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Falcons sind so gut wie draußen

Der Titelverteidiger, die Philadelphia Eagles, kommt ins Straucheln. 2:3 lautet die Startbilanz. Foto: Pixabay/Jack Johnston CC0 1.0

Von Mario Thurnes

Mit Prognosen ist das so eine Sache. Kaum steht in einer kleinen, wohlmeinenden Football-Kolumne, dass James Conner Le’Veon Bell nicht ersetzen kann und schon explodiert der Runningback, macht zwei Touchdowns und erläuft 110 Yards – was zu einem 41:17 der Pittsburgh Steelers gegen die Atlanta Falconsführte. Doch nicht nur Conner zeigt, wie schwer es ist, in der NFL Prognosen zu stellen.

Gut ein Drittel der regulären Saison ist in der NFL vorbei. Und ein Titelanwärter schon so gut wie draußen: Die Atlanta Falcons sind mit einer Bilanz von 1:4 gestartet. In der Chronik tauchen nur wenige Teams auf, die es mit einer solchen Bilanz noch in den Bowl geschafft haben. Die Offensive um Quarterback Matt Ryan hat zwar geliefert und mit 133 die bisher siebtmeisten Punkte der gesamten NFL erreicht. Doch mehrere Ausfälle ließen die Defensive zusammen krachen – was auch die deutliche Niederlage in Pittsburgh erklärt.

Wobei eine Prognose sich damit als wahr herausstellt: Der Gastgeber schafft es nicht in den Super Bowl. Das ist in der Geschichte der NFL noch keinem Team geglückt. Die Vikings aus Minneapolis waren im vergangenen Jahr nahe dran. Doch scheiterten sie im Konferenzfinale der NFC an den Philadelphia Eagles, die einen der besten Tage in ihrer Franchise-Geschichte erlebten. Am Sonntag gab es die Revanche, die Vikings siegten 23:21 in Philadelphia – doch ob das wirklich ein Trost für den verpassten Bowl im eigenen Stadion ist…

Die Kansas City Chiefs sind zu Saisonbeginn durchaus als Favoriten genannt worden. Das Fachmagazin „Touchdownetwa verglich die Offensive um Patrick Mahomes, Tyreek Hill, Travis Kelce, Kareem Hunt und Sammy Watkins mit einer Wunsch-Formation aus dem Computerspiel Madden. So überrascht ihre Bilanz von 5:0 Siegen wenig.

Doch mit der gleichen Bilanz sind die Chiefs schon in die vergangene Saison gestartet. Dann verloren sie sechs von sieben Spielen und schafften nur mühsam die Playoffs – in denen sie gegen die Tennessee Titans verloren. Das Aus der Chiefs bot eine legendäre Szene: Titans-Quarterback Marcus Mariota warf einen Ball in die Endzone, der wurde getitscht und Mariota fing den abgeprallten Ball dann selber in der Endzone: Touchdown.

Das zweite Team mit einer 5:0-Bilanz sind die Rams aus Los Angeles. Auch sie hatte „Touchdown“ vor der Saison als „Super-Team“ genannt – aber auch auf die Anfälligkeit hingewiesen, die Star-Ensembles gerne eigen ist. Doch am Sonntag bestanden die Rams ihre Feuerprobe und siegten bei den Seattle Seahawks mit 33:31. Das Stadion im Staat Washington gilt als eines der lautesten der Welt. Dort zu gewinnen, ist nicht einfach. Doch die Rams können sich derzeit auf Jared Goff verlassen. Der Quarterback warf mit 1727 Yards die bisher in dieser Saison meisten in der NFL, 72,3 Prozent seiner Pässe brachte er dabei an den Mann.

Dass in dieser Saison ein Rekord fallen würde, war absehbar. Und doch ist es als historische Leistung zu feiern: Quarterback Drew Brees warf beim 43:19 seiner New Orleans gegen die Washington Redskins einen 62-Yard-Touchdown auf Tre’Quan Smith. Damit brach er den Rekord von Peyton Manning, der im Laufe seiner Karriere auf 71 940 Pass-Yards kam. Brees steht nun bei 72 103 Yards.

Zeit für eine neue Prognose: Diesen Rekord dürfte Brees lange halten. Denn zum einen kann er ihn noch ausbauen und die Saints haben mit einer Bilanz von 4:1 einen guten Lauf. Zum anderen sitzt ihm niemand ernsthaft im Nacken: Unter den noch aktiven Quarterbacks hat Tom Brady die meisten Pass-Yards im Laufe seiner Karriere erreicht: 67 418. Damit liegt der „Größte aller Zeiten“ auf Platz vier der Gesamtwertung. Auf sechs steht Eli Maning mit 53 063 Yards und auf sieben Ben Roethlisberger mit 52 729 Yards. Die Partie gegen die Redskins wurde für drei Minuten unterbrochen, sodass Brees eine kurze Rede halten konnte.

Den größten Turnaround der Sportgeschichte hat Hue Jackson vor der Saison angekündigt. Der Cheftrainer der Cleveland Browns hat geliefert. Teilweise. Zwei Siege, zwei Niederlagen und ein Unentschieden sind im Vergleich zu den desaströsen Spielzeiten der vergangenen Jahren definitiv ein Fortschritt. Und es wäre sogar mehr möglich gewesen. Beide Niederlagen fuhren die Browns mit nur drei Punkten Abstand ein – eine davon sogar erst in der Nachspielzeit.

Bleibt noch der Titelverteidiger: Mit 2:3 sind die Philadelphia Eagles noch nicht raus aus dem Rennen um die Playoffs. Doch die Niederlagen haben einige Probleme aufgezeigt: Quarterback Carson Wentz ist nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder in der herausragenden Form der regulären Spielzeit 2017, Leistungsträger wie Jay Ajayi leisten sich plötzlich Schwächen in der Aufmerksamkeit und gerade wenn es hinten raus knapp wird, versagen den Eagles die Nerven: Etwa als die Tennessee Titans am vierten Spieltag in der Nachspielzeit die entscheidenden Punkte einfahren konnten, obwohl sie in dem Drive mehrere vierte Versuche benötigten.

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