Die eigentlichen Gewinner sind am Ende Islamisten – und das wäre fatal

Fragmente eines abgefangenen iranischen Flugkörpers schlugen am 19. März 2026 auf dem Gelände der Ölraffinerien in Haifa ein Foto: Hanay Lizenz: CC BY-SA 4.0


Ich will ja keine schlechte Stimmung verbreiten, aber es sieht zurzeit so aus, als würden die USA und Israel den Krieg gegen den Iran trotz deutlicher militärischer Überlegenheit strategisch und politisch verlieren. Von unserem Gastautor Seok-Hwan Hong.

Die Vergleiche zur US-Invasion in Vietnam, der Invasion der UdSSR in Afghanistan oder eben Russlands „militärischer Spezialoperation“ zielen auf die strategische Fehleinschätzung ab, dass eine militärisch überlegene Armee den Sieg quasi schon beinhalte. Und das ist nachvollziehbar.

Es gibt aber auch gravierende Unterschiede: In Vietnam hatte die Guerilla aktive Unterstützung aus der zivilen Bevölkerung (das macht eine Guerilla ja aus) sowie Waffen und Logistik aus China und der UdSSR. In Afghanistan und der Ukraine gab es breiten Widerstand gegen die Invasoren. Das alles scheint es im Iran nicht zu geben. Dort scheint das Regime allein dazustehen, und die militärische Unterstützung durch China war bisher ein großer Fehlschlag (chinesische Luftabwehrsysteme wurden von Israel und den USA quasi im Vorbeigehen überwunden).

Die Beziehung zwischen dem iranischen Regime und China ist heute eher pragmatisch und geschäftlich – im Gegensatz zum Kalten Krieg, in dem die Fronten eher ideologisch begründet waren. Ein politisches Scheitern der USA manifestiert sich bereits jetzt allein dadurch, dass das iranische Regime überlebt. Die langfristigen geopolitischen Implikationen, sowohl für die US-Innenpolitik (Midterms) als auch für deren außenpolitische Machtprojektion, sind weitreichend.

Aber auch für China läuft es schlecht, da die Projektion einer vermeintlichen militärischen Stärke durch die Misserfolge in Venezuela und im Iran deutliche Risse bekommen hat. Viele kleinere und mittlere Mächte werden sich überlegen, ob sie ihre Bestellungen von Militärgütern aus China nicht stornieren. Die eigentlichen Gewinner sind am Ende Islamisten – und das wäre fatal, sowohl regional im Mittleren Osten als auch für Europa, dessen politische und staatliche Institutionen mittlerweile massiv unterwandert werden.

Übrigens: Auch Russland hat den Krieg in der Ukraine bereits verloren. Putin hat weder die politische Kraft, den Krieg zu beenden (das würde ihn innenpolitisch den Kopf kosten), noch die Optionen und Kapazitäten, ihn in der Ukraine weiter zu eskalieren oder strategisch relevant zu wenden. Russland geht schlicht die Puste aus – sowohl was die Rekrutierung betrifft als auch ökonomisch.

Und Europa: Es tut weiterhin so, als hätte man nichts mit der Welt zu tun, und überlässt die „Drecksarbeit“ (Friedrich Merz) den Ukrainern und den Israelis, während man sich selbst zu fein dafür ist.

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