Europa wird zum Ruhrgebiet der modernen Welt

Schacht 12 der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de Lizenz: CC BY-SA 3.0 de


Wenig Innovation, eine spannende Vergangenheit und ein großer Markt: Europa wird zum Ruhrgebiet der modernen Welt.

Irgendwann einmal, ich weiß das auch nur aus Büchern und Erzählungen, war das Ruhrgebiet einmal reich. Seine Unternehmen gehörten zu den modernsten der Welt. Es war eine Hightech-Region, deren Erfinder und Gründer den Fortschritt vorantrieben. Irgendwann hörte es auf. Menschen und Unternehmen hörten auf sich Mühe zu geben, riefen immer häufiger nach dem Staat und verloren ihr Selbstvertrauen. Ein wenig Trotz ist noch da, aber er ist lächerlich: Niemand muss schuldet den heute hier lebenden Dank dafür, dass ihre Großeltern nach dem Krieg die Kohle gefördert haben, die für den damaligen Aufschwung wichtig waren. Davon ab wurden diese Großeltern damals für ihre Arbeit gut bezahlt.

Europa, vor allem die Mitglieder in der EU, erinnern mich ein wenig an das Ruhrgebiet: Beeindruckende Vergangenheit, fast alles, was unsere Welt heute ausmacht, wurde hier erfunden. Ein reicher Kontinent, der den Takt vorgab, nach dem sich die Welt drehte.

Doch das ist alle vorbei: Noch vor gut 20 Jahren wollte die EU zur innovativsten und wirtschaftlich stärksten Region der Welt werden. Heute sieht sie sich vor allem als Regulator, der Technologien einschränken will, die andere entwickelt haben und dessen Einfluss sich von der Größe des Marktes ableitet, den gut 300 Millionen Menschen bilden. Ob künstliche Intelligenz, Gentechnik oder Reaktortechnik – an der Zukunft wird längst anderswo gearbeitet. In Europa verlässt man sich nicht auf die eigenen Ideen, sondern auf den Staat.

Militärisch ist Europa sowieso kaum mehr als ein Witz. Ohne die Unterstützung der USA könnte es Putins Armeen kaum daran hindern, durch den Kontinent zu marschieren.

Das Unangenehme für Europa ist, dass es niemanden finden wird, dem man so einfach in die Tasche greifen kann wie den Hessen, Bayern und Baden-Württemberger, die ja die Party hier bezahlen und so dummfreundlich sind, uns im Ruhrgebiet nicht jeden Tag daran zu erinnern.

Nur das Geld aus dem Süden des Landes erlaubte dem Ruhrgebiet ein Leben in der Hängematte. Niemand wird so dumm sein, einen ganzen Kontinent durchzufüttern, nur weil seine Bewohner glaubt, statt sich als grüner Oberlehrer der Welt aufzuspielen zu müssen, statt zu arbeiten. Das Europa seine eigenen spendablen Bayern findet, ist eher unwahrscheinlich. Von da an hatten wir hier im Revier ja noch wirklich Glück.

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