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Die Expo Real und das Ruhrgebiet: „Wirtschaftsförderer in Sonntagsanzügen“

Expo Real Foto: Messe München GmbH Lizenz: Copyright

Vom 8. bis zum 10. Oktober findet in München die Immobilienmesse ExpoReal statt. Auch das Ruhrgebiet ist mit einem eigenen Stand auf Investorensuche.

Die Münchener Immobilienmesse Expo Real hat einen soliden Ruf: Anders als die im Frühjahr in Cannes stattfindende Mipim gilt sie als Arbeitsmesse. Während in Cannes schon mal Partys auf Jachten am Strand stattfinden, geht es in den schlichten Münchner Messehallen auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Riem ums Geschäft. Neben Städten wie Düsseldorf und Köln ist auch das Ruhrgebiet mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten. Doch vom Ruhrgebiet wird auch in diesem Jahr nicht die Rede sein: Mit „Metropole Ruhr“ hat sich das Revier schon vor Jahren einen neuen Namen gegeben, wie ihn  sich eine mittelmäßige PR-Agentur nicht schlechter hätte ausdenken können.

Früher war der Stand des Ruhrgebiets einer der größten, wenn nicht der größte der gesamten Messe. Das ist vorbei. Auf ihrem Stand in Halle B1 stellen die Städte des Ruhrgebiets ihre Projekte vor: Logistikflächen im Kreis Unna, Wohnen am neu geschaffenen Phoenix-See in Hörde, neue Büroflächen  im Universitätsviertel an der Uni Essen oder das 270 Hektar große Industriegebiet NewPark in Datteln, in dem sich ab kommenden Jahr Unternehmen ansiedeln sollen.

Das Ruhrgebiet ist dringend auf Investoren angewiesen: Während Entwickler und Bauherren in Städten wie Düsseldorf oder Köln Schlange stehen, sich in Frankfurt oder München die Kräne drehen, tut sich auf dem Immobilienmarkt des Ruhrgebiets nur wenig. Einer der Gründe: Er wird überhaupt nicht als ein Markt wahrgenommen. Für Eckhard Brockhoff, den Geschäftsführer der bundesweit tätigen Immobilienberatung Brockhoff & Partner, spiegelt sich dieses Manko auch auf dem Ruhrgebietsstand auf der Messe wieder: „Auf dem Stand präsentiert sich nicht das Ruhrgebiet, sondern die einzelnen Städte und Kreise. Für Unternehmen, die sich für die Region interessieren, ist das verwirrend.“

Wer sich beispielsweise für Büroflächen interessiert, findet nicht einen Ansprechpartner für die gesamte Region sondern darf von Stand zu Stand laufen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Der Grund für die unsinnige Einteilung ist die mangelnde Einigkeit der Ruhrgebietsstädte. Statt als zusammenhängende Region aufzutreten, pocht man seinen Eigensinn. Schon der ehemalige Chef der Ruhrgebiets-Wirtschaftsförderung, der  2010 verstorbene Hanns-Ludwig Brauser, hielt es für unmöglich, den Messestand nicht in kommunale Parzellen aufzuteilen.

Und weil das alles so ist wie es immer ist, weil die Ruhrgebietsstädte wie immer mehr auf Abgrenzung denn auf Zusammenarbeit Wert legen, glaubt Brockhoff auch nicht daran, dass der Ruhrgebietsstand in diesem Jahr zum Erfolg wird: „Es wird wieder so sein, dass auf dem Stand die Wirtschaftsförderer der Städte in ihren Sonntagsanzügen herumstehen und auf Besucher warten, die nicht kommen. Voll wird es auf dem Stand nur mittags sein.“ Dann gibt es Currywurst – umsonst – und die ist bei den Messegästen in München seit Jahren beliebt. Bei den Investoren hingegen spielt das Ruhrgebiet nur eine untergeordnete Rolle. „Es werden viel zu wenige Geschäfte abgeschlossen. Das Ruhrgebiet vergibt viele Chancen dadurch, dass es nicht als Einheit auftritt.“

Aber mögliche Investoren liegen scheinbar ohnehin nicht im Zentrum des Interesses der Ruhrgebietsstädte. Gegenüber dem Land werden die Pott-Kommunen, so beschlossen in der vergangenen Woche, ab jetzt gemeinsam auftreten. Es geht um die europäischen Fördermittel der kommenden Jahre. Öffentliches Geld – da schlägt das Herz aller Ruhrgebietspolitiker gleich höher.

Der Artikel erschien in einer ähnlichen Version bereits in der Welt am Sonntag.

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9 Kommentare zu “Die Expo Real und das Ruhrgebiet: „Wirtschaftsförderer in Sonntagsanzügen“

  • #1
  • #2
    Walter Stach

    Man kann trefflich darüber streiten, welche öffentlichen Angelegenheiten im Ruhrgebiet effektiver und effizienter durch eine regionale Organisation -„optimierter“ RVR, andere Zweckverbände u.a.-wahrgenommen werden sollten und welche „besser“ bei den Kommunane aufgehoben sind.

    Unstrittig für mich, und das seit Jahren, ist jedoch , daß man im Ausland, jeweit entfernt um so mehr, nur Aufmerksamkeit erzeugt, nur Interesse weckt, wenn ein Großraum „Ruhrgebiet“ wahrnehmbar wird. Das gilt vor allem für diejenigen, die nach bestmöglichen Investititionsstandorten suchen, aber auch für diejenigen, die sich z.B. von einer „Kulturmetropole“ ehe angesprochen fühlen könnten als durch einzelne Kommunen wie Dortmund,Essen,Bochum ;ich nenne in diesem Zusammenhang als durchaus interessantes Vorbild für das Ruhrgebiet immer wieder den „Großraum London“, weil das aufgrund aufgrund seiner weltweiten Wahrnehmung als (Finanz-)Investitionstandort und welt als Kulturmetropole naheliegt.

    Insofern trifft also der Beitrag von Stefan Laurin „voll ins Schwarze“.Und E.Brockhoff gibt das wieder, was jeder weiß -zumindest wissen sollte-. Aber…..! Z.B.die Städte der sog.Emscher-Lippe-Zone sind wie seit Jahren weiterhin der Auffassung, daß es für die „überörtlichen Präsenz“ ausreicht, wenn die Emscher-Lippe-Zone sich als einheitlichen Raum präsentiert, der er gar nicht ist, und nicht separat als Bottrop,RE usw.

    Das zeugt nach wie vor von einer völligen Verkennung der räumlichen Bedeutung -nebst inhaltlicher Qualitität-dieses Raumes am nördlichen Rande des Ruhrgebietes. Selbst in Deutschland bedurfte es meinerseits bei diversen Tagungen/Kongressen immer umfangreicher Erklärungen, wenn ich ‚mal, was selten vorkam, den Begriff „Emscher-Lippe-Zone“ verwandt habe, um eine großräumige Zuordnung von Bottrop,Castrop-Rauxel oder von Waltrop-Datteln-sh.sog.New-Park hinzubekommen-. Hilfreicher, wenn überhaup möglich, war dann in jedem Fall vom nördlichen Rand des Ruhrgebietes zu sprechen.

    In der Emscher-Lippe-Zone -bekanntlich dem Reg.Bezirk Münster (!!)zugeordnet, wurde und wird immer wieder durch deren Repräsentanten, wenn es z.B. um dessen Zu-/Einordnung in das Ruhrgebiet geht, vorgebracht, dann würde man von den Großen „untergebuttert“, z.B. konkret bei Messeveranstaltungen wie der Expo-Real, aber auch ganz generell innerhalb einer „optimierten“ und wie auch immer organisierten Verwaltungseinheit „Ruhrgebiet“.

    Hier verwechselt man in der Emscher-Lippe-Zone -und darüberhinaus- Sorgen und Problemanalysen mit dem Willeln, ihnen zu begegnen und in Sachen „Einheit des Reviers“ im allgemeinen oder im konkreten bei der „Einheitliches Präsentiationdes Ruhrgebietes als Investitionsstandort“ Lösungen zu wollen.
    ( Hans-Ludwig Brauser hat seinerzeit nicht etwa jegliche Problemlösung von vornherein für objektiv nicht machbar bezeichnet, sondern er hat vor den macht- und personalpolitischen Egoismen der im Revier (und auf Landesebene)agierenden „Feudalherren“ aus Politik und Adminstration resigniert.

    PS
    New-Park -sh.Bericht von Stefan Laurin-:
    Erste Ansiedlungen 2o13?????

    -Welcher Investor, der wegen der Qualität und Quantität seiner Investition als solcher erwähnenswert wäre, wartet denn weltweit darauf, sich in den sog.Rieselfeldern zwischen Datteln/Waltrop ansiedeln zu können? Warum sollte das angenommen werden dürfen?
    Es gab und es gibt niemanden!
    (Auch BMW hat beispielsweise nie ein ganz konkretes und ganz gezieltes Interesse an diesem Standort gehabt, auch wenn die New-Park Befürworter das immer wieder behaupten.)
    Mir ist bis heute nicht erklärt worden, warum ausgerechnet der Standort in den ehemaligen Rieselfeldern Datteln-Waltrop beispielsweise seitens eines Großinvestors aus China im weltweiten Standortwettbewerb als der für ihn „beste“ angesehen werden könnte. Und das wird man ihm auch nicht auf der Expo-Real vermitteln können.

    (Noch ein Detail zu den vorgeblich (mindestens) landesweit bedeutsamen zukünftigen Industrieansiedlungen im New-Park, also in den ehemaligen Rieselfeldern Datteln-Waltrop:
    Es wird solange kein konkretes Investitionsinteresse geben, wie die Anbindung dieses Gebietes an die Autobahn über die sog.B 474 n weiterhin „in den Sternen steht“, sprich in den noch nicht planfestgestellten Unterlagen der zuständigen Behörde(n).

  • #3
    Arnold Voss

    Wirtschaftsförderung ist im Ruhrgebiet im wesentlichen die Selbstförderung der Wirtschaftsförderer. Es gibt keinen städtischen Ballungsraum auf dieser Welt der pro Einwohner über soviele öffentlich finanzierte Wirtschaftsförderer verfügt, wie das RVR-Gebiet.

    Die sind, vor allem auf kommunalen Ebene, im wesentlichen damit beschäftigt, ihre Existenzberechtigung nachzuweisen. Wenn dann auch noch auf der Expo ein eigener kommunaler Stand wegfallen würde, wäre das fürs Ruhrgebiet zwar gut, für unsere kommunalen Wirtschaftsförderer aber eine existenzielle Bedrohung.

    Es wird höchste Zeit das Jemand mal systematisch aufbereitet wieviel Geld wir im Ruhrgebiet für die öffentliche Wirtschaftsförderung insgesamt ausgeben, um diese Ausgaben dann in Bezug zu den Ansiedlungserfolgen zu setzen. Wobei ich dabei regionale/kommunale Neuansiedlungen und nicht innerregionale bzw. interkommunale Umsiedlungen/Erweiterungen meine.

  • #4
    Walter Stach

    Arnold, Zustimmung! Wichtig vor allem die Feststellung im letzten Satz Deines Beitrages.
    Auch ich habe seinerzeit als Verw.chef in Cas-R und „oberster“ Wirtschaftsförderer pflichtgemäß zunächst an meine Stadt gedacht und im Wettbewerb mit den Nachbarkommunen z.B. jede Umsiedlung von DO oder BO nach CAS-R auf die Liste unserer Ansiedlungserfolge gesetzt;unstrittig für das Ruhrgebiet kein Zugewinn, es sei denn, was erfreulicherweise auch mit solchen Umsiedlungen verbunden war -oft,nicht immer-,
    daß bei dem betr. Unternehmen mit seiner Umsiedlung von DO oder BO nach Cas-R eine Erhöhung der Zahl seiner Arbeitsplätze verbunden war.

    Es wäre schon interessant, um Effektivität und Effizienz der komm.Wirtschaftsförderung im Ruhrgebiet präziser und begründeter beurteilen zu können, wie von Dir angedeutet, ‚mal zu erfahren a.) ob und ggfls.welche Unternehmen sich in den letzten 1o Jahren im Ruhrgebiet angesiedelt haben und nicht aus der Region kommen -differenziert nach Unternehmen aus anderen Regionen Deutschlands und solchen aus dem Ausland;statistisch aufzubereiten wäre zugleich, ob und ggfls.in welcher Höhe damit die Zahl der Arbeitsplätze und die Höhe der Gewerbesteuer gesteigert werden konnte und b.)welche Unternehmen innerhalb des Ruhrgebietes den Standort gewechselt haben -von wo nach wo, warum und ob damit ein Nettozugewinn an Arbeitsplätzen verbunden war. Und das alles sollte im Sinne einer Kosten-Nutzungsanalyse ergänzt werden -sh.ebenfalls Dein Hinweis-um die Gesamtkosten -Sachkosten/Pers.kosten-, die in dieser Zeit den einzelnen Kommunen und dem RVR direkt oder indirekt -sh. u.a. auch die komm.Wirtschaftsförderungsgesellschaften-in ihrem Arbeitsfelde „Wirtschaftsförderung“ entstanden sind. Und…..wir müßten, um die Effektivität und Effizienz komm.Wirtschaftsförderung beurteilen zu können, auch auflisten, was uns kommunal bzw.regional sowie brutto/netto -sh.Fördermittel des Landes,des Bundes,der EU- in den letzten 1o Jahren die Bereitstellung von Gewerbe- und Industrieflächen gekostet hat.

    Sollten einschlägige Daten im Wirtschaftsmin.NRW vorliegen , bei den IHK im Revier oder bei den Wirtschaftsfördern im Revier? Vielleicht liest ja der eine oder ander komm.Wirtschaftsförder Beiträge/Kommentare hier bei den Ruhrbaronen, und es gibt die Chance, so zu einer öffentlichen Präsentation der angesprochenen Daten zu kommen nebst anschließender Diskussion.;bin gespannt.

  • Pingback: Links anne Ruhr (08.10.2012) » Pottblog

  • #6
    Franz Przechowski

    Frisch zurück von der EXPO REAL möchte ich gerne meine Beobachtung vermitteln.
    Der Messestand „Metropol Region Ruhr“ ist ohne inhaltliche Botschaft oder erkennbare Klammer. Niemand, außer vielleicht die Standbesetzungsteams selber, kann eine, wie auch immer erkennbare übergeordnete Ansprache oder Konzeption erkennen. Image- und Vertriebskommunikation funktioniert ganz anders. Warum sollte ich als Investor mit Geldkoffer meine knappe Zeit auf der Messe bei jemanden riskieren, der mit einer unübersichtlichen Vielzahl von Unteraustellern (Kommunen, Unternehmen, Verbände, Genossenschaften, Stadt Sparkassen), also viel zu kleinteilig, mir nicht den Hauch von übergeordneter Orientierung zum „Reason why“ gibt? Die Botschaft, die unterbewußt wahrgenommen wird läßt sich auf das stereotype Prädikat „Kirchturmdenken“ komprimieren. Und wer braucht das schon? Oder sollte er etwa auf gut Glück auf die Pirsch gehen, wie man es im 1-Euro-Shop macht?
    Der Eindruck ist ernüchternd. Mir stellt sich die Frage nach dem Return-on-Invest. Gerne möchte ich wissen, welche belastbaren Projekte in den vergangenen 5 Jahren realisiert worden sind, die auf der EXPO ihren Anfang nahmen und welche Kosten dagegen stehen.
    Aber die EXPO REAL ist für die Vertreter Kommunen immer ein willkommener Anlass eine „Dienstreise“ nach München am letzten Wochenden des Oktoberfestes zu machen. Auf dem gemeinsamen Messestand ist man dann schließlich auch drei Tage lang nicht alleine. Es sind ja immer die selben alten Bekannten aus der Nachbarschaft mit dabei. Und es gibt ja immer etwas zu erzählen. Über Schalke oder dem BvB. Meisterschale und Pokal stehen in München ja auch in einer Vitrine!!. Das beeindruckt den amerikanischen Vertreter eines Rentenfonds mit Ambitionen ungemein. Ja, so sind sie, die Vermarktungsexperten meiner Heimat.
    Im übrigen sind die meisten kommunalen Vertreter Ruhr von den Protagonisten der Immobilienwirtschaft und auch die der Wettbewerber (z.B. Frankfurt) an den labberigen und schlecht sitzenden Anzügen in Kombination mit recht stark strapaziertem Schuhwerk zu erkennen. Das schreibe ich auf Wunsch meiner Gattin, die eine scharfe Beobachtungsgabe besitzt und Wert auch auf das persönliche Auftreten von Geschäftspartnern legt.
    Bin jetzt wieder zurück im Pott und sage nur „Glückauf“

  • #7
    Walter Stach

    -6-Franz Przechowski:

    Vielleicht liest ja der eine oder der andere komm./regionale Wirtschaftsförder, der eine oder der andere Komm.politiker, der beispielsweise dem örlichen Wirtschaftsförderungsausschuß angehört, Ihren Beitrag und es kommt dann in der Kommune, im Fachbereich Wirtschaftsförderung, in zuständigen Ratsausschuß oder bei RVR zu einer kritischen Diskussion.

    Vielleicht greifen auch andere Medien, z.B. die örtlichen/regionalen Zeitungen, das Thema auf und nutzen ihren Beitrag für eine kritische Berichterstattung/Kommentierung.

    Könnte z.B.durch Stefan L a u r i n geschen -Welt/Welt am Sonntag????
    (Stefan, ich will Dir keine Arbeit „aufhalsen“.)

    Ich fand jedenfalls Ihren Beitrag -6- deshalb besonders lesenswert, weil er ganz konkret und ganz präszise schildert, wie es um die kommunale/regionale Präsenz der Wirtschaftsförderung aus dem Ruhrgebiet auf der Expo-Real bestellt ist. Und so ist das seit X(?)Jahren ;nicht nur wirkungslos, sondern dem Image des Ruhrgebietes schadend!

  • #8
    Walter Stach

    Habe dazu auf S.2 -Stefan Laurin „Träume vom Morgenland“ etwas Ergänzendes angemerkt.

  • Pingback: Entscheidung in Sachen ‚NewPark‘ offenbar erneut auf die ‚lange Bank‘ geschoben | Ruhrbarone

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