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Der schweigende Herr Krüger von den Grünen

Mario Krüger Foto: Pressebild/Homepage

Heute habe ich Mario Krüger , den Fraktionsvorsitzende der Dortmunder Grünen angerufen. Er wollte nicht mit mir reden. Und damit habe ich ein Problem.

Und das hatte einen Grund: Gestern haben wir hier einen Brief von ihm veröffentlicht. In ihm erklärt Mario Krüger die Politik der Grünen  zum geplanten  EON Kraftwerk in Datteln. Es sieht so aus, als ob das Kraftwerk durchgewunken wird – mit den Stimmen der Grünen. Und als Schuldigen dieser Politik macht Krüger Thomas Rommelspacher (Grüne) aus, den PIanungsdezernenten im RVR.

Datteln ist kein kleines Thema – die Koalition aus SPD und Grünen im RVR steht auf dem Spiel. Und auch in Düsseldorf könnte es an diesem Thema krachen. Großes Kino also.

Krüger sagte mir, er wolle nicht mit mir reden, weil ich mich mit ihm nicht vorab über seinen Brief gesprochen habe. Dabei ging es bei meinem Anruf um ein ganz anderes Thema. Mario Krüger will mich also für meine Veröffentlichung mit Missachtung strafen. Nun gut.

Ich habe ihn dazu nicht angerufen. Warum auch? Ich hatte keine Fragen. Der

Brief sprach für sich. Und Krüger hatte der Empfängerin, geschrieben, dass sie ihn ruhig in ihrem Verteiler verbreiten kann:

Selbstverständlich kannst Du meine Mail in Deinem Verteilerkreis weiterleiten.

Hätte er das nicht geschrieben, es wäre mir allerdings auch egal gewesen. Aber wer so etwas schreibt, sollte sich nicht so anstellen, wenn er seinen Brief an anderer Stelle zu lesen bekommt.

Ich will mich auch nicht beschweren. Wenn Mario Krüger halt die Nichtkommunikation bevorzugt, gut – bislang hatte ich keinen Ärger mit ihm. Ich hatte allerdings auch noch nie etwas mit ihm zu tun.

Sein Vorgehen hat aber auch etwas prinzipielles und deswegen mache ich Mario Krügers Weigerung zur Rede öffentlich.

Dokumente zu veröffentlichen und einzuordnen ist Teil meines Berufs. Ich bin schon häufiger deswegen mit Politikern zusammengerasselt. Das jemand dann nicht mehr mit mir geredet hat, ist mir noch nicht passiert. Egal ob bei den Dortmunder OBs Ullrich Sierau oder Gerhard Langemeyer – man blieb im Gespräch. Das Gleiche übrigens mit Oliver Wittke von der CDU. Und noch ein paar anderen. Profis eben.

Wenn Politiker mit Journalisten in Kohl-Manier nicht reden, ist das kein Spaß. Politiker werden vom Volk bezahlt – und damit sind sie für ihre Arbeit Rechenschaft schuldig.

Wenn mir Krüger am Telefon sagt, er möchte nicht mit mir zusammenarbeiten, kann ich das verstehen. Ich will auch nicht privat mit ihm toll auskommen. Wir haben kein gemeinsames Projekt, keinen gemeinsamen Job. Die Welt der Journalisten und Politiker sieht so aus: Der Journalist stellt Fragen. Der Politiker beantworten sie. Mal mehr, mal weniger ausführlich. Wie sie es wollen – und natürlich auch so, dass sie hoffen, es nutzt ihnen.

Es darf schlicht nur nicht sein, dass ein Politiker versucht, Journalisten zu strafen durch Redeentzug. So versucht Mario Krüger mich und vielleicht auch andere handzahm zu machen. Diesen Versuchen müssen wir aber widerstehen im Sinne einer kritischen Öffentlichkeit. Es ist schade, dass der Grüne Mario Krüger das nicht versteht.

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5 Kommentare zu “Der schweigende Herr Krüger von den Grünen

  • #1
    Stefan

    @ Stefan: Gehört es nicht zum journalistischen Handwerk dazu, Betroffenen die Möglichkeit zu geben, Stellung zu beziehen, BEVOR ich einen Artikel über sie veröffentliche? Hab ich zumindest mal so gelernt.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Stefan: Ich habe nichts über ihn veröffentlicht, sondern von ihm. Und der Brief steht für sich selbst.

  • #3
    crusius

    @2: Naaa jaaaa… Zumindest hätte man ihn fragen können, ob er das tatsächlich so geschrieben hat, finde ich. Eine Mail ist ja nun mal kein handgeschriebener Brief auf Büttenpapier, sondern ermöglicht durchaus Manipulationen (es sei denn, man hat die Mail aus zwei *unabhängigen* Quellen erhalten – was wiederum in Frage steht, wenn sie in nur einem Verteiler gelandet ist). Und wenn man ihn dann schon mal an der Strippe hat, kann man ja auch noch fragen, wie er das gemeint hat – was umgekehrt den Artikel runder macht.

    Umgekehrt ist Krügers Verhalten natürlich selten dämlich: erstens, weil Journalisten, wie auch hier wieder zu sehen, doch recht empfindlich reagieren, wenn ihr Wächteramt so in Frage gestellt wird, zweitens, weil so deutlich wird, daß an der Recherche etwas dran ist, also ein empfindlicher Punkt getroffen worden ist (was wiederum für mich den eigentlichen Nachrichtenwert dieser Mitteilung ausmacht). Streng genommen hat aber nur die öffentliche Verwaltung nicht das Recht, sich auszusuchen, mit wem sie wie spricht. Herr Krüger ist aber ausweislich seiner Website in der Privatwirtschaft tätig. Was er da verdient, ist sein Geheimnis. In seiner politischen Tätigkeit beträgt das Jahreseinkommen ca. 36.000 €, von denen er im Monat 500 € für sich selbst behält. Formal dürfte es sich dabei um Aufwandsentschädigungen und nicht um öffentliche Besoldung handeln. Davon unabhängig: Ob man aus diesem monetären Mehrwert die moralische Verpflichtung des Parteipolitikers Krüger zum Austausch mit Journalisten ableiten kann, mögen andere entscheiden.

    Vielleicht hängt sein gestörtes Verhältnis zur Öffentlichkeit ja aber auch mit dieser Geschichte zusammen. 😉

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