Bochumer Konzerthaus-Flop: Vielen Dank, Gerd Bollermann

Gerd Bollermann ist der für Bochum zuständige Regierungspräsident in Arnsberg. Er hat der Stadt verboten, Schulden für den Bau eines Konzerthauses zu machen. Dafür muss man ihm danken.

870.000 Euro neue Schulden wollte die Stadt Bochum machen, um mit den Planungen für ein neues Konzerthaus, das jetzt Musikhaus heißt, zu beginnen. Geld das die Stadt nicht hat. Und auch für ein Konzerthaus nicht ausgeben muss. In der Nachbarschaft, in Essen und Dortmund, gibt es Konzerthäuser. Und Bochumer sind als Gäste willkommen.

Die 870.000 wären  nur ein erster Schluck aus der Schuldenpulle gewesen. Mehrere Millionen wären gefolgt. 33 Millionen Euro soll das Konzerthaus kosten.  Noch nie wurde bei einem solchen Projekt der Rahmen eingehalten. Niemand weiß, wie teuer so ein Konzerthaus am Ende wird.

Noch ist das Konzerthaus nicht endgültig gestorben. Aber der Zeitrahmen wird eng, denn die über 9 Millionen EU- und Landesmittel, die in das Projekt fließen sollen, müssen bis 2014 abgerechnet werden. Dass die Stadt es so schnell schafft das Konzerthaus zu bauen, darf man bezweifeln.

Zumal die schlechte Nachricht den Job für die Spendensammler erschweren wir: statt der immer wieder behaupteten 12 sind nun doch nur 8 Millionen Euro gesammelt worden. Die fehlenden vier Millionen will man jetzt schnell besorgen. Jede Ungewissheit schadet da. Und ohne die zwölf Millionen Spendeneuros passiert gar nix.

Bollermann versucht Bochum vor einem finanziellen Abenteuer zu bewahren. Der Mann will überzeugt werden. Zum Beispiel davon, dass die Stadt durch den Bau des Konzerthauses Geld spart.  Und das nicht nur an Mieten, die sie an sich selbst , zum Beispiel für die Benutzung der Theaters, zahlt.

Und Bollermann hat der Stadt etliche Kredite genehmigt: Für den Bau von Schulen oder Kindertagesstätten. Für Dinge, die die Stadt dringend braucht. Nicht für Luxus, den es bereits in den Nachbarstädten gibt. Vielen Dank dafür.

 

 

 

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Urmelinchen
Urmelinchen
13 Jahre zuvor

Kann mich dem Dank nur anschließen!!!!

Das Vorgehen von Stadt, Stiftung etc. war alles andere als seriös.
Auch darf stark bezweifelt werden, ob es bei diesem Projekt in erster Linie wirklich um die Förderung der Kunst, Verbesserung der Probenmöglichkeiten für die BoSy etc. geht, denn alle, auch Jahre zuvor gemachten Vorschläge, bereits bestehende Gebäude zu einer adäquaten Nutzung (Jahrhunderthalle usw.) umzubauen, wurden ja rigoros abgelehnt. Daraus kann man nur folgern, dass, so denn nur das vermeintlich Beste gerade gut genug ist für das eigene Kunstwirken, die Proben- und Aufführungssituation scheinbar nicht wirklich desolat sein kann.

PS: Und was die Spendenbereitschaft innerhalb der Bevölkerung anbelangt, so kamen von dieser Seite keine 3 Mio. seit dem Aufruf (Man muss halt die Großspenden von Faber etc. einfach von den 8 Mio. abziehen ;-)). Wie man dann mal eben noch fix 4 Mio. „ersammeln“ will/wollte, wie die Konzerthausbefürworter in die Welt posaunten, erschließt sich meiner Wenigkeit nicht, aber ich lasse mich immer gern überraschen und überzeugen.

Genauso drollig ist ja die Rechnung mit den 33 Mio, für die man ein „töftes“ Konzerthaus gebaut bekäme. Nur das Haus oder das Interieur (z.B. Akustik) mitgerechnet? Ich gebe an dieser Stelle zu bedenken, dass der Umbau des Essener Saalbau 70 Mio. verschlang, wenn ich mich recht entsinne. Veranschlagt war natürlich eine weitaus niedrigere Summe, as usual ;-).

68er
68er
13 Jahre zuvor

Es ist zieht sich wie ein roter Faden durch die Schuldenpolitik der Stadt Bochum. Überall wird bei den konkreten Leistungen gespart. Büchereien werden geschlossen, bei der Volkshochschule wird gekürzt, bei den Unterrichtsstunden der Musikschule, bei der Reinigung unserer Schulen, wenn es aber darum geht ein prestigeträchtiges Bauwerk in die Stadt zu setzten, wird geklotzt, was das Zeug hält. Ohne Rücksicht auf die Folgekosten und auch ruhig auf Kredit.

Ich weiß nicht, wer davon profitiert, die Bürger der Stadt Bochum sicher nicht.

Frank Baranowski
Frank Baranowski
13 Jahre zuvor

Nur der Hinweis: Gelsenkirchen hätte, neben Dortmund und Essen, auch ein Konzerthaus, Musiktheater im Revier heißt es, das im letzten Jahr akustisch deutlich verbessert wurde.

Johannes Brackmann
Johannes Brackmann
13 Jahre zuvor

Bis zum Schluss d`accord: das Ruhrgebiet braucht aus meiner Sicht kein neues Konzerthaus in Bochum. Aber die Konzerthäuser in Dortmund und Essen als „Luxus“ zu bezeichnen, könnte den Schluss nahelegen, dass der Autor Kultur insgesamt wohl als einen ‚überflüssigen‘ Luxus – in geübter alter Konkurrenz zu Schulen und Kitas – zu sehen scheint. Vorsicht also und etwas mehr Formulierungspräzision!

Michael Townsend
Michael Townsend
13 Jahre zuvor

Sorry, aber man sollte sich nicht zu früh über ein angebliches Scheitern eines Projekts freuen. Manchmal knirscht es nur etwas.

Guckst Du:
https://www.ruhrnachrichten.de/lokales/bochum/Bezirksregierung-bewilligt-eine-Erhoehung-des-Kreditrahmens;art932,1252418

Hans Hanke
Hans Hanke
13 Jahre zuvor

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen der Oberbürgermeisterin möchte ich Sie darüber informieren,
dass die Stadt Bochum heute Nachmittag die Kreditgenehmigung der
Bezirksregierung Arnsberg für die zusätzlich beantragten Mittel von
250.000 € erreicht hat. Die Investitionsmittel dienen der Beauftragung
der Projektsteuerung zur Errichtung des Musikzentrums. Eine Kopie der
Kreditgenehmigung erhalten Sie in der Anlage zur Ihrer Kenntnis.

Darüber hinaus haben die Stadt Bochum und die Stiftung Bochumer
Symphonie heute eine gemeinsame Presseerklärung zum Musikzentrum
veröffentlicht, die ich Ihnen in der Anlage zur Kenntnis gebe.

Mit freundlichen Grüßen

Das Musikzentrum nimmt Fahrt auf! Presseinfo der Stadt Bochum und der Stiftung Bochumer Symphonie
Der Rat der Stadt Bochum hat am 09.03.2011 den Bau des Musikzentrums beschlossen, eines der wichtigen Projekte der Kulturmetropole RUHR. Erinnern wir uns: Nach vielen Gesprächen hat sich unter Einbezug der Marienkirche eine bauliche Komposition entwickelt, die Kunst und Kreativquartier modellhaft zusammenbringt. Das Musikzentrum finanziert sich neben den in Aussicht stehenden Landesmitteln und dem kommunalen Eigenanteil insbesondere durch Mittel der „Stiftung Bochumer Symphonie, ein Ergebnis bürgerschaftlichen Engagements“.
„Wichtig ist ein sichtbares Zeichen für das Bochumer Musikzentrum, eine Aktion die zeigt, das Bochum ernsthaft und mit dem Willen zur Verwirklichung an der Realisierung arbeitet“, so Thomas Jorberg, Vorstand der Stiftung.
Im Ältestenrat der Stadt Bochum teilte Thomas Jorberg gestern außerdem mit, dass die „Stiftung Bochumer Symphonie“ die Kosten des Architektenwettbewerbs übernehmen wird. Das wurde dort mit großer Freude aufgenommen, da mit der im Ratbeschluss geforderten rechtssicheren Zusage aller Gelder so schnell nicht zu rechnen ist. Ferner wird die Stiftung aus ihren vorhandenen Mitteln dem Land gegenüber eine feste Zusage geben, sich in gleicher Höhe wie die zusätzlichen Landesmittel (7 Mio. €) zu beteiligen.
Die neue Geschäftsführerin der Stiftung, Britta Freis, fügt hinzu: „Seit dem Baubeschluss des Bochumer Rates im letzten Monat können wir wieder mit großem Optimismus und dementsprechender Überzeugungskraft potentielle Spender ansprechen. Bei uns herrscht Aufbruchstimmung! Ab sofort diskutieren wir die neuartige, einzigartige kulturelle Ausrichtung des Musikzentrums, das elementare Musikausbildung mit exzellentem Kulturgenuss verbindet!“.
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Auch Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz, die sich stets für das Projekt eingesetzt hat, appelliert an alle Beteiligten, weiter „mit Volldampf“ an dessen Realisierung zu arbeiten. „Wir haben mit diesem Haus der Musik schon einen nicht immer einfachen Weg zurückgelegt.
Jetzt werden wir es gemeinsam im Endspurt zum Erfolg bringen.“
Wie bekannt ist, war eine Grundlage der Ratsentscheidung die Priorisierung des investiven Eigenanteils, der mit dem Gesamt-Investitionspaket zur Genehmigung der Bezirksregierung Arnsberg übermittelt wurde. Nachdem die Kreditgenehmigung für diesen Teil des kommunalen Investitionsplans zunächst von dort zurückgestellt wurde, da man dort für 2011 absehbar keine Baumaßnahmen und damit keinen Finanzbedarf sah, hat die Kommunalaufsicht nach Klärung dieser Fragen noch am Mittwoch dem am Montag übermittelten Antrag entsprochen und den erforderlichen Mittelanteil für die Beauftragung der Projektsteuerung genehmigt. Damit können die für den Wettbewerb notwendigen Vorarbeiten ungehindert weitergehen und es entstehen keine Zeitverluste. Unberührt davon stehen die Stadt Bochum, die Stiftung Bochumer Symphonie und die fördernden Ministerien laufend in einem intensiven und partnerschaftlichen Austausch.
Kulturdezernent Michael Townsend betont: „Das Musikzentrum ist weit mehr, als eine reine Bauaufgabe. Es hat an dieser Stelle große kulturelle sowie städtebauliche Bedeutung und wird das Lebensgefühl in der Stadt ebenso positiv beeinflussen, wie die anderen kulturellen Highlights Bochums.“
Sowohl die Vorplanung als auch die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs werden wichtige nächste Meilensteine sein, die in die Beratungen der politischen Gremien der Stadt Bochum einfließen, und den Stifterinnen und Stiftern sowie der Öffentlichkeit die Prozessfortschritte verdeutlichen werden. Die Stadt Bochum und die Stiftung werben ausdrücklich auch weiterhin um eine breite Unterstützung für das Projekt „Musikzentrum Bochum“.
Alle Voraussetzungen sind gegeben, damit der Prozess weitergehen kann. Die Aussichten sind weiterhin gut.
Und die wichtigste Botschaft ist: Es herrscht kein Stillstand, die Fahrt geht weiter!

Michael Townsend
Michael Townsend
13 Jahre zuvor

@Stefan Laurin: Es gab eine Umfrage mit genau umgekehrtem Ergebnis in den Ruhrnachrichten vor kurzer Zeit. In die Bochumer Schulen investieren wir zur Zeit eine Summe von ca. 90 Millionen Euro (!!!) incl. der Mittel aus dem Konjunkturpaket – die größte Einzelinvestition, die die Stadt in diesen Jahren vornimmt.

Ich halte unsere Bibliothek für wichtig, das Schauspielhaus, das Theater in der Rottstraße, das Prinz-Regent-Theater, die Musikschule….. Aber wenn wir da anfangen, festzuhalten, wo „man doch gut was kürzen kann, um es dem anderen zu geben“, wo hören wir dann auf? Catch as catch can der Kultureinrichtungen?

Bitte nicht!

Ich weiß auch, dass es kein Sonntagsspaziergang für die Stiftung wird, die restlichen Summen einzusammeln. Aber sie hat das Geld schon einmal zusammengehabt! Warum nicht noch ein zweites mal?

Städte, die sich heute in finanziell schlechten Zeiten inhaltlich gut aufstellen, werden die Gewinner sein, wenn’s mal wieder besser läuft! Und umgekehrt! Dafür lohnt sich auch mal ein kalkulierbares Risiko mit einem Projekt, das erst auf seinem Weg zur Realisierung komplett wird. Wer sich nicht bewegt, schläft ein.

Wir dürfen nicht nur immer fragen: „Können wir uns das leisten?“

Wir müssen uns eher fragen: „Können wir es uns leisten, uns nicht gut auszustatten mit Einrichtungen für die Seele und den Geist, für das Lebensgefühl und die Lebensqualität?“ Charles Landry hat vor kurzem in einer Rede sinngemäß gefragt, wie hoch der Preis für Hässlichkeit der Städte, für Langeweile, für fehlendes Lebensgefühl ist. So herum ist die Fragestellung auch plausibel.

Bochum ist der größte und exzellenteste Wissenschaftsstandort der Region. Ohne komplementäre Lebensqualität, ohne spannendes Umfeld, ja: sogar ohne künstlerische Bohème ist hier kein kreativer Kopf zu halten, wobei ich nicht zum Richard-Florida-Jünger geworden bin, sondern nur meine Lebenserfahrung und die Gespräche mit den Menschen bemühen muss, mit denen ich täglich zusammen bin.

Neben vielen Faktoren ist das auch einer, der für die Entwicklung Stadt zählt. Mehr verlangt keiner, als dass das auch akzeptiert wird. Aber auch nicht weniger!

68er
68er
13 Jahre zuvor

@ Hans Hanke: „Es herrscht kein Stillstand, die Fahrt geht weiter!“

Zugabe (von Robert Gernhardt)

Erdmännchen huschen durch die Nacht,
mit schrillem Schrei gen Osten.
Unstete Fahrt, gebt acht, gebt acht,
gleich rauscht ihr an den Pfosten!

Fritz Wepper
Fritz Wepper
13 Jahre zuvor

Also ich frage mich bei dieser Diskussion immer, wer all diese Konzerthäuser eigentlich besuchen und damit letztlich auch finanzieren soll. Nur mit dem Publikum aus der eigenen Stadt bekommt man diese Häuser nicht voll. Man ist auf Publikum aus der Umgebung angewiesen. Und das gilt natürlich auch für die Konzerthäuser in den anderen Städten des Ruhrgebiets. So wird durch ein weiteres Konzerthaus in Bochum nun eine ohnehin schon nicht unerhebliche Konkurrenzsituation weiter verschärft. Mal davon abgesehen, dass zumindest die namhaften Künstler natürlich nicht vier Konzerte in vier Städten geben werden. Somit verschärft sich die Konkurrenzsituation nicht nur bei den Einnahmen, sondern auch beim Booking. Die Folge wird sein, dass dies der Qualität aller betroffener Häuser schaden wird.

Und da kommt dann wieder der Punkt, an dem sich zeigt, dass die Ruhrgebietsstädte wieder einmal ihr eigenes Süppchen kochen, um für sich selbst den mutmaplich größtmöglichen (ideellen) Profit aus einer Sache zu ziehen, wo es doch gemeinsam viel besser gehen würde. Und wozu? Nur damit auch Bochum sagen kann: Hey, wir haben auch eins?

Hans Hanke
Hans Hanke
13 Jahre zuvor

@st laurin
ein schwerpunkt bochums sind seit ewigkeiten die BoSy. Also: Alles ok 🙂

Peter Sonnenschein
Peter Sonnenschein
13 Jahre zuvor

Die Schwerpunkte der Region sollten im Stadtteil beginnen. Für einen Bolzplatz in Bo-Linden ist plötzlich das von unserer Bürgermeisterin bereits zugesagte Geld nach Ablauf der Wartefristen weg. Zeitgleich wird Geld für den Platz des Europäischen Versprechens und ein Konzerthaus bereitgestellt. Ich frage, was ist eher möglich, dass ein gut bezahlter Angestellter einmal im Monat fürs hochwertige Konzert in 30 Minuten in die Nachbarstadt fährt oder das kleine Kinder sich täglich von den Eltern mit dem Auto zum Bolzplatz bringen lassen müssen oder gar auf der Strasse Fussball spielen müssen? Übrigens, auch die Beiträge für Musikschulen und Schwimmbadbesuche wurden zeitgleich erhöht. In Bochum wird das Geld derzeit merkwürdig verteilt.

Detlev Winkler
Detlev Winkler
13 Jahre zuvor

@ Herr Townsend
Das klingt jetzt aber alles eher nach Durchhalteparolen als nach Aufbruchstimmung und Begeisterung für ein tolles, breit getragenes Projekt.
Keiner der exellenten Köpfe die Bochum anwerben möchte und mit seinem Uni-Potential sicher auch kann, wird doch, wenn sie oder er überlegt zu kommen oder dann da ist, seine Wahrnehmung genau an der Stadtgrenze von Bochum enden lassen. Die werden – genau wie ich und viele andere – auch aus einem schon vorhandenen breiten und mindestens regionalen Angebot wählen. Und eigentlich ist doch alles schon da.
Wenn es hier in Dortmund im Theater ein tolles Stück gibt, geh ich da gern hin. Ansonsten hat das Schauspiel in Bochum den deutlich höheren Glamour-Faktor.
Da immer gut hinzukommen, und wieder weg. Oder meinetwegen auch nach Gelsenkirchen oder zu den Festspielen nach Recklinghausen oder nach Essen-Katernberg mit einem gut ausgebauten und vernetztem öffentlichen Verkehr, das wäre mal eine Aufgabe mit echtem Nutzwert, die aber leider nicht den Hochglanz-Faktor hat wie die vielen „ich seh den Wald nicht mehr vor Bäumen“ angeblichen Leuchturmprojekte, die ein einzelnes Gemeinwesen profilieren sollen.

Michael Townsend
Michael Townsend
13 Jahre zuvor

@68er: Es ist gemein, ausgerechnet Robert Gernhardt gegen mich und Hans Hanke ins Feld zu führen! Ich liebe jede Zeile von ihm und wenn er gegen mich verwendet wird, macht mich das hilflos!

Also: Bisschen mehr Respekt vor Robert!

Mein Lieblingsgedicht von Gernhardt:

Sonette find ich so was von beschissen,
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich richtig krank zu wissen,
daß wer Sonette schreibt,
daß wer den Mut
hat, heute noch so’n dumpfen Scheiß zu bauen;
allein der Fakt, daß so ein Typ das tut,
kann mir in echt den ganzen Tag versauen.
Ich hab da eine Sperre. Und die Wut
Darüber, daß so’n abgefuckter Kacker
Mich mittels seiner Wichserein blockiert,
schafft in mir Aggressionen auf den Macker.
Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und wills echt nicht wissen:
Ich find Sonette unheimlich beschissen.

So long.

Urmelinchen
Urmelinchen
13 Jahre zuvor

Ach, bevor wir es vergessen, hüpft da im Zuge des Konzerthauses nicht noch diese kleine neckische Kröte umher, die es zu schlucken gilt: die Übernahme der Jahrhunderthalle.

Und wenn jemand jetzt der irrigen Annahme verfallen möchte, die Vermietung dieses Objekts stelle kein Problem dar, schließlich hatte man ja u.a. im letzten Jahr den Echo Jazz dort zu Gast, der sollte vor dem folgenden Hintergrund noch mal geschwind nachdenken: Musikrat – Gorny – Kulturhauptstadt – 2010; 2011 Kulturhauptstadt vorbei!

Vor dem Hintergrund der herrschenden Haushaltslage sowie des kleinen Supplements „Kröte“ halte ich den Bau eines Musikzentrum formerly known as Konzerthaus alles andere als für ein „kalkulierbares Risiko“, sondern eher für ein finanzielles Harakiri, zumal, wie bereits von mir erwähnt, stark bezweifelt werden darf, dass mit gerade mal 33 Mio. ein vernünftiges Konzerthaus zu bauen ist.

PS: Bezüglich Einsparmöglichkeiten hinsichtlich des Baus gab es vor gut zwei Jahren bereits folgenden Vorschlag aus den Reihen der SPD, der damals wie heute ein leichtes Grinsen bei mir hervorruft.

Als „Stellschraube”, um die Kosten für die Bochumer Symphonie zu senken, sieht Fleskes die Materialkosten, „die sehr hoch” liegen würden: „Es muss ja nicht überall Parkett liegen. An manchen Stellen genügt vielleicht auch Laminat.”

Quelle:https://www.derwesten.de/staedte/bochum/Fleskes-will-harte-Linie-fahren-id1161054.html

Arnold Voß
Arnold Voß
13 Jahre zuvor

@ Stefan, @ all

Wie hier jeder weiß, bin ich ein Befürworter der Ruhrtstadt. Für die, die es noch nicht wissen siehe: https://www.ruhrbarone.de/wie-real-ist-die-ruhrstadt/

Das Problem ist nur, dass sie nicht kommen wird, weil sie die politisch Verantwortlichen im Ruhrgebiet in ihrer großen Mehrheit nachwievor nicht wollen. Nicht mal ein direkt gewähltes Ruhrparlament lässt sich in näherer Zukunft durchsetzen und vom RVR ist unter der neuen Chefin diesbezüglich auch keine Änderung zu erwarten.

Unter diesen Bedingungen halte ich das Argument, das Ruhrgebiet braucht kein weiteres Konzerthaus, für irrelevant. Es gibt nämlich keine Instanz die das demokratisch bestimmen könnte. Ebenso gilt auch nicht das Argument, die Bochumer könnten doch nach Essen oder Dortmund fahren, weil es da schon Konzerthäuser gibt. Das gilt nämlich umgekehrt genauso, und die Dortmunder und Essener hätten sich durch dieses Argument genauso wenig vom Bau ihrer Konzerthäuser abbringen lassen.

Auch das Argument der Schulden ist in diesem Zusammenhang irrelevant. Denn den Essenern und den Dortmundern und den Duisburgern steht das Wasser ebenfalls bis zum Hals. Es ist ihnen egal, weil sie wissen, dass sie sich, eben weil es eine Ruhrtstadt nicht gibt, in einem gnadenlosen Konkurrenzkampf befinden, bei dem man nur gewinnen kann, wenn man sich weiter verschuldet. Das ist natürlich nicht gut, aber es ist trotzdem die Realität.

Es geht also bei der Entscheidung über das Bochumer Musikzentrum um viel mehr als um eine weitere Kultureinrichtung für das Ruhrgebiet. Es geht um die Positionierung der Stadt Bochum im Wettstreit der „Big 4“ der Stadtregion. Die Chance der Stadt Bochum liegt hier in der einmaligen Möglichkeit, etwas zu entwickeln, dass die anderen 3 nicht haben und auch nicht haben können.

Zusammen mit dem neuen Musikzentrum wird in fussläufiger Entfernung zum Bahnhof und zur City eine Dichte an Kultureinrichtungen, Freizeitstätten und kreativem Einzelhandel verwirklicht, die in der Region einmalig ist. Auf dieser Basis findet die Bochumer Innenstadt eine Rolle im Konzert der Ruhr-Großstädte, die ihre keiner mehr nehmen kann und die noch weiter ausbaufähig ist, weil Menschen die so etwas suchen und brauchen, zunehmen und davon angezogen werden.

Wenn die Stadt diese Chance nicht nutzt, wird es ihr niemand der umliegenden großen Städte danken, weil sie so „vernüftig“ war, im Interesse aller anderen auf ein Konzerthaus/Musikzentrum zu verzichten. Toll wenn es so wäre. Aber auch hier sieht die Realität anders aus. Egal was da immer vom großen Wir in der Metropole Ruhr gefaselt wird. Es gibt im Ruhrgebiet nur da ein Wir, wenn man zusammen profitiert. Da, wo das nicht der Fall ist, wird konkurriert was das Zeug hält.

Wenn die Stadt Bochum auf Dauer nicht konkurrenzfähig wird, dann wird sie zwischen den Essen und Dortmund Stück für Stück zerrieben bzw. gerät sie in einen weitere Abwärtspirale. Das angestrebte Kulturcluster entlang der Viktoriastraße ist deswegen ein Schlüsselprojekt in der Bochumer Stadtentwicklung und das muss man bedenken, wenn darüber diskutiert, wo denn das Geld für das Musikzentrum besser angelegt wäre. Es gibt Verzichtsmöglichkeiten die weit weniger negative Folgen für die Zukunft der Stadt Bochum haben.

Erika
Erika
13 Jahre zuvor

Essen, Gelsenkirchen und Dortmund haben schon genug mit ihren Konzerthäusern zu kämpfen. Ich denke Bochum hat und wird noch einige Alleinstellungsmerkmale finden.. 🙂

Bürokratenfeind
Bürokratenfeind
13 Jahre zuvor

#16 @Townsend

„Es ist gemein, ausgerechnet Robert Gernhardt gegen mich und Hans Hanke ins Feld zu führen! Ich liebe jede Zeile von ihm und wenn er gegen mich verwendet wird, macht mich das hilflos!“

Die Diskussion verläuft wie immer.
Vom hohen Roß herab, flankiert von seinem infantilen Knappen Hanke ( Zitat Hanke: „Und die wichtigste Botschaft ist: Es herrscht kein Stillstand, die Fahrt geht weiter!“) pariert der mächtige Townsend alle Hiebe. Er ist ja gewohnt, in seinem Job allen Schwierigkeiten auszuweichen. Schwierkeiten sieht er nicht als Weg. Probleme werden an andere weitergegeben. Zwar registriert sein Unterbewußtsein diesen Zwiespalt. Townsend zieht daraus aber keine Konsequenzen, er müsste nämlich seinen Job aufgeben. Stattdessen flüchtet er in einen Zynismus, der ihn irgendwann selbst zerstören wird.
Ich bin immer wieder erstaunt, was ein bürokratisches Leben bewirken kann.

trackback

[…] für das Musikzentrum (Ruhr Nachrichten) – Jetzt geht es doch – und die Danksagung der Ruhrbarone an Regierungspräsident Gerd Bollermann ist […]

Urmelinchen
Urmelinchen
13 Jahre zuvor

Die Befürworter sprechen davon, dass Bochum mit dem Musikzentrum die Möglichkeit hat, etwas Einmaliges zu schaffen. Fangen wir doch mal bei dem Zentrum selbst an. Folgendes ist dazu auf der Seite der SPD zu lesen:

Konkret geplant ist demnach die Verbindung des neu zu errichtenden Proben- und Aufführungsaals mit einem kleineren Musiksaal in der Marienkirche zu einer großen künstlerischen Einheit. “Die Vision: ein musikalisches Produzenten-, Präsentations- und Bildungshaus, eine hochkarätige Proben- und Spielstätte”. Das Musikzentrum bilde “als Mikrostruktur das ab, was es als Makrostruktur umgibt: Es wird zum Ankerpunkt und Impulsgeber des Kreativ-Quartiers entlang der Viktoriastraße”.
Ein Schwerpunkt soll auf der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegen. Die Aktivitäten werden sich nach den Vorstellungen der Verwaltung nicht nur auf die Spielstätte selbst konzentrieren, sondern durch Performances und Workshops das ganze Viertel mit einbeziehen. “So werden auch Kinder erreicht, die bislang keinen Kontakt zu kultureller Bildung hatten”, heißt es in dem Konzept. Es listet eine Reihe von Beispielen für mögliche Nutzungen auf: Tedyybärenkonzerte, Tafelmusik oder – in Anlehnung an ein Projekt aus dem Kulturhauptstadtjahr – auch ein Bochumer Day of Song.
Quelle:https://www.spd-bochum.de/?tag=musikzentrum

Die vermeintlich große Vision, besteht also in der Zentralisierung der Musikeinrichtungen Bochums. WOW! Das grenzt ja geradezu an Genialität!
Von den Befürwortern, die mich natürlich ruhig des Zynismus bezichtigen dürfen, käme vielleicht jetzt ein typischer Begriff wie Synergieeffekte.
Das mag ein schönes Schlagwort sein, leider oft eher hohler Natur. Oder glauben die Stadtväter und -mütter allen Ernstes, nach der Nachmittagsprobe schauen die Orchestermusiker und Herr Sloane bei den Musikschülern vorbei, beseelt von dem Gedanken unter den Reihen der Kinder befindet sich der ein oder andere zukünftige Profimusiker.
Nein, wird man schreien, das ist doch nicht Synergie! Ach so, ja stimmt, man kann z.B. viele Kooperationen/gemeinsame Projekte machen und darüber die Eltern der Schüler genauso wie diese selbst in die Konzerte der BoSy locken.
Gibt es doch schon längst. Um noch mehr zu machen, müsste man den Etat der BoSy um ein Wesentliches aufstocken und mehr Musiker engagieren, denn der Orchestermusiker an sich ist SEHR gut organisiert und arbeitet nicht mehr als nötig bzw. gesetzlich vorgeschrieben – Musikzentrum hin oder her. Man möge einfach nur einen Blick in den äußerst detaillierten TVK werfen. (Selbst das Kleidergeld ist dort geregelt.)

Auch die vollblumig angedachten Performances und Teddybärenkonzerte (drolliger Ausdruck! Kulturvermittlung für Anfänger???), die ja zur bestehenden Education-Arbeit der BoSy sicherlich on top kämen, wie sonst könnte man die Einmaligkeit dieses Konzepts legitimieren, benötigen zur Realisierung das ein oder andere Eurochen. => wiederum Erhöhung des Etat

Und ganz am Ende: die Kinder, die bislang noch nicht mit kultureller Bildung in Berührung gekommen sind, etwas, was heutzutage in jedes Konzept gehört. Benachteiligte Kinder an Kultur heranzuführen, ist für sich genommen ein ehrenwertes Ziel (Schade, dass die weitere Finanzierung von JEKI derzeit nicht endgültig gesichert ist.) Wenn es aber zur Sprechblase verkommt, mit der man bei der Landesregierung Geld ergattern kann, um sein Konzerthaus zu finanzieren, dann hat es einen fiesen Beigeschmack.
Ich stelle mir gerade vor, wie die BoSy als Spielmannszug musizierend durch die Straßen wandeln, um das Viertel mit „einzubeziehen“. Haha!
Aber das nur am Rande, Spaß beiseite: Ein kleiner Blick auf die Personaldecke der Educationabteilung und das aktuelle Programm zeigt, dass derartige Visionen ohne Etat- und Personalaufstockung nicht zur realisieren wären.

Was bleibt schlussendlich von diesem fulminanten Konzept, rechnen wir die Dinge ab, die auf einer Etaterhöhung beruhen, richtig, die Zusammenlegung der bestehenden Musikeinrichtungen. Nein, wie großartig, da war ja ein wahrer Visionär am Werk.

PS: Die Befürchtung, ohne Konzerthaus werde Bochum irgendwann zwischen Dortmund und Essen zerrieben werden, erscheint mir relativ unbegründet, haben doch die genannten Städten mit dem Problem der Abwanderung bereits genug zu kämpfen. Wenn man selbst zum Krümel mutiert, wie will man da bitte schön noch jemanden zerreiben, vor allem ohne sich schlussendlich selbst zu zerbröseln ;-)?!

68er
68er
13 Jahre zuvor

Wenn ich das Stichwort JEKI lese, kommt mir die Galle hoch, weil dieses Projekt eigentlich als wunderbares Beispiel dafür dient, woran gute Kulturpolitik im Ruhrgebiet derzeit scheitert: am Geld.

Die Idee von JEKI ist eigentlich super, aber die klammen Kassen, führen wahrscheinlich dazu, dass es scheitern wird. Denn ähnlich wie bei der Ganztagsbetreuung in den Grundschulen, bei der nicht bedacht wurde, dass die Eltern eine solche Betreuung dann auch in den weiterführenden Schulen erwarten, werden die Musikschulen – zumindest in Bochum – die Welle der JEKI-Kinder nicht bewältigen, die nach der Grundschulphase in den regulären Musikschulbetrieb überwechseln wollen. Dazu fehlt nachvollziehbar das Geld. Die Musikschullehrer klagen darüber mehr oder weniger hinter vorgehaltener Hand, auch über die Gruppengrößen bei JEKI, aber nach außen ist alles prima. Hauptsache unsere lokalen Kaiserlein haben mal wieder neue Kleider an und können dazu an irgendwelchen EU- oder Konjunkturpaket-Fläschchen nuckeln. Oder wäre hier eine Junkie-Metapher passender gewesen?

Wawa
Wawa
13 Jahre zuvor

Die Damen und Herren, wie hängt mir diese Konzerthaus, ‚tschuldigung, Musikzentrum-Debatte zum Halse raus. Bevor jetzt wieder von SPD-Freunden kommt „ähhhh, Kunstbanause“, so sei gesagt, dass ich unter normalen Umständen der letzte wäre, der sich gegen ein Haus für die Musik ausspricht. Aber, wir haben in Bochum – und in vielen anderen Städten – keine normalen Verhältnisse. Es fehlt an Geld. Kindergärten, Schulen oder Stadtbüchereien mit Konzerthäusern gleichzusetzen, bringt eigentlich nicht, man merkt dies an den Kommentare der Angesprochenen, wie Herrn Townsend.
Aber glauben die Beteiligten Politiker etc. wirklich, dass ein Haus für 33 Millionen Euro gebaut werden könnte? Das auch noch klingt? Das nach fünf Jahren nicht saniert werden muss? Haben Sie einmal nach Hamburg geschaut? Nach Luzern? Alle Häuser haben bisher mehr gekostet, und da ging und geht es nicht um 250.000,- Euro, sondern um zig Millionen. Oder schauen Sie nach München? Auch dort tobt eine Debatte, ob sich eine – verhältnismäßig – reiche Stadt ein neues Konzerthaus leisten will. Derzeit sieht es eher so aus, dass ein solches aus finanziellen Gründen nicht gebaut werden wird. Sind die Bayern doch schlauer? Oh GOtt! Aber Bochum hat es ja!
Fangen Sie an mit dem Bau. Sie werden sehen, 50 Millionen und mehr werden am Ende für etwas zusammenkommen, das in unserer städtischen Gesellschaft keinen Rückhalt hat. Auch bei Kulturinteressierten Bürgern.

Also, liebe SPD, liebe Grüne, liebe CDU, liebe FDP. Macht Schluss mit Euren Hirngespinsten und Leuchttürmen! Die Kulturhauptstadt ist vorbei (und keiner hat es gemerkt…….)

Urmelinchen
Urmelinchen
13 Jahre zuvor

Schwups, da geht es auf einmal auch für 150.000 bis 200.000 €!

So schnell kann manchmal unsere Politik sein, wenn sie partout mit dem Kopf durch die Wand will bzw. der Druck auf einzelne Personen doch sehr groß sein muss, da bei Nicht-Realisierung des Musikzentrums, und das ist jetzt reine Mutmaßung, vielleicht das ein oder andere Pöstchen vakant würde.
Quelle: https://www.derwesten.de/staedte/bochum/Geld-fuer-die-Bauplanung-vom-Musikzentrum-Bochum-liegt-bereit-id4545476.html

Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Und die zu „ersammelnden“ 4 Mio. stehen noch aus. Vielleicht sieht man ja demnächst Herrn Jorberg mit dem Klingelbeutel durch die Straßen ziehen ;-). Oder es werden in Arztpraxen, die viele Privatpatienten betreuen, noch mehr von diesen kleinen neckischen Sammelbehältern aufgestellt. Hauptsache der in die Jahre gekommene Grönemeyer wird nicht wieder eingeflogen, um am Ende gar noch ein Liedchen zu komponieren. Sein Opus für die Kulturhauptstadt war mehr als ideenlos, weil melodisch und textlich nicht einmal „schwach ausreichend“.

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