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Electricitymap: Woher unser Strom kommt

Screenshot Electricitymap

Ein Tag im Oktober. Gleich ist es halb zehn. Das Wetter ist für die Jahreszeit nicht schlecht, zumindest über dem Ruhrgebiet scheint die Sonne. Und der Strom zum Betrieb unserer Computer, Smartphones und Kühlschränke kommt wie immer aus der Steckdose. Doch wie wird er erzeugt? Das zeigt für fast alle europäischen Staaten die Internetseite Electrictymap – und das ständig aktuell.

Ich habe mal Frankreich und Deutschland verglichen. Fast die Hälfte des Stroms in Deutschland kam um 9.25 Uhr aus regenerativen Quellen: Windkraft, Biomasse, Wasserkraft, die Sonne spielt kaum eine Rolle. Die andere Hälfte des Stroms kommt aus Kohle- und Kern- und Gaskraftwerken.
Zusammen kommt Deutschland auf 300 Gramm C02-Emissionen pro Kilowattstunde.

In Frankreich sieht es etwas anders aus. In Frankreich kommt der Strom nur auf 59   Gramm C02-Emissionen pro Kilowattstunde. Neben Kernenergie,  die Hauptquelle des französischen Stroms, spielen Wasser- und Windenergie eine wichtige Rolle. Kohle ist in Frankreich, im Gegensatz zu Gas, bedeutungslos.

Die Reaktoren werden in der Bundesrepublik 2022 abgeschaltet. 2038 wird dann auch das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen. Bis dahin müsste sich, will die Bundesrepublik nicht vor allem Kohle- und Atomstrom aus dem Ausland einführen, der Anteil der Erneuerbaren verdoppeln. Und das muss schnell gehen, denn für die 49 Prozent Strom aus Erneuerbaren zu bekommen, hatte dieses Land Jahrzehnte Zeit. Ist das realistisch? Nein. Der Ausbau der Erneuerbaren kommt nicht schnell genug voran – und stößt, wie auch der Bau neuer Leitungen, auf Widerstand. Und wenn die E-Mobilität an Bedeutung gewinnen sollte, wird der Stromverbrauch weiter steigen. Aus Kohle- und Kernkraft auszusteigen und eine sichere Energieversorgung zu haben, wird nicht gehen. Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein Fehler.

 

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16 Kommentare zu “Electricitymap: Woher unser Strom kommt

  • #1
  • #2
    Ke

    Der Ausstieg aus der Kernenergie war richtig. Nach dem Japan Unfall war klar, dass das Risiko zu hoch ist.

  • #3
    S.M.

    Der EINSTIEG in die Kernergie (Kernspaltung beruhend auf Uran) war ein Fehler! Zwar mag die CO2-Bilanz ganz passabel sein, aber der strahlende Müll, der tausende Jahre lang sicher aufbewahrt werden muss, konterkariert diesen scheinbaren Vorteil vollständig! Bislang gibt es auf unserem Planeten kein Gebäude, dass so alt ist, wie es allein die deutschen Atommüllendlager werden müssen. Und in anderen Ländern geht dieser Irrsinn leider noch immer weiter. Letztendlich wirkt CO2 "nur" klimaverändernd, aber immerhin nicht erbgutschädigend und krebserregend wie Radioaktivität!

  • #4
    Jürgen

    @1 Frankreich hat sehr viele Stauseen in Bergregionen (so in den Mittelmeer-/Zentral-/Westalpen, Pyrenäen, Zentralmassiv, an der Ardeche). Allerdings seit Jahren auch schon Gegenstand der Privatisierung bzw. Des Streits um Gemeinwohlinteressen, die mit dem Stauwasser gleichzeitig zu bedienen sind.

    Zur Kernkraft, klar, Frankreich hat ja auch schon eine dauerhafte Lagerstätte für den hochradioaktiven Abfall, ne.

  • #5
    Ronald

    Vor allem war die kopflose Festlegung von Fristen, ohne dass man gleichzeitig genügend sicher verfügbare Ersatzstromquellen bereitzustellen gewusst hätte, ein Riesenfehler. Der Wunderglaube an die „Energiewende“ als schon irgendwie ausreichenden Ersatz hilft da wenig, solange man deren Kernproblem – die fehlende Kontinuität von Wind und Sonnenenergie bei gleichzeitigem Fehlen geeigneter Speichertechnologien für entsprechend notwendige riesige Mengen Strom – konsequent ignoriert..

  • #6
    jan

    Im durchschnitt begreift der Mensch nichts von energie.
    un noch weniger von kernkraft.

    Dabei wurt es so einseitig beschaut das es nur noch negative ist.
    In Deutschland ist das noch mehr so.
    Und so ernst das es lieber kohlen behaltet, €500 Milliarden zwecklos subventioniert in wind und sonne.

    Die logik ist BASTA.
    Die angst ist Falsch.

  • #7
    Michael

    @ 2

    Der Ausstieg aus der Atomenergie ist einer der größten Fehler dieser Regierung. Das mit der Havarie in Japan zu begründen ist an deutscher Angst & Dummheit nicht zu überbieten. Aus Fukushima ist allerdings eine wichtige Lehre zu ziehen: die Atomenergie gehört in die Hände der Gesellschaft, nicht in die von Kapitalisten, die Sicherheitsbedenken jederzeit dem Profi opfern.

    @ 3

    Atommüll muss eben nicht über Jahrtausende sicher gelagert werden. Mit der aktueller Wissenschaft & Technik ist es möglich diesen Müll als Rohstoff für moderne Reaktoren (z. B. Dual Fluid Reactor*1) zu verwenden.

    Wind & Sonne haben ihre Berechtigung, die Atomenergie aber auch. Ohne die optimale Nutzung aller Techniken, wird es die Menschheit nicht schaffen rechtzeitig auf die Erwärmung zu reagieren.

    [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Dual_fluid_reactor

  • #8
    S.M.

    @7 Sorry, aber ich habe extra betont, dass es um Kernspaltung auf Uran-Basis geht. Das ist nun mal die Technologie, die bislang verwendet wird und die zum Glück in Deutschland abgeschaltet werden soll. Thorium Reaktoren, die zudem über Schmelz-Salze gesichert werden, sind eine andere Geschichte! Die haben wir aber bislang nicht!!! Genauso wenig wie die Kernfusion! Leider wird das häufig durcheinander geworfen…

  • #9
    Helmut Junge

    @Michael, noch gibt es keinen einzigen "Dual Fluid Reactor". Noch ist keiner gebaut.
    Komm auf den Boden zurück.
    Und "die Atomenergie gehört in die Hände der Gesellschaft" ist ein Satz aus einer Religion, für die "Gesellschaft" als Gottersatz dient. Ist sie aber nicht. Tschernobyl gehörte der "Gesellschaft".

  • #10
    Spion und Spion

    Das wir keine Thorium Reaktoren hatten stimmt nicht ganz.In Hamm war einer der zumindest fertig war.Leider wurde die Idee begraben.

  • #11
    Michael

    @ 9

    Auf das dumme Argument – Noch ist keiner gebaut – erübrigt sich jede weitere Antwort.

    Wenn Sie nicht verstehen was unter Gesellschaft zu verstehen ist, dann kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen. kwt.

  • #12
    Helmut Junge

    @Michael, der Dual Fluid Reactor ist m.W. bisher nur als Konzept existent. Also auf dem Papier.
    Sie finden nur Angaben darüber, was er mal tun soll.
    Sie tun aber so, als ob er bereits alle Aufgaben erfüllen würde. Das sind aber noch offene Fragen, auf deren Beantwortung durch die Praxis ich sehr gespannt bin. Sie können diese offenen Fragen mit Sicherheit nicht beantworten.

  • #13
    Arnold Voss

    Es wir sich noch ein bisschen hinziehen mit der Kernfusion, und wie lange genau weiß kein Menschen:

    https://www.heise.de/tp/features/Neues-von-der-Kernfusion-4561381.html?utm_source=pocket-newtab

  • #14
    Berthold Grabe

    Bei der Kernkraft ist nicht der Betreib, sondern die Entsorgung das Problem.
    von Japan auf Deutschlands Reaktoren zu schließen wäre in etwa so vom indischen Bophal auf deutsche Chemiefabriken zu schließen.
    Und bei der Entsorgung scheint sich ebenfalls was zu tun, wenn die Berichte in den Zeitungen stimmen, das es gelungen ist die Radioaktivität des Abfalls zeitlich erheblich zu entschärfen.
    Zurzeit ist deshalb Kernkraft der vielversprechendste und ausgereifteste Stromerzeuger und es war nicht sehr klug eine rein emotionale Entscheidung zu Lasten unserer technischen Führung auf dem Gebiet zu treffen.
    Ich gehe davon aus das wir in absehbarer Zukunft einen alternativlosen Wiedereinstieg erleben, wenn die Entsorgungsentschärfung sich bestätigt. Dann leider unter fremder Technikführerschaft.

  • #15
    thomas weigle

    @Helmut Junge T. gehörte nicht der Gesellschaft, es gehörte der Nomenklatura, der herrschenden Klasse in der SU, die übrigens nicht nur in der SU jeden gesellschaftlichen Protest gegen die Atomkraft mit allen Mitteln unterdrückte. Wie sie es bspw auch beim Protest gegen die sowjetische Atomrüstung in der DDR tat.

  • #16

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