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EU-Impfstoffversagen schenkt Peking Propagandaerfolg: Ungarn kauft chinesischen Impfstoff


Versagt die Europäische Unio, springen Staaten wie China ein, um dem Westen seine Unterlegenheit aufzuzeigen. Das war zu Beginn der Pandemie mit der Lieferung von Masken nach Italien so und wiederholt sich nun bei den Impfstoffen.

Gebetsmühlenartig können EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Gesundheitsminister Spahn (CDU) wiederholen, dass von der Europäischen Union genug Impfstoffe gekauft wurden. Es ändert nichts daran, dass es zurzeit nicht genug sind . Mag sein, dass gegen Ende des Jahres Europa in Impfstoff schwimmt, im Moment sind die Vakzine knapp. Bei Biontech und Moderna, den beiden bislang einzigen in Europa zugelassenen Impfstoffen, steht die EU weit hinten in der Schlange. Länder wie die USA, Israel oder Großbritannien haben früher bestellt und werden zuerst beliefert. Die EU ließ sich Zeit, ihre Bürger müssen nun auf die erlösende Spritze warten.

In Ungarn könnte das bald anders sein. Der von Victor Orban regierte Balkanstaat wird Impfstoff aus China einführen. Ungarn wird eine Million Dosen des Impfstoffs des chinesischen Unternehmens Sinopharm importieren, das Ende Dezember in China zugelassen wurde. Es soll einen mehr als 79-prozentigen Schutz vor Covid-19 bieten. Nicht optimal, nicht so gut wie Biontech und Moderna, aber viel besser als nichts.  Bei den wöchentlichen EU-Lieferungen von unter 100.000 Dosen würden die Impfungen nach Ansicht der ungarischen Regierung nicht schnell genug gehen. Auch mit Russland will Ungarn reden, ein paar Tausend Dosen Sputnik V hatte das Land schon vor Wochen importiert.

Die Ungarn werden nun schneller geimpft als die anderen Europäer. Victor Orban hat die Europäische Union ein weiteres Mal am Ring durch die Manege geführt und China kann sich als den Retter inszenieren, der einspringt, wenn der Westen versagt.

Der Verlierer ist die Europäische Union. So selbstzufrieden man sich in Brüssel auch gibt und so tadellos die eigene PR-Maschine auch läuft, ist doch klar: Es gibt zurzeit zu wenig Impfstoff. Die EU wird später aus den Pandemie kommen als andere Regionen, die Lockdowns werden länger dauern und mehr Menschen sterben. Gegen die Fakten kann man anreden, aber die Zahlen belegen jeden Tag das Versagen der EU.

Es ist wahrscheinlich, dass andere EU-Staaten Ungarn folgen werden. Der Druck der Menschen auf ihre Regierungen wird zunehmen, China lockt mit dem schnell verfügbaren Impfstoff, der in der EU, wie auch Angela Merkel sagt, frühestens ab dem Sommer bereitstehen wird.

Die EU sollte sich schnell um die Lösung dieses Problems bemühen, der Zulassungsbehörde EMA Druck machen und kurzfristig weitere, sofort verfügbare Impfstoffe kaufen und zulassen. Setzt sie jetzt auf PR statt auf Impfstoffe, wird sie in die schwerste Krise seit ihrem Bestehen geraten – und das aus eigener Schuld.

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14 Kommentare zu “EU-Impfstoffversagen schenkt Peking Propagandaerfolg: Ungarn kauft chinesischen Impfstoff

  • #1
    JuppSchmitz

    Naja, ich würde das jetzt nicht überbewerten. Der Puszta-Führer versucht doch bei jeder Gelegenheit die EU ins Knie zu f*****. Wenn nicht Covid-19 dann halt woanders. Mich wundert eher, dass Horthy nicht bei Putin Sputnik V gekauft hat.

  • #2
    Helmut Junge

    Der Impfstoff ist, von wem auch immer bestellt, sagt Spahn. Der kommt ganz sicher noch vor der Bundestagswahl. Dabei ist Spahn gar nicht Schuld, kein einzelner Gesundheitsminister der Mitgliedstaaten ist schuld, sondern die EU, sprich von der Leyen. Merkwürdig, daß das bisher niemand sagt. Ungarn macht den Anfang, andere Länder werden folgen. Das ist sicher. Es wird auch noch andere Anbieter geben. Ich habe damit schon lange gerechnet. Vermutlich wird sich von der Leyen nicht mal trauen, auf Orban zu schimpfen, weil der dann sagt, wer Schuld an der verspäteten Bestellung ist. Auf diese Diskussion warte ich auch schon länger.
    Es wird schwer werden, 440 Millionen Menschen in der EU bzw,nicht mal 83 Millionen in Deutschland bis zum Sommer in Zuständen, wie im Hausarrest zu halten.
    Ich müßte zum Baumarkt, weil ich ein Badlampe brauche. Aber Baumärkte sind zu. Da können ganze Häuserfronten zerbröckeln. Die deutsche Wirtschaft ist 2020 wegen der Coronamaßnahmen um 5% geschrumpft. Dabei sind die jetzt angedachten Lockdown Maßnahmen für 2021 deutlich strenger, weil sie länger dauern. Diesmal geht es um 10 % runter. Warum? Weil man zu spät Impfstoff bestellt hat. Das rächt sich jetzt um den Faktor 1000 mindestens. Orban hat Recht.

  • #3
    Jürgen

    Da setzt die ungarische Regierung konsequent ihre spalterische, zersetzende, nationalistische Politik fort, die sie schon seit längerer Zeit zur Erpressung der übrigen EU-Mitgliedsstaaten nutzt. Victor Orban ist quasi der Markus Söder der EU.

  • #4
    Emscher-Lippizianer

    Ich sehe das etwas anders: Hier nimmt ein Regierungschef die Verantwortung gegenüber seiner Bevölkerung war und sieht zu, daß seine Leute so schnell wie möglich immunisiert werden. In der weisen Voraussicht, daß die Apparatschiks der EU mit ihrem durch keinen Wähler legitimierten Chef Apparat-Chick es versemmeln werden. Take back control!

  • #5
    ccarlton

    Wenn der Schutz des eigenen Landes und seiner Bevölkerung spalterisch, zersetzend und nationalistisch ist, dann hätte ich gerne Politiker, die eine spalterische, zersetzende, nationalistische Politik verfolgen.

    Einigende, aufbauende und globalistische Politik, die da Land vor die Wand fährt, braucht keine Sau!

  • #6
    ke

    Natürlich ist Spahn verantwortlich. Wenn er bzw. Merkel als Bund den Impfstoff beschaffen will und diese Aufgabe an die EU auslagert, muss er die Beschaffung auch überwachen ggfs nachsteuern.

    Herr Spahn verantwortet dies. Mir ist es auch egal, woher der Impfstoff kommt, wenn er eine reguläre Zulassung hat. Es wäre ja total vermessen zu behaupten, dass China, Rußland, Brasilien oder Indien keinen Impfstoff entwickeln können.

    Die EU zeigt weiter, dass es falsch ist, auf einen Moloch, der im Zweifelsfall nicht in VErantwortung genommen werden kann, zu setzen.

  • #7
    Dr.Dagmar Schatz

    Frage: wie funktioniert dieser Impfstoff? Und ist der schon durchgetestet? ich frag das mal bei meiner Freundin in Budapest ab…

  • #8
    dfgf

    Während der Virus aus China kam, sei ein Impfmittel aus China das Zeichen der Überlegenheit von China? Das wollen Sie Ihren Lesern doch nicht ernsthaft zumuten?

  • #9
    abraxasrgb

    Wenn die Sprache nicht so schwierig wäre … könnte man Ungarn glatt als Lebensmittelpunkt wählen. EU Freizügigkeit sei Dank. Wunderschönes Land. An Tschechien hatte ich aus anderen Gründen auch mal gedacht 😉

  • #10
    Jürgen

    Meines Wissens hat die EU bereits im Sommer letzten Jahres, rund 7 Monate nach massenhaftem Auftreten dieser neuen Krankheit in der Stadt Wuhan, den von BionTech sich in der Entwicklung befindlichen Impfstoff bestellt. Zu diesem Zeitpunkt war völlig unklar, ob dieser wirkt, in welchem Umfang und ob dieser Impfstoff weitgehend nebenwirkungsfrei ist.

    Seit Ende Dezember hat der Wirkstoff eine Zulassung, d.h. es wird davon ausgegangen, der Wirkstoff ist wirksam und weitgehend nebenwirkungsfrei zu verabreichen. Sprich, alle bis dahin produzierten Chargen waren auf Verdacht produziert. Und mit der Produktion wurde nicht erst im Dezember begonnen. Hätte sich herausgestellt, der Impfstoff wirkt nicht oder ist nicht nebenwirkungsfrei, wäre alles bis dahin investierte Geld, auch das von der EU ergebnislos durch den Kamin gegangen. Da hätte garantiert auch ein Victor Orban laut aufgeschrien.

    Andererseits heißt das, es wurde in Rekordzeit geschafft, mehrere wirksame und wahrscheinlich nebenwirkungsfreie Impfstoffe zu entwickeln. Es wird seit Jahren darauf hingewiesen, dass in der EU die Produktionskapazitäten für Arzneimittel konsequent abgebaut wurden. Wo sollen denn dann bitte schön innerhalb eines halben Jahres die jetzt benötigten Produktionskapazitäten auf einmal herkommen? Für Deutschland hat an dieser Entwicklung hat auch und gerade die Politik mit ihrem Sparzwang, in Verbund mit den Krankenkassen ihren gehörigen Anteil dran.

    Wenn jetzt ein Victor Orban, ein Nationalist, Spalter und Kleptokrat erster Klasse, sagt, alles viel zu langsam, die EU kann mich mal, ich bestelle bei den Chinesen, die seien schneller und besser, setzt er seine spalterische Politik einfach nur fort.

  • #11
    abraxasrgb

    Die ungarische Bevölkerung wird sich bestimmt, aus Solidarität mit den anderen EU-Mitbewohnern, gerne schlechter stellen … ja, nee … ist klar 😉

  • #12
    Bochumer

    79 Prozent Schutz? Ist das ein Zahlendreher? Wenn nicht sind ja 21 Prozent trotz Impfung nicht geimpft. Ist halt Made in China.

  • #13
    Bernhard

    Interessant ist allerdings, dass sich nur 17% der Bevölkerung mit russischem oder chinesischem Impfstoff behandeln lassen möchten!

  • #14
    Gabor Vadasz

    Na ja, wenn die Europäische Union gemeinsam die Sache nicht voll im Griff hat, siehe Lieferungsverzögerungen…. Logisch ist, dass man auch woanders einen möglichen Lieferanten sucht um eine schnellste Durchimpfung der Bevölkerung zu ermöglichen. Das ist eine Verpflichtung. Hier ist irgendwelcher ideologischer Beigeschmack fehl am Platz. Ich würde auch den Kommentatoren empfehlen diese Geschichte ohne ideologische und politische Voreingenommenheit zu betrachten. Noch etwas: Der Verfasser sollte seine geografischen Kenntnissen auffrischen: Ungarn liegt nicht auf dem Balkan. Wenn er aber die Bezeichnung "Balkanstaat" herabwürdigend benutzen wollte, dann ist es ungerecht gegenüber den tatsächlichen Balkanstaaten. Und das Ganze ist von einem Deutschen. Gratuliere für seine Feingefühle!

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