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Die Gelsenwasser-Lüge – Teil 2

Trinkwasserbrunnen an der Ruhr: Foto: Simplicius Lizenz: GNU/FDL

Seit mehreren Wochen tobt der Kampf ums saubere Trinkwasser zwischen der Gelsenwasser AG und ihrem Helfershelfer, die Bezirksregierung Arnsberg auf der einen Seite und dem Umweltministerium auf der anderen Seite. Von den Gastautoren Robert und Pauline Holzwart

Gelsenwasser führt fadenscheinige Argumente ins Feld, warum die erstmalige Errichtung von zeitgemäßer Aufbereitungstechnik nicht sofort und insbesondere nicht gleichzeitig für alle 8 Wasserwerke errichtet werden kann. Diese firmenspezifischen Argumente wurden gezielt den Medien zugetragen, gemeinsam und in Absprache mit der Bezirksregierung Arnsberg.

Aufschlussreich ist es, wenn man die drei folgenden Wasserversorger, die ihr Trinkwasser aus der Ruhr gewinnen, miteinander vergleicht:

1. die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft  – RWW

Dieser Wasserversorger der RWE Aqua, einer Beteiligungsholding der Städte Mülheim, Bottrop, Gladbeck, Oberhausen und dem Kreis Recklinghausen, betreibt schon seit 1977 für alle Wasserwerke, die ihr Rohwasser aus der Ruhr beziehen, ein Aufbereitungsverfahren nach Stand der Technik. Im ersten Schritt werden alle chemischen Verbindungen, die sich im Wasser befinden, in einer Ozonierungsstufe gecrackt. In der Folgestufe wird das Wasser über eine zweistufige Mehrschicht-Aktivkohle-Festbett-Reaktorstufe gereinigt.

Dieser Trinkwasserversorger verfügt über ein Eigenkapital von 15,3 Mio. Euro und einer Kapitalrücklage von 41,6 Mio. Euro und wäre daher jederzeit in der Lage, eine Investition von 180 Mio: Euro, wie dies derzeit bei den Wasserwerken Westfalen nötig ist, zu leisten unter Berücksichtigung einer Eigenkapitalquote von 30 %.

Interessant ist, dass für eine jährliche Abgabe zwischen 87,5 Mio. bis 84,5 Mio. Kubikmeter pro Jahr  ein Anlagevermögen von 123 Mio. Euro bis 129 Mio. Euro gegenübersteht. Dies macht deutlich, dass in der Vergangenheit die nötigen Investitionen für die Trinkwasserversorgung geleistet wurden und dass die derzeitigen Unternehmensziele darin bestehen, das Vermögen und den Stand der Technik aufrecht zu erhalten.

Hochsauerlandwasser

Dieser kleine Wasserversorger am Oberlauf der Ruhr stellt einen kommunalen Zusammenschluss der Kommunen Meschede, Olsberg und Bestwig dar. Von der Wasseraufbereitung ist Hochsauerlandwasser vergleichbar den technischen Anstrengungen von RWW . Als erste Aufbereitungsstufe wird hier jedoch nicht Ozonierung, sondern die Membrantechnologie in Form einer Ultrafiltration eingesetzt. Diese Ultrafiltration besitzt den technologischen Vorteil, dass alle Pilze und Bakterien quantitativ aus dem Rohwasser der Ruhr entfernt werden. Der Oberlauf der Ruhr wird durch die Landwirtschaft stark mikrobiologisch mit bakteriellen Keimen und Pilzen belastet. Daher war es konsequent, als erste Aufbereitungsstufe die Ultrafiltration als „Polizeifilter“ gegen die mikrobiologische Belastung zu wählen. Als zweite Stufe wird eine Festbett-Aktivkohlefiltration zur Elimination der Schadstoffe, die aus den kommunalen Kläranlagen in die Ruhr gelangen, eingesetzt.

Bei einer Wasserabgabe von 3,5 Mio. Kubikmeter pro Jahr ist dieses Unternehmen mit einem kurz- bis mittelfristig zur Verfügung stehenden Kapital von rd. 8,442 Mio. Euro ausgestattet. Hochsauerlandwasser wäre daher in der Lage, rd. 28 Mio. Euro kurz- bis mittelfristig für neue Investitionen zur Verfüggung zu stellen. Dies ist jedoch deswegen nicht erforderlich, weil bereits sämtliche Anlagen von Hochsauerlandwasser auf dem neuesten Stand der Technik sind.

Wasserwerke Westfalen

Die Wasserwerke Westfalen haben eine jährliche Trinkwasserabgabe zwischen 103 Mio Kubikmeter bis 106 Mio. Kubikmeter pro Jahr. Im Gegensatz zu RWW und Hochsauerlandwasser gibt es für die 8 Wasserwerke der Wasserwerke Westfalen keine einheitliche mehrstufige Aufbereitungstechnik .

Bei allen Wasserwerken wird das sog. „naturnahe Verfahren“ (vgl. Ruhrbarone ) angewandt, mit dem weder Bakterien und Pilze noch gefährliche Substanzen wie PFT zu 100 % aus dem Rohwasser entfernt werden können. Diese Substanzen schlagen durch diese technikfreie Aufbereitung durch und gelangen somit ins Trinkwasser.

Die Wasserwerke Westfalen könnten mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Eigenkapital erforderliche Nachrüstungen von 56 Mio. Euro vornehmen. Dies ist jedoch weit entfernt von der sofort erforderlichen Investition von 180 Mio. Euro.

Jetzt wird deutlich, dass alle von Gelsenwasser bisher vorgetragenen Argumente lediglich vorgeschoben sind und eine untaugliche, faule Ausrede dafür sind, dass die Wasserwerke finanziell nicht in der Lage sind, das zu tun, was für die Gesundheit der von ihnen versorgten Menschen erforderlich ist.

Würden die Wasserwerke Westfalen von der wasserrechtlichen Aufsichtsbehörde, die Bezirksregierung Arnsberg, den Nachrüstungsbescheid bekommen, der nach rechtsstaatlichen Gesichtspunkten und verwaltungsrechtlichen Erfordernissen zwingend geboten ist,  wären die Wasserwerke Westfalen pleite.

Vergleich und Zusammenfassung

Dies ist der eindeutige Beweis dafür, dass die Wasserwerke Westfalen die erforderlichen Mittel für eine Trinkwasseraufbereitung nach Stand der Technik niemals vorgehalten haben:

Hochsauerlandwasser verfügt über ein Anlagevermögen von ca. 32 Mio. Euro bei einer Trinkwasserabgabe von 3,5 Mio. Kubikmeter pro Jahr. Die Wasserwerke Westfalen , die das 30fache an Trinkwasser pro Jahr abgeben (103 bis 106 Mio. Kubikmeter pro Jahr) verfügen über ein Anlagevermögen, das kleiner ist als von dem „Versorgungszwerg“ Hochsauerlandwasser, nämlich nur 26 Mio. Euro.

Dies ist der augenfälligste Beweis.

WWW-RWW-HSW im VERGLEICH

 

 

 

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6 Kommentare zu “Die Gelsenwasser-Lüge – Teil 2

  • #1
    Mir

    Die Autoren tun so als sei die Gesundheit der Menschen in Gefahr, was doch nicht der Fall ist.
    Investition in neuere Technologie ist schon erstrebenswert, aber zu tun als sei Gefahr in Verzug nicht. Oder verstehe ich das Problem nicht. Sie setzen sich dafür ein das das erwirtschaftete Geld in moderne Aufbereitungsanlagen investiert wird? Oder mehr?

  • #2
    Berta Griese

    Ich glaube, die Berechnungen gehen von einer falschen Grundidee aus.

    Bei der Investitionsentscheidung geht es nicht um das Verhältnis Eigenkapital zu möglichen Investitionen, sondern um die Frage, wie hoch der freie Cash Flow ist, der für neue Investitionen genutzt werden kann, nachdem aktuelle und zukünftige Abschreibungen und verpflichtende Gewinnabführungen berücksichtigt worden sind.

  • #3
    der, der auszog

    Egal ob, man die Zahlen jetzt versteht oder nicht, als Gelsenwasserkunde kriegt man bei der derzeitigen Diskussion die Krätze. Es grenzt schon an Unverschämtheit, dass Gelsenwasser keine Notwendigkeit im Nachrüsten seiner Wasserwerke sieht, im Gegensatz zu den meisten anderen Betreiberfirmen solcher Anlagen. Ich möchte mir über meine Trinkwasserversorgung eigentlich gar keine Gedanken machen müssen. Muss ich aber leider aufgrund diverser Umweltskandale im Ruhrgebiet und seinem Umfeld. Und weil ich mir meinen Trinkwasseranbieter nicht aussuchen kann, wie beispielsweise bei Strom oder Telefon, erwarte ich von diesem einfach, dass er mit seinen Anlagen auf dem jeweils neusten Stand der Technik ist. Wenn er nicht weiß, wie er das finanzieren soll, dann soll er sich das bei anderen abschauen, die können das schliesslich auch. Und wenn das bei Gelsenwasser niemand hinbekommt, dann sitzen da die verkehrten Leute an den Schaltstellen und müssen weg.
    Das blöde ist, dass ich als Gelsenwasserkunde in Gelsenkirchen/ Regierungsbezirk Münster lebe, aber irgendwelche roten und schwarzen Parteivögel in Dortmund und beim Regierungspräsidenten Arnsberg für mein Trinkwasser zuständig sind.
    Mit Logik hat das im Ruhrgebiet bald gar nichts mehr zu tun.

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