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Fan-Krieg in Aachen

Aachen Tivoli Foto: Peter Tritthart Lizenz: CC

In Aachen haben die Hooligans der Alemannia sich einen ganz besonderen Gegner ausgesucht: Alemannia-Fans. Von Stefan Laurin und Andrej Reisin.

Eigentlich war es ein guter Tag für Alemannia Aachen: Der wirtschaftlich marode Zweitliga-Absteiger gewann mit 1-2 Anfang August das Auswärtsspiel gegen den 1. FC Saarbrücken. Doch nach Abpfiff kam es zu Ausschreitungen. Dabei gingen jedoch nicht Heim- und Gästefans aufeinander los, sondern die Schlägereien fanden zischen zwei verfeindeten Gruppen innerhalb der Alemannia-Fans statt: Mitglieder der „Karlsbande Ultras“ griffen auf dem Saarbrücker Stadiongelände Mitglieder der „Aachen Ultras“ (ACU) an. Die anschließende Schlägerei wird von Augenzeugen als regelrechte „Hetzjagd“ auf ACU-Mitglieder beschrieben, ein Fanbeauftragter der Alemannia musste sich schützend auf ein wehrloses Opfer werfen. Später randalierten Karlsbanden-Mitglieder an einer Raststätte, gegen drei von ihnen laufen Ermittlungsverfahren.

Für die Polizei in Aachen kein Einzelfall: „In Aachen ist die Situation einzigartig: Wir haben hier vor allem ein Problem mit der Gewalt zwischen Alemannia-Fans“, sagt Pressesprecher Paul Kemen. „Die Gewalt geht von der Karlsbande aus und wir beobachten das mit großer Sorge, denn diese ist dabei, von Rechtsradikalen unterwandert zu werden. Ziel ihrer Angriffe sind die Aachen Ultras.“

Diese engagieren sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus und sind vielen Fans aus dem Umfeld der Karlsbande sind damit ein Dorn im Auge. Denn dort tummeln sich NPD-Funktionäre, wie der mittlerweile in der Pfalz lebende Sascha Wagner, Mitglieder der „Kameradschaft Aachener Land“ und so genannte „autonome Nationalisten“ – Zusammenschlüsse gewaltbereiter Neonazis. Der Verein will diesen Zusammenhang so bislang jedoch nicht sehen: „Die Provokationen kommen aus beiden Richtungen, beide Parteien gehen auch in der Stadt aufeinander los. Das ist ein gesellschaftliches Problem, das der Verein alleine nicht lösen kann, so Pressesprecher André Schaefer.

Doch in Aachen hat sich Angst breit gemacht, denn die Schlägerei in Saarbrücken war nur die Spitze des Eisbergs: Seit Mitte Dezember kommt es immer wider zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, sogar drei Überfälle auf Mitglieder der Aachen Ultras gab es: Dabei drangen die Täter in Häuser ein, teilweise unter Aufbruch der Wohnungstür. Die Opfer seien bedroht und geschlagen, sowie ihrer Fanutensilien beraubt worden. Die Täter seien maskiert gewesen, aus Angst seien keine Anzeigen erstattet worden. Für Polizeisprecher Kemen ein Unding: „Wer solche Delikte nicht anzeigt stärkt die Täter.“ Fraglich bleibt indes, wieso die Polizei trotz zwei „szenekundigen Beamten“ davon nichts mitbekommen hat? Immerhin handelt es sich um Straftaten, die auch von Amts wegen verfolgt werden müssten.

Am Montag wird sich auch der Aachener „Runde Tisch gegen Rechtsextremismus“ mit den Vorfällen beschäftigen. Nach Informationen dieser Zeitung soll dabei die Vereinsführung von Alemannia Aachen unter Druck gesetzt werden, ein klares Zeichen gegen die „Karlsbande“ zu setzen. Es könne nicht sein, sagt ein Teilnehmer, dass die Alemannia versuche, sich mit allgemeinen Aussagen gegen Gewalt aus der Affäre zu ziehen.

Ähnlich sieht das auch Martin Endemann vom „Bündnis aktiver Fußballfans“ (BAFF): „Die Alemannia muss sich als erstes schützend vor diejenigen Fans stellen, die hier seit Monaten das klare Opfer von tätlichen Angriffen und Bedrohungen sind. Natürlich kann der Verein das Problem Rechtsextremismus in Aachen nicht lösen, aber er muss es wenigstens klar benennen: Die Übergriffe der „Karlsbande“ sind Gewalttaten, an denen stadtbekannte Neonazis beteiligt sind. Nicht daran ist unpolitisch, sondern es geht um die Einschüchterung derjenigen, die eine bunte, antirassistische Kurve haben wollen.“

Hilde Scheidt, Ratsfrau der Grünen und Aachener Bürgermeisterin, ist da zurückhaltender: „Die Mitglieder der Karlsbande sind ja oft noch sehr jung und die meisten von ihnen sind weder gewalttätig noch rechtsradikal. Ich habe aber die Sorge, dass die Gruppe von rechten Gewalttätern unterwandert wird. Wir müssen jetzt handeln.“ Eine Sorge der Kommunalpolitikerin gilt dem Ruf der Stadt: Aachen sei ein internationaler Wissenschaftsstandort – mache sich hier rechte Gewalt breit, könnten internationale Spitzenforscher schnell einen Bogen um die Stadt machen.

Der Artikel erschien in einer ähnlichen Version bereits in der Welt am Sonntag

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