussionen (Twitter, Foren) zu dem Thema verfolgt und kann mich nicht an einen einzigen abfälligen/misogynen Beitrag von Personen, die Springer/Bild kritische gegenüberstehen, mit Bezug zu weiblichen Mitgliedern der Redaktion erinnern, wohl aber sehr sehr viele Beiträge von Personen die JR verteidigen wollten, in dem sie in einer Täter/Opfer Umkehr auf die (Karriere-)Geilheit der weiblichen Redaktionsmitglieder abgestellt haben.

    Ich lebe auch keine "alten Ressentiments" aus, wenn mich die Täglichen objektiven Grenzüberschreitungen (wie sie ein Blog ja dankenswerterweise dokumentiert) der Bild stören, die geben viel größeren Anlass zum Widerspruch als ein am persönlichen Verhalten gescheiterter Chefredakteuer. Diese Kritik wird in keinster weise durch die unsäglichen Kommentare, die Judith Sevinç Basad erhalten hat, entkräftet.

  • #19
    Helmut Junge

    @Paule t., wie geht man denn mit jemanden um, der sich "vor einen Täter stellt", weil er dessen Verurteilung als unangemessen hält.
    Nach Ihrer Logik müßte ich dann jeden Rechtsanwalt, der sich um seinen Mandanten kümmert, quasi als Tatvertuscher oder Mithelfer verurteilen.
    Sie sagen: "Dass man bei einer solchen persönlichen Stellungnahme für Reichelt dann auch persönliche Angriffe abbekommt, ist nur logisch. "
    Der Meinung bin ich absolut nicht.
    Wie wäre denn Ihre Meinung dazu, wenn es sich um jemanden aus Ihren Umfeld handeln würde, und der wegen seiner Tat dem Volkszorn ausgesetzt wäre? Käme Ihnen dann eher der Gedanke, diese Person ein wenig in Schutz zu nehmen? Daß Sie das tun würden, liegt im Bereich meiner Vorstellungskraft. Bei Gegnern aber nicht.
    Was die Qualität dieser persönlichen Angriffe betrifft, sind wir uns einig.

  • #20
    Psychologe

    "Zu Döpfner: Er hat ja gesagt, das Zitat sei aus dem Zusammengang gerissen worden. "

    Auch eine Variante von "war ja nur Spaß". Auf den Zusammenhang wäre ich jetzt gespannt, der das glaubhaft entkräften könnte.

    Ich fand es wirklich vielsagend, auf welchem Niveau sich Döpfner da geäußert hat.
    Das ist plumpstes Querdenker-Gedankengut.
    Aber man merkt, wie genau dieses auf Welt Online auch durchsickert. Es gibt hier durchaus Lesenswertes zu finden, aber oftmals biedert sich Springer auch klar einem Querdenker-/AFD-Klientel unterschwellig an, in dem es typische Ängste schürt (Inflation, gefühlt jeden zweiten Tag steht da was über die armen "Sparer") oder aber bestimmte Themen aus diesen Reihen adelt.

    Seit einiger Zeit hat sich Welt Online (und hier wären wir wieder beim Thema DDR-Vergleich) dazu entschlossen, gegen Corona-Maßnahmen zu argumentieren. Da wird ungeachtet der Frage, ob die Maßnahmen tatsächlich nicht zur Gängelung der Bürger, sondern zur Eindämmung einer realen Bedrohung dienen, im Wolkenkuckucksheim diskutiert.
    So, als habe man jetzt auch bei Springer für sich entschieden, eine reale Pandemie-Krise durch Sprechakte lösen zu wollen.

  • #21
    nussknacker56

    Wo ist denn der erste relativierende Kommentar von Robert Herr von heute Mittag abgeblieben?
    ————–
    #7
    Danke, Gerald. Das ist genau der springende Punkt, um den es geht.
    ————–
    #17 paule t.
    Wir sind ja schon selten einer Meinung, aber was Sie hier an ideologischen Rechtfertigungen für die sexistischen Schweinereien gegen J.Basad loslassen, ist eine neue Qualität nach unten. Ihre pro-forma-Distanzierung ist schmückende Rhetorik.
    „Dass man bei einer solchen persönlichen Stellungnahme für Reichelt dann auch persönliche Angriffe abbekommt, ist nur logisch.“
    Nein, das ist nicht logisch. J.Basad kann Reichelt verteidigen, wenn sie von seiner Unschuld oder seiner geringen Schuld überzeugt ist. Das ist immer noch in keiner Weise eine Versteh-Hilfe für die aufgeführten Angriffe.
    ————–
    @ all
    Ob die Vorwürfe gegen J.Reichelt in der ganzen Breite stimmen, ist m.W. noch nicht vor einem ordentlichen Gericht festgestellt worden.

  • #22
    Tolduso

    #15:
    "Solche sexistischen, persönlichen und herabwürdigenden Angriffe auf Personen, die mit der aktuellen Thematik gar nichts zu tun haben, sind natürlich in jeder Hinsicht abzulehnen. Das geht gar nicht. So etwas ist Springer-Niveau."

    Nö, das ist das Niveau der zeitgenössischen Linken, Geschmacksrichtung Wirkönnenunsalleserlauben™, die seit Jahren die Grenzen des Sagbaren beständig erweitern (selbstredend exklusiv für sich selbst) und die Kunst des Relativierens in ungeahnte Dimensionen geführt haben. Und das ganz ohne Hilfe der Springer-Gruppe, welche keineswegs die Exklusivrechte auf zweifelhafte journalistische Praktiken besitzt, noch diese exklusiv ausübt.

  • #23
    abraxasrgb

    #metoo
    Ich hatte auch schon mal Sex mit einer älteren Chefin ? hat viel Spaß gemacht!

    Reichelt ist vom Zentralorgan der woken Twittercommunity, der NYT an den medialen Pranger gestellt worden. Klar, in den puritanischen USA ist Sex ein Tabu, man erinnere sich daran, dass dieses Land beinahe mal seinen Präsidenten wegen einer Affäre mit einer Praktikantin des Amtes enthoben hätte.

    Da kommt es der NYT gelegen, wenn man mit vermutlich illegal beschafften Informationen, gegen den Anchorman des Mitbewerbers raunen kann. Reichelt hat, zumindest derzeitiger Stand, höchstens gegen interne Compliance Regeln, aber gegen kein Gesetz verstoßen.

    Wenn dann noch zusätzlich private Konversationen von Döpfner veröffentlicht werden, um den gleich mit zu diskreditieren, werden Mutti Merkels Worte von der Meinungsfreiheit, die man nicht zum Nulltarif haben kann und Döpfners/Reichelts Meinung hierzu, beide wahr ?

    Dass die Linken, die alles aus dem Springer-Verlag schon immer für den Untergang des Abendlandes verspenglert haben, sich nun in Häme auskübeln, ist vermutlich bei einigen linken Männern auch dem Neid geschuldet: Reichelt hatte Praktikantinnen, die nur Pornhub ? tja, das Leben ist hart und ungerecht.

    So ein moralinsaurer Shitstorm im Wasserglas.
    Während die Mehrheits(print)medien ökonomisch den Bach runter gehen, hat es Springer geschafft weiter Gewinn zu erzielen.
    Dass jetzt, wo mit Bild-TV auch noch die ÖRR in ihrer vermeintlichen Dömane, einen starken Mitbewerber um die Deutungshoheit der veröffentlichen Meinung bekommen, passt in die aufgebauschte Skandalisierung.

    Wahrscheinlich kommt am Ende nur heraus, das Reichelt ohne Maske und Kondom gevögelt hat ?
    Das mögen manche unhygienisch finden, aber wie sagte schon Woody Allen: Finden sie, das Sex schmutzig ist? Hm, wenn man es richtig macht, schon ?

    Schade, ich fand Reichelt wohltuend anders in der medialen Muppetshow.

    Dass Ressentiment ein Gift ist, das man selbst nimmt, in der Hoffnung der andere stürbe daran, sieht man an den verbitterten Wadenbeißer-Pinscher Reaktionen auf Basads Meinung.

    Wie orthodox und inquisitorisch die linke Filterblase ist, kann man sehr schön in Bari Weiss öffentlichen Abschiedsbrief an die NYT nachlesen:

    https://www.bariweiss.com/resignation-letter

    Am Ende ist es doch das Schöne an einer liberalen Plattform, dass jeder die Möglichkeit hat, sich hier mit seiner Meinung öffentlich zu entblöden … und seiner aufgestauten Spießerwut freien Meinungsauslauf zu geben.

  • #24
    paule t.

    @#21, Zitat an mich gerichtet:
    "Wir sind ja schon selten einer Meinung, aber was Sie hier an ideologischen Rechtfertigungen für die sexistischen Schweinereien gegen J.Basad loslassen, ist eine neue Qualität nach unten. Ihre pro-forma-Distanzierung ist schmückende Rhetorik."

    Ich habe die sexistischen Schweinereien nicht nur nicht gerechtfertigt, sondern im Gegenteil eindeutig und wiederholt verurteilt. Ich habe lediglich gezeigt, warum ich – im Gegensatz zu diesen Schweinereien – für anständige, inhatlich begründete Kritik gute Gründe sehe.

    Wenn Sie beides nicht unterscheiden können oder wollen, sollten Sie vielleicht weniger Springer-Erzeugnisse lesen. Da hält man sich mit solchen Kleinigkeiten auch nicht gerne auf.

  • #25
    Martin Stern

    @ der, der auszog @ paule t. @ wer sich angesprochen fühlt

    ist es eine gute Idee, mit euren Kommentaren "politische Meinungsvielfalt" bei den Ruhrbaronen zu simulieren? Wäre es nicht besser, die Ruhrbarone das sein zu lassen, was sie sind? ("Na, was wohl?!")

    Das eigentliche Problem heisst Stefan Laurin. Du, "der, der auszog", mußt Stefan Laurins Interessenkonflikt öffentlich machen, den Lesern erklären, dass Laurin als Mitarbeiter des Springer Verlags über Springer schreibt: Laurin vergisst das einfach – das ist mehr als umprofessionell.

  • #26
    Angelika, die usw.

    "Ich hatte auch schon mal Sex mit einer älteren Chefin…"
    Diese Info von Abrakadabraodersoähnlich hat hier unbedingt gefehlt (auch Zwinkern und so …).

    Und moralinsauer in Verbindung eines Themas, das mit BILD zu tun hat … tststs …

    Und nur die linke woke Twitteria hat Probleme mit BILD, sieht BILD kritisch? Nur die sieht Springer kritisch? Echt?!
    Mensch @abraxasrgb ! Ballaballa?!

  • #27
    Arnold Voss

    Egal ob gesetzlich erlaubt oder nicht, Vögeln mit Abhängigen schwächt nicht die Abhängigkeit, sondern stärkt sie. Das ist in jedem Fall Machtmissbrauch. Aber das geschieht nicht nur bei Bild und anderen hierarchisch organisierten Unternehmen, sondern auch millionfach in herkömmlichen Ehen. Und das zum großen Teil im gegenseitigen Einverständnis. Aber es gibt eben viele Abhängige, die damit nicht einverstanden sind, ja sich sogar zu recht gedemütigt fühlen, weil sie sich nicht ohne erhebliche negative Folgen aus dieser Abhängigkeit lösen können. Und denen gilt es, egal welchen Geschlechtes, jenseits von Ideologien und Moralapostelei zur Seite zu stehen.

  • #28
    Bochumer

    Zunächst einmal macht die Bild-Zeitung keine gute journalistische Arbeit, sondern betreibt viel Hetze. So etwa in der unerträglichen "Pest von Wagner" oder in dem Fotos von Tatverdächtigen veröffentlicht werden.
    Was das mit Journalismus zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Aber ich verteidige ja auch keinen meiner Geldgeber öffentlich.
    Der Skandal selbst ist so überraschend wie eine Meisterschaft vom FC Bayern.

    Die große Frage ist: Wer hat das alles mitbekommen? Die Kontrollgremien haben völlig versagt. Da müssten alle Köpfe rollen. Das würde die Bild auch verlangen,.wenn es sie nicht dummerweise selbst getroffen hätte. Wer den Mist, der dort steht, ernst nimmt, ist selber schuld.

    Ein ganz anderes Phänomen ist, das Frauen in sozialen Netzwerken nicht geschützt werden. Die Bild hat schon den einen und den anderen Shitstorm gegen Frauen ausgelöst. Da braucht es wirksamen Schutz. Darüber dürfen wir Mal nachdenken.

  • #29
    Walter Stach

    Auch für die, die die Ruhrbarone als vorgeblich liberale Plattform schätzen, um sich hier mit ihrer Meinung zu entblöden:

    Es geht hier nicht um privaten Sex, um "viel Spaß beim Vögeln einer älteren Chefin", es geht darum ob und inwieweit im Springer Konzern, vornehmlich, aber nicht nur bei BILD, Sex , Lügen und eine "verkommene Moral" bestimmend sind für das Ob ,das Wie und die Zielsetzung der redaktionellen Arbeit im Konzern, namentlich bei BILD. So gewollt von Reichelt. So geduldet von Döpfner?

    Wer dieserhalb "am Ball" zu bleiben gedenkt, einem Ball, der noch lange im Spiel der öffentlichen Meinungen bleiben wird, empfehle ich:
    SEXM LÜGEN, MORAL -Die Springer Affäre-
    Titelstory aus DER SPIEGEL 43/2021,

  • #30
    thomas weigle

    @ Walter Stach Was ist eigentlich genau diese "westliche Wertegemeinschaft"? Als Anführer gelten da ja gerne die USA. Nun werden bei diesem Anführer jedes Jahr an die 30.000 Menschen durch Schusswaffen getötet. Erfolgversprechende Ansätze dies zu ändern,gibt es nicht. Töten aber islamistische Terroristen,schlimm genug, 3000 US-Bürger, mit Spätfolgen an die 20.000 Tote, werden zwei Länder mit verheerenden Kriegen überzogen,die ein Vielfaches an Toten,Verletzten und Zerstörungen im Vergleich zum 11.9.01 mit sich gebracht haben. Der eine Krieg wurde zudem mit einer infamen Lüge gerechtfertigt. Dass die Bild und ihre Macher hervorragend in diese "Wertegemeinschaft" passen, steht außer Frage. Will ich mich zu dieser "Wertegemeinschaft" zählen?
    Du erinnerst dich vllt auch daran, dass ein gewisser Axel C. in einem seiner letzten Interviews geäußert hat, dass er manchmal sehr an dem leide, was die Bild so treibt. Gibt es einen versierteren Fachmann zu Bild als eben ihn? Das Interview hatte er, wenn ich das recht erinnere,der ZEIT gegeben. Es hat seinerzeit viel Aufsehen erregt. Kurze Zeit später war er tot.

  • #31
    Tolduso

    #28:
    "Ein ganz anderes Phänomen ist, das Frauen in sozialen Netzwerken nicht geschützt werden."

    Doch, werden sie. Aber eben nicht jede Frau. Darüber darfst du mal nachdenken.

  • #32
    Tolduso

    "Auch für die, die die Ruhrbarone als vorgeblich liberale Plattform schätzen, um sich hier mit ihrer Meinung zu entblöden:"
    Naja, es kann ja nicht jeder die Ruhrbarone als private Plattform überheblicher Selbstdarstellung begreifen. Nicht auszudenken, was hier los wäre.

    "Es geht hier nicht um[…], es geht darum ob und inwieweit im Springer Konzern, vornehmlich, aber nicht nur bei BILD, Sex , Lügen und eine "verkommene Moral" bestimmend sind für das Ob ,das Wie und die Zielsetzung der redaktionellen Arbeit im Konzern, namentlich bei BILD."
    Och? Und ich dachte es ginge um Judith Sevinç Basad und die sexistischen Attacken gegen sie, und das Umfeld aus dem diese Attacken kommen. So kann man sich täuschen.
    Nur gut, daß der Herr Stach bereitsteht den sich entblödenden Mit-Kommentatoren die Wahrheit™ beizubiegen.

  • #33
    Walter Stach

    thomas weigle,
    da wir gemeinsam Bedenken und Vorbehalte haben, wenn z.B. in irgendwo Europa, u.a. in Deutschland, aber z.B. auch in Amerika von der westlichen Wertegemeinschaft die Rede ist und wir diesem Begriff folglich stets entweder das "Sog." voranstellen oder ihn mit "An-/Abführungszeichen" versehen, bedarf es dazu hier zwischen uns dazu keiner weiteren Erklärungen.

    Ich merke allerdings Folgendes an:

    1.
    Ich erinnere daran, daß es in der BRD in den 196oer/197O er Jahren zur "Staatsräson" zu gehören schien, DDR nie ohne "Anführungs-/Abführungzeichen" zu schreiben oder ohne das "Sog." Oftmals wurde Beides praktiziert. Selbst nach der Anerkennung der DDR als Staat durch die BRD hat die Springer-Presse bis zur Wiedervereinigung an dieser Praxis festgehalten. Mich stimmt es zumindest sehr nachdenklich, wenn wir nach Deiner und nach meiner Auffassung heutzutage dasselbe tun sollten, wenn es um den Begriff "westliche Wertegemeinschaft" geht, also um seine Fragwürdigkeit.

    2.
    "Wütend" macht mich in diesem Zusammenhang vor allem, wenn Personen/Personengruppe aus Politik und Wirtschaft, aus Gesellschaft und Staat, z.B. in Medien wie die des Springer-Konzernes, nichts dagegen haben, wenn aus es aus ihren Kreisen keinerlei kritische Äußerungen, Proteste, Mißfallensäußerungen gibt , wenn ‘mal wieder eklatante Menschenrechtsverletzugen z.B. gegenüber Schwarzen in den USA bekannt werden, wenn ‘mal wieder in Polen, in Ungarn eklatante Verstöße gegen die Meinungsfreiheit aufgedeckt werden, wenn an den EU-Außengrenzen Flüchtlinge erschossen werden, wenn "man" im Mittemeer Menschen ertrinken läßt, wenn in den a-sozialen Netzen gegen Juden, Muslime gehetzt wird usw. usw. Die sog. westliche Wertegemeinschaft mag eine Gemeinschaftsein. Sie ist aber keine, in der Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (Solidarität) und menschliche Tugenden wie gegenseitiger Respekt, gegenseitige Achtung und Toleranz für sie als die stets und überall als unverbrüchlich , als die sie tragenden , lenkenden und leitenden Werte und Handlungsmaxime gelten. Sie ist , wenn sich konkret ihr vorgebliches Wertefundament zu beweisen hätte, eine Gemeinschaft von Heuchlern. Und das macht mich "wütend". Häufig vorne weg in dieser Gemeinschaft von Heuchlern agiert die sog. Springer-Presse, namentlich BILD, z.B. dann, wenn ihre Redakteure versuchen, eine politische oder berufliche Karriere zu zerstören, wenn es um eine sog. Sexaffäre geht. Und bei Reichelt?
    Ich bin mir ziemlich sicher, daß der Springer-Konzern Reichel nicht ‘rausgeworfen hätte, wenn dem Konzern nicht bewußt geworden wäre, daß und in welchem Ausmaß seine wirtschaftlichen Interessen in den USA gefährdet würden wegen der Reichel-Affäre und noch mehr wegen des bisherigen Umganges mit ihr durch die Konzernleitung. Bekanntlich gibt es in den USA dieserhalb nicht nur verbal herausragende Heuchler, sondern auch radikale Macher, wenn diese einen Grund finden zur moralischen Empörung bezogen auf einen wirtschaftlichen Konkurrenten für heimische Unternehmen.
    thomas weigle,
    an diesem Zustand unserer Gesellschaft von Heuchlern können wir nichts ändern. Weil das so ist,
    sind darauf bezogene bzw. daraus resulierende "Wutausbrüche" unserseits nicht nur naheliegend, sondern als Mittel des Frustabbaues geboten.

  • #34
    yohak

    Irgendwie schon kurios: Bei allen Angriffen auf Reichelt wird argumentiert, daß Beziehungen zu Untergebenen grundsätzlich ausbeuterisch und daß die Frauen in diesen Beziehungen Opfer sind, die es vorbehaltlos zu unterstützen gilt.
    Aber dann wird bei Attacken auf Springer-Autorinnen wie Judith Sevinç Basad diese Logik plötzlich auf den Kopf gestellt. Nicht nur wird ohne auch nur einen Hauch von Evidenz, gänzlich aus der Luft gegriffen, WELT-Autorinnen unterstellt, sie hätten eine Beziehung mit Reichelt, plötzlich wird obige Logik auf den Kopf gestellt: galten die (angeblichen) Beziehungen Reichelts zu untergeordneten Frauen eben noch als MIßbrauch, bei dem die betroffenen Frauen Opfer sind, die der Unterstützung und Solidarität bedürfen, so wird auf einmal die (aus der Luft gegriffene) Behauptung, die jeweiligen Frauen hätten eine sexuelle Beziehung zu Reichelt unterhalten, zu einem Vorwurf und einer Waffe gegen die betroffenen Frauen. Ja was denn nun? Sollen wir mit den (angeblich oder tatsächlich) betroffenen Frauen solidarisch sein, oder sie als "Schlampen" attackieren? Auf der Linken zeigt sich mal wieder ein bemerkenswerter Mangel an Logik, der aus simplem Schwarz-Weiß-Denken resultiert. Springer ist aus dieser Sicht eben böse, also ist alles legitim, was man Springer und Springer-Autoren und -Autorinnen an den Kopf werfen kann. Ohne jede Rücksicht auf innere Kohärenz und Widerspruchsfreiheit.

  • #35
    Helmut Junge

    @Walter Stach, du hast weder direkt noch indirekt auf Frau Judith Sevinç Basad bezug genommen, sondern das geschrieben, was du immer schon gesagt hast, sobald das Wort Springer auftaucht.
    Mir ist dein Reflex egal, und du kannst meinetwegen über Springer und seine Medien sagen was du willst, und auch, daß du eine Ruhrbaronehasser bist, ist mir egal. Aber unterlaß bitte die pauschalkollektive Beschimpfung der Mitkommentatoren, die sich hier deiner Meinung nach "entblöden" . Das kommt irgendwann auf dich zurück. Ich bin nicht mehr besonders amüsiert und finde deine Ausdrucksweise ziemlich unhöflich.

  • #36
    thomas weigle

    @Walter Stach Wütend? Nee, das eher nicht mehr. Eher Verwunderung,darüber, wie bildstromlinienförmig hier argumentiert wird. Und wie die Methode "haltet den Dieb" praktiziert wird. Das ist meisterhaft,alle Wetter. Besonders gekonnt, wenn unbedingte Befürworter des Kapitalismus einer nicht ganz unbekannten US-Zeitung eben solches Verhalten vorwerfen.

  • #37
    Walter Stach

    Helmut Junge -35-

    "Entblöden"…….
    Helmut, ich bin davon ausgegangen, daß Du und andere den letzten Absatz des Beitrages 23 gelesen hattet als ich meinen Text vefaßt habe, denn dann hätte klar sein müssen, daß die Verwendung des Begriffes entblöden nicht "auf meinen Mist gewachsen ist" und warum ich ihn hier verwandt habe.
    Wenn Du diese Ausdrucksweise "ziemlich" unhöflich nennst, dann ist das eine sehr zurückhaltende Bewertung..

    Ruhrbaronen-Hasser
    Wie kommst Du denn darauf?
    Ich lese die Meinungsäußerungen vieler Ruhrbarone stets mit großem Interesse und habe oftmals Anlass, mich mit Ihnen zu befassen und mich zu ihnen zu äußern. Das gilt nicht zuletzt für Deine Beiträge.

    Zu Frau Basad
    Ich gehe auf derart unsäglichen Beschimpfungen/Beleidigungen wie sie den a-sozialen Netzwerken immanent sind, z.B. auf die, die jetzt Frau Basad zu ertragen hat, regelmäßig nicht ein, weil mir das am geeignetsten zu sein scheint, meine Verachtung/Mißachtung gegenüber ihren jeweiligen Verfasser zu demonstrieren. Das mag, wer will, kritisieren..

    Helmut,
    in diesem Sinne und mit diesem Ziel habe ich mich zu dieser Problematik auch "jetzt und hier" auf eine grundsätzliche Anmerkung im letzten Absatz unter -16- beschränkt.

  • #38
    Walter Stach

    thomas weigle,
    bitte beachte zu wütend die auch hier von mir verwendeten "Anführungs-/Abführungszeichen". Ansonsten: Zustimmung zu Deinen Aussagen!

    Ich werde mich "jetzt und hier" nicht mehr zu der Reichelt-Döpfner-Springer Affäre äußern. Dass überlasse ich Kompetenteren und Wirkmächtigeren, z.B. Medien wie der New-York-Times, dem SPIEGEL, der SZ u.a.. Ich bin mir sicher, da "wird noch Einiges kommen" und ich bin mir ebenso sicher, daß der Springer-Konzern mit dem Rauswurf von Reichelt seine einschlägigen Probleme nicht los geworden ist. Warten wir ‘mal ab.

  • #39
    thomas weigle

    @Walter Stach Danke für den Hinweis, habe ich übersehen. Ansonsten bin ich mir sicher, dass der Rauswurf Reichelts dem Bangen um den lukrativen US-Markt geschuldet war. Bild und Springer haben in der Vergangenheit andere Stürme ohne personelle Konsequenzen überstanden,nämlich dann wenn kein Profitverlust droht.
    Was die Beschimpfungen der Welt-Journalistin angeht, da sollte erst mal der Verlag selbst tätig werden. Er hat Geld und Anwälte und in dieser Causa ganz sicher die Öffentlichkeit zu recht auf seiner Seite.
    P.S. Ich war gerade erstmals wieder seit 1 1/2 Jahren auf der FB-Seite der Welt. Da ist die neueste Entwicklung im Fall Gil Ofarim Thema eines Artikels. Darunter tobt sich in den Reaktionen der Leser der rechte Antisemitismus aus. Mein lieber Herr Gesangsverein.

  • #40
    abraxasrgb

    #37 Walter Stach
    Ich sollte wohl mein Pseudonym in "der, dessen Name man nicht ausspricht" ändern? 😉
    Aber "Lord Voldemort" ist mir zu anmassend. Mal nicht den Teufel an die Wand ist mir auch zu lang …

    Der rabulistische Versuch, sich aus der unangenehmen in Flagranti-Situation durch das beliebte Spiel "Schwarzer Peter" zu winden, gehört in das Reich moderner Märchen.

    Da ich Beiträge mit Querverweisen und Aufforderungen hin und her zu scrollen als ästhetisch degoutant empfinde, zitiere hier mal kurz synoptisch:

    Ich schloss meinen Kommentar ab mit:
    "Am Ende ist es doch das Schöne an einer liberalen Plattform, dass jeder die Möglichkeit hat, sich hier mit seiner Meinung öffentlich zu entblöden … und seiner aufgestauten Spießerwut freien Meinungsauslauf zu geben."

    Das war als Warnung und nicht als Anleitung gedacht!
    q.e.d. quod erat demonstrandum

    Daraus wurde dann, anscheinend als (auch) an mich adressierte Antwort:
    "Auch für die, die die Ruhrbarone als vorgeblich liberale Plattform schätzen, um sich hier mit ihrer Meinung zu entblöden:"
    … gefolgt von kontradiktorischen teilweisen Paraphrasierungen meiner Sätze nebst whataboutistischer, idiosynkratischer Springer Pauschalverdammnis und moralisch imprägnierter Empörung.
    Hübscher Derailing-Versuch, dem Thema (s)eine selbstgenehme Wendung zu geben*.

    Aus (m)einer konjunktivischen Aussage, die Einzelne adressiert wird sprachlich eine pauschale Beleidigung im Plural, sehe ich wie Helmut und Tolduso. Zumindest dann, wenn man unter "liberal" Meinungsvielfalt und nicht argumentative Einfalt versteht. Das könnte sogar eine Mehrheit der hier Kommentierenden sein, denn ich z.B. mag ja lieber den Austausch mit anderen Standpunkten, als meine eigenen Vorurteile durch Zustimmung zu kultivieren. Vermutlich bin ich damit nicht allein?

    Den inhaltlichen (An)Teil mit: Selber, selber, "entblödet" Ätschi Bätschi nehme ich mal als (d)einen misslungenen Versuch ironisch zu sein, eher sportlich. 😉
    Da wir gerade bei Märchen sind, das nenne ich mal perfektes "Aschenputteln", wer sich von meiner Abschlussbemerkung angesprochen fühlt und auf sich münzt, der darf sich gerne den Schuh anziehen. Wie schon Watzlawick für menschliche Kommunikation beschrieb: Der Empfänger und nicht der Sender entscheidet, wer die Nachricht in den falschen Hals bekommt.

    Besonders hübsch finde ich dann aber den doppelten performativen Selbstwiderspruch, sich in den sozialen Medien über den Verfall der Sitten in den sozialen Medien auszuweinen und zusätzlich noch zu konzedieren, dass die eigene Wortwahl, der wiederum eigentümlichen Sicht geschuldet, selbst "ziemlich unhöflich" ist.

    Genau das ist nämlich der Widerspruch, den Stefan im Artikel und einige Kommentatoren hier, in den eher vulgären und pubertären Kommentaren zu Judith Sevinç Basads Erfahrung mit dem Menschen Julian Reichelt sehen. Yohak hat das übrigens auch sehr schön analysiert. Social justice Warrior haben in ihrem Furor oft etwas Selbstgerechtes und scheinen für sich in Anspruch zu nehmen, dass der vermeintlich gute Zweck jedes Mittel heiligt.

    Ich mag ja die scharfe rhetorische Klinge und bin nicht zimperlich, wenn es um das Austeilen und Einstecken geht, aber ein wenig argumentative Redlichkeit halte ich für angezeigt 😉

    tldr; Merke: Wer Worte aus dem Zusammenhang reißt, wird mit Bild, Welt und NZZ-Lektüre nicht unter 100 Seiten pro Woche sanktioniert 😉

    PS: Das "Warum so von dir reagiert wurde" kann ich nur vermuten, aber aus Rücksicht auf den Blutdruck des Lesers setze ich mich ausnahmsweise mal auf die Finger 😉

    * Scheint bei einer bestimmten politischen Schlagseite gerade in diesem Thread Mode zu sein, ich denke da an: Pauschale Kritik an der Marktwirtschaft, Amerika, zusammenhangloses Hinweisen auf Schusswaffentote (übrigens meist durch illegale Schusswaffen und dann gerade in den Bundesstaaten, die die restriktivsten Regelungen zum privaten legalen Waffenbesitz haben – z.B. NY, Chicago, Detroit, während z.B. Kennesaw /GA mit einer Pflicht(!) zum Waffenbesitz keinerlei Schußwaffendelinquenz aufweist, wenn man den meiner Meinung nach legitimen Suizid heraus nimmt). etc. etc.
    T. Weigle, einer der anderen abraxasrgb Fanboys, hat das mit seinen Beiträgen die ganze Zeit hübsch gemacht 😉
    Vi3l3icht hilft es dem Verständnis "abraxasrgb" als literarisches Pseudonym zu lesen und nicht notwendig alle Aussagen, nebst persönlichen Aversionen, auf eine natürliche Person zu projizieren *Lektürehilfe*

  • #41
    abraxasrgb

    Arnold … klar sollte man Menschen, die unterdrückt bzw. deren Abhängigkeit ausgenutzt wird, helfen. Aber man(sic!) darf einer Journalistin bei Bild etwas L(i)ebenserfahrung und Risikobewusstsein zubilligen, ohne dadurch pauschal Nötigung etc. gutzuheissen.
    Wenn es nach der Beendigung einer amourösen Liaison emotional menschhelt, wird der Satz: Never fuck in the company entweder befolgt oder auch nicht.
    Was mich persönlich bei dieser Empörung stört, ist die mitschwingende moralische Konnotation von Sex ist igittbahpfui … das ist bei einer sich sexuell fortpflanzenden Spezies etwas absurd bzw. bigott.

    Spätestens seit der Causa Kachelmann bin ich ohnehin sehr vorsichtig mit (Vor)Verurteilungen. Z.B. Julian Assange wird international medial "Vergewaltigung" vorgeworfen, ohne das pikante Detail zu erwähnen, dass ihm (nur) das Kondom abgerutscht / gerissen ist und das dies in Schweden (Ort des Aktes) unter bestimmten Bedingungen als Vergewaltigung geahndet wird. Nicht in allen Dingen ist Schweden meiner Meinung nach, ein vorbildliches Land 😉 Eigentlich derzeit nur bei dem C-Thema.

  • #42
    thomas weigle

    @nussknacker 56 Nun sind die Vorwürfe gegen Reichelt noch nicht gerichtlich bewiesen, schreiben sie.Sicher, aber es ist doch so, dass Reichelt nun einfach die bittere Medizin der Vorverurteilung einnehmen muss, die seine Zeitung so gerne selbst anderen zu schmecken gibt. Das finde ich allerdings amüsant und irgendwie als höhere Gerechtigkeit,wie sie viel zu selten anzutreffen ist.

  • #43
    abraxasrgb

    #42 T Weigle
    Die öffentliche, wenn auch unfreiwillig komische, des Ressentiments behaftete (An)Erkenntnis des Talionsprinzips, hätte ich dir gar nicht zugetraut 😉

    Respekt!

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