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„Die Positionen von NGOs gehören genau so kritisch hinterfragt wie die von Unternehmen“

Christian Maertin, Bayer Foto: Privat


In den sozialen Medien wird das Chemieunternehmen Bayer von der bekannten Medienjournalistin Silke Burmester kritisiert, weil es sich mit einer Broschüre an Journalisten und einer inhaltsgleichen Webseite an die breite Öffentlichkeit gewandt hat. Der Chef der Kölner Journalistenschule Bernd Ziesemer wirft dem Unternehmen vor,  verdeckt zu kommunizieren. Stefan Laurin sprach mit Christian Maertin, dem Leiter der Unternehmenskommunikation von Bayer.

Ruhrbarone: Ich habe auf Twitter gelesen, Bayer würde verdeckt kommunizieren.

Christian Maertin: Quatsch, tun wir natürlich nicht. Ganz im Gegenteil. Mit www.hier-sind-die-fakten.de haben wir eine Website erstellt, auf der Fakten zu Agrarthemen, nüchtern, sachlich und mit vielen Quellenangaben dargestellt werden. Wissenschaftlich abgesichert und verständlich formuliert – für alle, die sich für Landwirtschaft und Ernährung interessieren. Die Broschüre ist ein gedruckter Auszug der digitalen Inhalte. Beides dient ausdrücklich dazu, eine inhaltliche Auseinandersetzung anzuregen. Doch gerade die wird von den Kritikern in diesem Fall ja komplett verweigert.

Ruhrbarone: Ihnen schlug in den sozialen Medien blanke Wut entgegen – für Burmester sind Sie und Ihresgleichen ein Pulk, der in Diskussionen verwickeln oder Zweifel säen will, und für Ziesemer eine Krawalltruppe. In einem Land, in dem jeder ein Recht darauf hat, seine Meinung zu sagen, ein außergewöhnlicher Vorgang. Wie erklären Sie sich diese heftigen Reaktionen?

Christian Maertin: Also Wut würde ich es nicht nennen. Was von den beiden kam, war ja eher eine Reihe unsachlicher Statements. Mit der Übernahme von Monsanto steht Bayer im Fokus der Gentechnik- und Glyphosatdebatte. Da wird es halt schon mal emotional. Die Wucht – im Sinne von Vielzahl der Beiträge – ging ja eher von denen aus, die sich gegen diese Darstellung gewehrt haben, weil sie schlichtweg anderer Meinung waren. Beachtlich war allerdings schon das Ausmaß und vor allem die Bandbreite der Kommentatoren – von Wissenschaftlern über Landwirte bis hin zu Journalisten. Obwohl deren Reaktionen alle fundiert und sachlich waren, wurden sie pauschal als „Maskulinisten“, „Rechte“ oder „Krawalltruppe“ abqualifiziert. Offenbar gibt es inzwischen viele Menschen, die genug haben von einer immer oberflächlicheren, provokanteren und vor allem unsachlicheren Kommunikation im Netz und sich entsprechend dagegen wehren. Mich persönlich freut das sehr.

Ruhrbarone: In der Öffentlichkeit stehen Industrieunternehmen unter Druck. NGOs wie der BUND und die Umwelthilfe werden nicht gleichermaßen als Lobbyisten wahrgenommen und haben, auch in vielen Medien, eine hohe Glaubwürdigkeit. Was haben Unternehmen falsch und NGOs richtig gemacht in der Kommunikation?

Christian Maertin: Eines vorweg: NGOs sind unverzichtbar. Hinter ihren Zielen steht häufig eine Vielzahl von Menschen, die sie unterstützt. Aber: Ihre Positionen gehören genauso kritisch hinterfragt, wie die der Unternehmen. Das passiert leider viel zu selten, denn die Ziele vieler NGOs klingen gerecht und rühren an das menschliche Mitgefühl. Sie retten die Bienen, schützen die Natur oder kämpfen gegen schlechte Luft in den Städten. Wer traut sich da denn, kritisch zu fragen: „Ist das wirklich so?“, oder: „Welche Belege gibt es dafür denn?“ Zudem ist mit dem Siegeszug der digitalen, insbesondere der sozialen Medien, die Kommunikation nicht nur schneller, sondern auch deutlich emotionaler geworden. Das hat zweifellos Aktivistengruppen geholfen, deren Kommunikation seit jeher auf Emotion, manchmal auch auf Angst, setzt. Für Unternehmen, von denen zu Recht Sachlichkeit erwartet wird, ist es dagegen eine tägliche Herausforderung, bei den Fakten zu bleiben, zugleich aber auch das Herz der Menschen anzusprechen. Die Motivation der Unternehmen ist eben leichter diskreditierbar als die der NGOs. So wird die Gewinnorientierung von Unternehmen eben schnell mit dem Begriff „Profitgier“ abqualifiziert. Dabei ist unser unternehmerischer Anspruch genauso, einen konstruktiven Beitrag zur Welternährung zu leisten.

Ruhrbarone: Unternehmen haben immer wieder Verbraucher belogen. Rächt sich so ein Verhalten und hat es nicht generelle Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit der Industrie?

Christian Maertin: Das Fehlverhalten einzelner schadet ohne jeden Zweifel der Glaubwürdigkeit aller. Das gilt für die Wirtschaft wie für alle anderen gesellschaftlichen Gruppen. Schlimmer, als die Fehlinformationen weniger, ist meines Erachtens aber die mangelnde Bereitschaft vieler Akteure, überhaupt sachlich zu diskutieren. Einer der beliebtesten Pauschalvorwürfe von Aktivisten gegen Industrieunternehmen ist ja zum Beispiel mangelnde Transparenz. Wenn Bayer dann aber mit einer Broschüre und einer Internetseite ganz offen zum inhaltlichen Diskurs auffordert, ist es offenbar auch wieder nicht Recht. Dabei haben wir auf der Plattform an prominenten Stellen ganz bewusst einen „Glaube ich nicht“-Button eingerichtet – genutzt wurde er für fachliche Kritik bislang fast nicht.

Ruhrbarone: Deutschland ist ein Industrieland. Der Export industrieller Güter ist nach wie vor die Basis des Wohlstandes. Bei allen Problemen und aller berechtigten Kritik an einzelnen Unternehmen: Ist das ihrer Ansicht nach zu wenigen noch bewusst?

Christian Maertin: Auf jeden Fall. Die gesellschaftliche Bedeutung der Wirtschaft wird insbesondere in Deutschland viel zu wenig gewürdigt. Das, was uns in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der wohlhabendsten Länder der Welt gemacht hat, basiert zu größten Teilen auf den Leistungen großartiger Unternehmer und den Menschen, die in diesen Unternehmen arbeiten. Wenn ich mir dann aber anschaue, welch unsachliche und unzivilisierte Kritik Unternehmen täglich entgegenschlägt, frage ich mich schon, was da in unserer Gesellschaft eigentlich falsch läuft.
Eines der Hauptprobleme liegt vor allem darin, dass viele Akteure glauben, selbst bei komplexesten Themen mitreden zu können, nur, weil ihnen die sozialen Medien heute eine Stimme geben. Prof. Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung sagte vor kurzem: „Selbsternannte Facebook-Forscher können heute als Meinungsführer eine Debatte initiieren und dominieren.“ Sie können es nicht nur, sie tun es leider auch. Deshalb sehe ich mit großer Freude, dass renommierte Wissenschaftler mit zum Teil jahrzehntelanger Erfahrung in den sozialen Netzwerken zunehmend ihre Stimme erheben und für eine sachliche und kompetente Diskussion ihrer Themen kämpfen.

Ruhrbarone: Von der Wirtschaft wird Transparenz gefordert. Versucht sie transparent zu sein, gerät sie erneut in die Kritik. Wie wollen Sie auf dieses Dilemma reagieren?

Christian Maertin:  Der Schlüssel zu einem sachlichen Umgang, liegt darin, wo immer möglich mit Kritikern in den Dialog zu gehen. Fortschritte bei komplexen oder auch umstrittenen Themen kann heute nur noch erzielen, wer bereit ist, genau diese Themen mit allen gesellschaftlichen Gruppen, von der Kirche über die Politik und die NGOs bis hin zu den Gewerkschaften, zu diskutieren. Das Gesprächsangebot gilt deshalb selbstverständlich auch weiterhin für Frau Burmester und Herrn Ziesemer.

Ruhrbarone: Auf Ihrer Webseite „Hier sind die Fakten“ gehen sie auf viele Fragen zu Monsanto, Glyphosat oder die Lügen der Öko-Ikone Vandana Shiva ein. Wie sind die Reaktionen?

Christian Maertin: Die Reaktionen sind sowohl intern als auch extern sehr positiv. Die Broschüre, die wir parallel zur Website erstellt haben, war innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Auch, wenn man im Internet ab und an einen anderen Eindruck bekommen kann, gibt es da draußen offenbar immer noch viele Menschen, die sich unvoreingenommen ihre Meinung bilden wollen und in diesem Zusammenhang auch an unserer Perspektive interessiert sind. Was dagegen bislang völlig fehlt, ist inhaltliche Kritik derjenigen, die sich an anderen Stellen sonst immer am schnellsten und lautesten zu Wort melden.

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49 Kommentare zu “„Die Positionen von NGOs gehören genau so kritisch hinterfragt wie die von Unternehmen“

  • #1
    Werntreu Golmeran

    Mich würde mal interessieren, wie es zu diesem Interview gekommen ist.

    Damit die Leute wissen, worum es geht, stelle ich mal die Fundstelle zu Ziesemers lesenswerten Artikel hier ein, mal schauen, ob Herr Laurin die online stellt:

    https://www.mediaimpact.de/dl/27561927/BILANZ_Juni_2018.pdf

    Ab Seite 34

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Werntreu Golmeran: Journalisten kennen Pressesprecher und haben Kontakt zu ihnen. Ich kenne sogar Pressesprecher der Grünen. Dann wurde ein Gespräch vereinbart. Inhaltlich gab es keine Beschränkungen und nein, es gab auch keinerlei Gegenleistungen und ich hab auch keine Tonne Aspirin geschenkt bekommen.

  • #3
    Werntreu Golmeran

    Interessant ist ja auch, dass zwischen den Ruhrbaronen und NovoArgumente, die in dem Artikel von Bernd Ziesemer kritisiert werden, freundschaftliche Beziehungen bestehen.

    Ein Schelm, der böses dabei denkt.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Werntreu Golmeran: Ja, ganz schlimm. Es gibt tatsächlich Medien, die bei der Ökohysterie nicht mitmachen und für die Industrie nicht die Inkarnation des Bösen ist.

  • #5
    Michael

    Wäre es nicht angebracht, dieses Interview mit einem Hinweis wie "Verbraucherinformation" oder "Sonderveröffentlichung" oder gleich "Anzeige" zu betiteln?

  • #6
    langsamdenker

    @ Werntreu Golmeran
    Sie merken schon, dass Sie mit ihrem zweiten Kommentar genau das Bild bestätigen, dass im obigen Interview gezeichnet wird. Versteckte Unterstellungen: ja, Inhaltliche Kritik: Fehlanzeige.

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Michael: Netter Versuch der Denunziation, aber da es ein ganz normales Interview ist und es natürlich keine Gegenleistung gab, ist das nicht nötig. Ist echt nicht mehr drin als anonym herumtrollen? War das Dinkelbrötchen heute schlecht? 😀

  • #8
    Gerd

    Kurze Anmerkung zur Überschrift. NGO sind de facto Unternehmen. Von irgendwem bekommen die ja auch ihr Geld und wer gibt schon sein Geld jemanden, mit dessen Zielen man nicht übereinstimmt?

    Bei Bayer gibt’s für Geld u.a. Glyphosat bei Greenpeace PR gegen die konventionelle Landwirtschaft. Wäre ich ein Lobbyist des Ökolandbaus, ich würde aus meinem Budget an Greenpeace spenden.

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Gerd: Guter Einwurf – NGO ist auch ein Geschäftsmodell. Mit der Angst der Menschen lässt sich viel Geld verdienen.

  • #10
    Christian Maertin

    @Werntreu Golmeran, @Michael,

    ich freue mich sehr auf den inhaltlichen Austausch mit Ihnen. Gerne auch unter Klarnamen.

  • #11
    Volkhard Wille

    @Stefan Laurin: Nein – NGO ist kein Geschäftsmodell. Zumindest nicht wenn man sich an die Gesetze hält. Ein NGO darf zwar Gewinn machen – muss diesen aber den gemeinnützigen Zwecken zuführen. Daher ist ihr Formulierung schon eine unterschwellige Diffamierung.
    Der Begriff "Ökohysterie" ist angesichts der Fakten wie Klimawandel, Artensterben, und Umweltzerstörung völlig unangebracht, auch wenn man über so manches Detail von Fachdiskussionen diskutieren kann..

  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Volkhard Wille: Auch wenn man die Abmahnbude Deutsche Umwelthilfe aussen vor lässt, entstehen da sehr viele lukrative Jobs – und es ist viel Geld im Spiel:
    "Deutlichen Zuwachs gab es auch beim Personal. Campact hat seine Angestelltenzahl seit 2013 mehr als verdoppelt, von 23 auf 52 Mitarbeiter. Foodwatch, als selbst ernannte „Essensretter“ lange Zeit auf Skandale im Lebensmittelsektor fokussiert, konnte seine Teams in Berlin und Paris um 62 Prozent vergrößern, seitdem die Organisation Mitte 2014 auf den bereits fahrenden Zug der TTIP-Kritiker aufgesprungen ist."
    https://www.welt.de/wirtschaft/article158334544/Die-Freihandelsgegner-schlachten-ihre-goldene-Gans.html

  • #13
    thomas weigle

    @ Stefan Laurin #12 Es ist natürlich erschreckend, wenn ein NGO seine Mitarbeiterzahl innert kürzester Zeit um mehr als 100% aufstockt. Da können Unternehmer wie Bayer und andere aufrechte Kämpfer für den Industriestandort Deutschland natürlich nur schlecht aussehen.
    Ich bin mittlerweile was die Unterstützung und Sympathie für NGOs angeht, deutlich zurückhaltender geworden, was auch mit den Ruhrbaronen zu tun hat. Aber so wirklich kann ich Deine obige Argumentation hinsichtlich Mitarbeiterzahl und verfügbares Kapital der NGOs nicht nachvollziehen. V.a. ist es ja nicht so, dass die andere Seite, bspw. Bayer, am Werbehungertuch nagt. Was das angeht, kann man sicherlich nicht von Augenhöhe zwischen NGOs und Industrie sprechen.

  • #14
    Michael

    @Laurin – ich glaube Ihnen gerne, dass Sie dafür keine direkte Gegenleistung erhalten haben. Das wollte ich auch nicht zum Ausdruck bringen. Im übrigen ist Ihre Nähe zur Industrie nun ebenso wenig wie Ihre Abneigung gegen Umweltverbände ein Geheimnis.

    Dass die PR-und /oder Marketingabteilung eines Unternehmens aber nun mal nicht wirklich die Aufgabe hat, für allumfassende Information oder Sachaufklärung, sondern für positive Stimmung in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung des Unternehmens zu sorgen, ist nunmal ein Fakt.

    Insofern liefern Sie und Ihr Interviewpaetner gerade zu ein klassisches Beispiel "verdeckter Kommunikation"

  • #15
    Volkhard Wille

    @Stefan Laurin: "Abmahnbude Deutsche Umwelthilfe" ist schon wieder tendenziös. Die DUH mahnt Gesetzesverstöße auf eine völlig einwandfreie Art und Weise ab, in dem gegen Verstöße im Bereich des Verbraucherschutzes vorgegangen wird. Von den zuständigen Behörden wird sowas überhaupt nicht mehr kontrolliert. Die DUH generiert damit im Jahr rund 500.000,- €, die sie im Bereich des Verbraucherschutzes einsetzen muss. Was ist daran verwerflich?

    Die Entwicklung von Beschäftigtenzahlen ist überhaupt nicht geeignet, daraus Vorwürfe zu konstruieren. Wenn eine Organisation Erfolg hat, dann soll sie auch wachsen dürfen. NGO-Mitarbeiter dürfen aufgrund der Gemeinnützigkeit nur bezahlt werden, wie vergleichbare Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Was ist daran jetzt "besonders lukrativ"?

    Geht es eigentlich auch um eine qualifizierte, sachliche und auf nachprüfbaren Fakten beruhende Diskussion?

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Michael: Die Aufgabe jedes Kommunikationsmitarbeiters, ob bei Greenpeace oder bei Bayer, ist es, die Position seines Unternehmens oder Verbandes zu verbreiten. Verdeckt ist hier nichts, weil vollkommen klar ist, wer hier redet und das Herr Maertin das auch nichts als Privatperson sondern im Rahmen seins Jobs macht.

  • #17
    Norbert

    Zu der pauschalen Kritik in den Kommentaren hier an NGO sag ich mal nichts.

    Ich wollte vor allem auf das IV eingehen. Auch ich bewege mich schon länger im Umfeld div. NGO und wundere mich immer wieder, wieviel Aggression einem entgegen schlagen kann, wenn man Dinge in Frage erstellen, die im ersten Reflex sich gut anhören und kompatibel zu Twitter und Co. sind und ein akademische Studium in dem betroffenen Themenfeld nicht als Qualifikation angesehen wird. Man glaubt den selbst ernannten Facebook-Experten mehr, weil die ohne Argumentationsstrang auskommen, aber auf Emotionen, Suggestion, Hast-Tags und Polemik setzen.

  • #18
    Norbert

    @ 14: Hähh? Das ist ein Interview, in dem die eine Seite ihre Postion darstellt. Alles sehr transparent. Und auch böse Konzerne haben das Recht, ihre Meinung zu vertreten.

  • #19
    Gerd

    @9:

    Nicht notwendigerweise mit Angst, aber eine Agenda haben sie alle. Dafür müssen sie Geld einsammeln. Grundsätzlich legitim, aber man muß immer im Hinterkopf behalten, dass es denen auch(!) um Geld geht.

    @11:

    Treberhilfe Berlin: Kein NGO, aber eine Gemeinnützige GmbH. Der Chef fuhr einen Maserati. D.h. nicht jeder der von sich sagt etwas Gutes zu tun, macht das aus völlig uneigennützigen Motiven.

  • #20
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Volkhard Wille: "Mit dem Abmahngeschäft nimmt die Umwelthilfe Millionenbeträge ein. Von Jahr zu Jahr wird es mehr: 2014 waren es 2,323 Millionen Euro, im Jahr zuvor 1,790 Millionen, 2009 waren es noch 676 000 Euro. Diese Gelder haben zunehmend mehr Anteil am Etat der Organisation. Die Einnahmen aus dem „Verbraucherschutz“, wie sie die Umwelthilfe in ihren Jahresberichten nennt, machten 2014 insgesamt 28 Prozent aller Einnahmen aus, 2013 waren es 22 Prozent."
    https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/millionen-mit-abmahnungen-die-guten-geschaefte-der-deutschen-umwelthilfe/13438146.html
    Und dann hilft natürlich auch Toyota im Kampf gegen die hiesige Autoindustrie… Aber hey, die Jobs bei der Umwelthilfe sind sicher.

  • #21
    Norbert

    @Stefan Laurin: Jedem Unternehmen steht es frei, sich so zu verhalten dass die DUH nicht mehr abmahnen kann. Jeder Kommune auch.

    Und was spricht gegen sichere Jobs bei der DUH, außer dass du da sicherlich nie freiwillig ins Büro gehen wirst auf ein Kaffee und Dinkelkekse? Die meisten NGO werden keine sicheren Stellen bieten können.

  • #22
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Norbert: Ich hoffe sehr, dass die Jobs bei der DUH nicht mehr lange sicher sind 🙂

  • #23
    Nina

    Bei der Glyphosat-Debatte bin ich nachdenklich geworden. Um mich herum hatte kaum einer Ahnung von der Materie, aber eine Meinung hatte jeder-meist gegen den Einsatz dieses Herbizids.
    Meine praktische Erfahrung mit Glyphosat-Heimgärtner, hatten sie einmal Roundup in den Fingern, brachten gierig und nicht immer wohl dosiert das Mittel aus. Effekt: Alles im Arsch, nicht selten die zu schützenden Pfanzen selbst. 😀
    Landwirte dosieren sicherlich sorgsamer im eigenen Interesse.
    Landwirtschaft braucht nunmal Mittel gegen kulturbegleitende Wildkräuter sowie Düngemittel, Insektizide etc. Dafür kriegen wir in Deutschland auch günstig Gemüse, Getreide, Obst. Das kann sich jeder leisten, oder? Kritiker sollten ihr eigenes Konsumverhalten hinterfragen-wären sie/wären wir bereit, den Landwirten mehr Geld für ihre Erzeugnisse zu zahlen? Wären wir bereit, draufzulegen, wenn ein Landwirt bspw. "Unkräuter" mechanisch oder manuell entfernen ließe?
    Ja, wer Bio kauft, der ist bereit. Der kann es aber auch.
    Skandalös finde ich persönlich die Tatsache, dass Preise kaputt gemacht werden, dass sich nicht jeder Bio leisten kann, dass Saisonkräfte in der Landwirtschaft grottenmies entlohnt werden und dass scheinbar so viele Lebensmittel die nicht abverkauft werden im Müll landen.
    Und eine andere Frage-wie kam es zu der Hysterie in vielen "Gesundheitsthemen" in den letzten Jahren? "Früher" gab es das Extrem "Rauchen bis der Arzt kommt ohne Rücksicht auf Kinder", heute hysterisches Gekreische, was alles ungesund sei-Zucker, Weizen, Süßstoffe, Lactose, Kuhmilch, …
    Die Glyphosat-Debatte muss man auch in diesem Zusammenhang sehen. Menschen denken, den eigenen Körper und Geist möglichst gesund zu halten und nach Perfektion zu streben, sei ihr ureigenes Interesse. Aber im Grunde dient diese Sterilität am Ende doch nur dazu, möglichst lange leistungsfähig zu sein und zu arbeiten. Im Grunde eine körper- und behindertenfeindliche Haltung.

  • #24
    nussknacker56

    Nicht nur in Deutschland gilt folgende Plattheit:
    NGO = gut, edel, tapfer, mutig, gerecht, klein, kritisch
    Konzern/Firma = böse, mies, feige, verlogen, heimtückisch, groß, weltumspannend, profitorientiert usw.

    Natürlich sind NGOs wie jedes Unternehmen kritisch zu betrachten. In manchen Gegenden dieser Welt arbeiten NGOs sogar Hand in Hand mit Terrororganisationen, wirken mit an Propagandafeldzügen, am Sturz demokratischer Institutionen und profitieren von den Strukturen der Unterdrückung vor Ort (z.B. durch sexuelle Ausbeutung).

  • #25
    Ke

    Wahrheit ist blöd, wenn sie nicht ins Weltbild passt. Bei den NGOs sammeln sich viele Gruppen. Das ist schwer vergleichbar.

    Kritisch ist es für mich, wenn NGOs staatliche Mittel haben wollen oder autonome Initiativen eine Förderung wollen. Probiert es doch mal unabhängig vom Fördertopf.

    Natürlich können und sollen Firmen über ihre Produkte informieren. Möglichst öffentlich mit allen Studien.

    Swr2 wissen hat zurzeit einige Podcasts zur Landwirtschaft.
    Rekordernten in Indien mit ‚Back to the roots‘ Methoden?
    Kein Problem, wird aber nicht gemacht.
    https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/anbaumethode-revolutioniert-landwirtschaft/-/id=660374/did=21983326/nid=660374/dsg6go/index.html
    ACHTUNG: Ist desillusionierend und weder D noch USA sind schuldig.

    Wir lieben die Welt der 50er Jahre Heimatfilme und ignorieren Wahrheiten.
    Wir können selber kaum prüfen, also lassen wir zertifizieren. Die Zertifizierer haben schnell gemerkt, dass das ein gutes Geschäft ist.
    Gefühlte Wahrheit reicht. Mobilfunkantennen mach fühlbar krank, auch wenn sie ausgeschaltet sind.

    Was hilft?
    Ich esse abwechselungsreich und reduziere den Fleischkonsum. Lieber Schwein als Rind, ich will ja das Klima retten, wenn ich schon demnächst keinen Diesel mehr fahren soll.

    In ein paar Jahren gibt’s die Pflanzen aus der Nährlösung im sterilen Gebäude.

  • #26
    Helmut Güllich

    Das lustige ist, dass in den Kommentaren die These aus dem Interview bestätigt wird: Unternehmenskommunikation wird kritischer gesehen als NGO Propaganda.

  • #27
    Ines C.

    NGOs agieren also als Inquisition 4.0 Wer nicht die reine Lehre vertritt, kommt auf den medialen Scheiterhaufen. Demonstrieren die Pro-NGO-Kommentatoren hier sehr eindrücklich. Ich will meine Debatten-Demokratie zurück!

  • #28
    Wolfram Obermanns

    @ Ines C.
    Solange Betroffenheit als Kompetenz durchgeht, dürfte Ihr frommer Wunsch unerfüllt bleiben.

    Das Sündenregister der NGO’s ist inzwischen bemerkenswert lang, die Reaktionen auf die Öffentlichkeitsarbeit von Bayer Eigentore. In einer hochgradig arbeitsteiligen Welt kann mir dieser offensichtliche Kompetenzverlust nicht gefallen.

    Die straffreie Praxis offensichtlich gefälschte Zertifikate in die Welt setzen und mit ihnen irreführende Reklame machen zu können, gehört auf den Prüfstand. Solange aber Vater Staat wie beim Abgasskandal sich zum Komplizen machen lässt, werden wir darauf noch lange warten müssen.

  • #29
    Werntreu Golmeran

    Interessant finde ich, dass zum Thema zu 80 Prozent die üblichen Verdächtigen pro Unternehmen und contra NGOs argumentieren. Und Ines C. fühlt sich gleich an die Inquisition erinnert. Darunter geht es wohl nicht!? Dabei geht es doch eigentlich um BAYER, MONSANTO und GLYPHOSAT.

    Das ganze ist aus meiner Sicht, das altbekannte Ablenkungsmanöver. Um nicht über die MONSANTO-Übernahme, GLYPHOSAT, mögliche KREBS-gefahren, die steigende Belastung des Trinkwassers mit GLYPHOSAT-Rückständen und die dazu in den US,A anhängigen Gerichtsverfahren diskutieren zu müssen oder über Gengemüse und dass diese Themen jetzt an der Marke BAYER klebt, wird versucht, die Diskussion auf die NGOs abzuleiten. Es soll nicht immer BAYER überall schlecht gemacht werden, weil BAYER derzeit überall mit MONSANTO,. GLYPHOSAT,. KREBS,. GIFT,. TOD etc. in Verbindung gebracht wird. Deshalb versucht der Mann von BAYER seine Nebelkerzen zu positionieren.

    Alter Trick, klappt meist nicht schlecht und ist aus meiner Sicht ganz verdeckte PR oder wie man früher sagte, Propaganda. Der Fachmann erkennt das sofort, der Adressat hinter der BILD, vor der heute-Glotze oder hier bei den Ruhebänken scheint da aber Schwierigkeiten zu haben. Die Propaganda von BAYER und MONSANTO scheint also aufzugehen.

    Ein guter Journalist merkt das, ein gekaufter logischerweise auch nur der naive merkt nicht, wie er benutzt wird und Herr Laurin freut sich einfach nur, dass jemand auch mal seiner Meinung ist….

  • #30
  • #31
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Werntreu Golmeran: Ich mach mir keine Sorgen über Gen-Gemüse, ich mach mir Sorgen darüber dass dieses Land nach Rechts kippt, wenn die Industrie massiv Stellen abbaut und Leute ihre Josb verlieren. Die Deutsche Umwelthilfe macht schlicht Wahlkampf für die AfD. Und gentechnische verändert Pflanzen werden in diesem Jahrhundert die wichtigste Waffe im Kampf gegen den Hunger sein. Und für mich steht Industrie in Verbindung mit Jobs, Investitionen und Wohlstand.

  • #32
    Helmut Junge

    @Werntreu Golmeran, In diesem Artikel geht es aber laut Überschrift auch darum, daß der Pressesprecher von Bayer gesagt hat:

    „Die Positionen von NGOs gehören genau so kritisch hinterfragt wie die von Unternehmen“

    Dazu wäre m.M. die einzige richtige Antwort der Vertreter von NGOs, daß sie nichts zu verbergen hätten und ihre Position selbstverständlich hinterfragt werden darf.
    Darüber habe ich aber bisher nichts gelesen.
    Liegt das am Reizwort "Bayer"?

  • #33
    Christian Maertin

    zu #29: Lieber @Werntreu, ich hatte Ihnen bereits gestern unter #10 angeboten, inhaltlich zu diskutieren. Seitdem warte ich auf ein Argument von Ihnen. Wenigstens eines.

    Auch die im Interview diskutierte Plattform www.hier-sind-die-Fakten.de sowie die dazugehörige Broschüre beschäftigen sich praktisch ausschließlich mit den von Ihnen erwähnten Themen und nicht mit NGOs.

    Nach aktuellem Stand sind also wohl eher Sie derjenige, der sich einer inhaltlichen Diskussion verweigert. Wenn‘s nach mir geht, können wir das gerne sofort ändern.

  • #34
    Stefan Sommerfeldt

    Verdeckte PR ist doch eher, wenn man unter dem Pseudonym @Werntreu Golmeran die Kommentarspalten füllt

  • #35
    Ines C.

    #Werntreu Golmeran: Reine Lehre 🙂 und sogar ex cathedra. qed but thx for sharing.

  • #36
    Nina

    @29
    Diesen Artikel hier finde ich ganz gut und sachlich zu Glyphosat:
    https://www.swr.de/wissen/glyphosat-faktencheck/-/id=253126/did=20514698/nid=253126/45z6by/index.html

    Darin geht es auch um die Frage, ob Glyphosat Krebs verursache. Aktueller Stand ist, kurz gefasst, dass es auf die Menge ankomme. Gefährdet sind Menschen, die das Mittel ohne Schutz ausbringen. Das sind häufig leider Menschen, die in miesen Jobs arbeiten müssen in Ländern, in denen auf die Standards im Arbeitsschutz leider geschixxxx wird.
    Diese Gefährdung liegt sicherlich bei etlichen Gefahrenstoffen vor, so ist Benzin carcinogen und auch hier kommt es darauf an, wieviel und wie häufig jemand damit Kontakt hat. Sollte man Benzin verbieten?

  • #37
    Norbert

    @22/@31

    Nichts anders habe ich erwartet von dir als Befürworter von Zuständen wie im Frühkapitalismus, als Wirtschaftswachstum alles war und es noch keine SPD und vor allem keine GRÜNEN gab. Zumindest klingt das für mich immer so, dass das für dich gute alte Zeiten gewesen sein müssen. Oder ich habe da was falsch verstanden.

    Das mit der DUH und Wahlwerbung der AfD verstehe ich nicht.

    @25: Wo kommt eigentlich die ganze Nährlösung her?

    Mich wundert hier wieder mal, wie Dinge in eins gesetzt werden und alles in s-w betrachtet wird. Der Mensch züchtet seit Ewigkeiten Pflanzen. Da ist Gen-Manipulation nicht was ganz anderes, sondern die hochtechnologisierte Fortsetzung, die es ermöglicht gezielter zu arbeiten. Ob da dann Gutes oder Böses bei raus kommt, liegt nicht an der Technologie sondern an den anwendenden Menschen. Aber mit Sicherstellung der Ernährung hat das nichts zu tun, zumindest nichts zwangsläufig. Kommt immer drauf an, wie man es einsetzt und die großen Konzerne, die dran arbeiten, wollen primär erst einmal ihren Gewinn sichern und ausbauen. Genauso ist NGO erst einmal eine Organisationsform. Da fallen perfide Geschäftsmodelle inzwischen genauso drunter, wie 100 kleine Gruppen, die ehrenamtlich irgendwas mal mehr und mal weniger sinnvolles für die Allgemeinheit tun.

  • #38
    Werntreu Golmeran

    Herr Sommerfeldt,

    waren Sie bei der Stasi oder sind Sie beim BND oder steht gar eine Glaskugel vor Ihnen oder haben Sie einen besonderen Draht zum lieben Gott?

    Oder wieso glauben Sie, dass ich unter einem Pseudonym schreibe?

  • #39
    Werntreu Golmeran

    Lieber Herr Maertin,
    da es in dem Artikel vornehmlich um NGOs geht macht es keinen Sinn hier über BAYER MONSANTO und GLYPHOSAT zu diskutieren. Letztlich sind solche Diskusionen in iForen mit geringer Reichweite aus meiner Erfahrung vor allem dazu da, Argumentationsstrategien auf ihre Brauchbarkeit abzuklopfen. Und ich habe keine Lust da für Lau Ihre Arbeit zu machen. Daher rührt meine eher destruktive Haltung.

    Die meisten verqueren Artikel von Herrn Laurin kann man meist mit ein zwei Argumenten ad absurdum führen. Daher veröffentlicht Herr Laurin meine Posts auch nur, wenn es ihm in den Kram passt.

  • #40
    Helmut Junge

    @Norbert, Du fabulierst ohne Kenntnis der Zusammenhänge einfach ins Blaue hinein, und das werde ich dir genau erklären. Du schreibst: "Da ist Gen-Manipulation nicht was ganz anderes, sondern die hochtechnologisierte Fortsetzung, die es ermöglicht gezielter zu arbeiten. Ob da dann Gutes oder Böses bei raus kommt, liegt nicht an der Technologie sondern an den anwendenden Menschen. Aber mit Sicherstellung der Ernährung hat das nichts zu tun, zumindest nichts zwangsläufig. Kommt immer drauf an, wie man es einsetzt und die großen Konzerne, die dran arbeiten, wollen primär erst einmal ihren Gewinn sichern und ausbauen. "
    Vieles stimmt, aber mich stört daran der Satz "Aber mit Sicherstellung der Ernährung hat das nichts zu tun, zumindest nichts zwangsläufig. "
    Warum?
    Die Erfinder, oder Entwickler neuer Ideen bewegt die Frage schon, ob ihr nicht unerheblicher Engament nützlich ist. Erstens kommt keine Idee aus dem Nichts, und zweitens kann es von der Idee an, bis zur Vrwirklichung oft noch Jahre dauern bis brauchbare Ergebnisse vorliegen. Du wirst dir diese zwei Fragen nicht einmal theoretisch gestellt haben. Das merke ich, weil du sie in deiner, vermutlich für dich schlüssigen Argumentation total übergehst. Ich habe diese Entwicklung als Mensch durchgespielt, der sich eine Menge Gedanken gemacht hat, wie wir die Ernährungsfrage der Menschheit in der Zukunft lösen können. Das war zwar nicht im Bereich Gentechnologie aber es gibt weltweit viele Menschen, die sich mit solchen Fragestellungen beschäftigen. Menschen, die erst eine Idee haben und die sie dann in harter Arbeit umzusetzen versuchen. Und das ohne Grantie darauf, daß irgendeine Industrie diese Idee großtechnisch umsetzt und den Erfindern einen einzigen Cent für seine Arbeit als Vergütung bezahlt. Damit du siehst, daß ich nicht genau so wie du ins Blaue hineinschwätze, verlinke ich mal ein Ergebnis meiner persönlichen Arbeit auf dem Gebiet des Versuchs, die Ernährung der Menschheit für die Zukunft sicher zu stellen.
    Das ist eines meiner Eu- Patente zur Erzeugung von Bio-Masse aus Algen.
    https://patents.google.com/patent/EP2435553A1/de?oq=helmut+junge+duisburg
    Bis zum Patent hat es Jahre gedauert, aber,
    kurz gesagt hat sich kein deutsches Unternehmen damit abgeben wollen, weil damit nicht unmittelbar Geld zu verdienen war. Unmiittelbar Geld verdienen können, ist die Voraussetzung, damit Großkonzerne überhaupt Interesse haben.
    Die Idee aber hat durchaus mit der -Sicherstellung der Ernährung zu tun. Was dir in deinem Gedankengang fehlt, ist einfach der Gedanke, daß die Großkonzerne gar nicht an dieser Frage arbeiten.. Sie arbeiten gar nicht daran.Das hast du nicht kapiert und du glaubst es, aber Stefan Laurin glaubt es auch. Nur frage ich mich, warum streitet ihr eigentlich? Tatsache ist aber, und da hst Laurin Recht, und du eben nicht, ist, daß es ohne Industrie überhaupt nicht geht. Wenn jemand die Losung für Probleme bringen könnte, wäre es die Industrie. Und bisher war sie es auch.
    Was du aber jetzt machst, ist der Versuch, die Industrie an ihrem Job, so wie sie ihn verteht zu hindern. und Laurin ist willig ihr grünes Licht zu geben. Das unterscheidet euch. Aus meiner -sicht dagegen wäre es notwendig, der Industrie gezielte Vorgaben zu machen. Leider funkzioniert das nicht. Und das liegt daran, daß allzuviele Menschen sich so verhalte, wie @Obermanns (28) es beklagt "Solange Betroffenheit als Kompetenz durchgeht, dürfte Ihr frommer Wunsch unerfüllt bleiben.".

  • #41
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Werntreu Golmeran: Der Grund warum ich Sie und andere selten veröffentliche, ist ein anderer: Es ist mir einfach zu aufwendig – die Ruhrbarone machen wir alle nebenbei – ihren Unsinn zu widerlegen und einfach stehen lassen will ich die Lügen auch nicht- Also lösche ich. Aber jetzt wo jemand hier ist, der sich die Zeit nehmen würde ziehen Sie den Schwanz ein. Davon ab: Der Metakommunikationstrick von Ihnen ist nett, aber auch sehr plump. Und wenn die Reichweite hier zu gering ist und es sich für Sie nicht lohnt zu diskutieren, können sie es doch bitte gleich lassen, hier zu kommentieren.

  • #42
    Helmut Junge

    ach Norbert, die Schlußfolgerung, die ich aus meinen in (40) beschriebenen Erfahrungen ziehe, ist die, daß die Industrie, speziell die Großindustrie meist alle Projekte vermeidet, die keinen Gewinn einbringen. Es gibt viele gravierende Fragen, die jeder Mensch, der einigermaßen normal denkt, als wichtige und schwierige Aufgaben erkennt. Normalerweise sind solche Fragen in der Gesundheit und der Nahrungsmittelproduktion nur durch die Großindustrie zu lösen. (Kommentare oder Pamphlete lösen kein Hungerproblem, stoppen keine Epidemie). Aber solange noch kein Markt da ist, kann die Industrie nichts verdienen. Also hält sie sich da raus. Um dieses "sich nicht kümmern" gar nicht erst in die breite öffentliche Diskussion kommen zu lassen, und dann gezwungenermaßen doch Geld für erstmal nichts gewinnträchtiges ausgeben zu müssen, benötigt diese Industie Hilfe. Und diese Hilfe leistenz.B. Organisationen, die die Industrie beschuldigen, schädliche fehlerhafte Produkte, die es ja durchaus gibt, mit aller ihr zur Verfügung stehenden Macht auf den Markt zu bringen. Wer solche Kritiker hat, ist erst einmal aus der Schußlinie wegen nichtgeleisteter Forschungs- und Entwicklungsarbeit öffentlich beschuldigt zu werden. Denn die Gerichtsverfahren wg. der Glyphosatzulassung sind längst nicht so teuer wie Forschungsarbeiten auf Gebieten, die zwar Notwendig sind, die aber erstmal keinen Gewinn bringen. Rechnen können diese Industriemenschen schon, sonst wären sie ja nicht groß. Und weil es billiger mit solchen NGOs ist als mit eigenen Entwicklungen, werden diese NGOs von der Industrie quasi mit Samthandschuhen angefaßt, als wären sie Teil der eigenen Werbekampagne. Super Idee. Der Herr Christian Maertin sagt ja auch aus seiner Sicht: "Eines vorweg: NGOs sind unverzichtbar. Hinter ihren Zielen steht häufig eine Vielzahl von Menschen, die sie unterstützt." Dachte ich es mir doch.

  • #43
    Nina

    Mi Mi Mi-Golmeran- erst will er, dann will er nicht…
    Er will gleichzeitig über Bayer/Glyphosat/Monsanto diskutieren und über Bayer/Glyphosat/Monsanto nicht diskutieren.
    Hm.
    Verstehe eine die Männer! 😀

  • #44
    Norbert

    @ Helmut Junge:
    Ich zielte darauf ab, dass
    – es den Automatismus Gentechnologie –> Mehr Erträge nicht gibt.
    – mehr Erträge auch konventionell erreichbar sind (s. oben verlinkten SWR2-Beitrag).
    – wir zuerst einmal ein Verteilungsproblem bei den Lebensmitteln haben und kein Mengenproblem, wenn in manchen Teilen der Welt immense Mengen an Lebensmitteln verheizt und weggeworfen werden.

    >Die Erfinder, oder Entwickler neuer Ideen bewegt die Frage schon, ob ihr nicht unerheblicher Engament nützlich ist. Erstens kommt keine Idee aus dem Nichts, und zweitens kann es von der Idee an, bis zur Vrwirklichung oft noch Jahre dauern bis brauchbare Ergebnisse vorliegen. Du wirst dir diese zwei Fragen nicht einmal theoretisch gestellt haben.

    Ich scheitere gerade daran, die zweite Frage zu finden. Beim idealistischen Erfinder mag das so sein, dass das primärer Antrieb ist. Beim Erfinder mit Arbeitgeber bestimmt vor allem der Arbeitgeber, was zu erfinden ist im Gegenzug zum Lohn. Und an den Unis bestimmen Drittmittelgeber, was zu suchen ist.

    Nutzen kann auch auf ganz anderer Ebene liegen als Ertrag. Beliebt ist, dass die Früchte von Saatgut nicht wieder als Saatgut genutzt werden müssen, sodass Bauern wieder Saatgut kaufen müssen. Man kann am Aussehen rumwerken, man kann Pflanzen resistenter gegen was machen usw. usf. All das kann für eine Forscherin Antrieb genug sein.

    > Was dir in deinem Gedankengang fehlt, ist einfach der Gedanke, daß die Großkonzerne gar nicht an dieser Frage arbeiten.. Sie arbeiten gar nicht daran.

    Dann kaufen Sie Ergebnisse auf oder sonst wie, aber die sind ganz sicher dran interessiert.

    > Nur frage ich mich, warum streitet ihr eigentlich?

    Ich teile nur nicht die Annahme, dass Gentechnik zur sicherstellung der Ernährung zwingend nötig ist. Ansonsten sehe ich gar keinen Dissenz.

    Tatsache ist aber, und da hst Laurin Recht, und du eben nicht, ist, daß es ohne Industrie überhaupt nicht geht.

    >Wenn jemand die Losung für Probleme bringen könnte, wäre es die Industrie. Und bisher war sie es auch.

    Oh nein. Ich hab doch nichts gegen Industrie. Wir sind uns sicherlich einig, dass ein Zurück zu Selbstversorgerhöfen absoluter Quatsch ist und wir Industrie brauchen und darauf angewiesen sind, wenn wir ansatzweise unseren Wohlstand erhalten wollen. Ich persönlich finde es ziemlich praktisch, dass eine hoch industralisierte Industrie dafür sorgt, dass ich nicht hungern muss – auch wenn ich manche Dinge nicht so gut finde und sie auch nicht für zwingend notwendig erachte. Und selbst wenn man meint, es gäbe keine Lösung, dann muss man eine finden.

    Ich halte es nur nicht für nötig, Sonderrechte für die Autoindustrie zu fordern. Die strittige Frage wäre zwischen Stefan und mir eher, wie wir die Rahmenbedingungen für Industrie gestalten. Ich kann mich da ganz dir anschließen:

    > Aus meiner -sicht dagegen wäre es notwendig, der Industrie gezielte Vorgaben zu machen.

    Und ja, diese Ersetzung von Experten durch "gesunden Menschenverstand", Betroffenheit etc. finde ich auch irritierend.

    > Aber solange noch kein Markt da ist, kann die Industrie nichts verdienen. Also hält sie sich da raus. Um dieses "sich nicht kümmern" gar nicht erst in die breite öffentliche Diskussion kommen zu lassen, und dann gezwungenermaßen doch Geld für erstmal nichts gewinnträchtiges ausgeben zu müssen, benötigt diese Industie Hilfe. Und diese Hilfe leistenz.B. Organisationen, die die Industrie beschuldigen, schädliche fehlerhafte Produkte, die es ja durchaus gibt, mit aller ihr zur Verfügung stehenden Macht auf den Markt zu bringen. Wer solche Kritiker hat, ist erst einmal aus der Schußlinie wegen nichtgeleisteter Forschungs- und Entwicklungsarbeit öffentlich beschuldigt zu werden.

    Tut mir leid, ich kann nicht folgen, also ich verstehe den Argumentationsgang nicht. 🙁

  • #45
    Ke

    Hier ist noch ein spannender Fall, wie man Diskussionen und auch Förderungen beeinflusst.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/tausende-tote-rehe-erfunden-15690100.html

    Die fehlende Prüfung von Quellen bzw die offensichtliche Falschinterpretation erlebe ich gefphlt immer häufiger. Ist das so oder werde ich sensibler?

  • #46
    Ke

    Dann stellt sich natürlich die Frage, ob das Asylsystem in D nicht auch die Justiz in unabhängigen Ländern torpedieren kann.
    Was passiert mit Menschen bspw aus Tunesien gegen die Ermittlungsverfahren laufen? Können sie D ausreisen und sind dann vor einer Strafverfolgung sicher, wenn sie Asyl beantragen?

    Das ist doch überhaupt nicht mehr vermittelbar und würde auch zeigen, dass wir andere unabhängige Staaten bevormunden würden.

    Ein komplexes Umfeld, dass leider in den Medien zu einfach dargestellt wird.

    Es ist natürlich auch ein Konflikt. Wenn ich dafür bin, dass allen in diesen Fällen Asyl gewährt wird, reduziere ich auch die Wertigkeit anderer Staaten und deren Justiz.
    Aber das Thema Auslieferungen ist auch bei Herrn Puigdemont erläutert worden, und auch dort gab es klare Regelungen. Wenn ich richtig informiert bin müssen die Anklagen auf das reduziert werden, was auch in D strafbar ist.

  • #47
    Helmut Junge

    @Norbert, ein Ziel der Gentechnologie ist zweifellos die Nahrungsmittelproduktion quantitativ und qualitativ zu verbessern. Wird es gelingen`? Ich denke daß es diesen Automatismus gibt.
    Mit konventionellen Methoden ist die Menschheit bereits in die letzten Wildreservate und Urwälder vorgedrungen. Da ist kaum noch etwas zu holen. Und wenn wir an Afrika denken, kommt die afrikanische Landwirtschaft nicht vorwärts. Das wird sich auch in einer ganzen Generation nicht ändern. Was machen deine NGOs dann?
    Zum letzten, unverstandenen Absatz. Ich denke daß die Kritik vieler NGOs an der Gentechnik ganz hart an meine Hoffnung in sie vorbeischrammt. Meine Ansicht eben, wenn es erlaubt ist.
    Und ich finde auch, daß sie kontraproduktiv ist und deshalb das Gegenteil von dem bewirkt, was ich für wünschenswert halte. Ich hätte an der Gentechnologie geforscht, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte. Und ich habe all die Jahre diese entsetzliche technikfeindliche Hysterie speziell in Deutschland für absolut schädlich gehalten. Jetzt ist Deutschland technologisch auf vielen Gebeiten Schlußlicht. Die Musik wird in anderen Ländern gespielt, was die nationalistisch denkenden Linken nicht wahr haben wollen, denn die brauchen die Idee von "wir sind der Nabel der Welt" noch viel mehr als die Rechtsradikalen, denn sie sind ja überall, nicht nur in Deutschland, Lehrmeister. Aber was die nie kapieren, ist die Tatsache, daß es anderswo auch gute Wissenschaftler gibt, auf die sie keinen Einfluß haben. Wäre in Deutschland die Gentechnologie gefördert statt geächtet, oder z.T. sogar verboten, hätten wir auch einen Wissensvorsprung und damit mehr Einfluß auf bestimmte Forschungsrichtungen innerhalb der Gentechnologie. Der Zug war aber schon abgefahren als die Sloterdyckschen Debatten begonnen haben, Da war die Deutsche Gen-Forschung schon zweitklassig.
    Das haben die NGOs ja hingekriegt und deshalb machen z.B. Chinesen das, was ihnen ethisch kein Kopfzerbrechen bereitet. Nur das ist der Industrie, die auch von Lizenzen gut leben kann, völlig egal. Die müssen nicht im eigenen Land suchen. Die können auch anders. Und weil auch Heilmittel über gentechnologische Methoden hätte erzeugt werden können, sind vielleicht viele Menschen .
    Dann verdient die Industrie trotzdem an den weniger wirksamen Medikamenten. Soviel erstmal.

  • #48
    Norbert

    Hier der Link zum ganzen Interview mit Hensel.

    https://www.topagrar.com/news/Acker-Agrarwetter-Ackernews-Prof-Hensel-Wissenschaftler-streben-nach-Wahrheit-9353773.html

    @47 Helmut Junge

    Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig widerstandsfähig all die hochgezüchteten Sorten sind gegenüber "alten" Sorten, wenn das Wetter mal nicht nach Norm ist – wenn entsprechende Randnotizen in den Medien stimmen.

    Das mit dem besser ist erst einmal ein Werbeversprechen. Ob es sich einlösen lässt, werden wir abwarten. Auch werden wir sehen, ob es nicht schlimmste Abhängigkeiten geben wird. Ich denke da an die Pflanzen, die nicht mehr als Saatgut verwendet werden können, sondern regelmäßig nachgekauft werden müssen bei den Großkonzernen. Dass ist kein Qualitätsgewinn sondern schlimmster Kapitalismus und stürzt unzählige Menschen in Armut über kurz oder lang und damit in den Hunger.

    Gentechnische Veränderungen zu verbieten, ist sicherlich naiv. Aber man sollte realistisch bleiben, dass man damit auch ganz viel Unfug machen kann. Und bestimmt auch sinnvolles.

    Ah, jetzt verstehe ich den Absatz. Ja, so kann’s sein.

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