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Die Internetoper schiebt eine Extraschicht

Das Musiktheater im Revier verlagert seine Aktivitäten immer stärker in die virtuelle Welt des Internets. Schon seit Anfang des Jahres steht die Internetoper „Die Affäre Manon“ auf dem Spielplan. Im Rahmen der Extraschicht geht man jetzt zu einem „multimedialen Happening“ in das Straßenbahndepot Engelsburg an der Essener Straße in Bochum. Die Besucher ihre Extraschicht sollen Eindrücke und Kommentare zur „längsten Nacht im Revier“ per Mobilfunk in das Depot schicken. Dort warten Videokünstler der Bauhausmaschine Weimar und verwandeln das eingehende Material in eine Foto-Videocollage, die in Echtzeit auf eine Leinwand im Straßenbahndepot übertragen wird.

Der Videokünstler Andreas Etter dreht an diesem Abend das Video „Spektakel im Depot“, das anschließend unter www.internetoper.de zu sehen ist. Bis jetzt ist man mit der Beteiligung an der virtuellen Oper ganz zufrieden, wenn auch die Zahl der eingestellten Beiträge noch überschaubar ist. „Wir haben schon damit gerechnet, dass es eine Zeit dauert bis Folgen geliefert werden“, sagt die Chefdramaturgin Anna Melcher. „Es müssen meist noch viele persönliche Informationen gegeben werden, um die Hemmschwelle beim Mitmachen aufzulösen. Wir haben jetzt auch einen Produktionsleiter, der sich direkt vor Ort darum kümmert. Es gibt auf jeden Fall viel mehr Anfragen und die Nachfrage steigt stetig“.

Erzählt wird die Liebesgeschichte „Affäre Manon“ zwischen der luxusliebenden Manon Lescaut und dem armen Studenten Armand. Giacomo Puccinis Oper „Manon Lescaut“ aus dem Jahr 1893 und Hans Werner Henzes Drama „Boulevard Solitude“ von 1952 bilden die künstlerische Grundlage. Mit Hilfe der Romanvorlage von Abbé Prévost wurden die Opern zu einer fortlaufenden Geschichte verknüpft und in 50 kurze Episoden aufgeteilt. Es lassen sich einzelne Episoden auswählen und die Idee soll dann in einem selbstgedrehten Video verwirklicht werden. Das wird dann hochgeladen und so zu einem Bestandteil der Internetoper. Sänger des Musiktheaters im Revier und die Neue Philharmonie Westfalen haben die Musik dazu aufgenommen. Die Hemmschwelle vor der vermeintlichen Hochkultur ist allerdings auch im Internet bisher sehr groß. Kooperationen mit Schulen können das vielleicht ändern. So nutzte das Schalker Gymnasium in Gelsenkirchen das Format um gegen die Schließungspläne der Politik zu protestieren. Die unter Leitung von Regisseurin Michaela Dicu entstandene Folge der Internetoper handelt von der Schließung des Gymnasiums. Die Schüler stehen vor dem verschlossenen Tor, brechen es auf und übernehmen die Schule. „Wir würden die Plattform gerne behalten und weitere Projekte starten“ erklärt Anna Melcher. „Für die Oper haben wir die Nutzungsrechte für ein Jahr. Es ist natürlich eine Utopie zu glauben, dass jetzt unglaublich viele jungen Menschen in unserer Opernsäle strömen“. Zumindest kann man das Musiktheater präsentieren und die Arbeit vorstellen.

19. Juni 2010
Straßenbahndepot Engelsburg
Essener Straße 125
Bochum
Mobilnummer für Extraschicht: 0178-4700584

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