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„Ein Fußballclub ist eben ein Sportverein und keine Bank“

Das Stadion in Mönchengladbach. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

In Mönchengladbach stimmen die Bilanzen | Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Das Bundesliga-Geschehen geht in die nächste Runde. Unsere Fußballexperten Robin Patzwaldt und Peter Hesse reden in dieser Woche über die kommenden Abschiede von Trainer Steffen Baumgart in Paderborn – und von den Bender-Brüdern in Leverkusen. Außerdem über die wirtschaftliche Bilanz von Borussia Mönchengladbach, das mögliche Aus von Hansi Flick bei den Bayern und warum Eintracht Frankfurt zu den positiven Überraschungen dieser Saison gehört.

Peter Hesse: Hallo Robin, wenn sich eine Konstante durch die Corona-Pandemie schlängelt, dann ist es die der fehlenden Umsätze. In Schalke droht der Club unter diesem Joch zu taumeln und Borussia Dortmund hat bereits für den Fall der Fälle eine hohe Kreditlinie aufgenommen. Auch von den Clubs in der zweiten Liga hört man von Holstein Kiel bis zu den Würzburger Kickers ein einziges Stöhnen und Ächzen – das Geld fehlt überall. Nun hat die Führung von Borussia Mönchengladbach ihre Zahlen veröffentlicht – und beim Blick in die Bilanzen steht „nur“ ein Fehlbetrag von 16,7 Millionen Euro. Das liegt keinesfalls daran, dass der Club in Diensten von Manager Max Eberl hohe Transfersummen eingespielt hat. Nein, das Gegenteil ist der Fall: bei den „Fohlen“ sind viele wertvolle Spieler sogar mit langfristigen Verträgen geblieben. Das ist schon eine ziemlich verblüffende News, oder?

Robin Patzwaldt: Hallo Peter! Ich bin da nicht so intensiv im Thema. Aus meine Sicht hat das aber auch was mit dem Zuschauerzuspruch der Vergangenheit zu tun. Dass ein Club wie der BVB, der stets mit 80.000 Zuschauern bei Heimspielen rechnen konnte, da stärker betroffen ist als andere, liegt meiner Meinung nach auf der Hand. Da kommen natürlich andere Faktoren dazu. Aber die Situation ist grundsätzlich beschissen. Ich glaube auch nicht, dass man der Mehrheit der Vereine da große Vorwürfe machen kann. Ein Fußballclub ist eben ein Sportverein und keine Bank. Aber grundsätzlich ist es lobenswert, wenn Teams durch diese Krise gut durchkommen, so wie unter anderem Gladbach. Schalke ist da halt seit Jahren ein sehr hohes Risiko gegangen. Das rächst sich jetzt auf vielen Ebenen. Auch hier.

Wird Hansi Flick die Bayern verlassen? | Quelle: Wikipedia, Foto: Steindy (talk), Lizenz: CC BY-SA 3.0

Peter Hesse: Fahren wir mal viele Kilometer weiter südlich – denn der FC Hollywood verbreitet auch schon wieder viele unterschiedliche Schlagzeilen. Zur spektakulären CL-Niederlage gegen Paris St. Germain schrieb der Daily Mail auf der britischen Insel: „Trotz Defensivfehlern werden sich die Bayern immer wieder fragen, wie sie es nicht geschafft haben, mit 31 Torschüssen (PSG hatte gerade mal sechs!), 15 Ecken (PSG hatte eine!) und einer weiteren Reihe an hochkarätigen Chancen nicht mindestens ein Unentschieden zu erzielen.“ Und außerdem wird FCB-Cheftrainer als heißer Kandidat als Nationaltrainer gehandelt. Wenn das stimmt, bräuchten die Bayern auch schon ganz bald einen neuen Trainer. Kommt dann Ralf Rangnick an die Isar, macht es Hermann Gerland alleine oder ruft Uli Hoeneß nochmal bei seinem alten Spezi Jupp Heynckes an?

Robin Patzwaldt: Hmmmm…. Die Entwicklung rund um Flick ist wirklich merkwürdig. Aber ich bin noch nicht davon überzeugt, dass er am Ende geht bzw. gehen muss. Wenn doch, dann haben die Bayern ein ähnliches Problem wie kürzlich der BVB. Beim letzten Mal haben sie mit der Notlösung Flick in den Glückstopf gegriffen. der BVB hat es mit Terzic zu kopieren versucht, hatte aber nicht so viel Glück dabei. Wer der richtige Nachfolger für Flick wäre? Sie würden sicherlich Nagelsmann oder Klopp wollen. Beide sind eher unwahrscheinlich. Aber wer weiß, wie Klopps Zukunft in Liverpool wirklich aussieht, wenn die Saison daneben geht? Auch Nagelsmann würde ich noch nicht ganz abhaken. Wenn die Bayern rufen, ist alles denkbar. Fast zumindest.

Peter Hesse: Kloppo hat mehrfach betont, gerade noch als er als Bundestrainer gehandelt wurde, dass er nach seinem Liverpool-Ende auf jeden Fall ein Jahr Pause machen wird. Ich glaube Kloppo wird seinen bis zum Juni 2024 laufenden Vertrag auch erfüllen – außer es passiert was ganz Außerplanmäßiges. Und wir wissen ja zur Genüge: manchmal kann es ganz schnell gehen. Das habe ich noch heute gedacht, als ich gelesen hatte, dass Steffen Baumgart seinen Club, den SC Paderborn, nach dem Ende der Saison verlassen möchte. Der Trainer, der bekannt ist für seine klaren und manchmal auch sehr deftigen Worte, möchte seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern. In vier Jahren führte er die Paderborner sogar in die 1. Bundesliga, stieg aber sofort wieder ab. In meiner Wahrnehmung passte Baumgart so gut zu Paderborn, wie Christian Streich zu Freiburg – das war eine sehr stimmige Einheit!

Jürgen Klopp ist für viele Vereine ein Wunschtrainer| Foto: Fars News Agency / Wikipedia / Lizenz: CC-BY 4.0

Robin Patzwaldt: Ja, Baumgart ist ein Original. er wurde ja auch immer mit schalke in Verbindung gebracht. Auch wenn man in Gelsenkirchen betont mit dem jetzigen Coach in Liga 2 neu anfangen zu wollen, bin ich davon nicht überzeugt. Wenn die jetzt bis Mai nur noch verlieren, wie soll dann ein schwungvoller Neuanfang gelingen. Ich könnte mir Baumgart dann als neuen schalke-Trainer vorstellen. Aber ein Typ wie er wird, gerade nach den vielen Schlagzeilen zuletzt, leicht einen neuen Job finden, falls er den nicht schon in der Hinterhand hat.

Peter Hesse: Wo wir schon beim Thema „Ende“ sind: Nach dieser Saison werden auch die Gebrüder Bender von Bayer Leverkusen ihre Karriere im Fußball an den Nagel hängen. Dazu haben Lea Esser und Maria Gielsdorf (beide aus Leverkusen) einen Aufruf gestartet – sie wollen ein Fan-Buch für die Bender-Brüder erstellen und rufen dafür auf, sich an einem Buch für Lars und Sven Bender zu beteiligen. Das können Fotos, Texte oder Zeichnungen sein. Da Sven ja auch noch viele Fans in schwarz-gelb haben wird, können Grußbotschaften in Wort und Bild noch bis zum 18. April an diese Kontaktadresse gesendet werden: servusbenders@gmx.de. Nette Sache, oder?

Robin Patzwaldt: Ja. Ich erinnere mich noch gerne an die Jahre von Sven Bender beim BVB. Er hat zwar aufgrund unzähliger Verletzungen vergleichsweise selten gespielt, wenn aber, dann mit vollem Einsatz. Solche Spieler vermisst man ja gerade in Dortmund. Junge Talente und Schönwetterfußballer konnten die Malocher eben nicht ersetzen. Mit den Benders werden wieder zwei echte Typen aus der Liga verschwinden. Das ist schade.

Peter Hesse: Bis zum Saisonfinale sind es jetzt noch sieben Spieltage. Die Clubs, die am meisten unter den Erwartungen geblieben sind, sind in meiner Wahrnehmung vor allem Schalke 04 und Hertha BSC. Und die beiden Teams, die mich am meisten überrascht haben, sind Eintracht Frankfurt und Union Berlin. Die Underdogs von der Alten Försterei belegen mit kleinem Etat zurzeit einen sehr respektablen siebten Tabellenplatz – und Eintracht Frankfurt weiß mit gefährlichem Angriffsfußball Woche für Woche zu überzeugen. Und mich freut auch besonders, wie gut die beiden Ex-Dortmunder Rode und Durm dort Fuß gefasst haben. Zudem finde ich das gesellschafts-politische Engagement von Eintracht-Präsident Peter Fischer immer wieder beeindruckend – egal ob es um Aktionen für Obdachlose oder gegen rechte Strömungen geht. Wer steht bei dir ganz vorne in der Überraschungs-Tabelle – und wer weit hinten?

Kann die gute Stimmung in der Frankfurter Commerzbank Arena erhalten bleiben? | Foto: Mario Thurnes

Robin Patzwaldt: Zunächst einmal zur Eintracht: Ich denke, der Erfolg in Frankfurt wird nicht von Dauer sein. Bobic und Hütter werden gehen und dadurch kein langristiger Aufbau gelingen. Das ist schade. Nun aber zu meinen Überraschungen. Negativ haben mich Schalke und der BVB überrascht. Das ist aus Ruhrgebietssicht natürlich besonders übel, dass es beiden Klubs nicht gelungen ist die Erwartungen zu erfüllen. Der BVB wird dauerhaft wirtschaftlich geschwächt aus der Krise kommen, die Schalker so schnell wohl gar nicht. Positiv überrascht haben mich Freiburg, die nach schwachem Start jetzt wieder eine tolle Leistung abliefern und natürlich auch die Klubs, die dem BVB jetzt den Champions League Platz klauen, also Wolfsburg und Frankfurt.

Peter Hesse: Am Samstag treffen ja die von dir genannten Teams aus Frankfurt und Wolfsburg in der Hauptstadt des Äppelwoi gegeneinander an – da liegt ja wirklich Brisanz in der Luft. Wir wünschen allen Lesern ein spannenden Spieltag!

 

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2 Kommentare zu “„Ein Fußballclub ist eben ein Sportverein und keine Bank“

  • #1
  • #2
    M. Scholz

    Angenommen Flick geht wirklich – dann muss wirklich gewürfelt werden wer neuer Bayern-Trainer wird….

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