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Boykott von ZDF und Prognos Studien: Aus dem Ruhrgebiet wird das Schmollgebiet

Milliardengrab Industriekultur: Zeche Zollverein FotoLizenz © Jochen Tack/Stiftung Zollverein


Nach einem Bericht der WAZ wollen die Städte und Landkreise des Ruhrgebiets zwei Studien des ZDF und des Wirtschaftsforschungsinstitutes Prognos boykottieren. Der Grund: Man würde sowieso auf den hinteren Plätzen landen.

Egal um was für ein Ranking es sich handelt, eines ist sicher: Das Ruhrgebiet landet auf den hinteren Plätzen. Das ist seit Jahren so und es gibt keinen Grund daran zu glauben, dass sich dies in der kommenden Zeit ändern wird. Die Oberbürgermeister und Landräte der elf Großstädte und vier Landkreise des Ruhrgebiets haben nun daraus die Konsequenzen gezogen. In einem Brief an das ZDF, welcher der WAZ vorliegt, teilen sie mit, dass sie an zwei Studien zu den Themen Senioren und Familien nicht teilnehmen werden. „Die teils heftigen Debatten der zurückliegenden Monate nach Veröffentlichung der ,Deutschland-Studie’ haben uns nicht nur keine neuen Erkenntnisse geliefert; sie haben uns hier in der Region auch nicht weiter gebracht … Wir sind nicht der Überzeugung, dass wir uns an einer Studie beteiligen sollten, deren negatives Ergebnis … absehbar und teilweise systematisch begründet ist.“ Zitiert die WAZ aus dem Schreiben.

Die Logik erinnert an einen Schüler, der nicht mehr zum Mathematikunterricht geht, weil er sowie schlechte Noten bekommt – anstatt endlich seine Hausaufgaben zu machen und zu lernen.

Dass das Ruhrgebiet und seine Kommunen in allen Vergleichen mit anderen Städten und Regionen schlecht abschneiden, ist keine Frage der Methodik oder eine große Ungerechtigkeit. Wenn Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) der WAZ mit Blick auf eine jüngst veröffentlichte Studie zu Lebensqualität im Ruhrgebiet sagt: „Wir wissen von der hohen Langzeitarbeitslosigkeit. Aber ich frage mich noch immer, welchen Einfluss das auf die Lebensqualität hat.“  Kann man dies nicht ohne eine gewisse Erschütterung lesen. Langzeitarbeitslosigkeit macht Menschen unglücklich, verursacht körperliche und psychische Krankheiten. Und sie macht arm. Was das mit der Lebensqualität zu tun hat? Sehr, sehr viel.

Das Alexander Marinos in einem Kommentar in der WAZ den Politikern beispringt und schreibt „Wenn dann der gemeine Statistiker kommt und sagt, ja, scheiße sei es zwar auch woanders, aber nirgendwo so sehr wie im Pott, dann hört der Spaß auf. So fühlt sich das hier nicht an! Das ist ein schwer erträgliches Zerrbild.“ zeigt dies das ganze Elend des Ruhrgebiets, das nicht einmal zu Selbstkritik fähig ist. Nein, die Studien geben kein Zerrbild ab. Sie zeigen eine Wirklichkeit, die das Ergebnis eine jahrzehntelangen Versagens der Politik ist und die Folge eine Lethargie der Menschen im Revier, die all das erduldet, ja unterstützen und sich mit dem dümmlichen Spruch „Woanders is auch scheiße!“ trösten.

Dass Oberbürgermeister und Landräte mit SPD- und CDU -Parteibuch den Brief an das ZDF unterzeichnet haben, raubt zudem jede Hoffnung, dass ein Politikwechsel zu einer Verbesserung der Lage führen könnte. Der feste Wille die Wirklichkeit zu ignorieren vereint die Politiker über die Parteigrenzen hinweg. Wie trotzige Kinder schließen sie die Augen, vor dem, was sie nicht sehen wollen. Und wie bei trotzigen Kindern wird das nichts am Elend ändern. Wenn der Brief eines geschafft hat dann, dass es dem Ruhrgebiet erneut gelungen ist, sich auf einem noch nie da gewesenen Maß zu blamieren. Auch das erschien kaum noch möglich, aber es gelang den Oberbürgermeistern und Landräten. Chapeau.

Das Ruhrgebiet trägt den allergrößten Teil der Verantwortung an seinem Elend selbst. Wirtschaftliche Umbrüche gab es in vielen Regionen. In Westfalen brach die Textilindustrie weg, der Osten musste sich nach dem Beitritt zu Bundesrepublik neu erfinden, Bayern schaffte es, sich von einem armen Agrarland zu einer High-Tech Region zu entwickeln.

Das Ruhrgebiet indes hat versagt und das lag nicht an mangelnder Unterstützung: Ungezählte Milliarden flossen seit den sechziger Jahren in das Ruhrgebiet: Kohlesubventionen, die eine tote Industrie ohne Zukunft am Leben  erhielten, Geld für Stadtumbaumaßnahmen wie die IBA, europäische Strukturhilfen, Geld für Ansiedlungen. Dass das Ruhrgebiet den Wiederaufstieg verpasst hat, liegt nicht an der mangelnden Unterstützung.

In den 60er und 70er Jahren blockierten Politik und Wirtschaft mit der Bodensperre die Ansiedlung von Unternehmen. Für über eine Milliarde Euro kauften Ruhrgebietsstädte Anfang des Jahrzehnts das Energieunternehmen Steag auf Pump. Während die Schulen vergammeln leisteten sich Bochum, Dortmund und Duisburg neue Konzerthäuser. Wie Kindergartenkinder auf dem Rummel einem bunten Ballon liefen hier die Verantwortlichen Träumereien von Kreativwirtschaft und Tourismus als neue Jobbringer hinterher. Man leistet sich einen teuren und schlechten öffentlichen Nahverkehr mit über einem Dutzend Nahverkehrsunternehmen, die vor allem der Versorgung der eigenen Parteifreunde mit Jobs dienen. Anstatt sich auf  die Ansiedlung von moderner Industrieunternehmen zu konzentrieren, musealsiert man Industrie und feiert Zechenruinen als Industriekultur, für deren Erhalt wieder Milliarden ausgegeben werden müssen. Die Ruhrgebietsstädte betreiben tausende Unternehmen und berauschen sich am Bild der Stadt als Konzern. Ihre Erfolglosigkeit stört sie nicht. Nun soll auch noch ein Regionalplan umgesetzt werden, der dem Ruhrgebiet Flächen zur Entwicklung nimmt. Auch das geschieht selbstbestimmt. Und für eine dümmliche Werbekampagne gibt man Millionen aus, um sich zum Kasper zu machen:

Dass die Region heute abgehängt ist, hat seine Ursachen in einem Hang zur Verzerrung der Wirklichkeit, Filz und Überschätzung.

Und die Menschen im Ruhrgebiet tragen all das mit. Ihre Mentalität ist längst ein Teil des Problems. Aus einer Region von Machern ist ein Gebiet von genügsamen Hängern geworden. Die Menschen im Ruhrgebiet und ihre Politiker passen leider zusammen.

Wenn Prognos nicht an die Daten der Städte für die Studien zu Senioren und Familien kommt, weil die Oberbürgermeister und Landräte die Antwort verweigern, bietet sich dieses Blog an, die Herausgabe notwendigen Daten über Presseanfragen zu erreichen. Wir werden die Antworten auch gerne einklagen.

 

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43 Kommentare zu “Boykott von ZDF und Prognos Studien: Aus dem Ruhrgebiet wird das Schmollgebiet

  • #1
  • #2
    Franz Przechowski

    "Mal in ächt gesacht" – welcher Schwachkopf hat den die "Stadt der Städte" Anzeige verzapft? Tut ja nicht nur weh, sondern lässt mich fremdschämen…

  • #3
    ke

    Rankings gibt es überall. Das sie alle Schwächen haben ist auch klar. Im Wettbewerb habe ich mich also an diese Regeln zu halten, oder ich versuche, sie zu ändern.

    Deshalb ist die Reaktion der Ruhrgebietsstädte bzgl. der fehlenden Unterstützung nicht nachvollziehbar. Die generelle Kritik an dem Design von vielen Rankings ist aber nachvollziehbar.

    Denn Studien wählen natürlich auch so wichtige Werte wie "Anteil der Raucher" aus. Da ist es dann aus meiner Sicht wenig nachvollziehbar, dass der Autor, der sich über das schlechte Abschneiden der Ruhrgebietsstädte beklagt, bspw. hier mit Zigarette zu sehen ist :-).
    https://www.salonkolumnisten.com/autor/stefanlaurin/

    Studien wollen auch Kultur sehen. Deshalb ist auch ein Konzerthaus sinnvoll.

    Nehmen wir den Artikel des General Anzeigers:
    http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/wirtschaft/region/Land-b%C3%BC%C3%9Ft-f%C3%BCnf-Pl%C3%A4tze-im-Ranking-ein-article4082027.html
    "Positiv auf die Gesamtbewertung Bonns wirkten sich die hohe Zahl der unter 35-Jährigen, die der Hochqualifizierten und die der Elterngeldbezieher aus"

    Eine ehemalige Hauptstadt mit vielen öffentlichen Jobs hat es natürlich einfach. Warum aber Jugend betont wird, erschließt sich mir nicht. Insbesondere <35 Jahre. Wir sollen bis fast 70 arbeiten und sich auch nach 35 noch fortpflanzungsfähig.

    Solche Studien sind also auch verhältnismäßig einfach zu kontern, indem man diese Schwächen der Studien angreift. Bzgl. international anerkannter Kennzahlen muss man liefern. Das muss auch jedes Unternehmen.

  • #4
    ke

    Bzgl. der Engagements der Städte bei den lokalen Energieversorger ist die Kritik natürlich mehr als berechtigt.

    Ich kaufe ein Unternehmen und setze die Rahmenbedingungen dann so, dass es zumindest kurzfristig nicht erfolgreich sein kann.

    Was das soll, bleibt mir ein Rätsel.

  • #5
    Nina

    Was diese Politiker sich da erlauben ist die Evolution von "Lügenpresse"- die böse Statistik und Demographie. Nennen wir es "Lügenstatistik".
    Wer denkt es ginge nicht schlimmer, irrt.

  • #6
    Andreas

    Ähm,
    manche müssen das Ruhrgebiet aufjedenfall permanent schlecht reden.

    Der Osten? Wurde mit Milliarden und Aber Milliarden u.a. Aus dem Ruhrgebiet unterstützt.
    Was hat das Ruhrgebiet nach Wegfall Hunderttausender Arbeitsplätze in Zechen und Stahlwerken bekommen? Gar nichts. Und durften dann noch Geld gen Osten abdrücken.

    Und was die ganzen Langzeitarbeitslosen mit meiner persönlichen Lebensqualität hier zu tun hat musst du mal erklären. Ich finde die Lebensqualität hier überragend. Und bezahlbar. Langzeitarbeitslosen gehts übrigens überall schlecht.

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Nina: Stimmt – das kommt noch dazu. Und die WAZ macht das auch noch mit!

  • #8
    Arnold Voss

    Man muss nur die Anzahl aller offiziellen "Wirtschaftsförderer" diese "Metropole" in Verhältnis zur Einwohnerzahl setzen, dann weiß man, was hier seit langem schiefläuft. Es gibt keine Agglomeration auf dieser Welt, die mit soviel Manpower und soviel Fördergeld so wenig erreicht hat. Ansonsten siehe nochmal :

    https://www.ruhrbarone.de/pottemkin-ein-fass-ohne-boden-namens-ruhrgebiet/92762

    https://www.ruhrbarone.de/was-das-ruhrgebiet-von-woody-allen-lernen-konnt/25985

  • #9
  • #10
    Schalketyp

    Das mit dem öffentlichen Nahverkehr ist ein immens wichtiger Punkt.
    Meiner Meinung nach ist unsere "Metropolregion" mit ingesamt ca. 5 Mio. Einwohnern vor Allem deshalb als Zusammenschluss mehrerer Dörfer, von denen manche Hochschulen und Einkaufszentren haben, weil man von diesem desolaten Patchwork-ÖPNV einfach teilweise abgeschnitten ist. Vorrausgesetzt, man möchte nicht 4 mal umsteigen und 12 € zahlen um 20 km zu fahren, für eine 15 Minuten Autostrecke. Ach ja, und die Menschen, die sowas zulassen sind die selben, die sich über zu viel Autonutzung beschweren. Herrlich.

  • #11
    Psychologe

    "Und die Menschen im Ruhrgebiet tragen all das mit. Ihre Mentalität ist längst ein Teil des Problems. Aus einer Region von Machern ist ein Gebiet von genügsamen Hängern geworden. Die Menschen im Ruhrgebiet und ihre Politiker passen leider zusammen."

    Weil sie es nicht mehr anders kennen. Viele scheinen nicht mehr viel raus zu kommen und halten "woanders ist auch scheiße" für eine zutreffende Zustandsbeschreibung; man hat nicht mehr viel zu erwarten, als Fußgängerzonen mit dem üblichen Trio aus Dönerladen, Ein-Euro-Shop und Wettbüro vorzufinden. Von der Lebensqualität anderer Flecken in diesem Land scheinen viele Menschen keine Ahnung zu haben. Und das meine ich nicht nur finanziell, sondern gerade auch sozial. Wenn ich am Wochenende abends einkaufen gehe, reihen sich die latent aggressiv gestimmten Figuren in der Schlange ein, um sich mit Nachschub an billigem Alkohol zu versorgen. Alk, Drogen, Destruktivität. Dies ist unsere "Metropole Ruhr".

    Ansonsten volle Zustimmung zum Artikel!

  • #12
  • #13
    thomas weigle

    Menschen und Politik agieren auf einer Ebene, passen zusammen. Also alles gut und ruhig auf dem Großfriedhof Ruhrgebiet. Gebt endlich Ruhe! Immer diese lästige-lauten Störungen der Totenruhe und der feierlichen Begräbniszeremonien. Muss doch nicht sein.

  • #14
    ke

    Wenn ich ein paar Kommentare lese, frage ich mich, ob die Personen das Ruhrgebiet kennen.

    Ich habe keine Langeweile, kenne viele tolle Kultureinrichtungen, Museen, Event-Hallen, … in einem Umkreis von 1h Fahrt mit dem Auto von Dortmund. Im Gegenteil, mir fehlt die Zeit, diese Angebote zu nutzen.

    Drogen gibt es in jeder Stadt. Was uns fehlt, ist Wasser. Deshalb war auch der Hoerder See in Dortmund eine gute Variante oder das an der Ruhr gelegene neue Mülheimer Innenstadt-Viertel.

    Augen auf, Event Kalender betrachten und selber gestalten. Dann lässt sich in der Region Rhein-Ruhr viel machen, auch wenn nicht alle Bewohner im Reichtum leben.
    Woanders sind eben die großen Gerichte, Behörden, … Das Notopfer Berlin mit ein paar Millarden jährlich leisten wir uns auch noch.

  • #15
    Andreas Bahr

    Was ist das denn für ein Artikel? Völlig unbeleckt von der Realität? Ich arbeite in einer Firma, die alles aufsaugt, was an freilaufenden Physikern im Bereich Nanotechnologie von hier bis Wladiwostok noch frei ‚rumläuft. Und von von den verlorenen 17.000 Arbeitsplätzen bei Hoesch in Dortmund sind wieviele mittlerweile neu in anderen Unternehmen geschaffen worden? Über 10.000… ach. Und warum sind die Löhne so niedrig? Weil Hartz 4 und das Arbeitslosengeld nur so niedrig sind, das ich als Unternehmer nur die Hälfte zahlen muß, wie in Amsterdam oder Dublin? Ach, wer hätte das gedacht?

  • #16
    ruhrreisen

    Gelsenkirchen kommt einfach nicht hinterher.
    Da nützt auch die gelungene architektonische Aufwertung durch Umbau der 70er-Jahre Bausünden des Heinrich-König-Platzes mit Sichtachse zum Hans-Sachs-Haus und Musiktheater nichts. Mit Betonung, dass der neue Mttwochs-Feierabend-Markt nun auch für die "Schickeria" einen Platz gefunden hat.
    Auf dem weiten Platz wird jetzt auf den Außenplätzen der eine Handvoll Cafés noch sichtbarer: Hier hat die heimische Armut in Gestalt von in Abfall wühlenden Rentnern und Verwirrten – sowie immer mehr Kopftüchern, Nikabs und auch Vollverschleiterte, Buntröcke, jungen, meist in Gruppen auftretenden Männern aus aller Herren Länder die Oberhand.
    In Frankfurt würde man das international nennen.
    In Gelsenkirchen fragen sich die Gelsenkirchener mit und viele ohne Arbeit: Was wollen die Alle ausgerechnet hier und woher kommen all diese teuren Autos?
    Mit einer Handvoll Mülldektiven und ein paar lächerlichen Millionen für den Kauf von Schrottimmobilien will die Stadt mit völlig unterbesetzten Ämtern dies alles in den Griff bekommen. Unmöglich. Also warum sagt sie es dann nicht??? Ob nun die viel zu lange andauernde Revitalisierung der heruntergekommenen Bochumer Straße oder jetzt Schalke Nord: Es ist wie beim Hütchenspieler: Es tauchen immer mehr "schlimme Ecken" woanders auf, ob in Bulmke, Bismarck, Rotthausen, Erle…
    Und manche Bürger nehmen mit Scheuklappen in ihrem Umfeld nur noch einen 50-Meter-Radius wahr, um das auszuhalten: Also bei uns ist "noch" alles in Ordnung!

    Das Gleichgewicht ist sichtbar längst gekippt – und es wird weiter totgeschwiegen.
    Stattdessen reibt man sich an solchen idiotischen Nebenkriegsschauplätzen.

    Wenn nicht endlich ein Zuwanderungsstopp aus armen Ländern und eine Umverteilung in weniger arme Städte folgt, sind diese Städte wie Gelsenkirchen nicht mehr zu retten. Dann kann man nur noch sehen, dass man schleunigst Land gewinnt.
    Es wäre doch mal aufschlussreich, herauszufiltern, wieviel "Einheimische" mittlerweile das Weite suchten, seit 2014 und in weniger belastete Städte umsiedelten.

    Aber das ist ja – leider – von den Lokalblättern nicht zu erwarten und von der Stadt erst recht nicht.

  • #17
    Ben

    Nach 33 Jahren Ruhrgebiet bin ich im Januar nach Oberbayern gezogen. Dazu haben viele Gründe geführt. Einer war, dass ich von vielen Entwicklungen im Ruhrgebiet genervt war und einfach mal raus musste. Hier unten ist nicht alles Gold, was glänzt. Der S-Bahn-Verkehr in und um München z.B. ist dank der Stammstreckenbündelung aller Linien eine einzige, extrem störanfällig Katastrophe – aber dafür zahle ich hier unten in Relation weniger. Worauf ich aber hinaus will: es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die Lebensqualität hier unten ist fantastisch. Wenn das hier erste Liga ist, dann ist das Ruhrgebiet Kreisklasse. Und das jetzt einfach wie ein beleidigte Kind zu ignorieren, ist vielleicht das Schlimmste, was die Ruhrgebiets-BMs jemals gemacht haben. Es ist an Peinlichkeit und Uneinsichtigkeit nicht mehr zu überbieten. Wenn das den Ton für die Debatten der nächsten Jahre im Pott legt, dann werde ich vielleicht nicht mehr wiederkommen. Und so geht es immer mehr Menschen. Das Ruhrgebiet wird zusehends ausbluten, fürchte ich. Dabei liebe ich eigentlich mein Revier. Nur nicht mehr dieses, das sich derzeit zeigt…

  • #18
    Karsten

    Ist das tatsächlich so geschrieben worden?
    Ich lebe seit meiner Geburt im "Pott"!
    Und ich habe meine Kindheit mit allerlei Nationalitäten verbracht!
    Mein Vater hat unter Tage geackert!
    Und es war eine schöne Zeit!
    Dönerbuden… Sind mittlerweile schon Teil unserer Ruhrkultur!
    Und Wettlokale…? Wer trägt denn die Schuld daran??
    Unsere Berliner Kollegen, die einer EU- Erweiterung gen Osten gestimmt haben!
    Was kommt denn von da? Nur Sinti und Roma, die nur eine einziges deutsches Wort gelernt haben:
    Jobcenter!!!
    Und wo treiben die sich alle Rum? Richtig: Wettlokale!! Sehe ich leider jeden Tag!
    Und wo leben die denn alle??
    Richtig: im Ruhrgebiet!
    Ich hatte bis 1995 nicht den Eindruck, dass wir Menschen hier irgendwas missen müssten!
    Tolle Parks, tolle Wälder, tolle Menschen, Jugoslawen, Türken, Italiener, Marokkaner, usw.,…
    Wir lebten nicht aneinander vorbei, sondern zusammen!
    Erst nach der Osterweiterung kam das ganze "Volk" hier rüber!
    Und das macht uns zu schaffen! Wie in unzähligen Dokumentationen zu bestaunen. Anstieg der Kriminalität, Anstieg der Arbeitslosigkeit, und und und…
    Ich habe hier gern gelebt! Und tue es noch!
    Egal wo ich war, innerhalb dieser Republik, ich war immer froh, wenn ich das Wahrzeichen meiner Stadt gesehen habe, bei meiner Rückkehr!!!

  • #19
    thomas weigle

    @ke Zur Klarstellung: mein Beitrag #13 war ironisch gemeint. Wenn eine Mehrheit der Bürger zufrieden ist, wie`s ist, was @ Stefan Laurin feststellt und missfällt, dann muss er vielleicht auch mal die eigene Maßstäbe überdenken. Bevor ich die Ruhrbarone entdeckt habe, fand ich das Ruhrgebiet in vielerlei Hinsicht ansprechend, Allerdings hatte ich zuletzt 90-93 durch mein berufsbegleitendes Studium in DO intensiver Kontakt in den Pott.
    Das hier ständig über die Politik geschimpft wird, halte ich nach wie vor für weit übertrieben. Ob der ÖPNV so schlecht ist, wie er hier dargestellt wird, da habe ich so meine Zweifel. Richtig ist, dass im Ruhrgebiet der Auf-und Ausbau des Schienennetzes, ob für Personen oder Güter, immer von der Rivalität der Betreiber geprägt, was man auch daran sieht, dass die meisten kommunalen Straßenbahnen eher selten über "ihre" Stadtgrenzen hinausfahren. Ausnahme ist die BOGESTRA, die 1896 von BO, GE und Siemens in Berlin(!!!) gegründet wurde. Glaubt man vielen Beiträgen hier, hat sich an der engstirnigen Kommunalpolitik wenig geändert.
    Anhand von Streckenplänen und Fahrplänen, kann ich oftmals die hier geäußerte Kritik nicht nachvollziehen. Natürlich fehlt mir die Detailkenntnis, aber ich bin immer gerne im Pott unterwegs gewesen.
    Ich finde auch, dass man der Politik nicht alle Fehlentwicklungen anlasten kann. Wir haben eine Gesellschaftsordnung, in der wirtschaftliche Entscheidungen kaum in den Parlamenten fallen. Und wenn`s halt anderswo billiger zu produzieren ist, dann sagt man halt leise oder auch laut adieu. Da können sich unsere Wirtschaftsliberalen noch so weit aus dem Fenster lehnen und ohne Ende zetern.

  • #20
    Ben

    @#19: Ja, der ÖPNV ist so schlecht. Teile meines Stadtteils, der zwischen RE und S-Bahn liegt, sind so schlecht an beide Bahnhöfe angebunden, wie man es sonst nur auf dem platten Land kennt. Weil Buslinien dumm geplant sind und manch ein Bus gar am Abend oder Wochenende nicht mehr fährt.

  • #21
    Realmika

    Sehr, sehr treffender Artikel. Leicht hat es das Revier nicht gehabt, aber was sich seit etwa der Jahrtausendwende entwickelt ist eine Abwärtsspirale, seit 2014 unaufhaltsam. Ich stimme @17 Ben zu, bei mir war es Frankreich und Schweiz. Es ist eben nicht überall Scheiße, so lustig ich den Ruhr-Trotz auch finde. Das Ruhrgebiet ist der Brennpunkt eines sehr nachteiligen Wandels. Hier fängt es an.
    Die NZZ bringt dazu heute einen guten Artikel, der hier passt.
    https://www.nzz.ch/meinung/deutschlands-doppeltes-migrationsproblem-zu-und-abwanderung-ld.1464988

  • #22
    Joachim Sombetzki

    Der Beitrag trifft insgesamt den Kern des Problems. Einiges wird zu deutlich konnotiert, anders nicht deutlich genug herausgehoben. So ist das bei einer Gesamtschau auf die Dinge.

    Daher will ich einige Aspekte ergänzen, die mir wichtig erscheinen.

    Das ist der Punkt der fehlenden Strukturveränderung. Wenn OB Frank Baranowski aktuell finanzielle Unterstützung und Förderungen seitens des Bundes für die Stadt wegen des Endes der Kohleförderung verlangt, wird klar, was ich meine.

    Da die nähere Beschreibung mit dem Bezugspunkt – Ruhrgebiet, Gelsenkirchen, Baranowski – bereits in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2010 hervorragend herausgearbeitet wurde, möchte ich hier auf diesen verweisen.

    Übrigens: Bereits im Jahr 2010 wird das Ückendorfer Quartier, das aktuell als Schaufenster für eine positive Entwicklung in der Stadt herhalten muss, bereits als ein Hoffnungsschimmer verkauft: Eine Bochumerin zieht nach Gelsenkirchen "um mit ihrer Lebenspartnerin in dem neuen Viertel in der Ückendorfer Straße zu leben." (s. Mitte des Artikels über: "Strukturwandel ist eine Daueraufgabe")

    "19. Mai 2010. – Ruhrgebiet. Die Lebenslüge einer Region.
    Das Ende des deutschen Steinkohle-Bergbaus war abzusehen, aber viele Menschen im Ruhrgebiet wollten das nicht wahrhaben – jetzt ist die Not in vielen Städten groß. Von Karl-Heinz Büschemann"

    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ruhrgebiet-die-lebensluege-einer-region-1.897839

    Als zweiten Punkt würde ich gern auf den hier auch kurz erwähnten "Filz" näher zu sprechen kommen. Angesichts dessen, dass die Verantwortlichen mit den Kohlesubventionen, wie Autor Büschemann meint, quasi wie auf Droge zu Süchtigen gemacht wurden, war auch die fehlende Kontrolle über die Vetternwirtschaft, den Roten Filz und die damit verbundene Strukturelle Korruption, Teil ihrer gelebten Wirklichkeit. Das hat auch mit einer, wie ich meine, nicht funktionierenden Kontrolle im Rathaus zu tun.

    Man konnte das in Gelsenkirchen sehr gut im Jugendamtskandal 2015/16 sehen. Da sprach Dr. Haertel (SPD) im Ratssaal offen aus, was er außerhalb des Ratssaals bereits zum Fraktionsvorsitzenden der CDU, Wolfgang Heinberg, gesagt hatte. Wenn du hier nur dreckige Wäsche der SPD waschen willst, dann zeigen wir auf, dass die CDU bei allem mit drin hängt. Der Aufklärungsprozess verlief danach weitestgehend im Sande. Die Kontrolle blieb letztlich eine müde Show für die Öffentlichkeit, die mit einigen Tricks des Vorsitzenden des Aufklärungsausschusses im Ratssaal und seitens der Verwaltung größtenteils als Rohrkrepierer verpuffte.

    Eine effektive Opposition findet nicht statt, weil sie nicht gewollt ist. Filz, Vetternwirtschaft und Strukturelle Korruption finden bevorzugt im Dunkel statt. Sie scheuen das Hellfeld einer demokratischen Kontrolle. Deswegen, so meine These, interessiert das Thema "Effektive Opposition im Rathaus" landesweit offenbar auch niemanden.

  • #23
    Robert Müser

    Mimimi …

    Ein böses Ranking, was so recht nicht in die Wohlfühlkuschelzone von WAZ, SPD, CDU und Co. passen will …

    Denn wir sind das Ruhrgebiet, gebaut von schwer schaffenden Kumpeln in finsteren Bergwerken und sehr schwitzenden Malochern im Stahlwerk. Dies ist unser Ideal, da stört die böse Realität nur. Also stellen wir uns unsere Schmollecke und igeln uns weiter ein. Kann funktionieren, wird aber auf die Dauer zu einem bösen Erwachen führen. Derweil berauscht man sich an irgendwelchen Konferenzen, Aktionsplänen etc. pp. Vielleicht wird bis dahin die letzte produktive Arbeitsstätte als Denkmal ausgewiesen …

    Mimimi …

  • #24
    Björn Wilmsmann

    #11:
    Ja, völlig richtig. Mal ein bisschen mehr über den Tellerrand hinauszuschauen, würde vielen im Ruhrgebiet gut tun – ob nun Politiker oder nicht – denn dann würden sie zum Einen merken, dass "Woanders is‘ auch scheiße." eben nicht stimmt und zum Anderen, dass Probleme, die man hier nicht lösen kann oder will und von denen deswegen behauptet wird, sie seien eben Schicksal und damit unlösbar, woanders durchaus gelöst wurden und werden.

    #19:
    > Ob der ÖPNV so schlecht ist, wie er hier dargestellt wird, da habe ich so meine Zweifel

    Ja, ist er. Ich nutze den ÖPNV im Ruhrgebiet täglich und er ist für eine Großstadt diesen Ausmaßes nicht nur geradezu lächerlich inadäquat, sondern gehört gleichzeitig im weltweiten Vergleich auch zu den teuersten Nahverkehren.

    Das Ruhrgebiet insgesamt hat momentan nicht viele Dinge, die für es sprechen, aber als da wären: a.) Es ist vergleichsweise günstig (von Aspekten wie dem grotesk teuren ÖPNV mal abgesehen) und b.) man kommt hier schnell weg: In relativer Nähe gibt es einige wirtschaftlich und kulturell prosperierende Städte.

    Sicherlich gibt es auch im Ruhrgebiet zukunftsweisende und florierende Unternehmen, durchaus auch immer mehr Startups und einige kulturell wertvolle Einrichtungen oder Veranstaltungen jenseits vom "Industriekultur" Unsinn, aber ein wirklicher nachhaltiger Trend zum Positiven ist dies leider noch lange nicht.

  • #25
    Werner

    Ich lebe seit meiner Geburt in Bottrop. Wer den Niedergang "meiner" Stadt erleben will, der braucht nur einmal durch die Innenstadt zu gehen. Das, was mir in der Lokalwaz, im Stadtspiegel und in der Lokalzeitwdr geboten wird, spiegelt eine andere Wirklichkeit, ein Innovation-City-Paradies. Kritische Stimmen gibt es nur ab und an in Leserbriefen, wenn sie denn abgedruckt werden. Bottrop hat einen Oberbürgermeister (Tischler), der "seine" Stadt mit einer Selbstherrlichkeit regiert, die er sich von Ludwig XIV. abgeschaut hat. SPD und CDU teilen die "Pöstchen" unter sich auf, und wenn zu wenige für ihren darbenden Nachwuchs vorhanden sind, erfinden sie ein paar neue. Warum ich trotzdem in Bottrop bleibe: Hier leben meine Kumpels, von hier aus kann ich toll Fahrrad fahren, hier gibt es einen wunderbaren Wochenmarkt, hier kenne ich jede Ecke und auch die Kanten.

  • #26
    Vera

    @Ben: Was machtdenn die Lebensqualität in Oberbayern aus? Ich kenne Oberbayern nicht, aber wenn Wikipedia mir verrät, dass nach München Ingolstadt mit knapp 140.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt ist, gehe ich davon aus, dass die gesamte Struktur der Region dermaßen anders ist, dass aus dem Ruhrgebiet nie ein Oberbayern werden könnte.

  • #27
    thomas weigle

    @Vera 26 Ärgerlich ist, dass die bessere(andere) Situation In (Ober)Bayern auch auf Milliarden aus NRW zurückzuführen ist, den über viele Jahre floss viel Geld aus NRW nach Bayern-Länderfinanzausgleich. Heute weigert sich Bayern zu zahlen, also was zurückzugeben.
    @ Werner Leerstände hat`s auch anderswo, selbst im prosperierenden OWL Das hat hier bei uns eher nix mit Politik zu tun, sondern mit dem Internethandel. Dieser Handel sorgt sicher auch anderswo für massive Leerstände. In Bottrop bspw?

  • #28
    Ben

    @#26: Also zunächst einmal muss man sagen, dass in München-Stadt und den Landkreisen über 2 Millionen Menschen wohnen. Das ist sicherlich kein Ruhrpott, aber eben auch nicht so dünn besiedelt, wie man denkt – und schaut man sich die Übergänge zwischen Urban und Land an, kann vieles hier unten auch Recklinghausen-Nord, Hattingen oder Schwerte sein.

    Nehmen wir z.B. mal den MVV, den Münchner Verkehrsbetrieben. Die haben ein Gebiet, das inzwischen fast so groß wie der VRR ist und dabei nur halb so viel kostet. Es gibt eine übersichtliche Tarifstruktur, die in diesem Jahr – weil sie den Oberbayern trotzdem zu kompliziert war – noch einmal vereinfacht wird. Parallel steigt der Preis nicht, sondern die Dauerfahrkarten werden im Schnitt 7 Prozent günstiger. Schlüge man so eine massive Überarbeitung im Ruhrgebiet vor, der VRR würde einen mit Fackeln und Mistgabeln davonjagen.

  • #29
    Werner

    @thomas weigle Es geht nicht um Leerstände. Leute, die durch Wahl oder ihr Amt dem "Gemeinwohl" verpflichtet sind, kümmern sich ausschließlich um sich selbst und ihre Belange. Wir hatten kurze Zeit eine fähige "Wirtschaftsföderin" hier in Bottrop; sie ist ruck, zuck abgewandert: nach Emmerich. Wird ihre Gründe haben. Jede unabhängige Initiative – egal, in welchem Bereich – wird entweder diffamiert oder von SPD und CDU unterwandert und dadurch abgewürgt.

  • #30
    Vera

    @Ben: Danke für das Beispiel. Dass beim ÖPNV im Ruhrgebiet eine Menge Luft nach oben ist, ist wohl wahr. Und dass der VRR etwas dran ändert, sehe ich für die Zukunft leider auch nicht.

  • #31
    Matthias

    Selten habe ich so einen groben Unfug gelesen. Den Abstieg der Textilindustrie in Westfalen mit dem Ausmaß des Niedergangs von Kohle und Stahl an Rhein und Ruhr zu vergleichen, das ist schon nicht mehr fahrlässig sondern dümmlich.

    Danach den Text nur noch überflogen, schwarz-weiß-Gebrabbel vom allerschlechtesten.

    Es gibt so viele gute Dinge im Ruhrgebiet und andere Städte außerhalb des Ruhrgebiets haben so viele schlechte Dinge zu "bieten" und das gilt nicht nur für Berlin z.b.. Wer das alles nicht sieht, lebt genauso in der Realitätsferne wie die notorischen Schönredner.

    Übrigens liegt Gelsenirchen auch in Westfalen, war ein Zentrum der Textilindustrie und hat diesen Zweig des Niedergangs auch noch zusätzlich mitgemacht. Dreimal raten, warum es hier so problematisch ist.

    Aber derlei Differenzierungen darf man von den meisten Menschen und garantiert nicht von den Ruhrbaronen erwarten.

  • #32
    Katrin

    So viel Unsinn kann nur jemand schreiben, der weder im Ruhrgebiet lebt noch das Ruhrgebiet kennt oder aber einfach nur Spaß hat, alles schlecht zu reden, um andere Leute die gern meckern, anzustacheln.

  • #33
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Katrin: Sowas kann nur schreiben, wer Ahnung hat und sich seit mehreren Jahrzehnten mit der Region beschäftigt.

  • #34
    Arnold Voss

    @ Matthias + Katrin

    Ich hätte eine kleine Hausaufgabe für sie, bevor sie sich hier weiter künstlich aufregen. Erfragen sie bei den verantwortlichen Stellen alle die Fördermittel und Subventionen der Ruhrgebietsstadt ab, in der sie leben, und bilden sie daraus eine Summe über die letzten 30 Jahre. Dann schreiben sie auf, was alles in ihrer Stadt seit dem besser geworden ist und vergleichen das mit der Gesamtsumme dessen, was ihre Stadt von außen an Geld bekommen hat.

  • #35
    Matthias

    @ Arnold

    Ich rege mich doch überhaupt nicht auf, das machen doch die ganzen "Kritiker", da quillt doch der Frust aus allen Poren.

    Eine Gegenfrage:

    Was denken sie, was eine "Beamten- und Studentenstadt" wie Münster denn so alles in den Allerwertesten geschoben bekommen hat bzw. bekommt? Googlen sie mal danach, sie werden staunen, wieviel es dort an öffentlichen Einrichtungen, Arbeitsplätzen und Geldern gegeben hat und gibt.

    Wenn dieses Geld und die Institutionen und die Arbeitsplätze dort in GE gelandet wäre, dann würde es uns auch blendend gehen und wir könnten tolle Sprüche kloppen.

    Dieses schwarz-weiß-Denken ist einfach nur peinlich und lächerlich, vieles einfach nur Hetze.

    Hier gibt es nur noch Wettbuden, Döner-Läden und 1-Euro-Shops hat einer geschrieben. Gut, wir sind kein München und Düsseldorf.

    Aber erst mal gibt es nicht das Ruhrgebiet und dann hat JEDE Stadt hat schon innerhalb große Unterschiede.

    Und zudem gibt es hier auch noch sehr viele gute Läden und selbst in den schwächeren Innenstädten gibt es noch sehr viele gute und schöne Läden und gute, teilweise sehr gute Gastrnoomie. Wenn man aber nur mit Frust durch die Gegend läuft, dann sieht man halt immer nur, was man sehen will.

    Es mag auch wenige Städte geben, die damit nicht zu kämpfen haben, aber Leerstände z.B. sind ein deutschlandweites Problem.

    Wir waren letztes Jahr im Schwarzwald. Auch mehr als genug Leerstände, insbesondere in den kleinen Städten und Dörfern, aber selbst in Heidelberg gab es echt schlimme Ecken und Leerstand genug. Vermüllung, nerviger Autoverkehr, Ausländer ohne Ende und viele, viele Obdachlose, Alkoholiker, Junkies, Asis an runtergekommenen Bahnhöfen. Das gibt es da auch alles.

    Welchen Migrantenanteil hat Regensburg, nur mal als Beispiel. Es sind 30%, darunter viele Aussiedler. Ich persönlich finde das nicht schlimm und unser Staat wäre ohne Zuwanderung schon dem Kollaps nahe und in Zukunft gilt das noch mehr.

    Was ich damit sagen will: Manche sind wirklich noch nicht weit rumgekommen oder gucken nicht genau hin.

    Gelsenkirchen hat übrigens die Arbeitsloigkeit in einem Maße abgebaut wie keine andere Stadt in ganz NRW, man sollte sich mal die aktuellen Zahlen anschauen. Dass es immer noch nicht reicht und zwar bei weitem, ist ja unbestritten, aber auf jeden Fall tut sich sehr viel positives hier.

    Die rote Laterne bei der Arbeitslosigkeit in Großstädten wurde dementsprechend auch grade an Bremerhaven abgegeben. Zum ersten Mal seit ewiger Zeit!!!

    Es gibt auch eine Studie von irgendeinem Unternehmensverband, Gelsenkirchen hat das viertbeste Investitionsklima in ganz Deutschland. So viel zum Thema, die Politik macht hier alles falsch.

    Es wird schon gut was gemacht, Nordsternpark, Graf Bismarck, Schalker Verein, nicht nur da tun sich positive Dinge.

    Aber es muss noch mehr kommen, wer zweifelt das an? Nur mit Polemik und teilweise Lügen und Hetze (nur noch 1-Euro-Läden, Dönerbuden und Wettcafes, erbärmlich so eine Gerede, es gibt tausende schöne Orte und Gstronomien und Kulturtempel im Ruhrgebiet…nur mal ein Beispiel, selbst in Gelsenkirchen gibt es mehrere Bioläden, mindestens 20 Juweliere, teilweise sehr hochwertige wie Weber, mindestens 30 Autohäuser und sogar mehrere Läden, in denen sie einen Schal für 400 Euro kaufen können) kommt man nicht weiter. Das sind nur leere Worte.

    Fakt ist doch, zum ersten Mal seit langem geht es doch wirklich wieder ein bißchen bergauf und die Politik von außen muss jetzt mehr tun, wie soll bei den Schuldenbergen durch die Altlasten ein großer Satz von innen her kommen durch Investitionen?

    Wichtig wäre z.b. ein GROßES Programm gegen Schrottimmobilien, eine Uni muss in den Norden des Ruhrgebiets, am besten nach Gelsenkirchen/Herne, wo der Schuh noch am heftigsten drückt. Dazu Forschung und auch Behörden zu uns und ruhig aus Münster und Düsseldorf abziehen. Der Wohlstand muss besser verteilt werden.

    Zudem als wichtigtes: Das Förderprogramm allgemein muss geändert werden. Es floß nämlich überhaupt nicht viel Geld ins Ruhrgebiet, nicht viel mehr als andere Regionen kriegen können. Mit den Hilfen von früher wurden doch hauptsächlich die schlechten Arbeitsplätze weiter subventioniert oder Frührente ermöglicht. Das waren doch keine Investitionen.

    Das Förderprogramm muss JETZT umgestellt werden. Momentan bezahlen Herne, Gelsenkirchen und Dortmund für den Osten, in denen es in den Städten im großen bis größeren Maße boomt.

    Die Förderung muss nach Bedürftigkeit erfolgen. DAS ist der Schlüssel. So ist auch Bayern nach vorne gekommen, war ja bis weit in die 80er noch ein marodes Bundesland, wo keiner hinwollte.

  • #36
    Matthias

    Zum Nordsternpark möchte ich noch ergänzen:

    Ich meine nicht den Freizeit- und Natur- und Kulturbereich, der natürlich großartig ist.

    Ich meine den Unternehmensstandort. Fast schon wieder 2000 Arbeitsplätze und zwar alles gute oder sogar hochwertige. Ein Vorzeigegebiet und zwar deutschlandweit, auch wegen des Gesamtangebots mit sehr guter Gastronomie und Natur und Freizeit direkt nebenan.

    Da arbeiten inzwischen sogar deutlich mehr als auf Zollverein.

    Das geht alles nicht von heute auf morgen und dafür braucht man keine Lügen, Hetze und leeren Worte.

    Dafür braucht man Fachverstand, Geduld und auch ein bißchen Glück.

    Und Unterstützung durch die RAG, das Land und den Bund und die EU, damit man solche alten Industrieflächen auch umbauen und entwickeln kann. Das geht nicht ohne Hilfe und die kriegen auch Städte, die nicht im Ruhrgebiet liegen und mehr Geld haben, da braucht mich nicht als Bittsteller auftreten.

    Im Gegenteil: Man muss aggressiv fordern, denn wir sind hier deutlich benachteiligt worden, wenn ich sehe, was Städte wie Münster, Düsseldorf, Berlin und viele, viele andere so alles bekommen haben in den letzten Jahrzehnten.

    Es muss nicht nur eine Uni im nördlichen Ruhrgebiet kommen, sondern es wird Zeit, dass wir nicht mehr aus Münster und Düsseldorf und Arnsberg regiert werden, sondern dass wir uns selbst verwalten. Der Wohlstand, der hier erworben wird, gehört auch selbständig verwaltet und darf nicht in genannte Städte abwandern. Eine Stadt wie Münster profitiert von diesem Relikt aus Kaiserszeiten in gewaltigem Ausmaß und wir stehen dumm da. Die müssen jetzt geben, wir müssen jetzt bekommen.

    Die haben dann immer noch genug an öffentlichen Institutionen, Arbeitsplätzen und Geldern. Ich war baff als ich mal recherchiert habe, was sich da so angesammelt hat. Eine quasi rundumgeförderte und dauergeförderte Stadt. Und manche meckern hier rum, wir hätten viel Geld bekommen. Das ist ein ganz schlechter Witz damit verglichen.

  • #37
    Matthias

    So, mein vorletzter, sehr langer Kommentar wurde nicht freigeschaltet. So viel zum Thema Meinungsfreiheit. Die vielen guten Argumente passen wohl nicht ganz ins Konzept der Ruhrbarone und Sympathisanten.

    Zeit mich zu verdünnisieren.

    Zum Abschluß noch: In der WAZ machte noch jemand auf etwas aufmerksam, dass alle Studien und alles Geplapper in oberflächlichem Licht erscheinen lässt…In Bayern gibt es sehr viel mehr Suizide als in NRW und das in absoluten Zahlen und weit es dort halt auch viel weniger Einwohner gibt (19 Mio vs. 13 Mio) erst recht in Relation zur Bevölkerung. Und das schon ohne Ausnahme seit Jahrzehnten. Und obwohl Bayern jetzt schon lange der Wirtschaftsprimus in der BRD ist.

    Das sollte allen mal zu denken geben und die Schwarz-Weiß-Sichten ein bißchen relativieren. So einfach und eindimensional ist das alles nicht.

  • #38
    Ke

    #35
    Mir ist es auch ein Rätsel, dass der Bund bspw Gerichtzuständigkeiten etc weiter nach Köln verlegt.
    Diese Verwaltungshochburgen leben in einer gesicherten Parallelwelt mit festen Standorten und Jobs. Ja, warum verwalten wir uns nicht selber und warum wird bspw der Standort GE als Gerichtsstandort nicht aufgewertet.
    Einer stärkere Dezentralität würde auch die Boom Towns entlasten.

  • #39
    Ben

    @Matthias und Katrin:

    Es tut mir leid, aber ich kann nicht erkennen, wo Eure Beiträge substantieller sind als die von uns – zugegeben – Pessimisten. Das "sowas kann nur jemand schreiben, der das Ruhrgebiet nicht kennt" ist ein furchtbares Totschlagargument, mit dem sich jeder Ruhri gegen Kritik immunisiert – und die selbst jenen die Erlaubnis zur Kritik abspricht, die seit Jahrzehnten im Pott wohnen. Dann war nämlich wahlweise nicht an den richtigen Ecken oder will sowieso nur nörgeln.

    Und auch mal so zwei, drei Highlights als Gegenbeweis zu posten, ist leider auch nicht gerade überzeugend. Reden wir doch einmal darüber, wie in Duisburg ein Gründerzeitviertel vernichtet wurde, weil die Stadt die Sanierung scheute, reden wir mal über die Innenstädte von Wattenscheid oder Herne oder darüber, dass in Bochum jedes Fleckchen Grün zugebaut wird. Reden wir mal die Kosten, um im Ruhrgebiet von A nach B zu kommen.

    Klar, es ist nicht alles schlecht und ja, es wird viel, sehr viel getan. Aber ob auch das richtige getan wird, steht auf einem anderen Blatt Papier.

  • #40
    Matthias

    @ Ben

    Sie sind doch gar kein Pessimist, differenzieren doch schon.

    Und ich bin kein Optimist, ich sehe den ganzen Mist doch auch.

    Aber ich sehe halt auch die schönen und guten Seiten.

    Und woanders sehe ich die guten und die schlechten Seiten.

    Das ist Realität und nicht dieses schwarz-weiß-Denken.

  • #41
    Nina

    Im Kern geht es hier um eine Verweigerung von Datenerhebung zu statistischen Zwecken in Kombination mit Erwartung von negativen Folgen resultierend aus den möglichen Ergebnissen.

    Das ist weder rational noch vernünftig. Genau das erwarte ich aber von Politikern.

  • #42
    Ke

    Als Dortmunder sehe ich die Entwicklung in der Stadt eher positiv. Was fehlt ist Einkommen bei vielen Teilen der Bevölkerung. Wenn die Logistik einbricht, haben wir das nächste Strukturwandelproblem.

    Positiv sehe ich die vielen Fluss- und Bachrenaturierungen, die riesige Lauf- und Radwegenetze geschaffen haben. Die Aussengastronomie jn der Innenstadt ist auch bervorzuheben.

    Wenn wir es jetzt noch schaffen würden , die Chaoten dazu zu bringen, ihren Müll korrekt zu entsorgen, würde sich das erheblich aufs Stadtbild auswirken. Aber mit dem Problem sind wir nicht allein.

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