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Ein paar Gedanken über Adidas, Deichmann und H&M

Adidas-Originals-Ladengeschäft Foto: Jan Hagelskamp1 Lizenz: CC BY 4.0

Derzeit lese ich sehr viele Aussagen zu dem Verhalten von Adidas, Deichmann, H&M und Co. Die Unternehmen würden sich weigern ihre Mieten zu zahlen und damit private Vermieter schädigen, wohingegen kleine Unternehmen ihre Mieten zahlen und dafür pleite gehen. Von unserem Gastautor Trevor Rhûnparth.

So sinngemäß heißt es derzeit, wenn es so wahr wäre, so wäre es auch ein eindeutiger Skandal, schaut man sich aber im Detail an, was genau passiert ist:

Zum einen wurden die Vermieter im Vorfeld kontaktiert und gebeten die Mieten zu stunden. Genau das geschah auf Grundlage eines Gesetzes, dass auch von der SPD gefordert und umgesetzt wurde. Auf Grundlage dieses Gesetzes können auch Einzelhändler und kleine Unternehmen um die Stundung ihrer Mieten aufgrund der Coronaepidemie bitten

Nun sieht das Gesetz vor, dass die Vermieter auf die gestundeten Mieten mit 4% Zinsen fordern kann, bei der KfW wo sich Unternehmen Geld wegen der Epidemie beschaffen können ist der Zinssatz deutlich niedriger. Demnach ist davon auszugehen, dass die Vermieter mit einem niedrigeren Zinssatz mit der Stundung einverstanden waren. Auf Vermieter, die der Mietausfall trifft wollen die Unternehmen zugehen.

Somit ist es keine Weigerung gewesen, denn in einem solchen Fall können Vermieter auch kündigen. Und das wäre gerade dafür H&M eine Fiasko, die meist in Innenstädte ihre Filialen haben, wo viel Laufkundschaft zu erwarten ist. Zudem sind es Häuser mit mehreren Stockwerken, es müsste zuerst ein neues Gebäude gefunden und umgebaut werden, was langfristig finanziell mehr belasten würde als eine Monatsmiete. Aber auch Deichmann und Adidas bräuchten neue Geschäftsräume, finanziell also eine noch schlimmere Katastrophe.

Aber die machen so viel Gewinn hört man. Ja und? Was heißt denn Gewinne machen. Zunächst ist es das, was nach Abzug aller Kosten übrig bleibt und was passiert mit den Gewinnen? Genau, diese werden reinvestiert und ein Teil bleibt Liquiditätsreserve, die eben auch wenn die Umsätze ausbleiben auch aufgebraucht wird – und derzeit bleiben die Kosten bestehen und die Umsätze bleiben aus. Um sich in in eine Liquiditätsklemme zu kommen sind also auch für große Unternehmen Maßnahmen notwendig. Zudem bedeuten Milliardengewinne auch im Gegenzug, dass Milliardenkosten vorher bedient wurden. Wenn man also Relationen von Umsatz, Kosten und Gewinnen gegeneinander rechnet – was aber ein Mindestmaß an Kenntnis von Bilanzrechnungsbegriffen bedeutet – dann wird klar, dass diese Unternehmen vor denselben Schwierigkeiten stehen, wie der Friseurladen um die Ecke.

Und als Hinweis: Dieser hat ebenso das Recht seinen Vermieter um Stundung zu bitten. Die Vermieter, die durch die drei genannten Firmen betroffen sind, sind vor allem Fondsgesellschaften – also jene, denen doch sonst immer Abzocke von Mietern  und Mietpreistreiberei vorgeworfen wird – und wegen denen doch die Mietpreisbremse eingeführt wurde. Wann diese in bestimmten Weltsichten von den Tätern zu Opfern geworden sind, ist eine Frage, die auch mal bedacht werden sollte.

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4 Kommentare zu “Ein paar Gedanken über Adidas, Deichmann und H&M

  • #1
    thommy

    Die Gewinne von Adidas waren im letzten Jahr exorbitant.

    Adidas sollte nun lieber durch die Herstellung von einfachen Gesichtsmasken -gerne mit Muster und drei Streifen-als durch das clevere Ausnutzen von schlecht gemachten Gesetzen von sich Reden machen.

  • #2
    Thomas

    Ich verstehe auch nicht warum da jetzt so ein Wind gemacht wird. Ist doch alles gut gelaufen. Wäre natürlich schön wenn das bei Kleinmietern auch so klappen würde, aber dafür können die Großen doch nichts.

  • #3
    Maluch Maluski

    Zum Ende gedacht bitten die Vermieter dann die Banken um Tilgungsaussetzungen und/oder schütten keine Gewinne an die Investoren aus.
    Anschliessend investiert keiner mehr in Immobilien und progressive Kräfte finden in einigen Jahren Häuser, die man besetzen kann.

    Schöne Welt, aber auf dem Land kann man jetzt schon günstig und frei leben. Dafür braucht es keine Systemveränderung.

  • #4
    Yilmaz

    Ich weiß gerade nicht, was nerviger ist, Adidas oder SPD-Politiker, die erst ein Gesetz verabschieden um dann populistisch T-Shirts zu verbrennen, weil Adidas genau dieses Gesetz ausnutzt.

    Macht doch einfach bessere Gesetze!

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