Boris Gott: Hab keinen Gott, nur Alkohol…

Boris Gott ist innerhalb weniger Wochen zu einem meiner Lieblingsmusiker geworden. Zeit, ihn mit hemmungslosen Fantum zu preisen.

Klar. Für einen Jungen aus dem Norden kann die Welt ganz schön hart sein. Das schöne, gute und kluge Mädchen aus der Südstadt ist unerreichbar und der Süden fängt in Dortmund ja an der Saarlandstrasse an. Also: Vergiss es. Natürlich nicht.

Boris Gott kommt gar nicht aus der Nordstadt sondern aus dem Sauerland und sein richtiger Name klingt nicht halb so gut wie sein künstlicher, also lassen wir das.

Gott besingt in vielen seiner Lieder die Dortmunder Nordstadt. Hier wohnt er seit zehn Jahren. Ein Viertel, der besonderen Art: Bulgarische Nutten, Subrosa und Sissikingkong, Studenten, Nazis, Autonome, Arbeiter, Arbeitslose, Dönerbunden und frittierte Curryfleischwurst prägen hier ein Bild von nahezu babylonischer Unübersichtlichkeit. Das macht die Nordstadt zu einer der spannendsten Ecken des ganzen Ruhrgebiets. Die Nordstadt ist so bunt, wie das Bochumer Ehrenfeld gerne wäre und so hart, wie sich Marxloh träumt.

Und all das schwingt in seinen Stücken mit. OK, Gott sieht in seinem weißen Anzug ein wenig so aus wie Bernd Begemann nach einer Diät, aber kann man ihm das vorwerfen? Natürlich nicht. Man sieht nach 60 Jahren Pop immer aus wie irgendjemand anderes – oder wie ein kompletter Schwachkopf.

Die Lieder sind lakonisch. Hier scheint kein Selbstmitleid durch, sondern Humor und eine gewaltige Portion Trotz. Und Trotz ist immer gut, zumal wenn man, wie Boris Gott es in RTL und Rohypnol beschreibt, keinen Gott hat, sondern nur den Alkohol. Der ist bei den Sorgen, die diese Welt jeden Tag für einen neu bereit hält, keine Lösung, aber das ist Milch auch nicht. Mit Trotz kommt man durch den Tag, mit Alkohol durch die Nacht. Geht alles.

Gott ist ein Hoffungsträger – nagut, den Satz unterschreibt einem jeder Pfarrer. Boris Gott ist es  für nicht peinliche Musik aus dem Ruhrgebiet. Die hatte immer schon Seltenheitswert. Und deshalb sollte man sich über Boris Gott freuen. Also ab auf Youtube, Gott-Videos gucken. Und dann ab auf die vielen Konzerte, die der Mann überall in der Region spielt. Werft Unterhosen auf die Bühne. Zeigt ihm, dass ihr ihn liebt. Sonst geht der noch nach Berlin oder Hamburg und wird berühmt.

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21 Kommentare

  1. #1 | bodo sagt am 9. September 2010 um 17:05 Uhr

    Schöner Text!
    Als Fans und Nordstadtnachbarn bitten wir darum, ausnahmsweise (gemeinnützige) Werbung machen zu dürfen:
    Boris spielt morgen mit Tommy Finke und, ja: Tom Liwa beim 15. Geburtstag des Bochum-Dortmunder Straßenmagazins bodo im Depot (Do-Nord).
    Der Eintritt und das Essen sind frei.
    Weitere Gäste sind der Dortmunder Theaterintendant Kay Voges und der Vorsitzende des Pressevereins Ruhr Kay Bandermann.
    Moderiert wird die Veranstaltung vom Kollegenbaron Martin Kaysh.
    Beginn ist 16.00 Uhr.

  2. #2 | Radio Kreta sagt am 9. September 2010 um 17:23 Uhr

    Göttliche Musik.

    Der geht nicht nach HH oder Berlin.
    Der kommt nach Kreta.

    https://www.radio-kreta.de/gottliche-musik/

    Live in Ierapetra

    Wir freuen uns drauf. So wird man berühmt.

  3. #3 | Stefan Laurin sagt am 9. September 2010 um 17:28 Uhr

    Kreta ist natürlich zig Mal cooler als Berlin und Hamburg. Aber behaltet ihn bitte nicht da…

  4. #4 | Radio Kreta sagt am 9. September 2010 um 17:36 Uhr

    Drei Stunden Konzert, 30 Tage Auszeit. So läuft das hier. Einfach göttlich.

  5. #5 | Bernhard Ludwig sagt am 9. September 2010 um 17:39 Uhr

    Laurin offenbart mal wieder seltsamen Geschmack.
    Die Knalltüte kann doch überhaupt nicht singen und der gesamte Auftritt ist von vorgestern.

  6. #6 | Stefan Laurin sagt am 9. September 2010 um 17:41 Uhr

    @Bernhard Ludwig: Seltsame Gegend, seltsamer Geschmack…

  7. #7 | Radio Kreta sagt am 9. September 2010 um 17:45 Uhr

    Kreta ist vorvorgestern und singen muss man auch nicht können. Also passt doch.

  8. #8 | Stefan Laurin sagt am 9. September 2010 um 17:47 Uhr

    @Radio Kreta: Dir ist schon klar dass ich kretische Vorfahren habe? 🙂

  9. #9 | Helmut Junge sagt am 9. September 2010 um 18:01 Uhr

    Das ist Kulturaustausch. Ich habe mir auf Kreta „Son of Psiloritis“, eine CD von Psarantonis gekauft und bin davon fasziniert.

  10. #10 | Radio Kreta sagt am 9. September 2010 um 18:08 Uhr

    Und ich hab Psarantonis letzte Woche getroffen und wir haben Raki getrunken. Klein ist die Welt.

  11. #11 | Helmut Junge sagt am 9. September 2010 um 18:26 Uhr

    Der Psarantonis, das ist ein ganz großer Musiker, der hier mal auftreten sollte. Aber leider werden hier, im Fernsehen, die Schlagerfuzzies bevorzugt.
    Das soll jetzt aber nicht gegen den Geschmack von Stefan gehen.

  12. #12 | Barbara Underberg sagt am 9. September 2010 um 21:08 Uhr

    Schöner Schluss.
    Letzten Samstag beim Bochumer Musiksommer erstmals gehört. Gut! Morgen bei Bodo wieder. 🙂

  13. #14 | Dortmunder sagt am 9. September 2010 um 22:11 Uhr

    Man merkt, dass Gotts Boris Zugereister ist. In Dortmund gibts keine „Südstadt“. Weder stadtgeographisch, noch geopolitisch, geschweige denn umgangssprachlich.

    Der Song hätte heißen müssen:
    „Mädchen aus dem Saarlandstraßenviertel“, oder vielleicht auch „Mädchen aus dem Kreuzviertel“. Je nach dem, wo die Ische mit ihren Kolleginnen Zahnarztfrauen abhängt. Wobei: Schampein schlürft frau in Kirchhörde oder Lücklemberg.

    Boris, wir sollten mal nen Pils trinken, aber hinterm Bahnhof.

  14. #15 | Stefan Laurin sagt am 9. September 2010 um 22:24 Uhr

    @Dortmunder: Das kluge, gute und schöne Mädchen aus dem Saarlandstraßenviertel hätte es natürlich perfekt getroffen.

  15. #16 | Perik O'Loso sagt am 10. September 2010 um 02:34 Uhr

    @Dortmunder: Hömma, hier meldet sich das Klinikviertel. Du hast ja recht, aber in meinen Heften sage ich auch immer „Kaiserstraßenviertel“ oder „Saarlandstraßenviertel“, obwohl das nicht so richtig rockt. Lass den Boris mal von der Südstadt singen, das ist dann irgendwie bei Mama Mia oder am Tresen der Wilhelm-Busch-Stuben. Warste da mal? Ist nicht schlecht. Billig Pils und Schlager, ich finds töffte.
    Übrigens, kuck ma auffe Uhr, komme gerade vom Boa-Gig in Krefeld zurück. Klasse! Wenn einer morgen nach Münster will, ist leider ausverkauft. Kommt einer mit nach Halle?

  16. #17 | Helmut Junge sagt am 10. September 2010 um 08:46 Uhr

    @Dortmunder,
    „In Dortmund gibts keine “Südstadt”. Weder stadtgeographisch, noch geopolitisch, geschweige denn umgangssprachlich.“
    Ich hatte nicht gedacht, daß das sein kann, wo es doch Dortmund-Nord gibt.
    Dann sollte es doch auch Dortmund -Süd geben? Denkste. Muß mich belehren lassen.
    Aber glücklicherweise ist mir eingefallen, daß meine liebe Stadt Duisburg keinen Ostteil hat, wohl Nord, Süd und West, und Mitte. Aber eben keinen Ostteil.
    Also Dortmunder, kein Grund zu Angeben.
    Übrigens hat ein, im Kommentar @Bodo, erwähnter Musiker, der im Duisburger Süden wohnt, gestern morgens 40 Minuten gebraucht, bis er in meiner Wohnung im Duisburger Norden war. Ich schätze, daß er dann gestern Abend für die Fahrt nach Do-Nord. nicht wesentlich länger benötigt hat. Soviel zur geopolitischen Größenordnung.

  17. #18 | hans kollekta sagt am 13. September 2010 um 13:59 Uhr

    absolute zustimmung!

    ich hatte meine „erweckung“ schon vor ein-zwei jahren. ich war damals sicher das sich dem boris schon ganz bald ein (viel) größeres publikum öffnet.
    die hoffnung habe ich noch immer und deshalb kann mich dieser artikel nur erfreuen.

    zwei dinge würde ich gerne noch selber prüfen:

    ist der begemann echt so fett geworden?
    und
    gibts die fritierte fleischwurst in der nordstadt tatsächlich?

    ich werde das klären.

    gruß.

  18. #19 | Gott wohnt in der Nordstadt – Ein Portrait von beiden | Ruhrbarone sagt am 27. September 2010 um 10:32 Uhr

    […] Envio entfernt. Die Nordstadt beginnt direkt hinter dem Hauptbahnhof, seit zehn Jahren ist Gott hier, gekommen aus Kehl am Rhein, dem Sauer- und dem Münsterland. 1977 haben seine Eltern sich […]

  19. #20 | manassas sagt am 6. November 2010 um 13:32 Uhr

    Bis jetzt 6mal live gesehen. Schon klasse. Deswegen wird die Release-Party im FZW in Do auch mitgenommen.

  20. #21 | Boris Gott | Ruhrbarone sagt am 9. November 2010 um 09:25 Uhr

    […] Boris Gott, Mittwoch, 10. November, 19.30 Uhr, Subrosa, Dortmund […]

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