26

Ein paar Gedanken über Lokaljournalismus

Die Leser flüchten, die Anzeigenumsätze brechen ein, und es gibt kein tragfähiges Geschäftsmodell der Verlage im Internet. Eine Konsequenz ist das Sterben der Lokalteile. Es hat gerade erst begonnen.

Rathaus in Recklinghausen

Lokaljournalismus ist ein mühsames Geschäft - jeder, der einmal in einer Rats- oder Ausschussitzung war, kann das bestätigen. Wer schon glaubt Bundestagsdebatten seien langweilig und die Redner ohne Esprit, sollte sich einmal dieses zweifelhafte Vergnügen gönnen. Wenn es mies läuft, fangen die Ratsmitglieder schon an, sich bei der Genehmigung der Tagesordnung zu beharken. Wenn es gut läuft, arbeiteten sie sich durch eine lange Liste von Anträgen und Vorlagen durch. Nur selten wird dann kontrovers diskutiert, und das meist auf rethorisch niedrigem Niveau. Konfliktgründe sind meist kleinere Unstimmigkeiten, die vor allem in Wahlkampfzeiten künstlich zu Konflikten aufgeladen werden. Im Normalfall herrscht Einigkeit: Nahezu 90 Prozent der Vorlagen, die von der Verwaltung erstellt werden, gehen einstimmig durch. Die Zustimmung des Rates oder des betreffenden Aussschusses - beispielsweiese bei der Genehmigung von Garagen - ist eigentlich eine Formsache.

Solche Sitzungen dauern lange. In Städten wie Marl, die einen Rat hat, in dem sich die Fraktionen regelmäßig aus nichtigen Anlässen an die Kehle gehen, kann dies länger als vier oder fünf Stunden dauern.

Ohne dafür bezahlt zu werden würde ich nie eine solche Sitzung besuchen, und ich kenne auch niemanden, der das tun würde. Die Einzigen, die das machen, sind Lokaljournalisten. Es ist ihr Job.

Die Leser flüchten, die Anzeigenumsätze brechen ein, und es gibt kein tragfähiges Geschäftsmodell der Verlage im Internet. Eine Konsequenz ist das Sterben der Lokalteile. Es hat gerade erst begonnen.

Rathaus in Recklinghausen

Lokaljournalismus ist ein mühsames Geschäft – jeder, der einmal in einer Rats- oder Ausschussitzung war, kann das bestätigen. Wer schon glaubt Bundestagsdebatten seien langweilig und die Redner ohne Esprit, sollte sich einmal dieses zweifelhafte Vergnügen gönnen. Wenn es mies läuft, fangen die Ratsmitglieder schon an, sich bei der Genehmigung der Tagesordnung zu beharken. Wenn es gut läuft, arbeiteten sie sich durch eine lange Liste von Anträgen und Vorlagen durch. Nur selten wird dann kontrovers diskutiert, und das meist auf rethorisch niedrigem Niveau. Konfliktgründe sind meist kleinere Unstimmigkeiten, die vor allem in Wahlkampfzeiten künstlich zu Konflikten aufgeladen werden. Im Normalfall herrscht Einigkeit: Nahezu 90 Prozent der Vorlagen, die von der Verwaltung erstellt werden, gehen einstimmig durch. Die Zustimmung des Rates oder des betreffenden Aussschusses – beispielsweiese bei der Genehmigung von Garagen – ist eigentlich eine Formsache.

Solche Sitzungen dauern lange. In Städten wie Marl, die einen Rat hat, in dem sich die Fraktionen regelmäßig aus nichtigen Anlässen an die Kehle gehen, kann dies länger als vier oder fünf Stunden dauern.

Ohne dafür bezahlt zu werden würde ich nie eine solche Sitzung besuchen, und ich kenne auch niemanden, der das tun würde. Die Einzigen, die das machen, sind Lokaljournalisten. Es ist ihr Job. Klar, zu der Ratssitzung, auf der die einschneidenden Sparmaßnahmen beschlossen werden,  Koalitionskrisen offensichtlich und Dezernenten gestürzt werden, würde ich gehen – und wahrscheinlich auch andere Blogger. In die langweilige Standardsitzung nie.

Nur: in der muss man über Jahre gewesen sein, um zu verstehen, was in einem Rat passiert, um die Konfliktlinien zu erkennen und die handelnden Personen einzuschätzen. Sterben die Lokalteile, findet sich für sie kein Geschäftsmodell, das es erlaubt, Journalisten in diese Sitzungen zu schicken wird es mit der Transparenz in der Lokalpolitik zu Ende gehen.

Das heißt nicht, dass wir als Leser nicht mehr erfahren werden, was in den Sitzungen passiert. Immer mehr Politiker fangen an zu bloggen – sie nutzen Blogs als PR Medium, versuchen, eine, wenn auch meist, kleine Community, aufzubauen. In den seltensten Fällen diskutieren sie quer zu ihrer Parteilinie – und wenn, dann zumeist um sich selbst zu profilieren. Sie machen – und das ist natürlich legitim, PR in eigener Sache. Mal mehr, mal weniger geschickt. Auch Interessensgruppen werden künftig verstärkt über Rats- und Ausschussitzungen berichten – natürlich nur das, was ihnen nutzt. Egal wie sehr manch einer mit der Qualität seiner Lokalzeitung hadert – das, was die Zukunft bringen könnte, wird um einiges schlechter sein.

There ist no free Lunch – es gibt nichts umsonst. Diese amerikanische Redensart hat viel Wahres: Der Journalist, der in den Ausschüssen auf der Pressebank sitzt, macht es, um seine Miete zahlen zu können. Oftmals mies gelaunt, was man ihm nicht verübeln kann. Die bloggenden Politiker oder Bürgerinitiativen machen es auch nicht umsonst: Sie wollen ihre Positionen durchsetzen oder ihren Bekanntheitsgrad erhöhen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich im Regelfall den Geschichten des mürrischen Lokaljournalisten mehr Glauben schenke.

Wenn wir auch künftig die Politik auf der lokalen Ebene kontrollieren wollen müssen wir ein Modell finden, dies zu finanzieren. Das traditionelle Modell der Lokalzeitung taugt dafür immer weniger. Das liegt nicht nur am Internet: Es liegt auch  an einer zum Teil starken Vernachlässigung der Lokalteile durch die Verleger, an einer geringeren Bindung der Bürger an ihrer Stadt und dem damit einhergehenden Desinteresse an Lokalpolitik und es liegt an  Veränderungen in der Struktur des Einzelhandels, dem Aufkommen der Ketten und dem Aussterben der inhabergeführten Unternehmen, den einstigen Garanten für Anzeigenumsätze in den Städten. Wir müssen über die Zukunft lokaler Medien diskutieren – sie sind in wesentlich größerer Gefahr als die bundesweit agierenden. Und ich möchte sie nicht missen.

RuhrBarone-Logo

26 Kommentare zu “Ein paar Gedanken über Lokaljournalismus

  • Pingback: Twitter Trackbacks for Ein paar Gedanken über Lokaljournalismus » ruhrbarone [ruhrbarone.de] on Topsy.com

  • #2
    erz

    Ein alternatives Modell zu finden ist die Krux. Selbst wenn vermutlich keiner von uns einen ausgereiften Plan in der Tasche hat – gibt es denn vielleicht vage Ideen, die man diskutieren kann und von denen man sich zu weiteren Überlegungen inspirieren lässt? Viel zu oft sehe ich einen geradezu verzweifelten Aufruf zu neuen Modellen, nicht immer so pointiert argumentiert wie hier, viel zu selten aber kann ich eine Diskussion entdecken, die versucht, dem Aufruf zu folgen.

    Ihr als exponierte Lokalblogger mit journalistischem Impetus könnt es doch vielleicht besser einschätzen: Sind Projekte wie die Ruhrbarone als Satellit (quasi outgesourced) eines Verlagsangebotes denkbar, als freie Mitarbeiter, die eine eigene Redaktion stellen und sich zum Teil über ihre eigene Plattform mit Werbung und Sponsoring, zum Teil über den Verkauf von Leistungen an die Verlagszeitungen finanzieren?

  • #3
    Besim Karadeniz

    Also wenn die Verlage wissen, wie man Rettungsringe benutzt, hätten sie eine Chance, wenn sie nämlich genau das stärken und alle Kernkompetenzen dorthin verschieben, wo sie eigentlich zu Hause sind: Im Regionalen. Gerade so Sachen wie Gemeinderatssitzungen tut sich keiner an, gelesen wird es dennoch gern. Verdient wird allerdings mit solchen Nachrichten in der Form immer schwerer, weil Lokalnachrichten da verbraten werden, wo immer weniger Menschen lesen, nämlich im Papier.

    Ich glaube deshalb nicht, dass der Lokalteil sterben muss, wenn sich die Verlage endlich einmal vernünftig und vor allem tragfähig mit dem Internet beschäftigen.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @erz: Die Einnahmen durch Werbung sind online ein Witz – nicht nur bei uns. Wirtschaftlich rechnet sich das was wir machen nicht – ich mache es auch weil ich finde, das ein paar Themen sonst unter den Tisch fallen, die mich interessieren und weil ich gerne schreibe. Ich mache aber nichts was mich nicht interessiert. Die Anderen werden das, denke ich, ähnlich sehen. Hast Du hier schon einmal einen Artikel über eine Sportausschusssitzung in Herne gelesen? Eben. Wäre aber vielleicht auch ein wichtiges Thema (Siehe oben). Werbefinanzierung, Stiftungsmodelle oder Paid-Content sind, wenn überhaupt, nur Modelle für Großstädte. In Bebra, Barth oder Borken werden sie nicht funktionieren. Ich könnte mir für diese Fälle, analog zu den als Verein betriebenen Dorfläden, vorstellen, dass sich dort Bürger zusammen schließen um ein eigenes Online-Medium herauszugeben. Print wäre eh zu teuer. Aber ob das wirklich klappt? Keine Ahnung – wir werden es sehen.

  • #5
    tom59

    Als Redakteure der NRZ Essen haben wir uns den Mund fusselig geredet. Doch Hombach und Reitz starrten gebannt auf den Mantel. Lokales interessierte sie nicht. Doch nur der Lokalteil hätte die Printmedien gerettet. Aufgewärmte Spielberichte aus der Bundesliga von Samstagsspielen juckt am Montag niemanden. Jetzt endlich will man auch beim Portal derWesten umdenken. Leider zu spät. Hier ist der Zug längst abgefahren. Dank der Linie der Chefredaktion. Solche eklatanten Fehler im Management hat Quelle und Karstadt in die Pleite geführt. Die WAZ-Gruppe wird folgen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

  • #6
    erz

    Auch ich habe ja nur ins Blaue gesponnen und mir ist klar, dass die Ruhrbarone mehr Herzensangelegenheit sind, als Geschäftsmodell. Ich frage mich nur, ob man mit solchen spezialisierten Onlineredaktionen wenigstens einen Teil des Bedürfnisses nach Lokaljournalismus erfüllen kann und in Kooperation mit den bestehenden Strukturen nach gemeinsamen Lösungen sucht.

    Ohne gedruckte Distribution wird es schon verflixt schwer, zum Bürger zu kommen, ist mein Eindruck. Den Bürger allerdings einzubinden (den Bürgerjournalisten gibt es im Lokaljournalismus ja ohnehin schon längst) als Zuarbeiter der eher unkritische Informationen beiträgt, wenn er über seinen Verein berichtet zum Beispiel, aber auch als Mäzenen, bei dem man sich direkt um ein Finanzierungsmodell bemüht, halte ich auch für Onlineredaktionen machbar.

    Das hat dann zwar web2.0 oder gar „andere arbeiten lassen“-charakter, sich auch auf Beiträge der Community zu verlassen, aber ist es nicht gerade der lokale Zusammenhalt von Gemeinden und Regionen, den man mit seinem Angebot bedienen und stärken möchte?

  • #7
    gernehier

    Ich stimme deinem Artikel zu. Nur einen Punkt verkennst Du. Du schreibst, das nicht funktionierende Geschäftsmodell läge auch an “ einer geringeren Bindung der Bürger an ihrer Stadt“. Das ist glaube ich vollkommen fehl-analysiert. Leider glauben viele Entscheidungsträger das auch. Dabei ist es umgekehrt so, dass die meisten Leute ihre Lokalzeitung überhaupt noch im Abo haben, weil es nur dort die Infos aus der Stadt gibt. Wenn das wegfällt bzw. immer schlechter wird ( wie wir das ja beobachten können) sinken die Abozahlen. Aus einem ganz einfachen Grund: eine Qualitätszeitung bzw. die Bild treffen es dann besser

  • #8
    Klaus Jarchow

    Schöner Text – was mich allerdings ein wenig stört, das ist die Fixierung von Lokalberichterstattung auf Ratssitzungen. Demnach käme nur das auf die journalistische Agenda, was thematisch von der Lokalpolitik vorgegeben wird. Die Kunst bestünde u.a. auch darin, ein lokalpolitisches Thema so zu lancieren, dass der hochweise Rat es irgendwann – wenn auch murrend – auf seine Tagesordnung setzen muss.

  • #9
    Thomas

    Also, ich kann diese Weltuntergangsstimmung hier nicht teilen.

    Aber ich bin halt auch kein Kulturpessimist.

    Es findet grad ne Medienrevolution statt, und die krempelt natürlich auch den Lokaljournalismus um, so what?

    Und dabei kommt beispielsweise sowas Schönes raus, wie es Kollege Hardy erfolgreich betreibt:

    http://meedia.de/nc/details/article/ich-bin-die-zukunft-des-lokaljournalismus_100024672.html

  • #10
    snext

    Der Lokalteil ist das Herz der Tageszeitung. Mäntel sind in der Regel austauschbar, weil eh alle über dieselben Themen schreiben. Über meine Gegend aber schreibt nur der, der sich hier auskennt. Wird Lokales gestrichen, fällt der Sinn einer Regionalzeitung weg. Leider.

  • #11
    FS

    „Es liegt auch an einer zum Teil starken Vernachlässigung der Lokalteile durch die Verleger“

    Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Ich habe die ersten 20 Jahre meines Leben in Bottrop verbracht und erinnere mich noch mit Grauen an die lokale Berichterstattung der WAZ. Ganz ehrlich: um den Mist ist es nur bedingt schade.

  • #12
    Arnold Voß

    Ich bin mir sicher, dass Menschen für etwas zu zahlen bereit sind, was ihnen wichtig ist bzw. was sie erhalten wissen wollen. Wir sollten das bei den Ruhrbaronen selber mal testen, in dem wir ein Förderabonnement ermöglichen. Eine Art Mäzenatentum des Lesers, dessen Mindestsumme so niedrig ist, dass der eigentliche Einnahmeeffekt erst durch die Masse erzielt wird.(So haben sie es bei dem internentbasierten Wahlkampfspendensystem für Obama gemacht.)

    Das ist einerseits freiwillig, also dem Internet angemessen, und andererseits könnte es, wenn viele mitmachen, sehrwohl ökonomische relevant werden.Vielleicht in Kombination mit einem Exklusivangebot, das darin bestehen könnte, das nach Einführung einer echten pdf-download Funktion die Nichtförderer dafür bezahlen müssten.

  • #13
    Torti

    @Thomas
    Danke für den lesenwerten Link
    @Arnold
    Tja dann fangt doch mal an, wie das viele Freewareanbieter machen, und führt einen Donate-Button per Paypal ein. Damit geht auch Micropayment. Und ist schnell integriert. Ich würde ihn auch dann drücken. Versprochen !

  • #14
    Stinger

    Ich würde gerne für Lokalnachrichten sogar bezahlen. Einen Mantel brauche ich ohnehin nicht, dafür würde ich lieber unterscheidliche Regionalausgaben abonnieren. Klar, das ist für den Printbereich utopisch. Aber für Reader- und Online-Systeme müsste man die bestehenden Systeme einfach „nur“ nutzen.

    Allein: Das Verständnis fehlt.

    So habe ich mit einem RP-Redakteur gesprochen und ihm genau das gesagt. Antwort: Das ist doch total unmöglich, man kann doch nicht alles auf einen Leser zuschneiden.
    Mir scheint, als ob dieses Unverständnis weit verbreitet ist. Stattdessen (so auch von ihm) wurde gespriesen, dass man ja jetzt alles online lesen kann. (Doh!)

    Naja, man kann niemanden gegen seinen Willen glücklich machen.

  • #15
    Eder

    Ich bin der festen Überzeugung, dass die Lokalpresse eine Zukunft hat: Die erforderliche Basis ist und bleibt Neutralität in Unabhängigkeit. Deutliche Trennung von Fakten und Meinungen! Ich erlebe es nahezu täglich, dass unreflektiert jedweder Leibwind multipliziert wird, ohne die nächstliegende Frage zu stellen: cui bono?
    Die Zukunft gehört den Informierten und Geblideten. Bildung und Information, auf die der Rezipient eine fundierte eigene Meinung begründen kann, ist ein Wert an sich. Hinzu kommt das an Wahrheitsgehalt nicht geminderte Wort: „Was du schwarz auf weiß besitzt …“ Echte Nachrichten – nicht der Bericht von der Sitzung des Häkelkreises schwangerer Jungfrauen – werden immer wertvoller, da immer mehr Infomüll verbreitet wird. Das Web ist zu schnelllebig. Aktualität darf nicht zum Selbstzweck werden: Nachrichten müssen fundiert und zuverlässig sein; das ist wichtiger und wertvoller als die „Schnelle Meldung“, die bestenfalls dazu dienen kann, auf die folgende Print-Ausgabe aufmerksam zu machen. So gilt auch im Lokaljournalismus: Wer nichts zu verkaufen hat, verkauft auch nichts.

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Klaus Jarchow: Du hast natürlich vollkommen recht. Die Ratsberichterstattung war nur ein Beispiel.
    @gernehier: Ich glaube schon dass sich durch die häufigeren Umzüge und durch eine immer stärkere Orientierung über die Stadtgrenzen hinaus etwas geändert hat. Das ist ein Faktor – ich wollte vor allem deutlich machen, dass es zu einfach ist alle „Schuld“ an der Misere auf das Internet abzuwälzen.

  • Pingback: Lesestoff 23/11/2009 | ich:AG

  • #18
    Alexander Kruse

    @Stinger: So utopisch sind Deine Vorstellungen gar nicht – auch nicht im Print: Mit dem Projekt „niiu“ soll die erste individualisierte Zeitung verwirklicht werden: http://www.niiu.de/

  • #19
    Olaf

    Ein Konkurrenzmedium zur klassischen gedruckten Regionalzeitung die 6 mal in der Woche erscheint wurde hier bis jetzt noch garnicht erwähnt. Es sind die gratis Anzeigenblätter, heißen sie jetzt Tagesspiegel oder Stadtanzeiger. Die gibt es doch inzwischen praktisch jeder Stadt. Erscheinungsweise 1- oder 2 mal in der Woche, eine gewisse Lokalberichterstattung, voll mit gewerblichen Anzeigen und selbst die meisten Privatleute geben ihre Familienanzeigen nur noch in diesen Blättern auf. Die Lokalzeitung ist nicht tot, nur die meisten Leute denken sich warum Geld für was ausgeben was 2 mal in der Woche für umsonst stapelweise vor der Tür liegt.

  • #20
    Dennis

    Schöner Beitrag. Ich teile deine Auffassung, wobei ich aber noch anmerken möchte, dass gerade im lokalen Anzeigengeschäft viele Zeitungen eine eigentümliche Vermarktungslogik an den Tag legen. Entweder geben sie einem das Gefühl, dass man es gar nicht nötig hat die Anzeige überhaupt anzunehmen oder aber man ruft jeden zweiten Tag an und fragt nach, ob man nicht eine Anzeige schalten möchte. Ich kenne einige Geschäftsleute, die schlicht keine Lust mehr haben den Anzeigenberater des Vertrauens zu kontaktieren. Hier geht den Verlagen sehr viel Geld verloren.

    Hinsichtlich der redaktionellen Arbeit kann ich eigentlich nur die WAZ Gelsenkirchen beurteilen. Deren Berichterstattung empfinde ich – bis auf ein paar Ausnahmen – eigentlich recht gut. Besonders die Berichterstattung über die Lokalpolitik ist, wie ich von aussen befinde, recht gut und umfassend. Ich fühle mich subjektiv ausreichend informiert.

    Mal angenommen, die WAZ würde die Redaktion Gelsenkirchen einstellen (was natürlich utopisch ist, es hätte zweifelsohne schlimme Folgen.

  • Pingback: Links anne Ruhr (26.11.2009) » Pottblog

  • #22
    Bochumer

    Aus Sicht eines Bochumers kann ich die hier schon gefallenen Kommentare nur bestätigen. Der Lokaljournalismus ist so grottenschlecht, dass ein Abo nicht lohnt. Was soll ich einen zweistelligen Eurobetrag für überregionale Artikel zahlen, die es im Internet anderswo aktueller und qualitiativ besser gibt ? Bei der WAZ werden die Kommentare doch recht häufig als Möglichkeit zur Verbesserung mies recherchierter Artikel genutzt.

    Und wenn ich dann den Lokalteil innterhalb von 2 Minuten durchblättern kann, muss ich mich schon fragen, wofür man sein Geld ausgibt.Den Rückgang im ländlichen Raum kann ich mir auch relativ rasch erklären. Wer zahlt denn über 20 ? /Monat um etwas über den aktuellen Mofa-Diebstahl zu lesen? Da fehlen einfach die themen und mit den überregionalen Teilen lockt man auch niemanden hinter dme Ofen vor. Leider vernachlässtigen sowohl die RP als auch die WAZ den NRW-Teil. Da würde ich mir mehr Engagement wünschen.

    In Bochum ist es besonders schlimm. Da werden Passagen aus Wikipedia wortwörtlich übernommen, über Parteieintritte von 14-jährigen in die SPD berichtet, ohne einmal kurz recherchiert zu haben, ob diese engagierten Jungs zufällig die Söhne bekannter Lokalpolitiker sind und und und….

    Aus Sicht eines Lokalpolitikers bemängele ich ebenso die schlechte Arbeit der Journalisten. Seit Jahren habe ich keinen Journalisten mehr auf einem Kreisparteitag gesehen. Die Pressemitteilungen werden dann zum Teil Wochen (!) später in einem Artikel verwurstet. So kann man doch keine Tageszeitung betreiben…

    Ich würde mir daher eine reine Lokalzeitung wünschen, die auch von der NRW-Ebene berichtet. Diese müsste ja nicht unbedingt jeden Tag erscheinen, wenn sie denn qualitativ besser wäre. Gerne kann man diese dann auch mit Werbung überfrachten, wie es Stadtspiegel und co. machen. Das juckt mich herzlich wenig, wenn die Artikel etwas taugen.

  • Pingback: WAZ Castrop-Rauxel und die konstituierende Ratssitzung (oder: Qualitätsjournalismus im Lokalen) » Pottblog

  • Pingback: Prophet « Roberts Blog

  • Pingback: zoom » Umleitung: Augstein, Thüringer Allgemeine, WAZ, Lokaljournalismus und mehr … «

  • #26
    Hardy Prothmann

    Guten Tag!

    Nachdem ich 15 Jahre nur überregional berichtet habe, bin ich wieder da angekommen, wo ich angefangen habe: Im Lokalen. Und diese Arbeit macht einen riesigen Spaß.
    Und ich bin überzeugt davon, dass die Veränderungen in der Medienbrache sowohl die „großen“ Medien trifft, als auch die lokalen Medien (die oft auch sehr groß sind, was man auf den ersten Blick aber nicht sieht).
    Allen Journalisten, die sich fürs Lokale interessieren, kann ich nur Mut machen. Das heddesheimblog berichtet seit Mai 2009 und hat wochentäglich über 2000 Leser. Der Ort selbst hat 11.500 Einwohner. Wenn man pro Leser einen Haushalt rechnet (was natürlich vage ist) sind das bei 4000 Haushalten also 50 Prozent der Haushalte.
    Das ist zu schaffen, wenn man täglich berichtet, wenn man Qualitätsjournalismus bietet, wenn man sich für die Menschen vor Ort interessiert und Themen findet. Und vor allem, wenn man keinen Bratwurstjournalismus betreibt.
    Das ganz klassische Werbegeschäft über Anzeigen läuft auch immer besser und ich bin überzeugt, dass eine qualitativ hochwertige Berichterstattung auch Werbekunden anzieht und somit diese Arbeit finanziert.
    Kollegen, die selbst ambitioniert sind, eine lokale Informationsplattform aufzubauen, können sich gerne mit mir in Verbindung setzen.

    Blogs wie die Ruhrbarone, das pottglog und andere zeigen, dass die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser hoch ist – ebenso das Bedürfnis nach interessanter Information.

    Einen schönen Tag wünscht
    Das heddesheimblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.