Evangelische Kirche im Rheinland: Gottesdienst-Arbeitshilfe gegen Israel

Ulrich W. Sahm Foto: Christliches Medienmagazin pro Lizenz: CC BY 2.0


Unser Gastautor Ulrich W. Sahm wundert sich über die bemerkenswerte Sicht der Kirche im Rheinland auf Israel.

„Zum ersten Mal in der Geschichte der Evangelischen Kirche im Rheinland reisen Mitglieder der Kirchenleitung gemeinsam mit Vertretern jüdischer Gemeinden nach Israel. Anlass ist das 70-jährige Bestehen des Staates Israels sowie eine Bekräftigung der gemeinsamen Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus in unserer Gesellschaft.“

Dieses historische Ereignis soll vom 26. bis 29. April stattfinden, so Jens Peter Iven, Pressesprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland. Dabei reist man nach Nes Ammim, eine christliche Siedlung zwischen Haifa und der libanesischen Grenze mit 332 Einwohnern.

Auf der Homepage der Evangelischen Kirche im Rheinland findet sich eine „Gottesdienst-Arbeitshilfe“, die ebenso dem 70-jährigen Bestehen des jüdischen Staates gewidmet ist. Der Verfasser, Dr. Rainer Stuhlmann, war von 2011 bis 2016 Studienleiter in Nes Ammim. Unter dem Titel „70 Jahre Staat Israel – ein Datum im christlichen Kalender?“ schreibt Stuhlmann im vierten Paragraphen: „Was für Juden ein Grund zum Feiern ist, das ist für andere ein Grund zur Trauer. Den einen hat die Staatsgründung Schutz, Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit gebracht, den anderen Vertreibung, Zerstörung, Zwang und Unrecht.“

Die rund 2,5 Millionen Araber im Staat Israel mit eigenen Parteien in der Knesset, Generalen in der Armee und Vertretung in Regierung wie Gesellschaft wurden von Stuhlmann nicht gefragt. Er unterschlägt auch, dass unmittelbar nach der Gründung Israels aus der gesamten arabischen Welt fast alle dort seit 3000 Jahren lebenden Juden zwangsenteignet und vertrieben worden sind. Libyen und Syrien sind heute „judenfrei“. In Ägypten leben noch 10 alte jüdische Frauen. Es sind mehr Juden nach Israel geflohen, als „Araber aus Palästina“ vom Staatsgebiet Israels weggezogen sind.

Weiter schreibt Stuhlmann, „Die von den Vereinten Nationen beschlossene Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat hat zu einem grausamen Krieg geführt, in dem es auf allen Seiten Opfer gegeben hat.“ Nicht die Empfehlung der UNO Generalversammlung von 1947 hat zu einem Krieg „geführt“. Der Krieg wurde von den arabischen Staaten Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien und anderen beschlossen, weil sie keinen jüdischen Staat in ihrer Mitte dulden wollten. Deshalb fielen sie in der Nacht nach der Ausrufung Israels 1948 über den frisch gegründeten jüdischen Staat her, um ihn zu vernichten. Im Gegensatz zu Deutschland hat in Nahost noch nie jemand eingestanden, einen Krieg verloren zu haben. Die unterlegenen Angreifer weigerten sich deshalb, Verantwortung für die Folgen ihres Tuns zu übernehmen, darunter das Schicksal der von den arabischen Führern zur „zeitweiligen Flucht“ aufgerufenen Araber aus Palästina.

„Am Ende des Krieges hatten die Juden ihren Staat, der weit größer war, als es der Teilungsplan vorsah. Und die Palästinenser nichts.“

Bei Krieg weiß man vorher nie, was am Ende rauskommt. Bemerkenswert ist die Behauptung: „Und die Palästinenser nichts.“ Die haben in der Tat großes Pech gehabt, zumal es 1948 noch keine „Palästinenser“ im heutigen Sinn gab. Die Araber des britischen Mandatsgebiets Palästina haben sich erst 1968 mit der 2. von Jassir Arafat verfassten PLO-Charta als Palästinenser konstituiert und gefordert, anstelle Israels einen Staat zu errichten.

Stuhlmann erwähnt, dass es „in diesen siebzig Jahren mindestens acht Kriege und zwei blutige Aufstände gegeben hat. Immer war Israel trotz schmerzlicher Verluste siegreich und die Palästinenser die Verlierer.“

Laut UNO ist Krieg ein militärische Auseinandersetzung zwischen Staaten. Davon gab es nur vier: 1948, 1956, 1967 und 1973. Alles andere waren „Militäroperationen“ gegen Freischärler, Terrormilizen und „bewaffnete Arme von politischen Parteien“. Die Israelis haben sich gegen Raketenbeschuss und Selbstmordattentate in Bussen, Schulen und Restaurants gewehrt. Hätten die Juden sich etwa massakrieren lassen sollen, um den Palästinensern einen Sieg zu gönnen? Verschärfte Sicherheitskontrollen auf Flughäfen, Verriegelung der Pilotenkanzeln und Poller um Weihnachtsmärkte: Nach jedem Terroranschlag in Europa und den USA werden Sicherheitskontrollen mit israelischer Hilfe nachjustiert. Israels Geheimdienste haben allein 2017 mehrere Dutzend tödliche Anschläge in aller Welt verhindert.

„Die Staatsgründung Israels ist auch ein Datum im christlichen Märtyrerkalender. Im Ruinenfeld von Iqrit und Bir‘am in Galiläa sind nur die Kirchen stehen geblieben. Die Bewohner dieser beiden christlichen Dörfer wurden vertrieben. Nur als Leichen dürfen sie und ihre Nachfahren zurückkehren, um auf dem Friedhof am Rande der Ruinen ihrer Häuser begraben zu werden.“ Stuhlmann übernimmt hier den ansonsten in der evangelischen Kirche unüblichen palästinensischen Märtyrerkult. Juden können nicht einmal als Leichen in die arabischen Länder zurückkehren, um sich dort neben ihren zerstörten Synagogen begraben zu lassen.

Stuhlmann beklagt weiter die späten Friedensverhandlungen, erst mit Ägypten und Jordanien und dann mit der PLO. Er erwähnt nicht das dreimalige „Nein“ der arabischen Welt 1967 in Khartum, das jegliche Kontakte mit Israel ausschloss. Und dann schreibt er: „Und doch steht die Anerkennung eines palästinensischen Staates immer noch aus – auch durch unsere Regierung.“ Ihm scheint unbekannt zu sein, dass die Palästinenser bis heute ihren Staat nicht ausgerufen haben. Denn dann würden sie Milliardensummen verlieren, die ihnen als „Aufbauhilfe für den künftigen Staat“ geschenkt werden. Sowie sie einen Staat ausgerufen hätten, stünde ihnen bestenfalls eine kümmerliche „Entwicklungshilfe“ zu. Wie kann Stuhlmann von Deutschland die Anerkennung eines Staates fordern, der nicht einmal existiert?

Den Höhepunkt der Geschichtsklitterung erreicht das Arbeitspapier der Rheinischen evangelischen Kirche mit dem Satz: „Die palästinensischen Christen leben seit zweitausend Jahren im Land.“ Dann gab es also „palästinensische Christen“ vor der Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Vielleicht war ja auch Jesus ein „palästinensischer Christ“ und Araber, über 100 Jahre, ehe Kaiser Hadrian die römische Provinz „Judäa“ in „Syria-Palästina“ umbenannt hat, um jegliche Erinnerung an die Juden zu tilgen?

Kirchenrat Dr. Volker Haarmann zeichnet verantwortlich für diese „Gottesdienst-Arbeitshilfe“. Präses Manfred Rekowski hat das Grußwort verfasst. Beide nehmen an der Reise teil. Auf Nachfrage erklärte Pressesprecher Iven, dass es zwischen jenem Arbeitspapier und der „historischen Reise“ keinen Zusammenhang gebe.

Die Argumente Stuhlmanns stammen aus dem klassischen Repertoire palästinensischer Propaganda zur Delegitimierung Israels und der Juden. Es fragt sich, welchen Sinn Vertreter jüdischer Gemeinden in Deutschland in dieser „ökumenischen Reise“ sehen. Eine Stellungnahme der jüdischen Teilnehmer steht noch aus.

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KClemens
KClemens
6 Jahre zuvor

Wir warten jetzt erst mal auf die Antwort zur Frage, ob das Judentum zu Deutschland gehört….

discipulussenecae
discipulussenecae
6 Jahre zuvor

Ein sehr guter Kommentar, der sich hervorragend gegen alle ahnungslosen Gutmenschen und Antisemiten verwenden läßt!

trackback

[…] EKiR-Arbeitshilfe „70 Jahre Staat Israel. Ein Termin auch im christlichen Kalender?“. Dieses Blog berichtete gestern über den Text.  „Wir wissen es sehr zu schätzen, dass die Evangelische Kirche im Rheinland als einzige […]

paule t.
paule t.
6 Jahre zuvor

Da gibt es nun erst einmal die Tatsache an sich, dass die EKiR eine Arbeitshilfe zur gottesdienstlichen Feier der Staatsgründung Israels herausgibt.

Im Vorwort dazu wird festgestellt, dass "[d]ie Feierlichkeiten zur 70 jährigen Staatsgründung Israels […] auch für uns in der Evangelischen Kirche im Rheinland ein Grund zur Mitfreude" sind; es gibt eine ganze Reihe weiterer inhaltlich ähnlicher, eindeutig positiver Aussagen zu Israel.

Die spezifische, einmalige Feindseligkeit, der Israel von Beginn an ausgesetzt ist, wird unter Punkt 2 so beschrieben: "Israel ist der einzige Staat, dessen Existenzrecht von Anfang an bestritten wurde – nicht nur von allen seinen Nachbarn. Und er ist der einzige Staat, dessen Gründung mit einer Kriegserklärung all seiner Nachbarstaaten beantwortet wurde. Bis heute sprechen ihm viele arabische und islamische Staaten sein Existenzrecht ab." Das wird also keineswegs unter den Tisch fallen gelassen.

Die "Errichtung des Staates Israel" wird ausdrücklich "als Zeichen der Treue Gottes zu seinem Volk" beschrieben.

Das sind nur einige Beispiele. Sicherlich kann man die im obigen Artikel Sahms zitierten Aussagen ablehnen, sie als unhistorisch oder ungerechtfertigt o.dgl. falsch finden; darüber wäre zu diskutieren. Aber um schlechthin von einer "Gottesdienst-Arbeitshilfe gegen Israel" zu sprechen, muss man angesichts dieser gänzlich gegenläufigen Zitate schon einen sehr festen Willen zur Einseitigkeit haben.

Helmut Junge
6 Jahre zuvor

Zitat "Das sind nur einige Beispiele. Sicherlich kann man die im obigen Artikel Sahms zitierten Aussagen ablehnen, sie als unhistorisch oder ungerechtfertigt o.dgl. falsch finden; darüber wäre zu diskutieren. Aber um schlechthin von einer "Gottesdienst-Arbeitshilfe gegen Israel" zu sprechen, muss man angesichts dieser gänzlich gegenläufigen Zitate schon einen sehr festen Willen zur Einseitigkeit haben."
@Paule t. Das nennt man verhärtete Fronten.
Aber wundert Sie das nach 70 Jahren Krieg?
Glauben Sie etwa, die Gegenseite wäre einen winzigen Hauch weniger einseitig?
Wenn sie diese Ansicht verkünden würden, käme ich aus dem Staunen wohl kaum jemals raus.
Krieg, lieber @Paule t. ist wohl das Einseitigste überhaupt, aber auf mindestens zwei Seiten gleichzeitig.
Hätten Sie die Gabe, sich in die Rolle des Gastautors zu versetzen, könnten Sie da anders argumentieren?
Die Antwort auf diese Frage schenke ich Ihnen, weil sie ja schon auf einfachere Fragen nicht bereit waren zu antworten.

paule t.
paule t.
6 Jahre zuvor

@ Helmut Junge #5

Nun, ich hatte den mir nicht bekannten Gastautor jetzt nicht als, gewissermaßen, journalistischen Kombattanten eingeordnet, zu dessen militärischen Aufgaben es statt sachlicher Berichterstattung gehört, unter Weglassen wichtiger Gesichtspunkte jeden der Gegenseite zuzuordnen, der sich nicht 100%ig hinter den eigenen Standpunkt stellt. Ich weiß auch nicht, ob er mit dieser Einordnung einverstanden wäre.

Inhaltlich stimmen Sie mit dieser Einordnung meiner Beurteilung, dass in dem Artikel ein fester Wille zur Einseitigkeit herrscht, ja zu. Ob ich selbst einen weniger einseitigen Blick einnehmen könnte in Konflikten, bei denen ich stärker involviert bin? Ich hoffe es, meiner Einschätzung nach ja, aber es steht mir nicht zu, das selbst zu beurteilen (insofern ist Ihre persönliche Frage an mich wenig sinnvoll).

Ob die inhaltliche Einseitigkeit des Artikels menschlich durch persönliche Verwicklung entschuldbar ist, ist für mich aber auch relativ nachrangig. Ich wollte zunächst mal nur die Einseitigkeit des Artkels feststellen, indem ich auf eine Reihe weggelassener Punkte hinwies. Dass es möglich ist, solche Punkte nicht wegzulassen und dann zu einer weniger einseitigen Beurteilung zu kommen, wollen Sie ja wohl nicht bestreiten.

paule t.
paule t.
6 Jahre zuvor

Übrigens: Mit dieser Bemerkung …

[Zitat] "Aber wundert Sie das nach 70 Jahren Krieg?"

… erweisen Sie sich gerade auch als schlimmer Gegner Israels. Wenn man so vorgeht wie Sahm jedenfalls.
Denn wenn es dem Autor des Texts in der Arbeitshilfe schon angelastet werden muss, von acht Kriegen zu sprechen, wo es doch nur vier gewesen seien – was ist dann von jemand zu halten, der gleich von 70 Jahren Krieg spricht?

Helmut Junge
6 Jahre zuvor

@aule t., es gab zwischen den heißen Phasen dieses Krieges keinen Friedensvertrag und keinen Frieden.
Es gab all die Jahre immer Drohungen der Nachbarstaaten, sowie Staaten, deren Territorien überhaupt keine gemeinsamen Grenzen mit Israel haben. Auch jetzt noch.
Also ging der Krieg weiter. Nach meiner Sichtweise jedenfalls war und ist das Krieg.
Und was sagt das denn schon, wenn von der Evangelischen Kirche im Rheinland zwei sich ausschließende Positionen verkündet werden? Ein "sowohl als auch" mag denen diplomatisch erscheinen, allen Seiten gerecht sozusagen, aber so diplomatisch, daß das klappt, ist es nun wieder nicht. Jetzt fahren sie halt ohne jüdische Begleitung. Nur dann zu sagen, "och, sind die einseitig", hilft auch nicht. Ja einseitig, was sonst? Sonst wären sie schon im Meer.

Ines C.
Ines C.
6 Jahre zuvor

Der Text ist eine "Gottesdienst-Arbeitshilfe", dort hat er theologisch seinen "Sitz im Leben", seinen "Kontext".
Im Vorwort die Palästina-Frage zu installieren ist Politisierung einer kirchlichen Handlung. Das verschiebt eine theologische und spirituelle Handlung im System Religion zu einem Statement im System Politik.
Für mich als Bekennerin zur Barmer Erklärung sehr glitschiges Terrain für eine Kirchenleitung – theologisch schon seit Martin Luther.
Wenn dann noch die Experten der jüdischen Gemeinde diesen Text als judenfeindlich sehen, schließe ich mich an.
Die Mitschuld an der Vernichtung deutscher Juden durch die gleichgeschalteten Kirchen in Nazi-Deutschland – zum Teil hat sogar der Bekennende Kirche geschwiegen – wurde sehr spät und zögerlich aufgearbeitet.

Deshalb gilt für jede deutsche evangelische Kirchenleitung auch heute noch Denniz Yücelz Gebot: "Nein, du darfst nicht" – meiner Meinung nach.

paule t.
paule t.
6 Jahre zuvor

@Ines C. #9

Zitat: "Im Vorwort die Palästina-Frage zu installieren ist Politisierung einer kirchlichen Handlung. "

Gut, wenn man eine ganz strikte Abtrennung der Religion von jeder Politik will, kann man das so sehen. Ich würde darin allerdings eher eine simpel verstandene lutherische Zwei-Reiche-Lehre sehen als Barmen, wo immerhin auch "Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben" bejaht wird, also auch auf die Politik (wir haben hier die penetrante Widersprüchlichkeit bei Barth zur Politik).

So oder so müsste Ihr Vorwurf dann aber genauso der gottesdienstlichen Würdigung der Staatsgründung Israels selbst gelten, denn das ist ja nun um nichts weniger politisch. Gegen die grundsätzliche positive Thematisierung der Staatsgründung im Gottesdienst nichts einzuwenden zu haben, es aber für eine unzulässige Politisierung zu halten, wenn eine palästinenische Perspektive auch vorkommt, wäre ja nun reine theologische Bigotterie.

Die Politisierung an sich ist denn ja aber auch überhaupt nicht der Vorwurf Sahms, sondern die falsche – ich sag mal polemisch: nicht hinreichend einseitige – Politisierung.

——————————————

Zitat: "Wenn dann noch die Experten der jüdischen Gemeinde diesen Text als judenfeindlich sehen, schließe ich mich an."

Nun, ich erlaube mir schon, die Gründe dafür genauer anzusehen. Bei diesem Artikel muss ich eben feststellen, dass für die Bewertung, es handle sich nicht nur um bestimmte problematische Aussagen (was diskutierenswert wäre), sondern insgesamt um eine "Gottesdienst-Arbeitshilfe gegen Israel", ganz wesentliche Teile weggelassen werden müssen (Beispiele habe ich ja #4 zitiert). Und das ist mMn keine ehrliche Diskussion.

Auf konkrete Aussagen von Experten der jüdischen Gemeinde warte ich auch gespannt. Sahm erlaube ich mir nicht dazuzurechnen. Ich finde die Absage der Reise aufgrund dieses Artikels zunächst mal merkwürdig.

——————————————

Zitat: "Die Mitschuld an der Vernichtung deutscher Juden durch die gleichgeschalteten Kirchen in Nazi-Deutschland – zum Teil hat sogar der Bekennende Kirche geschwiegen – wurde sehr spät und zögerlich aufgearbeitet."

Richtig. Genau diese Problematik wird in der Arbeitshilfe ja auch thematisiert (S. 5):
"Zum einen waren vor allem christliche Theologie und Kirche verantwortlich für
die Verfolgung der Juden. Darum ist dieses Datum ein Tag der Scham für die Chris-
ten, ein Tag der Besinnung und entschlossenen Umkehr zur unverbrüchlichen So-
lidarität mit dem Judentum und ein Tag der Verpflichtung, jede Form des Antise-
mitismus zu bekämpfen."

Genau das gehört ja zu den Dingen, die Sahm weglassen muss, um zu seiner einseitigen Bewertung zu kommen.

Nebenbei bemerkt: DIe Bekennende Kirche hat m.M.n. u.a. deswegen zur Judenverfolgung geschwiegen (und zwar nicht nur zum Teil, sondern zienmlich weitgehend), weil sie sich theologisch den Widerstand gegen die Gleichschaltung der Kirche durch die strenge Trennung von Politik und Religion erkauft hat, die Sie hier auch anmahnen. Wenn man das so streng tut wie Barth (zB in "Theologische Existenz heute!"), hat man anschließend theologisch nicht mehr viel gegen die Politik des Staates in der Hand.

—————————————

Um noch einmal klar zu sein: Meine Kritik an Sahm ist _nicht_, dass er Kritik an den von ihm zitierten Passagen der Arbeitshilfe übt. Meine Kritik richtet sich gegen das nur durch Weglassen erreichbare, falsche Gesamturteil, es handle sich um eine "Gottesdienst-Arbeitshilfe gegen Israel".

paule t.
paule t.
6 Jahre zuvor

@ #8 Helmut Junge

Zitat: "[…] es gab zwischen den heißen Phasen dieses Krieges keinen Friedensvertrag und keinen Frieden. Es gab all die Jahre immer Drohungen der Nachbarstaaten, sowie Staaten, deren Territorien überhaupt keine gemeinsamen Grenzen mit Israel haben. […] Nach meiner Sichtweise jedenfalls war und ist das Krieg."

Nun, _ich_ habe gegen diese Sichtweise nichts einzuwenden. Nur dass Sie sich mit dieser Sichtweise _nach der Argumentation Sahms_ logisch als Israelgegner erweisen. Denn wenn es für diese Beurteilung schon ein Argument sein soll, von acht statt vier Kriegen zu reden – wie ist es dann erst
zu beurteilen, wenn man von 70 Jahren durchgehendem Krieg redet?

————————————–
Zitat: "Und was sagt das denn schon, wenn von der Evangelischen Kirche im Rheinland zwei sich ausschließende Positionen verkündet werden?"

Verschiedene Perspektiven verschiedener Leute auf ein Ereignis wahrzunehmen, bedeutet nicht, "zwei sich ausschließende Positionen" zu haben. Die Position der EKiR ist laut der Arbeitshilfe die eindeutige Solidaritär mit Israel. Nur dass man das nicht wisen kann, wenn man nur Sahms Artikel lkiest und nicht die ARbeitshilfe selbst.

————————————–

Zitat: "Jetzt fahren sie halt ohne jüdische Begleitung."

Nein, tun sie nicht. Ohne jüdische Begleitung finden sie die Reise sinnlos und bleiben daheim.

Ulrich T. Christenn
Ulrich T. Christenn
6 Jahre zuvor

Seit Jahren verfolge ich die Arbeit von Ulrich Sahm mit Interesse und Hochachtung. Er gehört zu den intimsten deutschen Kennern der israelischen Gesellschaft und Politik.
Gleichzeitig stelle ich in den letzten Jahren mit Verwunderung fest, wie er seine journalistischen Fähigkeiten mehr und mehr mit Positionierungen und Kommentierungen vermischt. Vor wenigen Wochen habe ich das auch bei einem Vortrag in Wuppertal erlebt. Und nun scheint mir dieser Vorfall ein neuer Höhepunkt zu sein.

Wenn es dieser Blog-Eintrag geschafft hat mit dem Hervorzerren ungeschickt formulierter und unpassender Wahrheiten, bei gleichzeitigem Weglassen von positiven Zitaten, im christlich-jüdischen Dialog mühsam aufgebautes Vertrauen zu verstören, dann frage ich mich, was will Ulrich Sahm damit erreichen? Ich verstehe ihn nicht mehr.
Ist es für ihn eine Genugtuung, dass eine Dialog-Reise angesagt wurde?

Ich habe das Gefühl, dass er sich von der Maxime von Hanns Joachim Friedrich entfernt hat: "Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört."

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[…] der Evangelischen Kirche im Rheinland beigetragen, in dem er Israel als brutale Besatzungsmacht dämonisierte, Geschichtsklitterung betrieb und sich die palästinensische Propaganda zu eigen machte. Der […]

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