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Corona und Kampfveganer

Protestierende Kampfveganer Foto: Ciell Lizenz: CC BY-SA 4.0

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani

Geehrte Leserinnen und Leser

Eigentlich will ich nichts über Covid-19 und Corona schreiben, aber wie es nunmal ist, so muss ich dies wieder tun. Es geht, welche Überraschung, um Veganismus, Vegetarismus und die Covid-19-Pandemie. Gerade jetzt gehen Kampfveganer auf Tour, um Leute vom Veganismus zu bekehren, obwohl nicht der Fleischkonsum per se zur Covid-19-Pandemie geführt hat, sondern die Tatsache, dass in China auf diesen sogenannten «Wet Markets» alle Hygieneregeln und der gesunde Menschenverstand über Bord geworfen wurden und man Wildtiere auf engstem Raum in unhygienischen Verhältnissen gehalten hat, um diese dann zum Verzehr und für Quacksalberei wie sogenannte «Traditionelle Chinesische Medizin» zu schlachten.

Dies geschah nicht zum ersten Mal, man denke nur an die SARS-Pandemie vor ein paar Jahren. Das danach die sogenannten «Wet Markets» nicht geschlossen wurden, war grob fahrlässig von den chinesischen Behörden. Wenn diese Wet-Markets nun weiterhin offen bleiben werden, ist das gar gemeingefährlich von Seiten der chinesischen Behörden. D.h. es würde schon reichen, wenn die chinesischen Behörden, die sonst jeden Scheiss ihrer Bürger bewachen und sanktionieren, endlich konsequent gegen den Konsum von Wildtieren und auch gegen sogenannte «Traditionelle Chinesische Medizin vorgehen würden. Es nützt aber nichts, wenn wir hier, in unseren Breitengraden plötzlich alle vegan werden und die sogenannten «Wet Markets» weiterhin bestehen bleiben würden.

Denn was bisher bekannt ist, haben sowohl SARS wie auch das neue Corona-Virus (Covid-19) ihren Ursprung auf einem dieser «Wet-Markets» und als Reservoir in beiden Fällen Fledermausarten, wie die grosse Große Hufeisennase, gelten, die auch in unseren Breitengraden verbreitet sind. Bedeutet dies, dass man nunmehr Fledertiere ausrotten soll? Ganz bestimmt nicht! Fledertiere sind nützliche Teile des Ökosystems, denen wir dank Guano exzellenten Dünger und Tequila, weil Fledermäuse Agaven bestäuben, zu verdanken haben. Auch zeigt die Tatsache, dass die Grosse Hufeisennase zwar als Reservoir für das neue Corona-Virus gilt, aber es vor 2019 zu keiner Übertragung auf den Menschen kam, dass es wirklich vollkommen reicht, diese «Wet Markets» und die dazugehörigen regressiven Handlungen, wie das Schlachten von Wildtieren, auch gefährdeter Arten für sogenannte «Traditionelle Chinesische Medizin»  zu verbieten.

Allerdings mache ich mir da wenig Hoffnungen, dass die chinesischen Behörden dies von alleine tun werden, weil ihr Verhalten während und nach der SARS-Pandemie schon grob fahrlässig gewesen ist. Ohne internationalen Druck wird da nichts!

Auch bezweifle ich, dass diese Fakten Kampfveganer davon abhalten werden, weiterhin zu versuchen, Leute zu bekehren. Für viele Menschen ist Veganismus in unseren Breitengraden ein säkularer Religionsersatz. Im Zeitalter der leeren Kirchen glauben Menschen zwar nicht an Religion im klassischen Sinn, aber an anderen, teilweise gefährlichen Schwachsinn als Erlösungsideologie.

Aber das Menschen auch ohne Religion, gerade in stressigen Zeiten, zu teilweise schaurigen Erlösungsideologien greifen können, ist auch für mich nichts Neues unter der Sonne. Und so sollte uns auch nicht der Versuch der Seelenfängerei von den Ideologen unserer Zeit überraschen, die allen Fakten zum Trotz ihr Weltbild als Erlösungsideologie zu verbreiten versuchen.

 

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8 Kommentare zu “Corona und Kampfveganer

  • #1
    Stefan

    Ich finde die Kritik der Demonstranten richtig und absolut notwendig. Auch die spanische Grippe entsprang schon dem Umstand, dass unbedingt Fleisch konsumiert werden muss. Selbst der Spiegel hat erkannt, dass das kein rein chinesisches Problem ist, sondern ein grundsätzliches.

  • #2
    Stefan Laurin

    @Stefan: Trotzdem ist es verblendeter Schwachsinn: "Kontakt mit Tieren kann der Mensch gar nicht vermeiden, nicht nur, weil er sie nutzt, jagt und isst oder zum Beerensammeln und Getreideanbauen in ihre Lebensräume vordringt, wie das bereits unsere Altvorderen taten. Tiere suchen ihn aktiv auf, um Blut zu saugen, Nahrung zu stehlen, seine Wohnstätten und seine Abfälle zu nutzen. Fledermäuse sind solche Tiere. Sie schlafen oft auf Dachböden, verirren sich aber auch schon mal in Wohnungen, gern in größeren Gruppen. Wer sie verscheucht und dabei einen Kratzer abbekommt, tut gut daran, sich umgehend gegen Tollwut impfen zu lassen. Nagetiere wie Ratten und Mäuse, die besonders gern in der Nähe von Menschen leben (auch solchen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren), sind ein Reservoir für ein ganzes Arsenal an Viren, die dem Menschen gefährlich werden können. Manche dieser Viren können durch den Kot übertragen werden, vor allem, wenn er eintrocknet und man ihn mit dem Staub einatmet. Mücken kommen durch jede Ritze, um Blut zu saugen. Sie übertragen Chikungunya-, Dengue-, West-Nil- oder Zika-Viren auf den Menschen, die daran schwer erkranken können. Auch Läuse, Wanzen und andere Blutsauger übertragen Viren."
    https://www.salonkolumnisten.com/die-energiewende-ist-schuld-am-coronavirus1/

  • #3
    Nina

    Und ich finde man sollte darüber nachdenken, die Fledermäuse auszurotten oder zu impfen (falls das geht). So Leid es mir tut.
    https://www.spektrum.de/news/die-frau-die-coronaviren-jagt/1713320

  • #4
    Wermtreu Golmeran

    @ Nina
    Dummheit kann man aber auch nicht ausrotten, ohne grosse Teile der Menschen zu töten und es gibt auch keine Impfung dagegen. Außer Bildung. Und die derzeitige Diskussion um die Abiturprüfungen zeigt, dass es wieder einmal bei vielen nicht um Bildung geht sondern um Distinktion. Denn der Bildungseffekt der Abiprüfungen dürfte im Vergleich zu den bisher absolvierten 12 Schuljahren gegen Null gehen. Trotzdem gibt es eine Reihe von Leuten, die koste es was es wolle, unbedingt die Prüfungen im Mai stattfinden lassen wollen. Das ist so irrational.

  • #5
    discipulussenecae

    @ Stefan:

    Nun ausgerechnet den "Spiegel" als Autorität zu Fragen einer wissenschaftlich fundierten Seuchenbekämpfung zu zitieren, ist zumindest gewagt. Die früher unverzichtbare Pflichtlektüre der deutschen Intelligenz ist schon längst zu einem Tendenzmagazin verkommen, das unreflektiert feministisches, vegetarisch/veganes und betroffenes Gutmenschentum nachschmiert …

  • #6
    Markus

    Zitat: "…sondern die Tatsache, dass in China auf diesen sogenannten «Wet Markets» alle Hygieneregeln und der gesunde Menschenverstand über Bord geworfen wurden und man Wildtiere auf engstem Raum in unhygienischen Verhältnissen gehalten hat… "

    Genau das machen wir und so ziemlich alle anderen staaten auch, nur mit domestizierten Tieren. Auf engsten Raum ohne Hygiene und nur mit der Hilfe von Antibiotika von einer weiteren Seuche entfernt.
    Das ist ein generelles und kein chinesisches Problem. Tiere im Allgemeinen mit mehr Würde zu behandeln, kann in keinem Fall schaden.
    Einfach mit Realismus herangehen. So wie die Menscheit derzeit mit allem umgeht, kann so auf lange Sicht nicht weitergehen.

  • #7
    abraxasrgb

    Der Mensch is/s)t am Ende der Nahrungskette und das ist auch gut so 😉

    Gut durchgegart wird der neue Ernährungstrend!

  • #8
    Andrea Eggert

    Schade, dass die Autorin so polemisch ist, dass sie das stringente Argumentieren unter Nennung von Belegen ein wenig außer Acht lässt, dass sie die unhygienischen Chines*innen bezichtigt und schließlich meint, Veganer*innen seien Anhänger*innen einer "Erlösungsideologie". Die, die sich so kenne, sind überwiegend rationale Mitmenschen, die keinen "Schwachsinn" verbreiten und einem ihre guten Gründe für den Veganismus, die man überall nachlesen kann, erklären können. Übrigens: Veganer*innen meinen es mit allen gut, mit den Menschen, der Natur und, ja, auch den Tieren. Wir setzen uns einfach dafür ein, unsere Mit-Lebewesen nicht mehr zu quälen und zu töten. Ich persönlich halte das für einen humanistischen Fortschritt und wenn die Autorin das anders sieht, finde ich das traurig.

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