Das Energieland NRW gibt es nicht mehr

Leitungen in Essen-Altendorf Foto: Wiki05 Lizenz: CC BY-SA 4.0


„Die Zukunft soll Wärmepumpen, Rechenzentren und Elektroautos gehören und auch die Industrie soll zunehmend auf Gas und Kohle verzichten. Dafür wird mehr Strom benötigt. Doch im einstigen Energieland NRW sinkt die Stromproduktion massiv. 

Energie bedeutet Wohlstand. Es gibt keine wohlhabenden Gesellschaften mit einem geringen Energieverbrauch: Industrie, Autos, Züge, Flugzeuge, Heizungen, Klimaanlagen und Rechenzentren brauchen Energie. Und immer mehr an Bedeutung gewinnt dabei Strom: „Mit 4 % übertraf das Wachstum der Stromnachfrage weiterhin das Wachstum der gesamten Energienachfrage – ein Indikator dafür, dass die Elektrifizierung des weltweiten Energiesystems anhält“, meldet der kürzlich veröffentlichte Statistical Review of World Energy 2025. Länder wie China sind auf dem Weg zum „Electrical State“: Elektroautos statt Verbrenner, heizen mit Strom statt Gas, Stahlherstellung mit Lichtbögen und mit Strom hergestellten Wasserstoff. „Wind- und Solarenergie“, kann man im Statistical Review nachlesen, „blieben die am schnellsten wachsenden Bereiche des Energiesystems mit einem Zuwachs von 16 % im Jahr 2024. China war für 57 % der Neuinstallationen verantwortlich, wobei sich die Solarenergie in nur zwei Jahren fast verdoppelte.“ Sonne und Wind sorgen dafür, dass ein großer Teil der zusätzlich erzeugten Energie CO₂-frei sein wird. Aber Länder wie China, Indien und die USA, auch dort boomen die Erneuerbaren trotz Trump, halten nicht nur an Kohle, Gas und Kernkraft zur Energieerzeugung fest, sondern bauen sie weiter aus. Nur nicht so stark wie Sonne und Wind. Auf die Idee, die grundlastfähige Energieerzeugung abzuschalten, kommen sie nicht, denn sie wissen, dass viel und preiswerte Energie die Grundlage für Wohlstand und Wachstum sind. Dabei geht es nicht nur um die klassischen Industrien wie Auto, Stahl, Chemie, sondern auch um die in Zukunft durch den Boom der Künstlichen Intelligenz immer wichtiger werdenden Rechenzentren.

Grafik: Geek3 Quelle: https://www.eia.gov/international/data/world/electricity/electricity-generation
Grafik: Trustable -Quellen: kohlenstatistik.de (1900–1989) and ember-climate.org (1990–2025)
Grafik: Ruhrbarone/ChatGPT Quelle: Statistical Review of World Energy 2025

Deutschland hat sich mit der Energiewende für einen anderen Weg entschieden: Es produziert immer weniger Strom und das einstige Energieland NRW geht auf diesem Weg vor. Nach Angaben von IT.NRW, dem Landesamt für Statistik, sank die Stromerzeugung zwischen 2018 und 2025 um sagenhafte 36,6 Prozent. Die Abhängigkeit von Stromimporten nimmt zu, aber auch der Verbrauch, vor allem der Industrie sinkt. Das Land verliert seine wirtschaftliche Basis.

Während andere Länder ihre Industrie auf Strom umstellen und massiv in Rechenzentren investieren, werden in NRW Industrieanlagen stillgelegt, wird Energie knapp und teuer und wird der Abstand auf Feldern wie KI und Digitalisierung zu Wachstumsregionen immer größer. Nordrhein-Westfalen hat sich, wie Deutschland, auf den Weg in die Postwachstumsgesellschaft gemacht. Und eine Postwachstumsgesellschaft wird eine ärmere Gesellschaft sein und die politisch instabiler. In ihr werden autoritäre Parteien wie die AfD an Einfluss gewinnen. Grün macht braun.

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