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Dortmund: The Return of the Spezialdemokraten

Demo für das Sozialticket

Manchmal lohnt sich der Besuch einer Ratssitzung. Gestern zum Beispiel in Dortmund.Ganz großes Kino. Wie der Film hieß? The Return of the Spezialdemokraten.

Jeder weiß: Dortmund ist die Herzkammer der Spezialdemokraten. Und das konnte man gestern im Rat sehr schön sehen: Mit den Stimmen der großen Koalition von SPD und CDU beschloss der Rat, sich nicht an dem ruhrgebietsweiten Sozialticket zu beteiligen – ausser Hagen und Dortmund  machen alle Städte mit. Die Ruhrgebiets-SPD unterstützt das Sozialticket. Die Genossen in Dortmund sehen das aber anders. Der Grund: Eine Mischung aus Trotz und der angeblichen Sorge um die Verkehrsbetriebe, die, wenn das Sozialticket kommen würde, eventuell drauf zahlen müssten. Was aber niemand so genau weiß.

Es war spannend zu beobachten, wie Ernst Prüsse, der große, alte Mann der Dortmunder Spezialdemokraten, mit dem Verve eines Arbeiterführers und einer ordentlichen Portion Pathos erklärte, warum es sozialdemokratische Politik ist, wenn in Dortmund auch künftig zum Beispiel Hartz-IV Bezieher mit dem Dortmunder Ticket nicht vor neun Uhr fahren können. Oder warum das VRR-Ticket, das knapp dreissig Euro kostet, nicht wirklich sozial, weil zu teuer ist. Wobei die Dortmunder Ticket-Variante ebenfalls 30 Euro kostet, aber nicht so viel bietet wie das VRR-Ticket. Klar, Dortmund muss haushalten. Aber wenn es darum geht, Millionen für Prestigeprojekte wie den U-Turm zu versemmeln oder auf Kredit marode Energieversorger wie die Steag zu kaufen, sitzt das Geld natürlich lockerer. Aber so sind se…

Mehr zum Sozialticket:

Sozialticket: Kommunalpolitik zwischen Zahlenakrobatik und sozialpolitischer und verkehrspolitischer Notwendigkeit

VRR: Mit Lügen gegen das Sozialticket

 

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20 Kommentare zu “Dortmund: The Return of the Spezialdemokraten

  • #1
    Knolle

    Im Hartz 4 Satz sind monatlich 19,20 für „Verkehr“ (Bahn, Bus etc.) enthalten.

    Warum nimmt man den Betrag nicht als Maßgabe, und bietet das neue Ticket auch zu dem Preis an?

  • #2
    SPD-Fraktion Dortmund

    Dortmund ist nicht die einzige Stadt des ganzen Ruhrgebiets, die sich nicht am VRR-Sozialticket beteiligt. Auch Hagen macht nicht mit. Außerhalb Hagens haben Wuppertal, Remscheid und Krefeld ihre Teilnahme abgesagt.

    Die SPD-Fraktion hat gegen die Teilnahme am VRR-Modellversuch gestimmt, weil es in Dortmund bereits ein Sozialticket gibt, das für den städtischen Haushalt finanziell beherrschbar ist.

    Sollte sich das VRR-Sozialticket in einem Jahr als Erfolgsmodell herausstellen, wird es selbstverständlich auch in Dortmund eingeführt – mit den Stimmen der SPD-Fraktion.

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @SPD-Fraktion Dortmund: Danke für den Hinweis, ich hab das mit Hagen ergänzt.

  • #4
    Robin

    Also wer sich einmal ernsthaft selber mit Arbeitslosengeld 2 beschäftigen musste, der fragt sich wie ein Alleinlebender von seinem 360 Euro Regelsatz volle 30 Euro für eine Fahrkarte ausgeben können soll. Egal wie das Geld genau berechnet wurde, es ist für Singles ohne Kinder im Haushalt so knapp, dass in der Praxis diese 30 Euro gar nicht zu verfügung stehen können. Es sei denn, mann isst eine Woche lang nicht o.ä.. Alles blanke Theorie von Leuten die selber niemals mit 360 Euro auskommen müssen.

  • #5
    Stefan

    Kam gerade rein: Die Piraten sind wegen des Sozialtickets sauer auf die SPD:

    „Dortmunder Piraten verurteilen Ablehnung des Sozialtickets

    Die Dortmunder Piratenpartei verurteilt die Entscheidung von SPD und CDU in der gestrigen Sitzung des Stadtrates, Dortmunder Bedürftigen das sogenannte Sozialticket vorzuenthalten. Stattdessen setzt die Stadt weiterhin auf das Dortmund-Ticket. „Zum gleichen Preis werden finanziell schwache Dortmunder weiterhin schlechter behandelt als in den übrigen Städten des Ruhrgebiets“, sagt Christian Gebel, Vorsitzender der Dortmunder Piraten. „Auf der einen Seite mehr zeitliche und räumliche Flexibilität zu fordern, sich aber den Lösungen dazu zu verschließen, ist unlogisch, ungerecht und unsozial.“
    Wolfgang Pähler, Schatzmeister des Dortmunder Kreisverbandes meint: „Höhere Kosten durch das Sozialticket konnten bislang nicht nachgewiesen werden. Aber ein Sozialticket ist eben wenig prestigeträchtig, anders als die teuren Projekte, die die Stadt stattdessen unterstützt.““

  • #6
  • #7
  • #8
    FS

    Als Schalke-Fan bin ich kurz davor zu sagen: sollen die Dortmunder sich doch aus dem Ruhrgebiet verabschieden, geht auch ohne.

    Aber das wäre natürlich seeeeeehr populistisch. 😉

  • #9
    Christian Karpus

    Das ist ein peinliches Trauerspiel, wenn man weiß, dass es für Firmenkunden vom VRR Spezialpreise gibt. Als Mitglied des Bochumer Anwaltvereins kann man z.B. das Ticket 2000, das keinerlei zeitliche Einschränkungen hat und normalerweise ca. 60 Euro kostet, für ca. 35 Euro erwerben.

    http://www.bochumer-anwaltverein.de/firmenticket.htm

    Wenn man dann liest, wie sich unsere Politiker zieren, kann man nicht so viel essen, wie man ko**** möchte.

  • #10
    Hans Czinzoll

    Mir ist nicht klar, welche tatsächlichen „Verluste“ entstehen, wenn ein geringer Teil der Fahrgäste einen niedrigeren Fahrpreis zahlt. Welche Ressourcen, die teuer eingekauft werden müssen, verbraucht dieser Fahrgast und welcher Gewinn fällt an, wenn er nicht fährt?

  • #11
    allemachtdendrähten

    Das Sozialticket ist den Namen nicht wert, mit dem es beworben wird. Besser wäre es, es einfach Ermäßigungsticket zu nennen. Ein Sozialticket darf nicht mehr als 20 Euro kosten, aber das macht keine Kommune in NRW. Also warum soll man diese Mogelpackung dann auch noch fördern. Noch einmal also an alle Befürworter, auch an Piraten und Steuerleute, es gibt kein Sozialticket, nur die Mogelpackung und damit wird die komplette Klientel voll ver……

  • #12
  • #13
    oli

    Sozialticket? Das geht nun wirklich nich. Hat man uns denn nicht genug gutes mit der Umbenennung von DSW zu DSW21 gebracht? „Datt war nisch billisch“. Und was meint ihr, was die Einführung, eines nicht ausgereiftem Systems, zur Fahrausweiskontrolle, bisher und in nächster Zeit kostet?

    Aber bei einer Sache bleiben die SPD-Genossen in ganz D. standhaft: Ärzte und Anwälte müssen keine Gewerbesteuer zahlen.
    Leider muß ich zugeben, ich habe diesem Pack bei den letzten Wahlen meine Stimmen gegeben( Schande über mich!), aber zum letztem Mal und dass ist ein VERSPRECHEN!
    Somit kann ich nur noch sagen:
    „Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten, die Sozialdemokraten!“

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  • #15
    Robin

    @Oli #13:

    ‚Verraten‘ können einen aber auch nicht nur Sozialdemokraten. Frag beispielsweise mal die Anwohner der Dattelner Meistersiedlung, die von Jürgen Trittin höchstpersönlich versprochen bekommen haben, dass bei einer Beteiligung der Grünenh an der nächsten Landesregierung das Ende von ‚Datteln 4‘ fix ist…. 🙁
    Aber damit höre ich jetzt hier besser auf, sonst ermahnt mich Stefan gleich wieder das das hier nicht das Thema ist 😉

  • #16
    Frank

    @FS: Da ist was dran. Ich hatte damals (als Gebürtiger) auch immer den Eindruck, dass Dortmund nicht mit dem Ruhrgebiet identifiziert werden will. So richtig wurde mir das klar nach meinem Umzug nach E und dann nach GE. DA ist das Ruhrgebiet.

    @Ratsfraktion: Käme evtl. eine Teilnahme am Sauerlandticket in Frage?

  • #17
    oli

    @15 Trittin ist sowieso die Beleidigung des gesunden Menschenverstands. Davon abgesehen verdiene ich garnicht genug um im Reformhaus einzukaufen( also kein Grün-Wähler).

  • #18
    oli

    @16 Dortmund hat seine Pott-Identität mit Samtlebe verloren.Stichwort Strukturwandel.
    Auch hat er verlangt; „Die Fackel muß weg“! Das aber war Dortmund. Ich weiß, über die Toten nur gutes und deswegen höhre ich besser auf.

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  • #20
    Frank

    @Oli #18 Ja, daran erinnere ich mich. Er sagte auch mal auf einer Firmengründung im Technologiepark: Vergesst mir die Blaumänner nicht.

    Jedenfalls hat Dortmund Stahl rechtzeitig aufgegeben bevor der weltweite Rohstoffboom einsetzte..

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