Dreadlock-Streit: Lächerlich machen und warnen

Ronja Maltzahn Foto: Fedesav Lizenz: CC BY-SA 4.0


Wenn die postmoderne Ideologie wie im Fall der Ausladung der Musikerin Ronja Maltzahn wegen ihrer Frisur durch Fridays for Future Hannover offen auftritt, stößt sie auf Spott, Ablehnung und Unverständnis. Das ist gut und muss so bleiben, denn dieses Denken gefährdet Aufklärung und Demokratie.

Die Musikerin Ronja Maltzahn durfte beim heutigen Fridays-for-Future-Event in Hannover nicht auftreten, weil sie Dreadlocks auf ihrem Kopf hat. Das sei, teilten ihr die Aktivisten mit, eine „kulturelle Aneignung“ und so etwas sei übel, denn man fühle sich dem „antikolonialistischen und antirassistischen Narrativ“ verpflichtet. Wenn sie sich die Haare abschneiden würde, könne sie gerne kommen. Das klingt und ist wichtigtuerisch, aufgeblasen und dumm. Man könnte es abtun als einen albernen Streit zwischen mehr oder weniger Jugendlichen um Frisuren. Aber das ist es nicht. Fridays for Future (FfF) folgte bei der Ausladung nicht spätpubertärem Übermut, sondern strikt der postmodernen Ideologie. Sowohl die Kritische Rassentheorie als auch der Postkolonialismus widmen sich der Suche nach allem, was sich in der Öffentlichkeit als Rassismus vermarkten lässt.

Dabei geht es in erster Linie natürlich nicht um reale Probleme wie die Benachteiligung bei der Wohnungs- oder Jobsuche, sondern um Erzählungen, sogenannte Narrative, die belegen sollen, dass nicht nur die westlichen Gesellschaften strukturell, also in ihrem Kern, rassistisch und durch den Kolonialismus geprägt sind, sondern dies auch auf alle Weißen zutrifft. Und das belegt man natürlich am besten in der Auseinandersetzung mit jemanden wie Ronja Maltzahn, die sofort betonte, sie wolle auf keinen Fall FfF schlecht machen, wobei sie den Hashtag #culturalappropriation, kulturelle Aneignung, verwendete und sich hinter die Ideologie stellte, in deren Namen  sie gerade gecancelt worden war.

Nach dem Bekanntwerden der Geschichte setzte sofort eine Diskussion ein. Viele belegten, dass es Dreadlocks in fast allen Zeiten und Kulturen gab und die Wursthaare somit einen universellen  Charakter hätten. Andere betonten, dass kulturelle Aneignung etwas Gutes sei, dass Menschen immer schon betrieben hätten. Kulturen würden sich gegenseitig befruchten, jede Imitation sei auch eine Form der Anerkennung und die geforderte strikte Trennung kultureller Codes ein Ausdruck völkischen Denkens. Was auch alles richtig ist. Aber die Anhänger der Postmoderne schlicht nicht interessiert.

Egal wie gut ein Argument ist, gleichgültig, mit welchen Fakten man es belegen kann: Die Anhänger der Postmoderne lehnen es ab, auf einer wissenschaftlichen Basis zu argumentieren, denn Wissenschaft ist für sie nur eine Form weißer Macht, die es zu zerstören gilt. Man sollte also nicht enttäuscht sein, wenn Diskussionen mit Anhängern dieses Ideologienbouquets so erfolgreich sind wie der Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln. Denn die Argumentation mit Fakten bleibt wichtig, sie ist die Basis aufgeklärter Gesellschaften. Auch wenn man bei einem Blick auf Twitter, in Deutschland das Lieblingsmedium der dauerempörten Wichtigtuer*nnen, schnell den Eindruck gewinnt, abstruse Ideen wie die Kritischen Rassentheorie oder der Glaube, man könne sein Geschlecht wechseln, diese Debatte wird mit Erscheinen von Alice Schwarzers neuem Buch am 30. März Fahrt aufnehmen, sollte man nicht vergessen: Es sind kleine Minderheiten bürgerlicher Jugendlicher an den geisteswissenschaftlichen Fachbereichen der Universitäten, die sich mit Begeisterung der postmodernen Backenbläserei hingeben. Es ist wichtig, den meisten Menschen klarzumachen, dass sie mit der Ablehnung dieses Unsinns nicht alleine stehen und dass es für die Ablehnung gute, mit Fakten belegte, Gründe gibt. Erklärt werden sollte allerdings auch, dass es sich sich bei der postmodernen Ideologe nicht um einen Spaß einiger Nachwuchsakademiker handelt, sondern um eine radikale Ideologie, deren Ziel die Vernichtung der offenen Gesellschaft ist. Gleichzeitig ist es aber auch richtig, die Protagonisten der Postmoderne lächerlich zu machen, denn sonst bringt man ihnen ein Maß an Respekt entgegen, das sie nicht verdient haben. Jemand kann nun einmal zugleich gefährlich und der Dorftrottel sein.

Wer sich mit dem Thema Postmoderne näher beschäftigen möchte, sollte das gerade auf Deutsch erschienene Buch „Zynische Theorie“ von Helen Pluckrose und James Lindsay lesen. Die beiden erklären gut verständlich den Hintergrund der postmodernen Theorien und ihrer aktuellen Strömungen, die uns sicher in den kommenden Jahren beschäftigen werden, auch wenn wir auf absehbare Zeit andere Probleme haben werden als diese abstrusen Gedankenwelten. In den öffentlich-rechtlichen Medien, wie zum Beispiel dem Format Funk und an den Unis haben sich die Anhänger der Postmoderne festgesetzt. Und wenn die Bundesregierung nun den Etat für den Kampf gegen Rechtsradikalismus erhöht, kann es gut sein, dass ein Teil des Geldes nicht an Initiativen geht, die sich Neonazis in den Weg stellen, sondern an Ideologen, die sich dem Kampf gegen Dreadlocks verschrieben haben, jeden als rechtsradikal bezeichnen, der weiß, was große und kleine Keimzellen mit dem Geschlecht zu tun haben und den ganzen Tag nach Mikroaggressionen suchen, die sie erst einmal erfinden müssen.

 

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Robert Müser
Robert Müser
1 Jahr zuvor

Es ist ganz einfach Rassismus und Diskriminierung.
Schon interessant, dass diese edlen Übermenschen in solche Abgründe geraten.
Vielleicht wäre an einen Freitag der Besuch eines Ethik, Philosophie oder Soziologiekurses in der Schule sinniger gewesen.

Madu Coulibaly
Madu Coulibaly
1 Jahr zuvor

Sehr guter Kommentar. vor allem, weil klargemacht wurde, daß das nicht eine singuläre Aktion irgendwelcher verwirrter Provinzaktivisten war, sondern dass das Ganze woker Mainstream ist.

Da das sehr lesenswerte Buch von Lindsay und Pluckrose erwähnt wurde: Unten ein Link zu einer schon ein paar Jahre alten Dokumentation, an der diese Autoren beteiligt waren. Triggerwarnung: Das ist teilweise so pervers, dass man da kaum hischauen kann (Kanu). Eine weltbekannte Critial Race Theoretikerin treibt da auch ihr Unwesen:

Stefan Dewald
1 Jahr zuvor

Der Vorwurf der kulturellen Aneignung: Die Ansicht, man müsste weiter dumm bleiben, weil man nicht von Anderen lernen darf.

Stefan Dewald
1 Jahr zuvor

Der Begriff »post-modern« irritiert mich jedes Mal, weil ich nicht den Eindruck habe, dass die Mehrzahl der Mitglieder unserer Gesellschaft überhaupt in der Moderne angekommen sind.

Wolfgang Lagenstein
Wolfgang Lagenstein
1 Jahr zuvor

Intoleranz dieser oder jeglicher anderer Form ist der ideale Nährboden faschistoider Tendenzen, die leicht in die Realität des Denkens geraten. Die anfänge sind ja wohl gemacht.

Lo
Lo
1 Jahr zuvor

Tattoos und Ohrringe sind aber in Ordnung?

Robert Müser
Robert Müser
1 Jahr zuvor

Ergänzung zu meinem Kommentar:

Ich hatte gedacht, dass ziemlich bescheuerten Haarvorschriften ein Spezialproblem in Hannover wäre …

Leider hat eine Bundessprecherin von Faulheit für Freitage diese ziemlich krude Ansicht der kulturellen Aneignung bestätigt …

Sorry,
damit ist diese Truppe für mich nun endlich durch …

Sascha
Sascha
1 Jahr zuvor

Stimmt alles… bis auf den benutzten Begriff dafür. Poststrukturalismus müsste es heißen. Denn Postmoderne bezeichnet etwas deutlich anderes in moderner Literatur und bildender Kunst. Der beschriebene aktuelle Argumentationsquatsch hingegen basiert auf der Poststrukturalistischen Theorie…

Manni
Manni
1 Jahr zuvor

"Man könnte es abtun als einen albernen Streit zwischen mehr oder weniger Jugendlichen um Frisuren."

Aber genau das ist es, nicht mehr und nicht weniger. In erster Linie plädiere ich dafür, Jugendliche etwas ausprobieren zu lassen, denn die harte Realität kommt früh genug. Und wenn bei Ausprobieren mal was albernes dabei ist, dann ist das hämische Gelächter wohlverdient.
Bevor sich solche Absurditäten durchsetzen können heißt es nämlich erstmal Mehrheiten zu organisieren. Der Haarabschneidespuk schafft es nicht Mal bis in den Ortsbeirat, wetten?

P.S. wer ist eigentlich Ronja Maltzahn? Klingt irgendwie nach Jim Knopf und die wilde 13. Muss man die kennen?

SvG
SvG
1 Jahr zuvor

@ 9; Manni: "Aber genau das ist es, nicht mehr und nicht weniger. In erster Linie plädiere ich dafür, Jugendliche etwas ausprobieren zu lassen, …"
Das sind keine Jugendlichen, das sind junge Erwachsene, die dank der wirtschaftlichen Potenz ihrer Vorfahren in Führungspositionen in Verwaltung, Medien, Politik und manchmal sogar der Wirtschaft drängen -auch wenn dort die Simulation von Arbeit schwerer fällt, siehe KevinichhabezweiJahreineinemCallcentergearbeitetKühnert. Dabei schrecken diese auch nicht vor der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vernichtung von unliebsamen, weil selbstdenkenden "Gegnern" zurück.Auch wenn es nur wenige sind, haben sie den Vorteil, daß sich ihre an sie ranwanzenden mediintellektuellen Groupies in Politik und Medien ihre Wirkmacht potenzieren. Ich empfehle beim Aufeinandertreffen mit den Vertretern der neuen radikalen Minderheit den Kohl'schen sofortigen Rechtsausgleich. Zudem Anzeigen gegen Unbekannt in der Hoffnung auf evtl. viel später eintretende wirtschaftliche Schädigung der Einzelpersonen.

Olli
Olli
1 Jahr zuvor

Seid Ricarda vorne ist, bin ich nicht mehr dabei

Georg Hofrichter
Georg Hofrichter
1 Jahr zuvor

@ 5 Wolfgang Lagenstein

Genau das ist der Fall. Steve Bannon & Co. halten sich den Bauch vor lauter Lachen. Die Blaupausen der Alt-Right-Bewegung haben ihren Weg in die rechts-, wie linksidentitären Kreise gefunden. Das sind widerliche, bigotte Eiferer, die sich mit der sich selbst zugesprochen, moralischen Überlegenheit über das demokratische Prinzip stellen. Da blähen sich Minderheiten auf, die an der Gesamtbevölkerung einen Anteil von teils unter 0,0X % repräsentieren.

Bücherverbrennungen gibt es nicht mehr, aber ich erinnere an J. K. Roweling, die als "TERF" von ebensolchen oberwoken Aktivisten virtuell geschlachtet wurde. Diese Aktivisten haben es sogar erreicht, dass ihre Bücher bei einigen Anbietern aus dem Angebot genommen wurde.

Spätdekadenz einer Gesellschaft im Verfall.

Thomas Schweighäuser
Thomas Schweighäuser
1 Jahr zuvor

Es gehe, so Laurin, "natürlich nicht um reale Probleme wie die Benachteiligung bei der Wohnungs- oder Jobsuche, sondern um Erzählungen, sogenannte Narrative, die belegen sollen, dass nicht nur die westlichen Gesellschaften strukturell, also in ihrem Kern, rassistisch und durch den Kolonialismus geprägt sind, sondern dies auch auf alle Weißen" zutreffe.
Es ist dem Autor wohl schwer zu vermitteln, dass es diese Benachteiligungen bei Wohnungs- oder Jobsuche nicht gäbe, wenn der reale Rassismus nicht strukturell wäre.

Berthold Grabe
Berthold Grabe
1 Jahr zuvor

Es ist immer wieder schön zu sehen das Idioten sich selbst als solche entlarven und für alle als solche erkennbar werden.

abraxasrgb
abraxasrgb
1 Jahr zuvor

"Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen."
aus den acta diurna 😉

Robert
Robert
1 Jahr zuvor

Argumente sind in der Diskussion mit diesen Aktivisten nach meiner Ansicht völlig nutzlos.
In der postmaterialistischen Gesellschaft ist Distinktionsgewinn eben eher über Haltung und Ideologie möglich. Und diese verlorenen Seelen mit ihrer Selbstwertunsicherheit, ihren Schuldgefühlen und ihrem Geltungsdrang benötigen ihn dringend zur Bewältigung derselben. Dass das nachhaltig gelingt, bezweifele ich. Die Eskalationsspirale noch wokerer und "besserer" Haltungen lässt sich halt nicht unendlich weitergedrehen, ohne dass die logischen Brüche zu immer stärkerer kognitiver Dissonanz führen.
Problematisch für uns alle ist natürlich, dass solche Personen mittlerweile Entscheidungen beeinflussen oder sogar treffen dürfen.

Olaf Forner
Olaf Forner
1 Jahr zuvor

@ Georg Hofrichter
So wie FFF Hanover entscheiden will ,wer Dreadlocks tragen darf , will Rolling und Alice Schwarzer entscheiden wer Frau oder Mann ist.
Und dazu noch mit dem kruden Behauptung sich damit Vorteile zu verschaffen.
Es scheint mir das sie genauso Postmodern ticken

Helmut Junge
Helmut Junge
1 Jahr zuvor

@Thomas Schweighäuser, wenn Sie Recht hätten, müßte eine riesige Zahl rassisch diskriminierter Menschen in Deutschland ohne Wohnung sein. So klingt das, was Sie sich mit Ihrem "strukturellem Rassismus" zusammenfabulieren. Sie scheinenselber in einem Villenviertel zu wohnen, in dem die Bevölkerung noch nicht so ethnisch durchmischt ist, wie fast überall im Ruhrgebiet, und wie ich es kenne. Nur solche Leute, die beim Verlassen ihrer Wohnung nicht sofort die übliche ethnische Vielfalt bemerken, können auf auf solche Gedanken kommen, wie Sie sie hier verkünden.Aber daß es in Ihrem Villenviertel schwierig ist, eine Wohnung zu finden, würde ich nicht unbedingt verallgemeinern. So sind die Reichen vielleicht. Das sollte mal analysiert werden. Struktureller Rassismus in deutschen Villenvierteln. Das kann ich mir gut vorstellen.

Bochumer
Bochumer
1 Jahr zuvor

Mit der Logik dürfen Afrikaner kein Schampoo benutzen, denn das wurde in Europa erfunden.

Bart Wolfson
Bart Wolfson
1 Jahr zuvor

Manni, 16
Sei bitte so nett und kläre mich auf was du mit J-Karte meinst, oder bin ich der einzige hier der mit dem Begriff nichts anfangen kann?

Georg Hofrichter
Georg Hofrichter
1 Jahr zuvor

@ 18

Ach Olaf, fangen wir mit dem Begriff TERF an: Trans excluding radical feminist. Nur weil es Menschen gibt, die deinen / euren Gedanken der Geschlechtsbestimmung nicht teilen, werden sie unter diesem diskriminierenden Begriff kategorisiert und auf allen Ebenen als Person angegangen. Das hat faschistoide Züge und zeigt vor allem eins: Eure unerträgliche Arroganz und den grundlegenden Mangel am demokratischen Selbstverständnis.
Rowling und Schwarzer haben nichts gegen Transmenschen, berufen sich aber auf das natürliche, durch die Zeugung gegebene Geschlecht. Beide sprechen keinem Menschen ab sich nach belieben zu definieren. Das ist eine andere Sichtweise, aber ganz bestimmt ist sie nicht radikal. Radikal seid ihr, die ihr mit anderen Meinungen und Positionen weder umgehen könnt, noch wollt.

Dieses ganze LGBTQ, Gender, POC Gedöns ist bis zum Bersten aufgebläht. Siehe Tessa Ganserer. Wer keinen Mumu hat, gehört halt nicht aufs Damenklo. Und wer als transformierter Mann an sportlichen Wettbewerben als Frau teilnehmen will, gehört in die Wüste geschickt.

Definiert euch bitte, wie immer ihr das möchtet, aber leitet daraus keinen Anspruch an die Gesellschaft ab, die in großen Teilen für diesen aufgeblähten Wahn kein Verständnis aufbringen mag. Dann noch die Nummer mit der Quote und der Repräsentation aller Gruppen in den Parlamenten…

Art. 3 GG
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Dieser Artikel schließt eigentlich jede Quotenlösung aus. Jetzt denke den Schritt doch konsequent weiter. Wie ist das mit Nichtrauchern, Radfahrehren, Städtern und Landbewohnern. Sind die und die abertausend nicht erwähnten Gruppen im Parlament gewichtet repräsentiert? Du gehst wählen, entscheidest dich dafür einem Kandidaten deine Stimmer zu geben. Der wird, so er den gewählt wird, dein Repräsentant. Wenn dir das nicht reicht, machs wie Tessa, der immer noch ein Mann ist, aber von mir aus gern als Frau leben soll – geh in die Politik.

Thomas Schweighäuser
Thomas Schweighäuser
1 Jahr zuvor

@Stefan Laurin
Die vage Möglichkeit, dass "die westlichen Gesellschaften" als rassistisch "denunziert" werden könnten, geht mir angesichts des sehr realen Betrugs um Lebenschancen, den diese Gesellschaften an denjenigen vollziehen, die als irgendwie "fremd" wahrgenommen werden, doch recht knapp am culus vorbei.

Thomas Schweighäuser
Thomas Schweighäuser
1 Jahr zuvor

@Stefan Laurin
"sonst wären sie nicht hier" – einerseits wehrt sich der Blogautor gegen die These vom "strukturellen Rassismus", andererseits bietet er aber Mehmet aus Gelsenkirchen und Hatice aus Hagen an, wieder dorthin zurückzukehren, wo er deren "Heimat" verortet, wenn es ihnen dort, wo Stefan aus Bochum sich selbstverständlich zu Hause wähnt, nicht gefällt.
Es ist immer wieder putzig, mit welch rasender Geschwindigkeit sich Leute selbst entlarven.

Thomas Schweighäuser
Thomas Schweighäuser
1 Jahr zuvor

@Stefan Laurin
Versuchen wir es noch einmal: Es sollte eigentlich nicht so schwer zu begreifen sein, dass, wenn ich von der Benachteiligung der Menschen schreibe, "die als irgendwie "fremd" wahrgenommen werden", Sie aber behaupten, denen müsse es aber eigentlich gut gefallen, andernfalls sie gar nicht hier wären, letzteres impliziert, dass diese nach Deutschland nicht mit derselben Selbstverständlichkeit gehörten, die das Grundgesetz allen Deutschen garantiert, was ja weiterhin bedeuten würde, dass Herkunft, Hautfarbe, Hijab immer noch die Zugehörigkeit zur deutschen Mehrheitsgesellschaft beeinträchtigen können. Dass hier jemand argumentiert, der behauptet, Rassismus sei hierzulande nicht strukturell, erheiterte mich sehr.
Und was ist ein PoMo?

Manni
Manni
11 Monate zuvor

@Thomas Schweighäuser ,#30:"dass diese nach Deutschland nicht mit derselben Selbstverständlichkeit gehörten, die das Grundgesetz allen Deutschen garantiert"

Ich überlasse es gern Ihnen, ob Sie nun auf Krawall gebürstet sind, persönliche Themen wieder gut oder anderes madig machen möchten.

Den zitierten Halbsatz kann man trotzdem nicht einfach so stehen lassen.

Zum Einen betont bereits die Präambel den Gültigkeitsbereich: "Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk." Den gesetzlichen Rahmen dafür setzt die Staatsangehörigkeit.

Zum Anderen gibts es weder im Grundgesetz noch in den Rechtsnormen (wie z.B. BGB oder StGB) diskriminierende Vorschriften oder Anweisungen.
Das dürfen Sie gern finden, wie Sie wollen, denn dadurch ändert sich an den Umständen nichts.

Es sei aber noch vermerkt, dass weder die Väter des Grundgesetzes noch unsere Gesetzgeber damit gerechnet haben, dass viele der sorgsam ausgearbeiteten Regeln einfach unterlaufen werden, und zwar von Menschen, die ihre Ausweispapiere wegwerfen und damit nicht mehr in ihre Herkunftsländer zurückgegbracht werden können (laut BamF zwischen 82 und 87%).
Darunter sind durchaus viele, deren Motivation nacht Deutschland zu kommen in der Vollversorgung heierzulande begründet ist.

Mal ein Zitat aus dem Strafprozess gegen Ali B laut Wiesbadener Kurier:
"Während ihres mehrjährigen Aufenthalts in Deutschland schwärmten Ali B. und seine Familie dem Bericht zufolge offenbar gegenüber Verwandten im Nordirak von den Bedingungen. „Sie erzählten, dass es ihnen gut ginge in Deutschland“, berichtet ein Cousin von Ali B. aus dem irakischen Kurdengebiet. Sie müssten nicht hart arbeiten, man kümmere sich um sie, und sie bekämen ein Gehalt vom Staat, sollen sie der Verwandtschaft berichtet haben."

Wer würde da nicht in Deutschland sein wollen?
Im o.g. Fall war die Versorgung so gut, dass die Familie sich gesamt (9 Personen) ad hoc in den Nordirak absetzen konnte als es ihr in Deutschland zu ungemütlich wurde, und zwar mittels bar bezahlter Einwegflugscheine.

Wer das kritisiert, der betreibt nicht Rassismus, sondern argumentiert einfach dagegen, zum Narren gehalten und ausgenutzt zu werden.

Und noch eins zu #25:"geht mir angesichts des sehr realen Betrugs um Lebenschancen, den diese Gesellschaften an denjenigen vollziehen, die als irgendwie "fremd" wahrgenommen werden"

Wer hier um Lebenschance betrogen wird, das sei dahingestellt, zumal in unserer Gesellschaft nicht das Verhindern des Betrugs im Vordergrund steht, sondern jedem die Chance zu geben. Ein Chance jedenfalls ist kein Freifahrtschein zu Glück und Wohlstand. Genauso ist es absurd diejenigen, die ihre Chance nicht wahrnehmen wollen (das ist erlaubt) als Opfer von Rassismus und Diskriminierung hinzustellen.

#30:"Dass hier jemand argumentiert, der behauptet, Rassismus sei hierzulande nicht strukturell"

… ist verständlcih, denn einen Nachweis für Ihre Behauptung müssten Sie uns erst noch liefern.

Thomas Schweighäuser
Thomas Schweighäuser
11 Monate zuvor

@Stefan Laurin
Ist mir jetzt doch zu blöd, zum ca. dritten Mal erklären zu müssen, dass man nicht unbedingt hierhin gekommen sein muss, um als fremd wahrgenommen zu werden. Aber gut, wenn ich postmoderner Spinner allein mit meinem Problematisieren es schaffe, die Gesellschaft zu destablisieren, ist das wohl nur ein marginales Problem.
PS: Abgesehen davon haben wir es bei der Postmoderne mit einer seit ca. den mittleren 1980er Jahren ausdiskutierten Geisteshaltung zu tun. Warum führt sie hier ein Zombieleben, wenn das eigentliche Problem der Welt eine Neigung zur Faschisierung als Antwort auf die Probleme der derzeitigen Wirtschaftsordnung ist?

Manni
Manni
11 Monate zuvor

@Thomas Schweighäuser, #33: "wenn das eigentliche Problem der Welt eine Neigung zur Faschisierung als Antwort auf die Probleme der derzeitigen Wirtschaftsordnung ist?"

Ja, wenn. Das allerdings ist ganz und gar nicht ausgemacht. Also mein Tipp: etwas weniger Meinung, etwas mehr Bildung wagen.
In der Faschismustheorie wird "eine korporative Wirtschaftsorganisation, welche die Gewerkschaftsfreiheit unterdrückt und den Bereich staatlicher Intervention ausdehnt" als Charakteristikum betont. Der galoppierende Neoliberalismus ist ein Gegenentwurf dessen und lässt sich auch nicht damit vereinbaren, da die staatliche Oberhoheit über die Wirtschaft sonst nicht zustande käme. Bedenkliche Entwicklungen in dieses Richtung können Sie übrigens im Südwesten beobachten mit der Etablierung brauner Gewerkschaften (was in sich völlig absurd ist).

Falls Sie jedoch andere Kausalzusammenhänge kennen, dann bin ich ganz Ohr.
Einfach mal behaupten reicht aber nicht.

SvG
SvG
11 Monate zuvor

@ 35; Manni: "Bedenkliche Entwicklungen in dieses Richtung können Sie übrigens im Südwesten beobachten mit der Etablierung brauner Gewerkschaften (was in sich völlig absurd ist)."
Habe ich noch nicht gehört. Können Sie da Namen von Unternehmen bzw. Gewerkschaften nennen?
So abstrus ist das nun auch nicht, der 1.Mai als (Feier-)Tag der Arbeit wurde mW von den Nazis etabliert.

Thomas Schweighäuser
Thomas Schweighäuser
11 Monate zuvor

@Stefan Laurin
"Die vergangenen 200 Jahre waren nachweislich eine Erfolgsgeschichte (Also empirisch gesehen,…). (…) Aber der Kapitalismus und Liberalismus werden auf der Erfolgsspur bleiben."
Auf der Erfolgsspur blieben auch die Millionen Toten der irischen Hungerkatastrophe, die Toten im Kongo, die für den Kautschuk starben, die Toten des Ersten Weltkriegs, die Toten der Kolonial- und Dekolonialisierungskriege usw. Aber wahrscheinlich hat all das nichts mit Kapitalismus und Liberalismus zu tun, genausowenig wie der Krieg zwischen Russland und der Ukraine einer zwischen zwei fest in die kapitalistische Weltordnung integrierten Staaten ist.

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