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Corona und Katastrophenschutz: 35 ist das neue 50

Corona in einer Bearbeitung von K. Gercek

Seit dem 15. März 2020 unterhalten sich die Ruhrbarone mit Magnus Memmeler.  Bis heute sind 44 Interviews entstanden, die auf den Katastrophenschutz blicken und auch die Corona-Krise nachzeichnen. Im 45. Interview geht es um das Infektionsgeschehen im Angesicht der Mutationen, um die Schulöffnungen im föderalen Kultusgebiet, um Raumluftfilteranlagen, um die Versäumnisse beim Arbeitsschutzes, den Stand der Impfkampagne und vieles mehr.   

Ruhrbarone: Da die Bildung Ländersache ist, wurden in der letzten Woche wurden beim Bund-Ländergipfel Schulöffnungen in die Verantwortung der Länder übergeben. Außerdem wurde der Lockdown bis Mitte März verlängert. Geben die sinkenden Zahlen nun endlich Anlass zur Hoffnung? Und wie stellt sich die Lage bei nicht von Umfragewerten geprägter Betrachtung dar?

Memmeler: Bei singulärer Betrachtung der aktuellen Zahlen, gibt es in manchen Regionen tatsächlich Anlass zum Frohlocken. Große Teile des Münsterlandes weisen Inzidenzen um 20 auf und Schweinfurt soll sogar einstellige Werte erreicht haben. Es gibt aber auch immer noch Regionen mit dreistelligen Werten.

Leider erreichen uns aber auch noch immer Meldungen, wie die Meldung aus dieser Woche, die das Klinikum Calw betrifft. Nach einem Corona-Ausbruch steht das Kreiskrankenhaus in Calw unter Quarantäne. Über 300 Ärzte und Pflegekräfte müssen in sogenannte Pendler-Quarantäne.

Das heißt, sie dürfen sich nur noch zu Hause oder bei der Arbeit aufhalten. Auch alle Angehörigen der Mitarbeiter und die Patienten sind betroffen – Medienberichten zufolge insgesamt mehr als 600 Menschen. Grund für die strengen Maßnahmen ist ein Coronavirus-Ausbruch quer durch alle Klinikstationen.

Solche und ähnliche Meldungen, die Kliniken und Senioreneinrichtungen betreffen, gibt es leider immer noch bundesweit, was uns verdeutlichen sollte, dass Nachlässigkeit noch immer unser größtes Risiko ist, denn irgendwie muss das Virus ja in diese Einrichtungen getragen worden sein.

Ein weiteres Risiko stellt die leider viel zu große Mobilität dar, wenn wir geneigt sind, den Virologen zu glauben. Im Gegensatz zum Frühjahr 2020 sind viel zu viele Menschen unterwegs. Am 17.Oktober 2020 wurde der Teil – Lockdown viel zu spät verkündet, weil 9.011 Neuerkrankungen für die Politik erst spät einen so dramatischen Wert darstellten, dass Maßnahmen zur Eingrenzung des Infektionsgeschehens beschlossen wurden. Am 04. Februar 2021 leiten erste Länder bei einem Wert von 8.866 Neuerkrankungen Lockerungen ein. Angesichts der November- und Dezemberzahlen, werden nahezu identische Werte plötzlich vollkommen anders bewertet.

Ginge es nur um die Ursprungsvariante des Virus, wären auch Virologen geneigt, diese Einschätzung bedingt zu unterstützen. Leider zeigen die grenznahen Regionen zur Tschechei und Tirol, dass der Pendlerverkehr aus Mutationsrisikogebieten zu einer erhöhten Infektionsdynamik führt. Deshalb ist es nur folgerichtig, hier Grenzkontrollen einzuführen, um weitere Einschleppungen zu vermeiden. Warum das erst mit einigen Tagen Verzug umgesetzt wird, erschließt sich mir nicht.

Aufgrund der bundesweiten Mobilität, bleibt es bedauerlicherweise nicht bei lokalen und grenznahen Effekten, sondern wir registrieren immer mehr Verschleppungen der Virusmutationen quer durch das Bundesgebiet. Sollten die in den letzten Interviews vorgestellten Modellrechnungen zutreffen, stellt dieser Umstand ein riesen Problem dar.


Magnus Memmeler mit Maske Foto: Privat

Magnus Memmeler (53 Jahre) lebt in Kamen. Seit über 31 Jahren arbeitet er im Rettungsdienst und Katastrophenschutz. 25 Jahre davon hat er diverse Leitungsfunktionen eingenommen. Er war beauftragt zur Organisation des Sanitätsdienstes beim DEKT in Dortmund und Verantwortlicher einer großen Hilfsorganisation bei der Versorgung und Unterbringung von Geflüchteten in den Jahren 2013 – 2018. Er war zudem Mitglied bei der Stabsarbeit von Bezirksregierungen und in Arbeitskreisen des Innenministeriums bei der Konzeption von Katastrophenschutz-konzepten.

 

 


Ein Blick nach Luxemburg zeigt, was auf uns zukommen könnte, wenn die Schulen ab dem 22. Februar wieder den Betrieb aufnehmen. Die Luxemburger Schüler werden ab Montag wieder von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen müssen. Das hat Bildungsminister Claude Meisch am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz mitgeteilt. Dabei waren die Schulen erst am 11. Januar wieder geöffnet worden. Wenn vor ein paar Wochen maximal zehn Prozent der Schulfälle auf eine innerschulische Infektion zurückzuführen gewesen sei, nähere sich diese Zahl nun den 30 Prozenten, sagte der Bildungsminister.

Mit Blick auf die anstehenden Schulöffnungen für Grundschulen und Abschlussklassen muss man leider attestieren, dass die bundesdeutsche Bildungspolitik in 12 Monaten Pandemie nichts dazu gelernt hat. Einzig Wechselunterricht, das sogenannte Solinger – Modell, welches im Herbst noch von der Landesregierung NRW niedergeknüppelt wurde, findet beim Restart der Schulen Anwendung. Innerhalb von 1,5 Wochen sind nun erneut die Schulen gefordert, um Konzepte zu entwickeln, die Bildungsministerien seit geraumer Zeit nicht gebacken bekommen.

Wie schön, dass Städte wie Münster nun in Eigeninitiative zunehmend Raumluftfilteranlagen beschaffen, um den Betrieb von Kitas und Schulen etwas sicherer zu machen. Die Uniklinik Münster hat dazu am Donnerstag eine Studie veröffentlicht. Das Ergebnis lautet, dass professionelle Luftfilter das Risiko einer Infektion entscheidend verringern. Man stelle sich vor, die Bundesregierung hätte den „Kinderbonus“ von 150,00 € für Familien mit einem Jahreseinkommen von über 80.000,00 € / Jahr dafür eingesetzt Raumluftfilteranlagen zu beschaffen. Haben wir aber nicht. Über dieses Versäumnis haben wir aber auch schon im September berichtet.

Auch wenn nun die 35 die neue 50 ist, ab der es den jeweiligen Regionen überlassen wird, weitere Lockerungen zu beschließen, kann das nicht wirklich beruhigen, solange zum Beispiel Frankreich meldet, dass nun auch die südafrikanischen und brasilianischen Virus-Mutanten in den Grenzregionen zu Rheinland – Pfalz und dem Saarland nachgewiesen wurden. Der gewollte Grenzverkehr und Lockerungen in einzelnen Regionen könnten dazu führen, dass es zu Einkaufstourismus kommt, der die Infektionsverschleppung beschleunigen würde.

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran sagte, es seien „in den vergangenen vier Tagen 300 Fälle der südafrikanischen und brasilianischen Mutanten nachgewiesen“ worden. Schon in den Tagen zuvor seien 200 Fälle bekannt geworden. Die Entwicklung sei laut Véran deshalb so besorgniserregend, weil sich die Infektionsketten nicht zurückverfolgen ließen.

Virologen warnen, wie bereits in der letzten Woche vor der dritten Welle, die dann durch die wesentlich infektiöseren Virusmutationen ausgelöst würde, wenn wir nicht weiterhin an diszipliniertes Verhalten appellieren und die Kontaktbeschränkungen aufrechterhalten. Die nun täglichen Meldungen von nachgewiesenen Infektionen mit der Variante B1.1.7 in meinem Heimatkreis und nun auch in meiner Heimatstadt, erfüllen mich angesichts der Aussagen von hochrangigen Experten deshalb zusehends mit Sorge, wenn ich sehe, wie wenig Arbeitsschutzverstöße sanktioniert werden und kritische Infrastruktur anfällig für Störungen erscheint.

Ruhrbarone: Schöner Überblick. Die Kultusministerien schlafen weiter und die Lageeinschätzung durch die Virusmutationen wird zunehmend schwieriger. Sie haben zwei Stichworte geliefert. Arbeitsschutzverstöße und der Schutz von kritischer Infrastruktur. Was beunruhigt Sie?

Memmeler: Das Thema Arbeitsschutz begleitet uns in unseren Interviews ja spätestens seit den unglaublichen Infektionsgeschehen bei Tönnies in Ostwestfalen. Wenn wir uns vor Augen führen, dass bis auf Supermärkte nun alles dicht ist, bleiben nur noch Arbeitsplätze und das private Umfeld als Orte, an denen größere Infektionsgeschehen ausgelöst oder verschleppt werden können. Umso wichtiger, dass wir deshalb großen Wert darauf legen, dass der Infektionsschutz in Betrieben eingehalten wird.

Die Durchsetzung des Arbeitsschutzes insbesondere in Bezug auf die Corona-Pandemie leidet in vielen Regionen offenbar häufig an Personalmangel und zum Teil schwammigen Rechtsgrundlagen, weshalb den gemeldeten Verstöße gegen die Pandemie-bedingten Vorschriften seitens der Behörden nicht oder nur sehr spät nachgegangen wird. Die Eigenverantwortung seitens der Beschäftigten lässt aktuell leider im gleichen Maße nach, wie die allgemeine Pandemiemüdigkeit wächst, was es nicht einfacher macht, den erforderlichen Arbeitsschutz zu etablieren.

Ich möchte das an einem Beispiel aus meiner Heimatstadt festmachen, welches ich regelmäßig auf meinem Arbeitsweg beobachten kann. Jeden Morgen kann ich an einem Kiosk, der auch Mittagstisch und extrem leckere und günstige belegte Brötchen anbietet, die folgenden Szenen beobachten. Die Betreiber dieses bei Handwerkern besonders beliebten Versorgungsbetriebes achten peinlich genau darauf, dass die Kunden den erforderlichen Abstand einhalten und korrekt sitzende Masken tragen.

Sobald die Kunden mit der ersehnten und leckeren Speise den Verkaufsbereich verlassen, verschwinden die Masken aus dem Gesicht und die Handwerker gesellen sich in mit mehreren Personen besetzten Transportern, in denen niemand eine Maske trägt, obwohl niemand im Fahrzeug weiß, wie vernünftig sich die Kolleginnen und Kollegen in der Freizeit verhalten.

Offensichtlich hat es in diesen Betrieben niemand für notwendig gehalten, auf die Vorschriften der Berufsgenossenschaften und des Bundesministeriums für Arbeit hinzuweisen oder es ist den Angestellten schlicht egal.

Unvernunft in Gesundheitsfachberufen

Leider ist diese Unvernunft zunehmend auch wieder in Gesundheitsfachberufen zu beobachten, was mich angesichts des zu unterstellenden Wissens völlig fassungslos macht, da es auch immer wieder zu Problemen in Kliniken oder Großpraxen führt.
Berichten zufolge, die auf diversen Recherchen von Medienorganen beruhen, antworteten 50 der angefragten Arbeitsschutzbehörden auf einen standardisierten Fragenkatalog.

Hier gaben zwar 90 Prozent an, Betriebe auf Verstöße gegen die Corona-Vorschriften angesprochen zu haben. Allerdings seien die Betriebe in den meisten Fällen nur mündlich oder schriftlich verwarnt worden. Zu Bußgeldern sei es nur selten gekommen, noch seltener zu Schließungen.

Eine weitere Schwachstelle ist den Berichten zufolge, dass die rechtlichen Grundlagen aus Sicht der Behörden schwammig seien oder ganz fehlten. Gebe ein Arbeitgeber beispielsweise Gründe an, die Homeoffice in seinem Betrieb aus seiner Sicht nicht zuließen, seien diese extrem schwer widerlegbar. Nach erneuter Durchsicht der bestehenden Vorgaben, muss ich den Behörden bei dieser Einschätzung leider Recht geben.

Dass der Corona-Arbeitsschutz in vielen Unternehmen keine hohe Priorität genießt oder gar nicht eingehalten wird, geht auch aus einer aktuellen Befragung von Betrieben hervor. Die Bundesregierung hatte im Januar auf eine Kleine Anfrage der Linkenfraktion Details zu den Ergebnissen einer solchen Befragung aus dem vergangenen Herbst mitgeteilt.

Demnach werden Maßnahmen wie eine Verpflichtung zum Tragen von Masken oder der Einbau von Schutzscheiben häufig nicht umgesetzt. Grundsätzlich galt dabei: Je kleiner der Betrieb, desto größer die Gefahr durch eine erforderliche Stilllegung. Hier gibt es also noch reichlich Luft nach oben, um das Infektionsgeschehen tatsächlich nachhaltig einzudämmen.

Mit Blick auf die angesprochenen kritischen Infrastrukturen sollte uns die wieder zunehmende Nachlässigkeit extrem nervös machen, denn besonders hier ist Arbeitsschutz noch immer gelebter Katastrophenschutz.

In Nürnberg und Jena musste unlängst der Katastrophenfall ausgelöst werden, da es zu Schäden in den Strukturen der Fernwärmeversorgung gekommen ist, wodurch tausende von Haushalten plötzlich ungeheizt blieben. Beide Fälle sind zwar nicht infektionsbedingt eingetreten, zeigen aber sehr deutlich, was geschehen kann, wenn Nachlässigkeit dazu führt, dass zum Beispiel 50% der Belegschaften in Kraftwerken oder Wasserwerken ausfallen.

Der Schutz von kritischen Infrastrukturen bedarf selbstverständlich auch außerhalb der Pandemie besonderer Aufmerksamkeit, da der Ausfall stets außerordentliche Kettenreaktionen auslöst. In der Pandemie wird dies, wie unter einem Brennglas, noch deutlicher erkennbar.

Mit Blick auf das Beispiel Jena kann man recht vereinfacht darstellen, was der Ausfall von kritischer Infrastruktur bedeutet, wenn in 6.500 Haushalten die Heizung ausfällt. Wohlgemerkt – es war „nur“ die Heizung und nicht auch noch der Strom. Und es waren „nur“ 6.500 betroffene Haushalte.

Die Fragen, die für diese 6.500 Haushalte sehr schnell beantwortet werden mussten, lauteten zum Beispiel – wie viele Pflegebedürftige wohnen in den betroffenen Haushalten? Welche Ressourcen stehen zeitnah bereit, um diese Menschen bedürfnisgerecht zu versorgen? Wo kann zeitnah eine unbekannt große Anzahl an Familien mit Kleinkindern untergebracht werden? Wo ist all das unter Einhaltung des Infektionsschutzes möglich? Und so weiter, und so weiter….

Obwohl der Schaden am Fernwärmenetz in Jena „nur“ 6.500 Haushalte betroffen hat und der Schaden sehr rasch behoben werden konnte, hat dieser vergleichsweise harmlose Zwischenfall die gesamten Katastrophenschutzstrukturen der Stadt in den Einsatzfall befördert.

Deutschland hat noch viele Hausaufgaben vor sich, wenn es darum geht, sich auf solche oder vergleichbare Zwischenfälle vorzubereiten. Da diese Hausaufgaben, wenn überhaupt, in großen Teilen erst formuliert, jedoch noch nicht angegangen wurden, wäre der Ausfall kritischer Strukturen besonders in der Pandemie der Gau.

Angesichts der diffusen Lage und der noch sehr langen To Do-Liste, die zum Schutz der Bevölkerung zu bearbeiten ist, können wir aktuell nur auf die Vernunft unserer Mitmenschen und Fortschritte beim Impfen hoffen.

Ruhrbarone: Offensichtlich müssen Arbeitsschutz und Bevölkerungsschutz mehr in den Fokus der Politik gerückt werden. Lassen Sie uns zum Abschluss die Fortschritte beim Impfen und die von Ihnen immer wieder angemahnte Vernunft behandeln. Was können wir hier erwarten oder was sollte uns hier nachdenklich machen?

Memmeler: Bevor ich auf die Fortschritte bei der Impfkampagne eingehe, die wir erwarten müssen und können, möchte ich kurz auf den Wahnsinn eingehen, der uns in dieser Pandemie leider auch begleitet.

In dieser Woche titelten mehrere Medien übereinstimmend:

„Studie beweist: Nur 2 Querdenker-Demos haben bis zu 21.000 Menschen angesteckt.“

Ein Papier des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim hat in Zusammenarbeit mit der Berliner Humboldt-Universität (Quelle) belegt, wie sich das Infektionsgeschehen nach den zwei größten Querdenker-Demonstrationen entwickelt hat. Wie wir alle schon beim Betrachten der Nachrichten befürchtet haben, haben beide Veranstaltungen sich zu Superspreaderevents entwickelt
16.000 bis 21.000 Corona-Infizierte bis Weihnachten führt das Diskussionspapier auf diese beiden Demos zurück.

Die Folgen waren bereits sehr früh absehbar, denn die Demonstranten hielten sich kaum an geltende Hygienevorschriften. Nun wurde erstmals quantifiziert, dass diese verantwortungslosen Demonstrationen auch wirklich zur Verbreitung des Infektionsgeschehens beigetragen haben.

Fazit: Querdenken kann tödlich sein.

Begleitend zu dieser zu erwartenden Erkenntnis erreichte uns die Meldung, dass ein Anschlag auf eine Bahnstrecke wahrscheinlich auch auf die Querdenkerszene zurückzuführen ist, deren Aktionen sich immer mehr gegen alle staatlichen Strukturen richten, da diese für diese völlig verwirrte Truppe Inbegriff eines Staates sind, der die selbstformulierten Grundrechte einschränkt.

Die Freiwillige Feuerwehr Kiekebusch, einem Ortsteil von Cottbus, nahm die Absage der jährlichen Lausitzer Tradition des „Zampern“ zum Anlass, um ihren Unmut über die aktuellen Pandemie-Maßnahmen der Regierenden kund zu tun. Auf ihrer Facebook-Seite posteten die Rettungskräfte einen Flyer, der die aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen kritisiert.

Der Flyer selbst zweifelt die Gefahr des Coronavirus an und vergleicht die Krankheit unterschwellig mit einer Grippe:

„Jedes Jahr zur besten Grippezeit gingen unsere Zamperracken von Haus zu Haus. Doch dieses Jahr gibt es offiziell keine Grippe mehr und somit dürfen wir euch auch nicht besuchen.“

Das Faltblatt endet mit der Aufforderung, sich „bei der nächsten Bundestagswahl (..) dafür recht herzlich zu bedanken.“

Wehrführer der Kiekebuscher Feuerwehr ist der Brandenburger AfD-Landtagsabgeordneter Lars Schieske, der an mehreren Demonstrationen der „Querdenken“- und Corona-Leugner-Szene unter anderem in Berlin teilnahm. Sein Cottbuser Bürgerbüro schmückt ein Plakat mit der Aufschrift „Hier sind auch Menschen ohne Maske willkommen.“

Leider ist es nicht neu, dass die AFD und stramme Nazis die Querdenkerszene als Plattform nutzen, um demokratiefeindliche Tendenzen zu schüren und damit einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass uns diverse Infektionsgeschehen in Atem halten werden. Was an diesem Beispiel aber erneut recht deutlich wird, ist die zunehmende Unterwanderung von Vereinsstrukturen und insbesondere Feuerwehren, da diese in der Bevölkerung einen großen Vertrauensvorschuss genießen und die Vereinsstrukturen durch die AFD als ideal dafür identifiziert wurden, um durch gut strukturierte Kommunikationswege viele Menschen verführen zu können.

Besonders fruchtbar wird der Acker, auf den diese böse Saat fällt, je größer die Unzufriedenheit mit der eigenen Situation oder die Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Maßnahmen werden.
Als deutlich kontraproduktiv muss in dieser fragilen Stimmungslage auch das Geplärre bezeichnet werden, welches vom Luxussportclub aus dem Süden ausgeht. Eine Woche lang begleiteten uns Medienberichte, in denen die Clubbosse des FC Bayern München uns daran haben teilhaben lassen, dass Rummenigge und Co es als unerträglich empfinden, wieso die Republik nicht einsieht, dass der Gleichheitsgrundsatz für diesen Verein inakzeptabel ist.

Was für Signale setzt dieser Verein, der hier nur als das prominenteste Beispiel für Privilegierungsphantasien steht, wenn zunächst nächtliches Flugverbot kritisiert wird, weil man in Mitten einer Pandemie zu einem Turnier reisen will, welches in einem Land stattfindet, welches für seine Menschenrechtsverstöße bekannt ist. Als dann bekannt wurde, dass der Spieler Thomas Müller in Katar positiv getestet wurde, legt Herr Rummenigge völlig instinktlos nach und fordert unter dem Deckmantel, Fußballer müssten positives Beispiel sein, eine vorgezogene Impfung von Fußballprofis.

Profis scheint die Sonne aus dem Arsch

Als Kind des Reviers kann ich hier nur etwas drastischer zum Ausdruck bringen, was vernünftige Fußballprofis bereits gesagt haben. Den Profis im Fußballsport scheint nicht nur in dieser Pandemie die Sonne aus dem Arsch. Jetzt noch solche Forderungen zu formulieren, obwohl der Mangel an Impfstoff gerade die gefährdet, die in Kliniken und in der ambulanten Pflege nur einen Bruchteil dessen verdienen, was diese umfänglich gepamperten Herrschaften monatlich einfahren, lässt zu Recht daran zweifeln, dass in diesem Sport noch Realitätsbewusstsein vorhanden ist.

Wie der Offensivspieler Thomas Müller nun zurück nach München reist, planen inzwischen Experten. Hallo? Pflegepersonal muss sich in der identischen Situation in eine Arbeitsquarantäne begeben und hat die absolute Arschkarte gezogen, wenn das Geld nicht für ein eigenes Fahrzeug reicht, da die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln dann untersagt ist. Allein für die Kohle, die dafür drauf geht, um Herrn Müller nach München zu holen, könnte X Raumluftfilteranlagen für Schulen und Kitas beschafft werden.

Ich bitte diesen kleinen emotionalen Ausbruch zu entschuldigen, auch wenn er zeigt, was unsere Gesellschaft gerade auf eine harte Probe stellt. Die Schere zwischen denen, die sich aktuell in Kurzarbeit befinden, arbeitslos geworden sind und denen die an der Pandemie profitieren oder schon immer schamlos den Luxus genossen haben, ist in dieser Pandemie noch größer geworden.

Kommen wir zum Abschluss lieber zu den etwas positiver werdenden Aussichten beim Impfen und den Herausforderungen, wenn es gilt hier schnell Erfolge feiern zu können.

In Nordrhein-Westfalen dürfen ab sofort sieben statt sechs Impfdosen aus einer Ampulle der Hersteller Biontech und Pfizer gezogen werden. Die Anpassung gilt allerdings unter Einschränkungen. Laut nordrhein-westfälischem Gesundheitsministerium darf der Impfstoff aus verschiedenen Ampullen nicht vermischt werden.

Zudem ist die siebte Dosis nur einzusetzen, wenn noch mindestens 0,3 Milliliter des Impfstoffs in der jeweiligen Ampulle übrig sind. Das Gesundheitsministerium in NRW begründete den Schritt damit, dass die Ampullen „aus technischen Gründen regelhaft überfüllt“ würden. Dadurch sei es bei einem sorgfältigen Umgang möglich, eine siebte Ampulle zu gewinnen. Aus der Not entwickelt sich also eine Tugend, um möglichst schnell viele Menschen impfen zu können.

Mal schauen, wann die Hersteller auch hierauf reagieren und die Liefermengen erneut reduzieren, weil sich die Lieferverträge auf Impfdosen und nicht auf gelieferte Ampullen beziehen. Ab und zu sollte man einfach machen und den Mund halten. Auch wenn die Vorgabe möglichst keine Impfdosen zu vergeuden bereits dazu geführt hat, dass „zufällig“ anwesende Bürgermeister und Verwaltungsbeamte geimpft wurden, obwohl hierbei die Impfreihenfolge umgangen wurde.

Wenn hieraus keine Systematik erwächst, sollten wir solche Meldungen nicht überbewerten, denn jeder Geimpfte zählt. Schön wäre es natürlich, wenn man „Rufbereitschaften“ in Kliniken oder Rettungsdiensten planen würde, um überschüssige Impfdosen einsetzen zu können, statt, wie auch schon geschehen, Kirchenvertreter zu impfen.

Das deutsche Unternehmen Curevac beantragt aktuell die EU-Zulassung für Covid-19-Impfstoff, was uns perspektivisch ebenfalls nach vorne bringen sollte.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (Ema) hat mitgeteilt, dass Curevac ein rollierendes Zulassungsverfahren für seinen Covid-19-Impfstoff gestartet hat. Damit kann die Ema nun den Impfstoff prüfen, noch bevor Curevac die Entwicklung und die Testverfahren komplett abgeschlossen hat. Curevac wäre nach Moderna, Astrazeneca und Biontech/Pfizer der vierte zugelassene Impfstoff in der EU. Deutschland hat über die EU 42 Millionen Dosen des Curevac-Impfstoffs bestellt. Zudem gibt es eine Option auf weitere 20 Millionen Dosen über eine nachträglich platzierte nationale Bestellung.

Angesichts dieser Nachricht und der Ankündigung, dass auch die Lieferungen der bereits zugelassenen Impfstoffe nun wöchentlich zunehmen werden, müssen laut KV nun auch Praxen in den Impfbetrieb eingebunden werden, damit es nicht zum Stau beim Impfstoff kommt, ohne diesen verimpfen zu können. Um das zu verhindern, setzen Deutschlands Vertragsärzte auf rasche Einbindung der Praxen.

„Das Impfen wird der Weg ins normale Leben zurück sein“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen. Ohne die zeitnahe Einbindung der niedergelassenen Ärzte könnte die Impfkampagne „schon bald in einem gigantischen Stau nicht verabreichter, aber dringend benötigter Impfdosen stecken bleiben“.

Rechnerisch ergebe sich angesichts der zu erwartenden Impfstoffmengen die Möglichkeit einer „vollständigen Durchimpfung“ der erwachsenen Bevölkerung bis Ende August dieses Jahres – sofern Vertragsärzte rechtzeitig in die Kampagne einbezogen würden, sagte Gassen.

„Wenn das in der großen Masse in die Praxen geht, wird auch die Priorisierung kein wesentliches Thema mehr sein, weil sich die Menschen dann genauso gegen Corona impfen lassen können wie gegen Grippe.“

Prophezeit Gassen recht zuversichtlich.

Ob diese Zuversicht realistisch ist, lasse ich mal dahin gestellt. Angesichts des recht mühsamen Starts beim Impfen, ist mir dieses Chaos dann aber schon lieber, als sich in einer permanenten Mangelverwaltung zu befinden. Jetzt muss nur noch die Logistik funktionieren.

Jetzt muss nur noch die Logistik funktionieren

Der aktuelle Eindruck, die größte Impfkampagne der Geschichte wird bislang teils mit Excel-Tabellen, Kugelschreiber und Papier gesteuert, könnte der Flaschenhals werden, der Gassens Träume von einer regelrechten Impforgie zu Nichte machen könnte. Aktuell ist es leider nicht möglich, Impfstofflieferungen, Impftermine und die dabei erforderliche Logistik zu 100% zu synchronisieren, weshalb immer wieder Impfstoff verworfen werden muss oder frustrierte Menschen ohne Impfung heim geschickt werden müssen, obwohl ein Termin vereinbart wurde.

Neben SAP und Siemens entwickelt auch das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech eine geeignete Software zur Koordinierung der erforderlichen Logistik und Terminvergabe. Diese Software wird zunächst als Pilotprojekt gemeinsam mit dem Land Bayern erprobt und ist angeblich weitgehend fertig gestellt. Das System soll nicht nur die Biontech-Lieferungen umfassen, sondern alle zugelassenen Impfstoffe. Es soll steuern, wie viele Dosen in welches Impfzentrum geliefert werden, wann und wo Nachlieferungen erforderlich sind und wie trotz knapper Dosen möglichst viele Menschen geimpft werden können.

Auch die in den Impfzentren benötigte Zahl von Mitarbeiter ließe sich wohl mit dem System berechnen. Diese Planungssicherheit könnte unter anderem verhindern, dass Impftermine ausfallen und kurzfristig hunderttausende Impfdosen zusätzlich verfügbar machen, weil die Dosen für die zweite Impfung nicht mehr zurückgehalten werden müssten.

Angeblich ist das Bundesgesundheitsministerium mit Biontech im Gespräch. Die Zeit drängt offensichtlich, weil bald etliche Millionen Dosen Impfstoff pro Woche erwartet werden können und die Organisation dadurch deutlich komplexer werde wird. Was würde sich die Nation freuen, wenn es nach dem Rohrkrepierer Corona-Warn-App, die ausschließlich die höchsten Datenschutzansprüche befriedigte, endlich eine Softwareentwicklung gäbe, die und in der Pandemie tatsächlich hilft.

Angesichts der Interviews der letzten Wochen tut es gut, dieses Interview mal mit positiven Aussichten abschließen zu können, nachdem wir zunächst wieder Salz in alte Wunden streuen mussten.

Ruhrbarone: Vielen Dank und bleiben Sie gesund. Schönen Valentinstag…

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6 Kommentare zu “Corona und Katastrophenschutz: 35 ist das neue 50

  • #1
    DAVBUB

    "Offensichtlich hat es in diesen Betrieben niemand für notwendig gehalten, auf die Vorschriften der Berufsgenossenschaften und des Bundesministeriums für Arbeit hinzuweisen oder es ist den Angestellten schlicht egal."
    Letzteres muß der Fall sein: Jeder, der in D nicht gleichzeitig taub, blind, geistig stark eingeschränkt und zudem noch Analphabet ist, weiß wo, wann und wie er eine Maske zu tragen hat. Aber der MNS wird z.B. dekorativ auf die Nasenspitze gesetzt (wärmt aber schön unter dem Kinn), gerne zwischendurch in Geschäften oder Banken zum ordentlichen Durchatmen oder Abhusten abgesetzt. Oder immer noch unter dem Kinn befestigt und nur aufgesetzt, wenn eine Uniform in der Nähe ist.
    Die Security im Rewe läßt sich mit selbstgebastelten Befreiungskärtchen abspeisen (der Kunde ist König).
    Wobei die MA des örtlichen Ordnungsamtes mit gutem Beispiel vorangehen: Eine Gruppe Bauarbeiter der verschiedenen Gewerke, die auf der Baustelle nebenan mit Architektin, Bauherren und Statikern eng beieinander über Pläne gebeugt -ohne MNS natürlich-herumstehen, wird freundlich gegrüßt. Wahrscheinlich kennt man sich schon länger… Eine Stunde später belehren die gleichen Ordnungskräfte eine sehr alte, etwas unsicher wirkende Dame in der fast leeren Fußgängerzone über die MNS-Tragepflicht, nicht ohne auf ein mögliches Bußgeld hinzuweisen. Auf das diesmal großmütig verzichtet wurde.
    Da benötigt es keine Querdenkerdemos. Die sind wenigstens ehrlich: Denen ist alles ….egal.

  • #2
    Robert Müser

    Vielen Dank für die klaren Worte in diesem neuen Interview.

    In meinem letzten Kommentar zum 43. Interview habe ich von der Bananenrepublik in Sachen Corona gesprochen.

    Ein paar Dinge aus der letzten Woche haben mich in dieser Meinung bestärkt:

    (1)
    Das Urteil des OVG in Münster in Sachen zur Aufhebung Maskenpflicht auf Supermarktparkplätzen, weil dies nicht genau bestimmt sei. Anlaß war die Klage einer Frau gegen die Maskenpflicht dort, inzwischen hat das Land NRW reagiert und seine Verordnung auf 10 Meter Entfernung zum Eingang präzisiert.

    (2)
    Der Beschluss die Frisöre wieder aufzumachen, während der Rest im Landes immer noch im Lockdown liegt und die Infektionzahlen immer noch 2-3 mal so hoch sind als der höchste Wert in der 1. Welle. Die massive Zahl an neuen Todesfällen jeden Tag scheinen auch keinen mehr zu interessieren. Wir stellen uns jetzt mal vor, dass der Autotyp ZYX der Marke XYZ jeden Tag solche Zahlen verursachen würden und denken uns den einsetzenden Aktionismus der Politik dazu.

    Nur zur Erinnerung bzw. zur Einordnung der verschrobenen Maßstäbe:
    Das weltweite monatelange Startverbot der Boeing 737 Max war die Folge von zwei Abstürzen mit insgesamt 346 (!!!) Todesopfern …

    (3)
    Die Unfähigkeit der Polituik die kommende Gefahren der Mutanten vorher zu agieren, während der Blick nach Tschechien, Österreich (Tirol) Portugal oder England zeigt, was da innerhalb kürzester Zeit passieren kann. Im heutigen "Internationalen Presseclub" in der ARD äußerten die zugeschalteten Journalisten aus England, Portugal oder Österreich ihre Fassunglosigkeit über das Handeln der aktuellen deutschen Politik, die sie fatal an die entsprechenden vorlaufenden Entscheidungen dieser Länder vor dem Ausbruch der 3.Welle erinnern würden.
    Scheinbar trottet die deutsche Politik berauscht durch die aktuellen sinkenden Fallzahlen in eine dritte Welle herein – es ist zum Gruseln.

    (4)
    Über das aktuelle förderale Organisationchaos bei Impfzentren oder schon wieder absehbaren Lockerungsüberbietungen der Länderfürsten bei Schulen oder dem Handel breite ich diesmal großmütig den Mantel des Schweigens aus …

    Bleiben Sie gesund!

  • #3
    Memmeler

    Lieber Herr Müser,
    Ihre Zusammenfassung spiegelt meinen wöchentlichen Gemütszustand bei den Interviews mit Kaya Gercek.
    Für den Vergleich mit den Abstürzen von Boing Maschinen habe ich übrigens in einigen Foren böse Kommentare lesen dürfen. Brutal dumm, wie einige Mitmenschen sind, wurden dann auch die dargelegten Vergleichswerte behandelt, mit denen wir schlicht das Ausmaß des Sterbens verdeutlichen wollten.
    Um Ihre Ausführungen ungewollt noch toppen zu wollen, hat das Land NRW die aktuelle Schutzverordnung lediglich um eine Woche verlängert. Der Karnevallist aus Aachen lässt halt nichts aus.
    Herzlichen Dank für das treue Zulesen.

  • #4
    Memmeler

    @DAVBUB: Ja, es ist leider viel zu vielen Mitmenschen völlig egal, was sie mit ihrem Handeln anrichten. Und ja, es ist leider auch richtig, dass dies viel zu vielen Mitmenschen am langen Rücken vorbei geht.

    Dennoch oder gerade deshalb werden Kaya Gercek und ich uns wohl auch in der kommenden Woche wieder aufraffen, um wenige aufzuklären oder um zumindest die noch aufrecht handelnden bei der Stange zu halten.

  • #5
    ccarlton

    #1: Man sollte wissen, dass die Querdenkerdemos die in Sachen Infektionen so harmlos sind wie Demos, die Politik und Medien gefallen. Zumindest gibt es keinen Beweis für das Gegenteil:

    https://www.nordkurier.de/politik-und-wirtschaft/experten-zerpfluecken-studie-ueber-querdenken-demos-1142400602.html

  • #6
    Robert Müser

    @ Magnus Memmeler
    #4

    Vielen Dank für die freundlichen Worte zu meinem Kommentar.

    Den Punkt "neue Corona-SchutzVO" für 1 Woche in NRW hätte ich fast in meine Bananenrepublik-Highlights aufgenommen, wenn ich es da schon gewusst hätte.

    Aber auf unseren rheinischen Frohnatur-MP ist Verlass!
    So kann ich nur noch den Kopf schütteln, dass er nun den 35er-Wert in Frage stellt, obwohl er genau diesen Wert in der MPK-Runde mit der Kanzlerin nicht bekämpft hat. Auch war von ihm keinerlei Widerstand zu hören, als genau dieser Wert im § 28a des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) definiert wurde.

    So etwas kann man sich nicht ausdenken …

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