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Corona: Ein technologisch so rückständiges Land wie Deutschland kann bei der Impfung nicht priorisieren

Mufax Courier Fax Machine Foto: Richard Ash Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die Idee bei den Corona-Impfungen zu priorisieren ist richtig. Erst die sehr Alten in den Heimen, dann Berufsgruppen aus den Bereichen Medizin und Pflege und schon wird es kompliziert: Wer Lehrer oder Polizeibeamter ist, weiß der Staat noch. Bei den Lehrern zumindest zu einem großen Teil. Bei anderen Berufsgruppen wird es schwierig. Wer schwer oder chronisch krank ist, weiß er nicht. Und nicht alle Kassen werden die Daten herausgeben. Datenschutz, mangelnde Aktualität der Datenbanken, Ignoranz – es gibt verschiedene Gründe. Ärzte müssten Atteste ausstellen, bei anderen Gruppen die Arbeitgeber Beschäftigungsnachweise. All das für rund 30 Millionen Menschen, die zu den drei Gruppen gehören, die geimpft werden sollen, bevor alle Zugang zu den begehrten Impfstoffen bekommen.

Entwickelte Länder wie Israel, die in einem hohen Maße digitalisiert sind, schaffen so etwas. Ein technologisch rückständiges Land wie Deutschland nicht. Hält man an der Priorisierung fest, wird sich die Impfkampagne bis weit in den Herbst, vielleicht sogar bis in das kommenden Jahr ziehen. Die einzige Priorisierung die die sich umsetzen lässt,  ist die nach dem Alter –  das Alter ihrer Einwohner kennen die Städte. Sicher erreichen können sie die Bürger jedoch nur schriftlich – via Post. Auch das wird sehr lange dauern. Immerhin: Buchungsportale können einen großen Teil der Termine vergeben.

Was sich die ständige Impfkommission ausgedacht hat ist klug , die Gedanken des Ethikrates sind beachtenswert. Aber das Maß an Gerechtigkeit dass sie anstreben, ist etwas für entwickeltere Länder als Deutschland. In Ländern auf der technischen und zivilisatorischen Stufe Deutschlands kann man nur an Impfstoff großflächig verteilen  und mit kleinen medizinischen Einheiten versuchen denjenigen zu helfen, die es nicht alleine schaffen, die Ausgabestellen zu erreichen.  Rückständige Länder leiden bei Katastrophen immer besonders schlimm, das ist eine bittere Tatsache. Will man das ändern, muss in die Entwicklung investiert und auch die Bevölkerung von diesem Schritt überzeugt werden. Für diese Pandemie ist es allerdings dafür leider zu spät.

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24 Kommentare zu “Corona: Ein technologisch so rückständiges Land wie Deutschland kann bei der Impfung nicht priorisieren

  • #1
    Mawa

    Vor allem der ÖRR agiert bei diesem Thema in perfider Weise. Ständig werden neue Gruppen vorgeführt bei denen man doch auch die Impfung priorisieren müsse.
    Anstatt das Versagen der Politik bei der Impfstoffbeschaffung zu thematisieren wird so abgelenkt und die Gesellschaft wird gegeneinander ausgespielt und gespalten.

  • #2
    ccarlton

    Wenn man wenigstens improvisieren würde. Mit Astra Zeneca wollen sich eine erhebliche Zahl von Menschen nicht impfen lassen. Deren Entscheidung, aber was spricht dagegen deswegen sagen wir mal in der letzten Stunde oder zwei jeden zu impfen, der vorbei kommt? Besser als den Impfstoff tagelang im Kühlschrank lassen wäre das allemal.

    Allerdings kann ich nachvollziehen, dass das keiner der vor Ort zuständigen auf eigene Initiative macht. Nicht wenn Strafen von bis zu 25.000 € für sogenannte Vordrängler im Raum stehen.

  • #3
    Angelika, die usw.

    "…Entwickelte Länder wie Israel, die in einem hohen Maße digitalisiert sind, schaffen so etwas. Ein technologisch rückständiges Land wie Deutschland nicht…"

    Es ist gut, wenn das so klar ausgesprochen wird.

  • #4
    Arnold Voss

    Das ist das Problem mit dem Lockdown. Die Menschen halten eine solche Maßnahme, nur dann durch, wenn eine Ende absehbar ist. Je länger sich das hinzieht destor mehr sind sie geneigt, sie zu unterlaufen. Das wiederum führt in der Gesamtwirkung de fakto zur Verlängerung des Lockdowns, was wiederum dazu führt, dass die Betroffenen ihn immer weniger akzeptieren. Aus dieser Negativ Spirale des nicht endenden Lockdowns der gleichzeitig aus der Natur der Sache seine Kosten / Belastungen immer weiter in die Höhe treibt, führt nur die Impfung heraus. Wenn dann auch die – aus welchem Grunde auch immer- nicht, oder nicht schnell genug, kommt, ist das Desaster perfekt. Das aber den Menschen vorzuwerfen die das nicht mehr mitgehen wollen, anstatt die Lockdown Strategie selbst zu Hintefragen, bzw. durch intelligentere und differenzierter Maßnahmen zu ersetzen, ist der größte politische Fehler, weil er die Menschen noch saurer macht. Die meisten von ihnen versuchen nämlich immer noch durchzuhalten. Ihnen hilft, wie allen anderen, nur die schnelle Impfung, und keine Moralpredigten.

  • #5
    Walter Stach

    "Ein technologisch rückständiges Land"

    M.E. ist diese Feststellung nicht hinreichend zu begründen. Das Gegenteil ergibt sich, jedenfalls für mich, aus allen mir verfügbaren Informationen. Deutschland gehört danach weltweit weiterhin zu den führenden Technologie-Standorten.

    Ob das mittel-langfristig so bleiben wird und unter welchen Bedingungen,wäre kritisch zu hinterfragen.

    Und weil "wir" zu den führenden Technologiestandorten weltweit zählen, stellt sich mir um so mehr die Frage, warum wir in Sachen Stand der Corona-Schutzimpfungen nicht zu den weltweit führenden Staaten zählen.

    Liegt es u.a. daran, daß wir bezüglich der Schaffung der landesweiten digitalen Infrastruktur und bezüglich der Digitalisierung des gesamten öffentlichen Sektors- Verwaltungen, Bildungs-/Gesundheitswesen – rückständig sind und diesbezüglich nur sehr, sehr langsam vorankommen?
    Sollte das so sein, dann zeugt das nicht davon, daß Deutschland ein technologisch rückständiges Land ist, sondern daß es bezüglich der (Aus-) Nutzung "unserer " technologischen Möglichkeiten hierzulande erhebliche Mängel gibt. Und warum das so ist, wird zurecht gefragt und beklagt.

    PS
    Israel hier und Deutschland da.
    Bei einem Vergleich, z.B. jetzt und hier in Sachen landesweiter Stand der Digitalisierung, sollte nicht außer acht gelassen werden, daß aufgrund der Bevölkerungzahlen -hier rd. 8 Mio, dort rd. 83 Mio- derartige Vergleiche bedenklich sind.

  • #6
    Susanne Scheidle

    Der Staat weiß, wie alt die Bürger sind? Von wegen! Man hört von Ämtern, die das Alter der im Einwohnermeldeamt gelisteten Personen anhand des Vornamens geschätzt haben…
    Ich habe mich von Anfang an gefragt, warum das nicht die Krankenkassen managen, die haben alle Daten, die es braucht.
    Aber wahrscheinlich war mal wieder der Datenschutz davor.

  • #7
    Björn Wilmsmann

    Wenn ich hier die Details zum aktuellen Strategiepapier des Bundesgesundheitsministeriums für Impfungen in Arztpraxen lese, wird mir echt schlecht: https://www.n-tv.de/politik/Im-April-muss-Deutschland-Massen-impfen-koennen-article22396301.html

    Denn nach wie vor ungelöste Probleme sind dabei neben der Bürokratie (Priorisierung, Terminvergabe und Dokumentation) die Vergütung für Impfungen, Impfstoff und Zubehör, sowie die eigentliche Verteilung des Impfstoffs. Wohlgemerkt: Keine 4 Wochen, bevor es in den Arztpraxen so richtig mit dem Impfen los gehen soll!

    Das ist doch schon wieder Scheitern mit Ansage!

    Das Konzept zur Verwendung von Schnelltests wird derweil gerade auch schon wieder in den Sand gesetzt: Diese sollen nur von geschultem Personal durchgeführt werden, z.B. in Testzentren oder Praxen. Selbstanwendung – evtl. gar täglich – mit digitaler Erfassung des Ergebnisses ist nicht vorgesehen.

    Na klar, knapp 85 Millionen Einwohner stellen sich 2 Mal pro Woche in Testzentren an, um danach im Supermarkt einkaufen zu können …

  • #8
    Angelika, die usw.

    #5 "…M.E. ist diese Feststellung nicht hinreichend zu begründen…"

    Doch, kann man.
    Es gibt ja mehr Beispiele, als die Pandemie, die Probleme mit den Impfungen, Gesundheitsämter mit FAX-Geräten usw..

    Da ist das Nachbarland NL (ok, dort leben auch nicht über 80 Mill., aber es ist ein Nachbarland, ein westeuropäisches Nachbarland). Die Schulen sind digital anders ausgestattet – besser (!). Es gibt im Net genügend Infos dazu. Wie kann es sein, dass sich ein Land wie Deutschland leistet, Schulen schlechter auszustatten, als es der Nachbar tut?

    Da ist es in Asien (Japan, Korea) normal, dass Züge pünktlich sind. Technisch besserer Standard, sauber, pünktlich – geht alles. Und die Bahnhöfe in D. … Waren Sie mal in Duisburg, Herr Stach?

    Ein Flughafen … In Berlin … Nun ja …

    Da setzte die NASA für den Mars Rover auf Technologie aus Europa – Motoren aus der Schweiz (Maxon Obwalden).

    usw.

    usw.

  • #9
    ccarlton

    Was wir noch können ist Bürokratie. Die Beschlußvorlange zur stufenweise Öffnung in Abhängigkeit der sogenannten Inzidenzwerte ist der Traum jedes Beamten.

    Zutrittt zur nur zur Aussengastronomie nur mit vorheriger Anmeldung und bei Personen aus unterschiedlichen Haushalten ist ein negativer Schnelltest nötig. Wir erinnern uns daran, dass besagte Gastronomie laut RKI kein Treiber des Infektionsgeschehens war.

  • #10
    abraxasrgb

    Germ(sic!)ans? are tanks on tracks without brakes … 😉
    Deutschland ist sogar bei Katastrophen hauptsächlich ordentlich, gründlich und egalitär… koste es, was es wolle (buchstäblich und metaphorisch).

  • #11
    DAVBUB

    @5: "M.E. ist diese Feststellung nicht hinreichend zu begründen"
    Wann haben Sie denn zuletzt mal eine Reise nach Schweden, Finnland oder Norwegen gemacht? Dort komme ich mir immer vor wie ein Bewohner der zweiten Welt. Oder versuchen Sie einmal, einen Kleinstbetrieb papierlos zu füheren. Das funktioniert noch mit dem Finanzamt oder mit der Minijobzentrale. Je nach dem, bei welcher Krankenkasse Ihre Vollzeit-MA angemeldet ist, können Sie schon einmal einen neuen Ordner anlegen und die Schreibmaschine aus dem Keller holen. Bei der AfA übrigens auch. Oder der BG, die mir zwar ein elektronisches Postfach eröffnet hat, das ich auch ordnungsgemäß installiert bzw. bestätigt hatte. Die Post kommt jetzt auch: Mit der Post.
    @8: "Da ist es in Asien (Japan, Korea) normal, dass Züge pünktlich sind. " So weit brauchen Sie gar nicht zu schauen. Schon in der Schweiz kommt man sich vor wie in Zugfahrers Paradies: Züge, die pünktlich abfahren und ankommen, freundliche Zugbegleiter und die Wahrscheinlichkeit, sich eine ansteckende Hautkrankheit zu holen, ist gleich null.

  • #12
    DAVBUB

    Aber selbst in den dunkelsten Tagen finden sich jemand, der das Licht der Hoffnung entzündet:
    https://www.welt.de/wirtschaft/article227439291/Millionen-ungenutzer-Impfstoff-Dosen-Diese-Stadt-zeigt-wie-es-anders-geht.html

  • #13
    Angelika, die usw.

    #9 "…Was wir noch können ist Bürokratie…"
    Können wir auch nicht, denn das man heute eigentlich digital. Eigentlich…
    Kfz-Zulassungen in Duisburg im letzten Sommer…online-Termine (wg Corona) …es scheint mehr als schwierig gewesen zu sein, siehe Zeitungsberichte.

    #7
    Nochmals zum Nachbarland NL, Herr Stach.

    Im NL finden sich online die Familienurkunden u.ä. bis Anno Dingenskirchen. Ich fand im online-Archiven (stadsarchief) mehrerer Städte meine Urgroßeltern und auch die Ururururgroßeltern (Hochzeit, Geburt, Tod, Zeuge bei Gericht, Einträge in Personenregistern von Städten, Gemeinden). Leicht zu finden, nicht nur Infos, auch Urkunden als Foto, leicht zu vergrößern, zu kopieren. Alles kostenlos (also für mich, nicht für den niederländ. Steuerzahler). Zum Vergleich: Wenn ich in der Ruhrgebietsstadt Soundso, diese Unterlagen einsehen wollte, müsste ich schriftlich anfragen, warten, bis man die Urkunden per Hand herausgesucht hätte, bei einem vereinbarten Termin ansehen, für die Aufwand eine Gebühr (je Urkunde) errichten.

  • #14
    Helmut Junge

    Wir haben nicht nur Probleme mit der Digitalisierung, obwohl der Begriff in keiner Politikerrede mehr fehlt, sondern etliche Verwaltungen haben nicht mal das Personal, das fähig ist, mit all den unmodernen Geräten und älteren Programmen klar zu kommen. Wenn dann noch neuere Technologie dazu kommt, was soll das denn bringen? Ich denke, daß man bei den Personaleinstellungen nicht allein auf den Uniabschluß (früher war es ein richtiges Parteibuch) achten sollte, sondern darauf, in welcher Fachrichtung der Abschluß erreicht wurde. Lösen läßt sich das Problem vielleicht nur, indem die Führungsmannschaft in den Verwaltungen auf Eignung überprüft wird. Denn die sucht das neue Personal aus.
    @Angelika, die usw., die Raumfahrt verlangt auf sehr viele technischen Gebieten jeweils spitzentechnologie. Wer so etwas hinkriegt, bei dem stimmt alles. Wer so etwas nicht hinkriegt, hat auch in anderen Technikbereichen defizite. solche Länder fallen ab gegenüber der Konkurrenz. Wem das passiert ist ganz schnell nicht mehr am Ende der Nahrungskette, weil die hohen Preise auf dem Weltmarkt nur für Spitzenprodukte bezahlt werden. Deutschland ist bereits im Sinkflug. Wohin das geht, weiß ich nicht. Aber ich sehe auch keinen Versuch einer Kehrtwende. Unsere Schulen sind nicht gut, wenn sie funktionieren und zur Zeit funktionieren sie nicht einmal. Unsere Jugend ist nicht an Technik interessiert. Als die Marslandung der NASA live übertragen wurde, war das ausschließlich ber ARD-Alpha, der im promillebereich eingeschaltet war. Für solch ein Ereignis sind früher selbst Arbeiter mit Volksschulbildung nachts aufgeblieben. So sieht das aus. In den Schulen geht es heute mehr um Gerechtigkeitsfragen als um schulische Leistungsfähigkeit. wer aber in MINTfächern studieren möchte, ist aufgeschmissen, weil ihm oder ihr wichtiges grundwissen fehlt, was dann aber selbst nachgeholt werden muß. Sonst geht es nämlich nicht weiter. Wie soll es dann in Deutschland weiter gehen? Ich habe erst wieder Hoffnung, wenn es dort anders wird. Wenn nicht, geht es den Bach ganz runter.

  • #15
    Walter Stach

    Helmut Junge,
    Qualifiziertes/Qualifizierteres Personal in den öffentlichen Verwaltungen….

    -in den Kommunen, in den Ländern, im Bund, in der sog. allgemeinen inneren Verwaltung, im Gesundheitswesen, im Finanzwesen, im Baubereich, in….-

    Dieser verständlichen, naheliegenden Forderung ,

    oftmals zu vernehmen auch aus der Bürgerschaft in den Kommunen und aktueller denn je wegen der erschreckender Mängel/Fehleistungen administrativer Natur im Impfprozedere landesweit zu hören -auch hier bei den Ruhrbaronen-

    kann oftmals , besser wohl in der Regel. durch "die Verantwortlichen" in allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung dann nicht nachgekommen werden, wenn die Konkurrenz aus der Privatwirtschaft an dem gleichen Personal interessiert ist und "die Privaten" den Wettbewerb um dieses Personal regelmäßig gewinnen, weil sie die ungleich höhere Bezahlung anzubieten vermag.
    Problemlösung?

    Im übrigen finde ich in den folgenden Wortmeldungen nach meinem Beitrag -5- nichts, was dessen Inhalt zuwiderläuft, nämlich
    a.)
    meine Feststellung begründet widerlegt, nach der Deutschland nach wie vor zu den weltweitführenden Technologiestandorten gehört
    und
    b.)
    die nach meiner Feststellung gestellten Frage als fehlgehend verwirft; ganz im Gegenteil.

  • #16
    Helmut Junge

    Also Walter Stach, Industrie schnappt die guten, brauchbaren Leute durch höhere Gehlter weg, und deshalb kann man nichts ändern. Hab ich kapiert. Dann ist es ja noch viel hoffnungsloser als ich gedacht habe. Man kann also nichts machen. Dann gehen wir allein schon an diesem Problem zu Grunde.Die Digitalisierung ist nämlich unumgänglich. Und auch in der Zukunft wird die Industrie die brauchbaren wegschnappen. Problemlösung?
    Und zu deiner Feststellung, " Deutschland nach wie vor zu den weltweitführenden Technologiestandorten gehört", muß jemand, der diese "feststellung" widerlegen will, einiges an Material zusammentragen. Das ist nicht zwischen 2 Kommentaren gemacht. Das dauert länger. Aber das kommt nachgeliefert. Solange bist du in der glücklicheren Situation als ich. Mir macht die Entwicklung der technischen Fähigkeiten unseres Landes nämlich erhebliche Sorgen. Aber diese Woche wird das nichts mit der Nachlieferung.

  • #17
    Angelika, die usw.

    #15
    So ein Werk, wie Maxon (Obwalden, Schweiz), das mit der NASA zusammen arbeitet, ist aber im Ausland. Es ist nicht im Ruhrgebiet, nicht in Deutschland. Solche Werke könnten aber hier sein, Herr Stach. Hier gibt es Universitäten und die dort ausgebildeten arbeiten später in HH, Berlin, München, Frankfurt, Düsseldorf – und immer öfter im Ausland. Dt. Physiker, Chemiker, Ärzte gehen in die Schweiz, nach Norwegen usw. – und sie wissen warum.

    Meine Familie und ich sind oft bei Maxon vorbeigekommen. In dem Ort (Nähe Luzern) gibt es einen Getränkemarkt, da ist eine Bank, ein Friseur, eine kleiner Supermarkt (genannt Dorfladä), ein Metzger. Es ist ein Dorf. Mit Kirche, See, Strandbad. Und eine Fabrik für Müsli u.ä. gibt es auch.

    Im Ruhrgebiet ist es schon ein Erfolg, wenn im Oberhausener Norden Nähe Autobahn ein Zentrallager einer Lebensmittelkette entsteht. Es ist ein Erfolg, wenn Halden begrünt werden, wo man dann joggen kann u.ä.. Oder ein Musical-Theater (Nähe CentrO) wird eröffnet, das aber schon vor Corona Probleme hatte, ebenso in Essen.

    Stichworte Krupp, Siemens. Krupp hat seine Aufzugsparte verkauft. Siemens Energy in Mülheim/Ruhr, 700 Stellen gestrichen (in Gesamt NRW mehr als 1000 Stellen). Siehe Zeitungsmeldungen WAZ u.a..

  • #18
    Walter Stach

    Helmut Junge,
    es bedarf doch nicht arbeitsintensiven Nachlieferns durch Dich.

    Ich habe eine Bemerkung in die hier laufenden Diskussion eingebracht, die m.E. bedacht werden könnte, wenn über Fehlleistungen, über mangelhaften Leistungen im sog. öffentlichen Sektor geklagt wird, und zwar mit dem speziellen Bezug zur Qualität des handelnden Personals, so wie durch Dich in Deinem Beitrag -16- geschehen. und mit konkretem Bezug zur Pandemiebekämpfung im allgemeinen und zum Impfschutz im besonderen.

    Helmut Junge, konkret zu -16-:
    Vielleicht genügt es ja, wenn Du Dich ‘mal in Deinem Bekanntenkreis umhörst, um zu erfahren, ob "junge Leute", die in ihrem jeweiligen Fachgebiet zu den Besten gehören, in der Regel auf ihrem Berufsweg im öffentlichen Sektor " landen" oder in der Privatwirtschaft. Zudem wirst Du oftmals (!) erfahren, daß diejenigen, die sich im öffentlichen Sektor durch überdurchschnittlichen Leistungen auszeichnen, in die Privatwirtschaft wechseln -als Arbeitnehmer, als Selbstständige-, und die das dann primär deshalb machen, weil sie so wesentlich höheren Einkommen erzielen können.

    Helmut Junge,
    meine diesbezüglichen Bemerkungen sind kein Versuch, die eklatanten Fehler/Mängel im derzeitigen Impfdesaster zu erklären oder gar zu entschuldigen – auf welchen staatlichen Ebenen und in welcher Hierarchie auch immer – , sondern sollen lediglich Anregungen liefern für das Nachdenken über mögliche Gründe für personalbedingte Fehleistungen/Mängel im öffentlichen Sektor, u.a. wenn es um die sog. Digitalisierung geht, insbesondere im Vergleich zur Privatwirtschaft, aber auch im Vergleich mit anderen Ländern, in denen der öffentliche Sektor wesentlich erfolgreicher als hierzulande in der Lage ist, sich in Sachen Bezahlung der Mitarbeiter dem Wettbewerb mit den Privaten zu stellen -auch wenn es um den Bereich "Digitalisierung" geht -und deshalb evlt. mit mehr Erfolg als hierzulande?-.

    Helmut Junge,
    im übrigen kann ich die hier anscheinend vorherrschenden Meinung nicht teilen, nach der das Erbringen von Dienstleistungen (z.B. bei der Pandeimiebekämpfung) durch den öffentlichen Sektor a priori in Quantität und Qualität schlechter sein muß als das Erbringen vergleichbarer Leistungen durch "die" Privatwirtschaft.
    "Man" sollte, z.B. bei der Bekämpfung einer Pandemie, von Fall zu Fall, von Problem zu Problem vorurteilsfrei prüfen, ob etwas, wann etwas, wie etwas quantitativ und qualitativ erfolgreicher durch die öffentliche Hand oder durch "Private" wahrgenommen werden sollte (oder gemeinsam durch Beide -sh.PPP. ) Das kann geschehen, wenn..; .z.B. dann, wenn ein Flughafen zu bauen ist, wenn es um ein Raumfahrtprojekt geht, wenn es um den ÖPNV geht, wenn es um….geht; ja, z.B. auch dann, wenn es um die Bekämpfung einer Pandemie geht. Und bei der jeweiligen Entscheidungsfindung könnte dann durchaus von Belang sein, wer über das für das jeweilige Projekt am besten qualifizierte Personal verfügt, z.B. wenn es um "Digitalisierung " geht.

    Helmut Junge,
    zusammengefaßt noch einmal meine grundsätzliche Auffassung zu der Feststellung in der Kommentar-Überschrift "Wir sind ein technologisch rückständiges Land":

    Ich meine -sh.-2-:
    Deutschland gehört nach wie vor zu den führenden Technologiestandorten weltweit.

    Und gerade deshalb frage ich mich, warum "wir" in Sachen Pandemie-Bekämpfung, konkret in Sachen Impfschutz nur Mangelhaftes oder gar Ungenügendes erbringen.

    Mängel wegen der Zuständigkeiten -öffentlicher Sektor-? Mängel im Management des öffentlichen Sektors l-organisatorischer und/oder personeller Natur?

    Anderes habe ich unter -5- nicht gefragt. Und ich sehe für mich auch nach all den vorangegangene Beiträgen keinen Anlass, diese Frage so wie ich sie unter 5-gestellt habe zurückzunehmen.

    Helmut Junge,
    wenn ich in diesem Zusammenhang -15- aufgrund einer Einlassung von Dir -14, im ersten Absatz-auf einen der möglichen Gründe für "personelle Unzulänglichkeiten" im öffentlichen Sektor verwiesen habe, dann sollte dieser Nebenkriegsschauplatz nicht weiteren Scharmützeln zwischen uns dienen -schon gar nicht für zeit- und sachaufwendige-.- mein Vorschlag.

  • #19
    DAVBUB

    @15: "… "die Privaten" den Wettbewerb um dieses Personal regelmäßig gewinnen, weil sie die ungleich höhere Bezahlung anzubieten vermag."
    Das trifft aber nur auf einen Teil des Nachwuchses zu. Zum einen sind die Gehälter im ÖD in den vergangenen zehn Jahren kräftig gestiegen (sehe ich ja bei meiner Gattin), auch die Arbeitsbedingungen sind nicht die Unangenehmsten, und der Arbeitsplatz ist sehr sicher. Dies ist aber für viele junge Menschen entscheidend, erleben sie doch in ihrem sozialen Umfeld, daß Jobs, die früher eine Ewigkeitsgarantie hatten, verschwinden (Daimler, VW, Audi, Thyssen-Krupp, Opel, Miele, usw.usf.) . Die werden ausgelagert oder nicht neu besetzt. Da nimmt man doch lieber einen sicheren Job, der leistungsunabhängige Bezahlung bietet.

  • #20
    Berthold Grabe

    der provokante Artikel enthält viel Wahres aber auch einen grundlegenden Irrtum, der aber auch der Inkompetenz der Verantwortlichen entspricht.
    Denn zentrale Daten wären überhaupt nicht nötig und wurden früher auch nicht gebraucht um effektiv impfen zu können.
    Man muss sich nur das know how vor Ort zu nutze machen, statt zentrale Vorgaben zu machen, die vor Ort keinen Spielraum lassen.
    Im Übrigen war es nicht richtig zuerst die Alten zu impfen. Es wäre richtig gewesen, wenn genug Impfstoff und eine Infrastruktur für das schnelle Impfen zur Verfügung gestanden hätte, umdie über 80jährigenschnell durchzuimpfen.
    Da das nicht der Fall war, .wäre esweit sinnvoller gewesenderen Pflegepersonal zu impfen,weil deutlich weniger Personen mit weit größerer Wirkung geimpft worden wären.
    Denn das größte Infektionsrisiko für die alten sind deren Pflegekräfte.
    Nein das Desaster geht auf falsche Planung unter Annahme falscher Voraussetzungen zurück und zu unbewegliche Bürokratie.
    Der pervertierte Datenschutz, der vor allem verbietet das der Staat seinen Bürgerpflichten nachkommt während es den Bürger gleichzeitig vollkommen nackt gegenüber der Wirtschaft zurücklässt und wenn es ums’ Geld geht beim Staat ebenfalls nicht gilt hat sich zu einem einseitigen Machtinstrument entwickelt, das gleichzeitig den Staat davor schützt im Sinne der Bürger tätig werden zu können. Das entspricht ganz der perversen Denke von sozialistischer Umverteilungsdenke, die sich wunderbararrangiert hat mit bürgerlichem Standesdünkel.
    Ein pervers opportunistisches Arrangement.

  • #21
    Walter Stach

    Groll-Bürger…
    von denen spricht Sascha Lobo in seiner heutigen Kolumne bei SPIEGEL-online +) und grenzt sie von Wutbürger ab..
    Ja, als ein Groll-Bürger r sehe ich mich mittlerweile auch.

    Und Sascha Lobo stimme ich zudem in drei seiner Feststellungen uneingeschränkt zu, nämlich

    1.
    wenn er in der Überschrift zu seiner Kolumne von "Staatsversagen in der Pandemie" spricht,
    2,
    wenn er der die jüngsten Äußerungen der Kanzlerin und des Kanzleramtsministers bezogen auf die Corona-Tests und die sog. Corona-Warn-App "geradezu unverschämt" nennt

    3.
    wenn er sinngemäß für sich festhält, daß es ihm nicht mehr daran gelegen ist, über alle möglichen Erklärungsversuche für dieses Staatsversagen zu diskutieren, denn das Alles ändert nichts an dem Befund "Staatsversagen".

    Ich habe mich u.a. in meinen vorangegangen Beiträge dazu verleiten lassen, jetzt und hier die Aussage über da<s "technologisch rückständige Land" aufzugreifen und zu problematisieren und so dazu beigetragen, vom "Staatsversagen" abzulenken und die jüngsten "geradezu unverschämten Äußerungen" der Kanzlern und des Kanzleramtsminister zu "überspielen". Damit ist jetzt Schluß. Ich ziehe mich mit großen Groll -oder ist es Wut?- ins Private zurück.

  • #22
    thomas weigle

    Zu Beginn der Pandemie haben Politik und Behörden noch weitgehend angemessen reagiert, die zweite Welle offenbarte weitgehendes Versagen derselben und in Sachen Impfen ist`s unterirdisch. Unglaublich, unbegreiflich, was sich da abspielt. Datenschutz über Menschenschutz zu stellen, offenbart Menschenfeindlichkeit. Da v.a. alte Menschen wegsterben, könnte man schon fast Absicht vermuten. Schließlich ist jeder tote Renten-oder Pensionsempfänger ein Plus im Saldo.

  • #23
    Helmut Junge

    @Angelika, die usw., Stichwort Zentrallager nahe Autobahn. Dort war ein winziges Wäldchen von Eichenbäumen, in dem ein winziger Rest einer Landwehr erhalten war. FARO e.V. Oberhausen hat dort jahrelang am Tag des Denkmals einen Info-Stand gehabt. Ich muß da mal gucken, ob die Bagger etwas von der Landwehr übrig gelassen haben.

  • #24
    Yilmaz

    Eine Corona-Strategie zu fahren, die auf Lockdowns setzt, Impfen als Weg aus der Krise und dann das Impfen nicht hinbekommen. Das ist schon grotesk!

    Dann wird sich zuerst auf die ständige Impfkommission berufen, um plötzlich von deren Empfehlung abzuweichen und Pädagogen zu impfen. Auch grotesk. Ja, ich weiß jetzt werden sich die Pädagogen aufregen, aber es sind chronisch Kranke, Behinderte, Krebskranke nicht geimpft, die garantiert sterben, wenn sie Corona bekommen. Wir impfen aber z.B. die 24-jährige, gesunde Kindergärtnerin früher??? Dazu noch eine Online-Plattform, wo man drei Zugriffe für einen Termin braucht??? Vielleicht hätte man Amazon die Impflogistik überlassen sollen.

    BRD = Bananenrepublik Deutschland.

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