Diesel-Fahrverbote schaden der Umwelt und den Verbrauchern

Fahrverbot Photo by Zac Ong on Unsplash
Bald vom Fahrverbot betroffen? – Photo by Zac Ong on Unsplash

Lokale Fahrverbote für Dieselfahrzeuge sind technisch unsinnig, fördern den Abgasausstoß und schaden Verbrauchern. Ein Gastbeitrag von Fred Roeder, Managing Director des Consumer Choice Center.

Am 27. Februar sprach des Bundesverwaltungsgericht Leipzig das lang erwartete Urteil zu Fahrverboten für bestimmte Dieselfahrzeuge. Die Richter widersprechen darin den klagenden Bundesländern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen und gaben damit den Kommunen Stuttgart und Düsseldorf das Recht Fahrverbote für Diesel-PKWs auszusprechen. Nun droht  in Deutschland ein Flickenteppich aus Gebieten zu entstehen in denen man entweder mit einem Dieselfahrzeug fahren kann oder die man umfahren muss. Für Verbraucher sind das schlechte Nachrichten.

Ideologisch motivierte Fahrverbotslobby

Spätestens seit der Abgasaffäre um Volkswagen stehen Dieselfahrzeuge in Europa aber auch Nordamerika unter heftigem Beschuss. Strikte EU-Grenzwerte zu Stickoxiden und deren Überschreitung in mehreren dutzend deutschen Großstädten haben zu Klagen von Umweltverbänden wie Client Earth oder der Deutschen Umwelthilfe geführt.

Ein gutes Drittel aller Fahrzeuge in Deutschland fährt mit Diesel. Der geringere Verbrauch, die höhere Reichweite und der niedrigere Kraftstoffpreis hat viele Verbraucher dazu gebracht,  vergleichsweise teurer Dieselfahrzeuge zu kaufen. Doch Verbraucher, die sich für einen Diesel entschieden haben sind nun zur Zielscheibe ideologisch motivierter Umweltverbände geworden, die am liebsten sämtliche Dieselfahrzeuge verbieten würden.

Die Kläger führen auf, dass zehntausende Menschen pro Jahr an der Abgasbelastung in Deutschland sterben würden. Der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie Professor Dr. med Köhler widerspricht der Fahrverbotslobby und sieht in Feinstaub und Stickoxiden nur untergeordnete gesundheitsgefährdende Faktoren. Viele Studien würden falsch interpretiert und die Kosten die durch Dieselverbote entstünden, stehen in keiner Relation zu ihrer Wirkung.

Zweifel an den Motiven der Deutschen Umwelthilfe kommen auch auf, wenn man sich ihre Spender genauer anschaut. Seit 20 Jahren erhält die Deutsche Umwelthilfe ca. 50.000 Euro jährlich vom Automobilhersteller Toyota, dessen Dieselprodukte in Deutschland wenig erfolgreich sind und der mehrheitlich auf Benziner und Hybridmotoren setzt.

Vorsprung durch Technik

Viele Hersteller haben ihre Dieselmotoren bereits mit selektiv katalytischen Reduktoren (SCR) ausgestattet. Dieses Verfahren zur Reduktion von Stickoxiden fügt kontinuierlich eine wässrige Harnstofflösung mittels Dosierpumpe in den Abgasstrom ein. Dies minimiert den Ausstoß von Stickoxiden.

Während mehrere Fahrzeugmodelle von Volkswagen die schwarzen Schafe in den Dieselflotten sind, muss man zwischen diesen und den regelkonform zugelassenen Dieselautos unterscheiden. VW hat seine Betrugsversuche bei Abgastests eingestanden. Anstatt nun Dieselfahrer zu benachteiligen,  würde eine Einhaltung geltender Gesetze bei der Abnahme von Fahrzeugtypen ausreichen. Andere Hersteller von Dieselmotoren und ihre Kunden dürfen hier nicht in Sippenhaft genommen werden.

Weiter haben Innovationen von Herstellern wie zum Beispiel selektiv katalytische Reduktoren bereits deutlich saubere Dieselfahrzeuge auf den Markt gebracht. Die Stickoxidbelastung ist in den meisten Städten zwischen 2016 und 2017 zurückgegangen und wird durch das Auslaufen alter Modelle weiter reduziert werden.

Zurück zur Kleinstaaterei?

Städte wie Stuttgart und Düsseldorf wären gut beraten, die ausgesprochenen Fahrverbote wieder aufzuheben. Ein Flickenteppich aus No-Diesel-Zonen wird am Ende die Umwelt stärker belasten, da unnötig viele Kilometer um die Fahrverbote herum gefahren werden müssten.

Ein zweiter Punkt ist Rechtssicherheit für Verbraucher. Jahrzehntelang wurden Anreize für den Anschaffung von Dieselfahrzeugen gesetzt und auf nun beginnen Kommunen,  diese zu verbieten. Berufspendler aus ländlichen Gegenden und Dienstfahrzeuge stünden am Ende auch schlechter dar. Für viele bedeutet ein Fahrverbot, dass sie sich entweder einen neuen Arbeitsplatz suchen oder ein neuen Fahrzeug anschaffen müssen.

Es gilt zu hoffen, dass die neue Bundesregierung den wissenschaftlich fragwürdigen Beschwerden über Grenzwertüberschreitungen nicht nachgibt und die Wahlfreiheit der Verbraucher zwischen Diesel, Benziner und natürlich auch dem Elektromotor weiter bestehen lässt-.

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ke
ke
6 Jahre zuvor

Zu hoffen bleibt insbesondere, dass sich der Autofahrer, egal welche Antrieb er nutzt, auch auf die Technischen Daten des Fahrzeugs bzgl. des Verbrauchs verlassen kann.
Dies haben die Hersteller zu garantieren. Übrigens alle mit allen Antriebstechniken. Dabei sollte insbesondere bei E-Antrieben auch vom CO2 Wert des Stromnetzes ausgegangen werden.

Ebenso bleibt zu hoffen, dass die Journalisten, bevor sie Pressemitteilungen verbreiten, auch die Plausibilität testen.

paule t.
paule t.
6 Jahre zuvor

Lustig, dass im Artikel "Zweifel an den Motiven der Deutschen Umwelthilfe" wegen des Spenders Toyota erhoben werden. Da wäre doch gleichzeitig eine kleine explizite Offenlegung bezüglich des Autors und der Finanzierung von dessen Verband ganz nett.

Dazu:
http://www.taz.de/!5467474/
"Denn Roeder sagt ganz offen: „Wir sind fast komplett finanziert durch Unternehmensspenden.“"

Klaus W.
Klaus W.
6 Jahre zuvor

Also, ich tanke morgens lieber frische als abgasgeschwängerte Luft- wenn dann ein paar weniger Diesel auf der Straße sind, kann es nicht unbedingt schaden. Als ohnehin passionierter ÖPNV-Fahrer kann ich einer Begrenzung des privaten Kraftfahrzeugverkehrs durchaus etwas abgewinnen. Dies ließe sich außer über Verbote zusätzlich natürlich durch einen stark verbesserten ÖPNV erreichen.

Ansonsten ist mir die Debatte zu sehr ideologisch und auch von persönlichen, wirtschaftlichen und unterschiedlichsten politischen Interessen und Staatsverständnissen geprägt, dass ich mich an einer weitergehenden Diskussion auch mangels eigener fundierter Sachkenntnis zu diesem Thema nicht äußern will und kann.

Dennoch kann ich mir einige Anmerkungen zum Verfasser dieses Artikels bzw. zu der Organisation, die er vertritt , nicht verkneifen.

Bereits bei der Glyphosat-Debatte hat CCC ebenfalls im Falle eines Verbotes wirtschaftliche Miseren und negative Folgen für viele Beteiligte vorausgesagt. Nach dem gleichen Muster funktioniert nun dieser Artikel.

Damals hieß es:
„„Ein Verbot hätte weit¬gehende wirtschaftliche Folgen gehabt: Für Deutschland über 50 Prozent weniger Weizen und 40 Prozent weniger Kartoffeln“,

Anscheinend ist das eine der Methoden von CCC, einer Organisation, die sich anscheinend zu aller größtem Teil aus Unternehmensspenden finanziert, diese aber nicht preisgibt.

Mit einer Ausnahme: Japan Tobacco International.

Da wundert es nicht, dass der passionierte Raucher und erklärte Gegner von Nichtraucherschutzgesetzen Stefan Laurin dem CCC einige Zeilen in seinem Blog gewährt. 😉

„Dazu kommt, dass das CCC seine Spender nicht nennen will. „Wir sagen aber, aus welchen Branchen sie kommen, zum Beispiel Konsumgüter, Energie, Gesundheitswirtschaft, Maschinenbauindustrie“, ergänzt Roeder. Diese Liste passt zu einer Reihe Themen, auf die sich das CCC laut seinem Eintrag im Lobbyregister konzentrieren will: etwa Lebensmittel und Gesundheitswesen. Der einzige bereits bekannte Spender des Verbands ist Japan Tobacco International, einer der weltweit größten Zigarettenkonzerne. Ganz in seinem Sinne macht CCC Stimmung gegen Australiens Gesetz für Einheitsverpackungen von Zigaretten."
Quelle http://www.taz.de/!5467474/

FrankN.Stein
FrankN.Stein
6 Jahre zuvor

Ah. Lobbyisten für den "Erhalt von Konsumgütern" haben ein Problem damit dass Dreckschleudern verboten werden. Auf dass es der Industrie nicht zugemutet werde, ein einziges Auto weniger zu verkaufen. Nein, Verzeihung, es geht ja nur darum, die Wahlfreiheit zu schützen. Die Wahl der Industrie noch ein Auto abzukaufen.

sol1
sol1
6 Jahre zuvor

"Laut Webseite versucht die Organisation, Konsumenten zu unterstützen, ihre Interessen in den Medien, im Internet und auf der Straße zu verteidigen („The CCC empowers consumers to raise their voice in media, the Internet, and on the streets and facilitates activism towards a more empowered consumer.“ [8] Ironischerweise bietet die Internetseite des CCC keine Möglichkeit, sich als Konsument für die Organisation zu engagieren, wie Corporative European Observatory anmerkt.[9]"

https://lobbypedia.de/wiki/Consumer_Choice_Center

Tja.

teekay
teekay
6 Jahre zuvor

Ich mag ja so Beiträge von Bruesseler Mietmäulern-normalerweise ist dann das Gegenteil von dem wahr, was die behaupten-also gehe ich davon aus, dass Diesel-Fahrverbote sinnvoll und nuetzlich sind!

jpjea
jpjea
6 Jahre zuvor

Es braucht statt Dieselfahrverbote die Abschaffung der Steuerprivilegien für KFZ/Diesel, Parken muss flächendeckend teurer werden bzw. überhaupt was kosten (warum wird die Plastiktüte verboten, aber der Parkplatz beim Einkaufen bleibt kostenlos?), Citymaut in schwer belasteten Gebieten.
Die Autobauer müssen endlich in die Pflicht genommen werden. Wer einen großen Diesel gekauft hat und jetzt jammert, dass es kein Ökoauto ist, der sollte sich mal oberhalb der Nase von einem Arzt untersuchen lassen. Einen neuen Diesel zu entsorgen ist natürlich ökologisch auch unsinnig.

ke
ke
6 Jahre zuvor

@#7 jpjea:
Parken muss dann natürlich auch für Fahrräder etc. etwas kosten. Die teuren Stadtfahrräder brauchen auch immer mehr Platz und spezielle Parkhäuser.

Die steuerlichen Unterschiede je nach Spritart sind nicht nachvollziehbar.

Dass aktuell alles, das Batterien hat und viele Tonnen wiegt, als ökologisch gilt, ist auch falsch. Ein mehr 2 Tonnen-SUV mit E-Antrieb ist bspw auch ökologisch katastrophal.

Final hat es der Verbraucher in der Hand. Nur kleine, leichte Autos will keiner. Die meisten Fahrten sind immer noch über sehr geringe Strecken und könnten auch ohne Auto zurückgelegt werden.

Chris
Chris
6 Jahre zuvor

@ ke #8

vielleicht sollte auch das Stehen für Fussgänger etwas kosten?

Fussgänger brauchen viel Platz und spezielle Bürgersteige

ke
ke
6 Jahre zuvor

@9 Chris:
Also Hotels, die dann wohl mit Parkhäusern für Fahrräder etc. vergleichbar wären, kosten etwas.

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