Der grüne Adel und seine Verachtung des Pöbels

Ludwig der XIV und seine Verwandtschaft Bild: Jean Nocret  Lizenz: Gemeinfrei

Ein grüner Adel  will die Idee eines bescheideneren Lebens durchsetzen. Natürlich nur für die niederen Klassen. Doch die werden das nicht mitmachen.

Die Angst vor einer durch den Klimawandel ausgelösten Apokalypse ist weltweit höchst unterschiedlich ausgeprägt. Im April 2022 befragte das französische Marktforschungsunternehmen IPSOS Menschen aus 27 Ländern, welche drei Themen ihnen die meisten Sorgen bereiten würden. Das Ergebnis: An erster Stelle lag die Inflation. Energie und Lebensmittel werden weltweit teurer. Der Klimawandel, in Deutschland seit Jahren das Thema Nummer 1 in den Medien und der Politik kam global gerade einmal auf Platz zehn:

Es fällt auf, dass der Klimawandel vor allem den Menschen in den reichen Regionen und Staaten wie Westeuropa, Kanada und Japan wichtig ist:

In allen anderen Gegenden der Welt ist er für die Bürger ein Problem von vielen, die darauf warten, gelöst zu werden.

Auch in Deutschland sind nicht alle gleichermaßen wegen des Klimawandels besorgt. Zwar sind nur 22 Prozent der Ansicht, dass der Mensch keinen Einfluss auf den Klimawandel hat. Aber nur für ein Drittel ist er ein besonders wichtiges Problem. Für die Hälfte der Bürger sind nach einer Umfrage des Spiegels andere politische Fragen bedeutender.

Vor allem eher gut gebildete, Linke und Frauen sehen ihn als große Gefahr. Und da Bildung eng mit dem Einkommen verknüpft ist, wird der Klimawandel vor allem von eher gut Verdienenden wichtig genommen, die sich selbst als links einschätzen. Für sie ist der Klimawandel nicht ein, sondern das Thema. Ihrer Ansicht nach geht es um alles, um Leben und Tod. Um die Apokalypse.

Was wohlhabende Menschen im Westen, vor allem in einem noch sehr wohlhabenden Land wie Deutschland unter Apokalypse verstehen, ist allerdings noch immer in großen Teilen der dritten Welt Alltag oder erst seit so kurzer Zeit überwunden, dass die Erinnerung an diese Zeiten noch sehr stark ist: Lebensmittelknappheit, schmutziges Wasser, Naturkatastrophen schutzlos ausgeliefert zu sein, das alles kennt man in diesen Regionen der Welt. Und man weiß auch sehr genau, wie man diesen Verheerungen entkommen kann, denn das haben Milliarden Menschen vor allem in Asien, aber auch in Afrika in den vergangenen Jahrzehnten erlebt: Durch Wirtschaftswachstum und neue Technologien. Und beides war besonders wirksam bei der Bekämpfung von Armut, wenn auch die Korruption verringert und der Rechtsstaat ausgebaut wurde.

Auch in Deutschland ist das Wissen um Armut in weiten Teilen der Bevölkerung noch vorhanden. Sicher nicht in der Öko-Bourgeoisie. Aber wer einen Migrationshintergrund hat, weiß um die Lebensverhältnisse, die seine Vorfahren dazu brachten, ihre Heimat zu verlassen und nach Deutschland zu ziehen. Er kennt vielleicht sogar noch das Haus seiner Großmutter, in dem es weder Strom noch fließendes Wasser gab. Und auch im deutschen Teil der Arbeiterklasse, in der Migranten heute einen großen Anteil haben, weiß man, dass die heute meist eher guten Lebensverhältnisse keine Selbstverständlichkeit sind. Wer im Bekanntenkreis erlebt hat, wie schnell Menschen, wenn sie einmal ins HartzIV-System abrutschten, wirtschaftlich abstiegen, ist sich der Unsicherheit des eigenen bescheidenen Wohlstandes bewusst. Und alle, die von Transferleistungen leben, werden zu einem großen Teil andere Sorgen als den Klimawandel haben.

Dazu kommt, dass vor allem in Deutschland die sogenannte Klimapolitik offensichtlich gar nicht das Ziel hat, CO2 zu reduzieren hat. Sonst wären nicht seit Ende 2021 sechs Kernkraftwerke abgeschaltet und vor allem durch Kohlekraftwerke ersetzt worden. Dieses Land würde auch seine eigenen Gasreserven nutzen, statt weiterhin Braunkohle zu fördern. Den USA gelang es so unter Präsident Obama den CO2-Ausstoß stark zu verringern

Die deutsche Klimapolitik ist getrieben von der Ideologie der Postwachstumsökonomie. Sie hat kein Interesse daran, den Wohlstand der Menschen zu vergrößern oder gar zu verbessern. Habecks Staatssekretär Patrick Graichen nimmt es im Kauf, dass mindestens eine halbe Million Arbeitsplätze in der Grundstoffindustrie verschwinden werden. Die taz-Redakteurin Ulrike Herrmann propagiert in ihrem Bestseller „Das Ende des Kapitalismus: Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind“, den heutigen Wohlstand auf ein Siebtel zu reduzieren. Noch weiter geht der Siegener Professor Helge Peukert. Der Berater der „Letzten Generation“ fordert, den Wohlstand auf ein Zehntel herunterzufahren.

Die Letzte Generation in Aktion Foto: Letzte Generation Lizenz: Nicht benannt.

Nahezu alle politischen Bewegungen versprachen den Menschen ein besseres Leben. Die Ökoapokalyptiker wollen die Armut und ein Leben am Existenzminimum. Arbeiten, essen, schlafen – mehr hat die von ihnen in Aussicht gestellte Zukunft nicht zu bieten. Wie ein solches Leben praktisch aussieht, ist wiederum in ihrer Schicht nahezu unbekannt. Viele Umweltorganisationen wurden von Menschen aus der Oberschicht gegründet. Beim BUND, aus dem auch die Abmahnorganisation Deutsche Umwelthilfe hervorging, war das zum Beispiel Georg Enoch Robert Prosper Philipp Franz Karl Theodor Maria Heinrich Johannes Luitpold Hartmann Gundeloh Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg, der Vater des späteren Schummelministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Der erste Präsident des World Wide Fund For Nature (WWF) war Prinz Bernhard der Niederlande. Heute finanziert und unterstützt ein grüner Adel, der in Privatjets von einer Klimakonferenz zur anderen reist, die Aktivisten: Hinter der Mercator-Stiftung und ihren Nebenorganisationen wie Agora Energiewende, deren ehemaliger Chef Patrick Graichen war, Agora Verkehrswende und Agora Agrar stecken die aus den Besitzerfamilien des Handelskonzerns Metro gegründete Meridian-Stiftung. Die dem Hedgefonds The Children Investment Fond verbundene Stiftung Hedgefonds The Children Investment Fund Foundation finanziert die European Climate Foundation, die auch Agora Energiewende unterstützt, in der Deutschlands Energiepolitik vorgedacht wird. Auch die Ikea-Stiftung, Bloomberg Philatropies und der Rockefeller Brothers Fund sind bei der European Climate Foundation engagiert.

Christopher Hohn, der Chef des Children Investment Fond, ist der größte Spender von Extinction Rebellion. Die Letzte Generation und ihre Ableger in Großbritannien, Italien oder Frankreich werden vom Climate Emergency Fund mitfinanziert. Hinter ihm stehen unter anderem Aleen Getty, Öl-Erbin und Schwiegertochter von Elizabeth Taylor, Abigail Disney und Robert Kennedys Tochter Rory sowie die von Hillary Clinton initiierte Onward Together Foundation.

Dass es vor allem die Oberschicht ist, die Bescheidenheit und ein einfaches Leben propagiert, ist nicht neu. Die Angehörigen der Klasse, die sich weder Verzicht noch Armut vorstellen kann, waren immer vom einfachen Leben begeistert. Vor allem, wenn es dabei um das Leben anderer Menschen ging. „Ökologie“, schreibt die britische Autorin Julie Burchill treffend in ihrem Buch „Welcome to the Woke Trials“, „ist Politik für Leute, die keine Menschen mögen und sich darüber ärgern, dass die Massen nun frei sind, billig zu reisen, anstatt vor einen Pflug gespannt zu werden oder ihre Wäsche in einem Bach zu waschen.“ Der grüne Adel verachtet, was den Menschen, die er als Pöbel sieht und behandelt, wichtig ist. Und er will es ihnen nehmen: Das Auto, eine nicht zu beengte Wohnung, Fleisch auf dem Tisch, die Fahrt in den Urlaub oder einfach nur die Freiheit, von einem immer übergriffigeren Staat in Ruhe gelassen zu werden.

Das viele Geld, das von den Spendern bereitgestellt wird, schafft auch einen Markt und es wäre naiv zu glauben, dass dies nicht auch ein Ziel der Geldgeber ist. In den geförderten Organisationen haben Tausende Menschen Arbeit gefunden. Die Arbeit von Wissenschaftler wird finanziert, wenn sie das gewünschte Weltbild unterstützt. Es gibt Konferenzen für Journalisten an attraktiven Orten. Politiker aller Parteien werden in Beiräte berufen. So ist ein großes und starkes Netzwerk entstanden. Geheim ist das alles nichts. Die Szene legt großen Wert auf Offenheit. Warum auch nicht? Man sieht sich auf der Seite der Guten, will den Planeten retten und weiß einen großen Teil der Presse hinter sich. Kritische Fragen werden selten gestellt. Vor allem in Deutschland konnte war das Verhältnis zu den Medien lange gut. Erst die Filzaffäre um Patrick Graichen hat daran in Teilen etwas geändert.

Auch immer mehr Bürgern, die sich aus guten Gründen Sorgen um den Klimawandel machen, wird immer klarer, dass sie bei der Vision des Umbaus der Gesellschaft hin zur Klimaneutralität die Verlierer sein werden. Die taz stellt fest nach der Wahl im Bremen fest, dass sogar die Mittelschicht beginnt, nervös zu werden. Ulf Poschardt beschreibt in der Welt die zunehmende Wut der Menschen, die zur Spaltung der Gesellschaft und dem Aufstieg des Rechtspopulismus führt. Die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang sieht ebenfalls diese Gefahr und spricht sich dafür aus, der Kritik an teuren Klimaschutzmaßnahmen durch höhere Zuschüsse für Menschen mit geringem Einkommen zu begegnen. Doch je mehr sich das Land durch grüne Politik von der Idee des Wirtschaftswachstums entfernt, umso geringer werden die finanziellen Spielräume der Regierung. Habecks Lieblingsökonomin Mariana Mazzucato geht zwar als Anhängerin der Modern Money Theory davon aus, dass der Staat das Geld, das er benötigt, einfach drucken und es daher nicht knapp werden kann. Aber ihre Bücher beschreiben die USA, die mit dem Dollar über die internationale Leitwährung schlechthin verfügt und so über Spielräume hat, die es für Deutschland mit dem Euro nicht gibt. Die Möglichkeit, Schulden zu machen oder Geld zu drucken, sind hierzulande enger begrenzt. Die sich abzeichnende Deindustrialisierung Deutschlands wird so die Möglichkeiten gegenzusteuern stark einschränken. Was bleibt, sind für die meisten Menschen immer spürbarere Wohlstandsverluste, auf die sie in Deutschland wie in anderen Ländern mit der Wahl radikaler Parteien reagieren.

Ein bescheidenes Leben mag am Swimmingpool einer Villa oder auf einer Konferenz in den Schweizer Alpen attraktiv erscheinen. Für die meisten Menschen ist Bescheidenheit jedoch nur ein anderes Wort für Armut. Und arm sein, das wollen sie nicht. Zu frisch ist in ihren Schichten noch die Erinnerung daran, was das bedeutet. Der grüne Adel wird seine Vorstellungen nicht auf demokratische Weise durchsetzen können. Bürgerräte, die von ausgesuchten Wissenschaftlern beraten und in der Praxis eher bedrängt werden, sollen Abhilfe schaffen. Sie sind nicht mehr als ein PR-Instrument, das den Druck auf die Politik erhöhen soll. Doch wenn die sich gegen die Mehrheit stellt und dafür sorgt, dass ein immer übergriffigerer Staat sich immer stärker in das Leben der Menschen einmischt, ihnen Vorschriften macht und die Freiheit nimmt, werden die gesellschaftlichen Konflikte schnell eskalieren. In der Geschichte stand der Adel in solchen Konflikten langfristig oft auf der Verliererseite. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es dem neuen grünen Adel anders ergehen wird.

Mitarbeit: Roland W. Waniek

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war is peace
war is peace
1 Jahr zuvor

Die Ideologien der Ökoapologeten sind in vielen Vorfrontorganisationen im Gifte des Kommunismus und Sozialismus getränkt. Die geschätzten 100 Millionen Todesopfer des individuum- und freiheitsverachtenden Kommunismus werden hart negiert. Die obrigkeitsabhängigen Lebensumstände der kommunistisch-sozialistisch geprägten Katastrophen-Diktaturen der UdSSR, China, Kuba, CSSR, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Kambodscha usw. scheinen nicht ins Bewusstsein der jetzigen Aktivisten vorgedrungen zu sein. Immer wieder wird parallel auf den Öko- und FFF-Demos auch der Geist des heilsbringen Internationalen Sozialismus heraufbeschworen. Der Internationale Sozialismus hingegen kann logischerweise nur entstehen, wenn sich die Länder zusammenschließen, in denen der Nationale Sozialismus bereits herrscht.

Aber auch der jetzige Kapitalismus ist vergiftet. All die billionenschweren Vermögensverwalter á la Blackrock, Vanguard und State Street, sowie Private Equity-Giganten wie Blackstone, Carlyle Group, Warburg Pincus, Kohlberg Kravis & Robert (KKR) und Apollo sind das unaufhörlich wuchernde Krebsgeschwür des Kapitalismus. Im Schlepptau führen diese Kapitalgesellschaften ein riesiges Netzwerk von Stiftungen mit sich, die zu 100% zur Steuervermeidung von HNWIs (High Networth Individuals = Superreiche) eingerichtet wurden um vermeintlich „philantropisch“ zu wirken. „Philantropisch“ ist ein Codewort für „Alles für uns Wenige, Nichts für die Masse“. Es gilt diese Gesellschaften mit allen Mitteln politisch zu bekämpfen, um wieder eine gesunde soziale Marktwirtschaft neu zu beleben, die das beste aus kapitalistischen und sozialistischen Ideen vereint. Und somit auch ökologische Ziele vernünftig und geeint umsetzen kann.

Der Weg des World Economy Forum (WEF) und deren Prognose für das Leben im Jahre 2030 lautet hingegen: „You’ll own nothing – and you’ll be happy.“ (siehe: https://www.youtube.com/watch?v=SqzepGBatWo) Demokratie- und menschenverachtender geht es nicht. Wir sollten all jene Politiker um Rechtfertigung für ihre Auftritte und Engagements bei und für den WEF verpflichten. Mir ist es z.B. völlig schleierhaft, wie sich ein Engagement als Young Global Leader des demokratieverachtenden WEF mit dem Posten der „grünen“ Bundesaußenministerin vereinbaren lassen soll. Oder ein Engagement als WEF Young Global Leader mit dem Posten der „grünen“ EU-Fraktionsvorsitzenden Franziska „Ska“ Keller. Oder ein Engagement als „Young Global Leader“ und gleichzeitig „unabhängige“ Fernsehjornalistin wie Sandra Maischberger. Nun ja, deren Pfründe sind ja auf alle Fälle vor Armut und Besitzlosigkeit gesichert.

xilef
xilef
1 Jahr zuvor

Wenn die Sozialdemokratie so reden würde, könnten sie locker 45 % holen. Aber wie sozialdemokratisch ist die SPD noch? Wie stark wurde sie von der grünen Anti-AKW-Bewegung in den 80ern beeinflusst?

Georg Overkamp
Georg Overkamp
1 Jahr zuvor

In diesem Artikel wird der Klimawandel als sekundäres Problem verkauft, überzogen thematisiert von einer links-grünen Bourgeoisie. Die Bagatellisierung der Thematik wird derzeit auf breiter Front betrieben, allen seriösen wissenschaftlichen Prognosen widersprechend. Weshalb?
Da sind zunächst jene, deren existenzielle Not (Hunger, Krieg, Unterdrückung) sie zwingt, in der Zukunft liegende Katastrophen auszublenden oder deren Bildung nicht ausreicht überhaupt ein Problem zu erkennen. Dabei werden sie in naher Zukunft davon stärker betroffen sein, als z.B. die Menschen in Europa oder Nordamerika.
Nachvollziehbar (zuerst das Fressen, dann kommt die Moral), jedoch untauglich, die Dringlichkeit wirkungsvoller Maßnahmen gegen die Erderwärmung von der Tagesordnung zu nehmen.
Schlimmer sind die, denen das Schicksal späterer Generationen, ihrer eigenen Kinder, am „Arsch“ vorbei geht, sobald ihr eigenes komfortables Leben ein wenig eingeschränkt zu werden droht oder weil eine umweltpolitische Umkehr deren wirtschaftlichen oder politischen Interessen im Wege steht.
Ein seltsames „Bündnis“ von Wirtschafts-Liberalen und dumpfbackigen Demokratie-Feinden hat ihren Gegner ausgemacht, polemisiert und diskreditiert ihn auf allen Kanälen – als ob der Klimawandel eine Erfindung der Grünen sei. Dass mit einer Neuausrichtung auch enorme Chancen verbunden sind, wird weitgehend verdrängt oder verschlafen, mit der Folge, dass neue Technologien woanders entwickelt und produziert werden. Hauptsache Lindner, Merz, Wagenknecht und Weigel können Wählerstimmen fangen und BILD und Fokus ihre Postillen besser verramschen.
Also Augen zu, weiter den Pool heizen, über die Autobahn brettern und ICH ZUERST rufen.
Und noch ein Einwand gegen den Artikel: kann es ein Argument sein, große Teile der Welt würden einem Thema weniger Bedeutung zuweisen?
Was mich zuversichtlich stimmt, es ist die Jugend, die den umweltpolitischen Wandel fordert und forciert. Möge auch ihr Aufschreien (ihre Aktionen) manchmal zu weit gehen, deren Richtung stimmt!

Last edited 1 Jahr zuvor by Georg Overkamp
Wolfram Obermanns
Wolfram Obermanns
1 Jahr zuvor

„In diesem Artikel wird der Klimawandel als sekundäres Problem verkauft, überzogen thematisiert von einer links-grünen Bourgeoisie.“

  1. Für D ist der Klimawandel ein sekundäres Problem,
  2. eine links-grüne Bourgeoisie thematisiert das Thema vordringlich emotional und mit eher nostalgischer denn zukunftsorientierter Grundhaltung.

zu 1. Wir gehören historisch zu den Hauptverursachern des CO2-getriebenen Klimawandels, werden direkt aber eher weniger mit den negativen Konsequenzen zu tun haben. Die Welt ist nicht gerecht.
Viel relativierender ist aber noch, wir sind schon eine ganze Weile nicht mehr die treibende Kraft für den CO2-Ausstoß.
Wir haben also weder die NOTwendigkeit zu handeln, noch einen wirksamen Ansatz.

Politisch verantwortungsbewußt ist grundsätzlich, bei einer Problemstellung handlungsfähig zu bleiben. Daraus ist m.E. zu schließen, wir müssen unser Land auf die Konsequenzen des zu erwartenden Klimawandels vorbereiten. Im Hinblick auf die Entwicklung von China, Indien und Nigeria heißt dies, wir sollten auf jeden Fall einen Anstieg der Durchschnittstemperatur von etwa 3°C beim Weltklima vorbereitet sein. Als Zweites und darüber hinaus ist der CO2-Ausstoß zu senken.

Dies alles betrifft neben dem obligaten Küsten- und Hochwasserschutz auch den Umbau der Städte (, da passiert schon mehr als man denkt, reicht aber auch noch nicht,) der Wasserversorgung, der Landwirtschaft, der Energieversorgung, der Stoffkreisläufe, des Verkehrs… eigentlich jeder Metastruktur einer entwickelten Gesellschaft. D.h. übrigens ganz klar auch der Öffentlichen Hand mit ihren frühneuzeitlichen Strukturen und ressourcefressenden Bullshitjobs.

Da wir nicht allein auf der Welt sind, werden wir so keine Insel der Glückseligen schaffen können. Migration wird als politisches Thema eine noch ganz andere Qualität bekommen. Das Thema in Zukunft weiterhin den Spinnern zu überlassen, von denen die einen davon träumen D sei kein Einwanderungsland und die anderen davon die Grenzen für jede Schleusermafia offen zu lassen, ist keine Option.

Privat wird einjeder zunächst vorallem seine Kubikmeterfrage ein Stück weit für sich klären müssen. Wieviel cbm pro Kopf des Haushalts wird zum Wohnen gebraucht und wieviel cbm um pro Kopf von A nach B zu kommen? (Da sieht der öffentliche Verkehr schlechter aus als man denkt und er müßte, das ist aber disfunktionalen Effekten der Verwaltung und der Rechnungslegung dort geschuldet.) Die Diskussionen über Nachbars Bratwurst sind zwar nicht völlig sinnlos aber dennoch vorallem der Selbstinszenierung dienlich.

zu 2. Daß die links-grüne Bourgeoisie eher in Nostalgie schwelgt, als sich substantiell mit dem Umweltschutz zu beschäftigen, kann man seit den 80’ern wissen, als diese Klientel Milchflaschen zum Volvokombi schleppte auf dem ein „Atomkraft Nein Danke“ Aufkleber prangte. Der ökologischere Milchschlauch taugte nicht als Distinktionsmerkmal, der Volvo war seinerzeit eine riesen Kutsche mit irgendwie alternativ Image und dabei doch heftigem Verbrauch für einen Milcheinkauf. Was die Verschleuderung von Energie einerseits und die Saubermannpose bei der Gewinnung andererseits betrifft, sei auf die Zahlen aus der Zeit hingewiesen, die einen stark steigenden Kohleimport klar zeigten. Kohleförderung hat eine ganz andere Tödlichkeit als Kernerngie, das juckt(e) nicht.
Das Verhalten ist in der Masse einem von Wunschdenken geprägten Erkenntnis geschuldet. Atooom ist ganz böse, Wind ist toll, Sonne ist toll und die Wärmepumpe eine Wunderwaffe. Die in Dortmund nicht ans laufen zu bekommen ist, weil der Versorger nicht genug Strom bereitstellen kann. Kein Problem ist die Industrialisierung der Fläche durch Windturbinen, die mit annähernd Schallgeschwindigkeit kreiseln, und mit Siliziumpanels, die DER Grüne lieber Windrad und Sonnensegel nennt, damit er nicht über die Technikfolgen nachdenken muß. Aber wie schön in den Niederlanden hat man jetzt eine Lösung für das Vogelschreddern, nämlich die Abschaltung beim Durchzug großer Schwärme, dann kann auch dies, bislang geleugnete Problem, endlich als Realität akzeptiert werden.
Richtig ist natürlich auch, DER Grüne sorgt sich um ärmere Menschen und hat frühzeitig zur Verwendung von Energiesparlampen und Kühlschränken der Energieklasse A geraten. Daß die Birnen schon längst überall eingeschraubt waren der Kühlschrank der Klasse A aber unbezahlbar war, bemerkte er im klimatisierten 80qm-Wohnzimmer vom 500W-Halogenstrahler geblendet nicht.* Es liegt in der Natur der Sache, daß DER Grüne ein medial bekanntes Phänomen ist, dem nicht jeder sich persönlich grün verortende unbedingt entsprechen muß. Der innerparteiliche Widerstand gegen DEN Grünen hielt sich allerdings in engsten Grenzen.
Neuerdings ist die soziale Komponente stärker in der Fokus geraten. Die Lösung der Subventionsexperten sind Subventionen. Nur finden es viele nicht sooo attraktiv in „der Mund“ der öffentlichen Hand zu sein und würden lieber ihre relative ökonomische Unabhängigkeit behalten.

*Der Text enthält Spuren von Polemik.

Polemisch ist auch der Text von Stefan Laurin, aber das wird DER Grüne ertragen lernen müssen. Mit Jahren Verspätung bemerken, daß ein Funktionär zum Hummeressen nach Malta fliegt, dies als Dienstreise zur Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer abrechnet, erinnert allzusehr an altbekannte Weintrinker und Wasserprediger und hinterläßt keinen guten Eindruck. Die Spezikultur um DEA, Ökoinstitut und nationaler Wasserstoffrat, Agora-Energiewende überrascht nicht wirklich. Die Bande ist von sich selbst überzeugt wie der katholische Klerus. Journalisten, die bei soviel binärer Denke und Selbstgewißheit nicht ins Grübeln kommen, haben den Beruf verfehlt und sollten Prediger werden und DEN Grünen Groupies ist der Einstieg bei „den Zeugen“ zu empfehlen, die sind für andere ziemlich harmlos.

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