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FAS will das Internet zivilisieren

In einem Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fordert Volker Zastrow das Internet "entschlossen zu zivilisieren."

Anlass des Kommentars ist das BGH-Urteil zu spickmich, dass es Schülern erlaubt Lehrern Noten zu geben - die meist sehr moderat ausfallen. Zastrow passt das nicht: Er sieht die Gefahr dass das Internet als Denunziationsmaschine mißbraucht wird und fordert einen klaren rechtlichen Rahmen, um dies zu verhindern: "Die sogenannten Informationen erlangen im Internet durchweg einen Ewigkeitswert. Verschiebt das nicht das Verhältnis zwischen Einzelnem und einer mit modernsten technischen Mittel ins Faustrecht des Urzustandes versetzten Gesellschaft? (...) Im Internet geschmäht zu werden heißt für immer geschmäht zu werden. Ob zu Recht, spielt keine Rolle; denn welches Recht kann es dafür geben? Ein Recht, in dem für niemand Verjährung gilt, kein Verzeihen? Kein Vergessen?"

Es wäre ein leichtes sich über diesen Kommtar lustig zu machen, über ihn herzufallen und ihn zu zerreissen: Der schnelle Zugang zu den Archiven, lange Zeit ein Privileg weniger (Vor allem von Journalisten), steht über das Internet jedem offen. Und der Verlust von Privilegien schmerzt. Und der Ruf Gesetzbuch zu reglementieren, zeigt eine tiefe Unkenntnis über das Internet: Eine Reglementierung die wirkungsvoll  wäre, käme dem Ende des freien Zugriffs gleich, wäre das Ende des Internets wie wie es kennen. Durchsetzbar ist so etwas nur über den massiven Einsatz von Zensurtechnologie wie im Iran oder in China. Davon mögen immer mehr, vor allem Politiker träumen, alleine wirtschaftich wären die Folgen solcher Maßnahmen nicht zu rechtfertigen: Der schnelle Zugriff auf Informationen aller Art ist längst eine der wirtschaftlichen Grundlagen unserer Gesellschaft. Ihn zu unterbinden hieße, uns um fast zwei Jahrzehnte in die Vergangenheit zu beamen. Das wird hoffentlich nicht konsequent geschehen. Aber ich habe keine Lust über jedes Stöckchen zu springen, dass man mir hinhält. Und ich will nicht so reagieren, wie es jeder Depp von mir erwartet.

In einem Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fordert Volker Zastrow das Internet "entschlossen zu zivilisieren."

Anlass des Kommentars ist das BGH-Urteil zu spickmich, dass es Schülern erlaubt Lehrern Noten zu geben – die meist sehr moderat ausfallen. Zastrow passt das nicht: Er sieht die Gefahr dass das Internet als Denunziationsmaschine mißbraucht wird und fordert einen klaren rechtlichen Rahmen, um dies zu verhindern: "Die sogenannten Informationen erlangen im Internet durchweg einen Ewigkeitswert. Verschiebt das nicht das Verhältnis zwischen Einzelnem und einer mit modernsten technischen Mittel ins Faustrecht des Urzustandes versetzten Gesellschaft? (…) Im Internet geschmäht zu werden heißt für immer geschmäht zu werden. Ob zu Recht, spielt keine Rolle; denn welches Recht kann es dafür geben? Ein Recht, in dem für niemand Verjährung gilt, kein Verzeihen? Kein Vergessen?"

Es wäre ein leichtes sich über diesen Kommtar lustig zu machen, über ihn herzufallen und ihn zu zerreissen: Der schnelle Zugang zu den Archiven, lange Zeit ein Privileg weniger (Vor allem von Journalisten), steht über das Internet jedem offen. Und der Verlust von Privilegien schmerzt. Und der Ruf Gesetzbuch zu reglementieren, zeigt eine tiefe Unkenntnis über das Internet: Eine Reglementierung die wirkungsvoll  wäre, käme dem Ende des freien Zugriffs gleich, wäre das Ende des Internets wie wie es kennen. Durchsetzbar ist so etwas nur über den massiven Einsatz von Zensurtechnologie wie im Iran oder in China. Davon mögen immer mehr, vor allem Politiker träumen, alleine wirtschaftich wären die Folgen solcher Maßnahmen nicht zu rechtfertigen: Der schnelle Zugriff auf Informationen aller Art ist längst eine der wirtschaftlichen Grundlagen unserer Gesellschaft. Ihn zu unterbinden hieße, uns um fast zwei Jahrzehnte in die Vergangenheit zu beamen. Das wird hoffentlich nicht konsequent geschehen. Aber ich habe keine Lust über jedes Stöckchen zu springen, dass man mir hinhält. Und ich will nicht so reagieren, wie es jeder Depp von mir erwartet.

Wenn wir nicht wollen, dass der Staat noch massiver als bislang in das Internet eingreift, müssen wir selbst Alternativen entwickeln. Denn die Gefahren, die Zastrow beschreibt, sind nicht aus der Luft gegriffen und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung muß auch im Internet gelten. Ich denke dabei weniger an Politiker oder an die moderaten SpcikMich Beurteilungen, als an ganz normale Leute, die vielleicht einen Job nicht bekommen, weil die Personalabteilung Suff-Fotos online gefunden hat. Die muss der Betrfeffende noch nicht einmal selbst reingestellt haben – wofür gibt es Freunde? Vielleicht würde eine Selbstverpflichtung helfen: Wir schützen einander indem wir uns verpflichten, gewissen Informationen auf Wunsch der Betroffenen zu löschen. Das heißt: Der Skandal des Politikers bleibt online, das Suff-Foto oder der unbedachte Kommentar werden auf Wunsch gelöscht. Und wir verlinken nur noch auf Seiten, die sich an diese Regeln halten. Die müssen von jedem Betreiber transparent gemacht und öffentlich diskutiert werden können. Ein weiteres mal Löschen statt sperren. Und Unternehmen oder auch der Staat verpflichten sich, nur noch Infos von solchen Seiten zu beziehen – kommt raus, dass einer den Job wegen eines solchen Fotos nicht bekommen hat oder das eine Firma solche Infos bei Bewerbungen nutzt, gibt es Ärger. Das Antidiskriminierungsgesetz macht vor wie das gehen kann. Vielleicht ist mein Vorschlag auch Quatsch und es gibt viele bessere Ideen, aber dann sollten wir sie diskutieren.

In den vergangenen Jahrzehnten ist im Internet eine der größten Gemeinschaften entstanden, die es je in der Geschichte gab. Und ich bin mir sicher, dass wir mit den Problemen die es in dieser Gemeinschaft wie in jeder anderen gibt, selbst fertig werden können: Selbstbestimmt und ohne Druck  von staatlicher Seite. Wir sind zivilisiert. Uns muß niemand etwas von Verantwortung erzählen.

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6 Kommentare zu “FAS will das Internet zivilisieren

  • #1
    Muriel

    Ich bin ja eher dafür, den richtigen Umgang mit Informationen zu erlernen. Wer ernsthaft jemanden nicht einstellt, weil er irgendwo ein peinliches Foto von ihm gesehen hat, ist in meinen Augen… sehr unvernünftig.
    Wenn in einer Gesellschaft ein peinliches Foto oder ein unbedachter Kommentar reichen, um jemanden zu verurteilen, dann liegt das Problem nicht bei dem Foto, oder dem Kommentar, sondern bei der Gesellschaft.
    Das ist sicher eine etwas utopische Idee, aber deine ist es ja auch ein bisschen.

  • #2
    schuri

    der lehrerverband hat in sachen spichmich etwas richtiges gesagt, dss verfassungsgeicht müsse klären, ob meinungsfreiheit auch für anonyme meinungsäußerungen im internet gilt. ich finde das trollig-prollige abkotzen unter artikeln – etwa bei derwesten oder wdr – mehr als fragwürdig.

  • #3
    Andreas F.

    Die Selbstbestimmung funktioniert im Internet prima – aber immer nur innerhalb einer Werte-Gemeinschaft.

    Im Internet gibt es aber unzählige Gemeinschaften mit unterschiedlichen Wertvorstellungen, sowie Medienkonsumenten und -produzenten, die sich keiner Gemeinschaft zugehörig fühlen. Was bei der einen Gemeinschaft als zivilisiert gilt, ist für die andere vielleicht nicht hinnehmbar.

    Es gibt weder eine zentrale Internet-Verwaltung, noch *eine* Community. Und das ist auch gut so.

    > Wir sind zivilisiert. Uns muß niemand etwas von Verantwortung erzählen.

    Wäre es so, würde es kein Webportal geben, in dem man seinen Nachbarschaftsschreit austrägt und seine Nachbarn, exakt per Google-Maps auffindbar, denunziert. Oder dann gäbe es kein Webportal, in dem Menschen, die von ihrem Partner betrogen wurden, diese an einen öffentlichen Pranger stellen und peinliche private Bilder von jenen veröffentlichen würden, oder, oder oder…

    So bleibt als kleinster gemeinsamer Nenner, das schon vorhandene Recht der Staaten, da das Internet kein rechtsfreier Raum ist.

  • #4
    Nicolai

    >ich finde das trollig-prollige abkotzen unter
    >artikeln – etwa bei derwesten oder wdr – mehr als
    >fragwürdig.

    Das Problem dabei sind doch nicht die Kommentare beim WDR. Das Problem sind doch die Gedanken und Handlungen der Menschen, die diese Kommentare verfassen.
    Und die existieren auch, wenn sie kein WDR-Kommentar-Forum finden.

    Deshalb muss etwas für die (Um)Verteilung kulturellen Kapitals getan werden.

  • #5
    schuri

    @nicolai: all den tumben unfug aus den köpfen zu bekommen, ist ein jahrhunderttausendprojekt, mindestens – und wir stecken noch in den anfängen. da müsste ich noch ganz schön lange weiter troll-prolls lesen. wäre es da nicht besser, wilde anonyme kommentare einfach mal abzuwürgen? wer was zu sagen hat, kann sich ja gerne im eigenen forum äußern, statt offene medienportale als trittbrettfahrer zuzumüllen und den zivilisatorischen entwicklungssprung interaktiver medien ins gegenteil zu verkehren. sprich: wir erleben dadurch doch längst eine diskursverarmung, einen sich breit machenden virtuellen stammtisch, weil sich verantwortliche zu wenig kümmern, zu wenig zutrauen.

  • #6
    David Schraven

    @ Schuri,

    ich bin da gar nciht so pessimistisch. Wir lernen gerade, wie das geht, das Diskutieren via Kommentarfunktion. Klar gibt es Müll. Aber wir sehen auch, dass der Müll sich nicht durchsetzt. Und gute Argumente sich durchsetzen.

    Das ist auch schon mal was.

    Ansonsten gebe ich Dir recht. Man muss sich löschen trauen, wenn jemand über die Strenge schlägt.

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