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Enno Lenze in Kurdistan Teil I

erbil

Wie bereits im Sommer vergangenen Jahres berichtet Enno Lenze wieder aus Kurdistand – diesmal zusammen mit dem FDP-Politiker und Unternehmer Tobias Huch. Wir veröffentlichen ihre Reiseberichte als Crosspost von Ennos Blog

Da sich die Lage in Kurdistan (Nord-Irak) regelmäßig ändert, habe ich mich erneut auf den Weg gemacht um aus der Region zu berichten. Meinen Bericht aus dem Juni findet man hier, eine Zusammenfassung der Geschichte Kurdistans hier. Zusammen mit Tobias Huch (FDP) sehe ich mir die Flüchlingscamps an,spreche mit den Leuten, die wir auf der Straße treffen und treffe Peschmerga. Wie auch bei den vergangenen Reisen unterstützt uns die Demokratische Partei Kurdistans (PDK) bei der Reise. Die erste Frage die da immer aufkommt ist: Sind die Berichte dann noch neutral? Um das wirklich raus zu finden, müsstet ihr selber her reisen und euch alles ansehen. Aber da noch nie jemand von der Partei, der Regionalregierung oder der Peschmerga mein Material gesichtet hat oder gesagt hat „das darfst du nun nicht drehen“, sehe ich da kein Problem.Ansonsten wären in Deutschland auch Einrichtungen wie das Bundespresseamt problematisch, da diese auch von der Regierung finanziert sind und der Presse helfen.

der Prolog

Meine Berichte beginnen normalerweise erst in Kurdistan, in diesem Fall ist es anders. Auf dem hinweg musste ich in Wien umsteigen. Dort wurde ich erneut mehrfach durchsucht. Meine Schuhe wurden mir abgenommen und gesondert untersucht. Es waren nicht die an mir bekannten Flammenstiefel und sie haben nicht mal Stahlkappen. Dennoch wurden sie mehrfach durchleuchtet, abgetastet usw. was das Problem war, wollte man mir nicht sagen. Mein Handgepäck wurde eingezogen und ich hatte ein Gespräch mit Zoll und Gendarmerie. Nachdem auch ich mehrfach abgetastet und mit dem Metalldetektor inspiziert worden war hieß es, ich habe führe eine Waffe oder einen verbotenen Gegenstand mit, genau müsste man das gerade noch prüfen. Nachdem ein Supervisor hinzugezogen wurde stand fest: Mein Kugelschreiber darf nicht weiter! In Zeiten von „je suis Charlie“ grotesk. Zumal mit der Stift seit Jahren auf allen Reisen begleitet. Er ist ziemlich Stabil, aber vermutlich kann jede Weinflasche aus dem duty free store mehr Schaden anrichten.

Planung in Erbil (Hawler)

In Erbil angekommen wurde es angenehmer. Wie immer hatten wir eine grobe Idee, was wir machen wollen, aber wollten zunächst vor Ort besprechen, was gerade wie möglich ist. Der Zeitplan wurde relativ Straff aufgestellt. Den Häuserkampf an der Seite der Peschmerga zu begleiten gehört zu en wenigen Dingen, die wir nach intensiver Abwägung abgelehnt haben. An sich gehört es genau zu den Dingen, die extrem wichtig sind. Wie nah sich hier die Kämpfer sind und mit wie einfachen Waffen gekämpft wird, kann man sich in Deutschland kaum vorstellen. Die Peschmerga, die vor Ort die Lage für uns einschätzen rieten uns jedoch alle davon ab. Auch war unklar wie lange wir dort bleiben würden und wann es die Möglichkeit gibt die Einheit wieder in Ruhe zu verlassen. Alles für diesen kurzen Trip auf zu wackeligen Beinen.

Während ich bei den vergangenen Besuchen hier gefahren wurde, traut man mir inzwischen zu, selber Auto zu fahren. Das ist aus mehreren Gründen ein Erlebnis: Zum einen fahren die Menschen hier relativ wild, zum anderen gibt es kein richtig funktionierendes Navi und zu guter letzt kann es immer wieder vor kommen, dass man an den Checkpoints angehalten wird und dann ein Sprachproblem hat. Bis heute spreche ich kein Sorani. Mit OsmAnd+ habe ich eine app gefunden, die einen ganz passabel navigiert, leider berücksichtigt sie den Frontverlauf nicht. Aber mit einer Kombination aus Straßenschildern, dem Zielpfeil der App und aus dem Fenster rufen und nach dem Weg fragen geht es ganz gut. Auch war der Verkehr nicht so schlimm, wie gedacht. Auch mehrere hundert Kilometer über Land fanden wir ohne Probleme. Nur das navigieren innerhalb der Stadt ist ein Problem, da ich kaum Orientierungspunkte habe.

Domiz Camp bei Dohuk

Wir fuhren Richtung Nord-Westen nach Dohuk. Dort Trafen wir uns mit dem Pressesprecher der Barzani Charity Foundation, der großen Landeseigenen Hilfsorganisation. Er fuhr mit uns zum Domiz Camp, welches ich schon vor zwei Jahren besuchte. Das Camp ist deutlich gewachsen und besteht inzwischen weniger aus Zelten und mehr aus kleinen Häusern, Hütten und ähnlichem. Es gibt kleine Ladenstraßen mit kleinen Lebensmittelläden, Handyshops und Klamottengeschäften. Die Menschen sehen alle ordentlich versorgt aus. Man sieht keine kaputte Kleidung, keine unversorgten Verletzung aber viele spielende und lachende Kinder. Wir sprachen mit Menschen vor Ort und interviewten eine Familie. Die Mutter sagte uns, dass ihr einer Sohn regimekritischer Journalist im kurdischen Teil Syriens gewesen sei. Er wurde vom Assad Regime ermordet. Sie erlitt daraufhin einen Herzinfakt. Sie entschieden sich sofort zu fliehen. Auf der Flucht wurde sie am Rücken verletzt, aber sie uns ihre anderen Kinder schafften es bis ins sichere Süd-Kurdistan (Nord-Irak). Sie boten uns Tee an, sangen Lieder und erzählten davon, dass sie doch nicts anderes wollen, als der Rest der Welt: In Frieden leben!

Im Camp Domiz wohnen derzeit 75.000 Menschen. Jede Familie erzählt einem eine solche Geschichte. Das macht einem klar, warum wir mehr in der Welt helfen müssen.

– Der Text wird nach und nach weiter geschrieben –

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