10

Forderung nach Verbot von Vernichtung von Retouren ist reiner Populismus der Grünen

Foto: Robin Patzwaldt

Die jüngste Welle der angedachten Verbote seitens der Grünen läuft wenige Tage nach dem großen Erfolg bei der Europawahl im Mai 2019 ungebremst weiter.

Neueste Forderung: Die Grünen wollen Online-Versandhändlern wie Amazon verbieten neuwertige Waren nach deren Rücksendung durch die Kunden zu vernichten.

„Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Da ist der Staat gefordert.“

Ist er das wirklich? Grundsätzlich erscheint es ja zunächst durchaus nachvollziehbar, dass dieses Vorgehen der großen Versandhändler kritisiert wird. Verbote können jedoch nicht immer automatisch die Antwort sein. Amazon handelt privatwirtschaftlich, hat also ein Interesse daran die Kosten niedrig und die Kunden zufrieden zu halten. Auch den Kunden des Versandhändlers selber kann ja nicht vorgeschrieben werden ob und wie sie ein bei Amazon erworbenes Produkt nach Auslieferung nutzen.

Wenn ich will, dann kaufe ich mir etwas und werfe es direkt danach weg. Wer will einen als Konsumenten daran hindern, wenn man den frisch erworbenen Artikel vorschriftsmäßig entsorgt?

Es fällt somit auch im Falle von Amazon & Co. schwer überhaupt einen logischen Ansatz für ein solches Verbot zu sehen. Zumal laut neuen Studien aktuell lediglich 4 Prozent der dort eingehenden Retouren vernichtet werden müssen.

Besonders übel stößt einem dieser Vorstoß der Grünen vor dem Hintergrund auf, dass es auf dem politischen Sektor ja eh schon diverse Vorgänge gibt, die viel eher und schon seit langem ‚verboten gehören‘. Schließlich ist es ja gerade auch die Europäische Union (EU), die seit Jahren schon immer wieder u.a. durch die bewusste, massenhafte Vernichtung von Lebensmitteln für Schlagzeilen sorgt.

Seit gefühlten Ewigkeiten schon wird kritisiert, dass regelmäßig Überproduktionen von Obst, Gemüse und Milchprodukten zerstört werden um den Markt künstlich zu regulieren, ohne dass sich daran bislang viel geändert hätte.

Bevor die Grünen sich also über das Gebaren von erfolgreichen, privatwirtschaftlichen Unternehmen öffentlichkeitswirksam in Szene setzen und echauffieren, sollten sie sich wohl besser zunächst einmal darauf konzentrieren, die Dinge im politischen Bereich selber zu durchleuchten und besser zu regeln. Da ist dann schon genug zu tun.

Neue, schlagzeilenträchtige Forderungen wie ein Verbot für Amazon seine Rücksendungen zu vernichten ins Gespräch zu bringen, die ohnehin nicht praktikabel erscheinen, sind so rasch als purer Populismus enttarnt. Das kann man sich seitens der Grünen Führungsriege eigentlich besser gleich sparen…

 

RuhrBarone-Logo

10 Kommentare zu “Forderung nach Verbot von Vernichtung von Retouren ist reiner Populismus der Grünen

  • #1
    Kevin

    Man sollte besser Amazon und alle großen Onlinehändler verbieten.
    Das wäre ein großer Schritt gegen den Klimawandel!

  • #2
    Thommy

    Der Vorschlag der Grünen ist richtig und konsequent. Er verändert die Welt nicht schlagartig, ist aber einer von vielen pragmatischen und das Bewusstsein fördernden Puzzlesteinen.

    Politik heißt nunmal nicht, allen und jedem immer in den Arsch zu kriechen, so wie das die von Ihnen geliebte SPD seit Jahren macht und damit weder Probleme gelöst noch sich sonst als irgendwie als zukunftsorientierte Partei prösentiert hat..

    Unabhängig davon ist Amazon ja nun mal auch aus bestimmten Gründen ein " erfolgreiches privatwirtschaftliches Unternehmen", die Ihnen als Sozialdemokraten doch sicherlich nicht verborgen geblieben sind.

    Zugegebenernaßen kaufe ich auch reichlich – aber vor allem gezielt, so dass ich noch nichts zurückschicken musste- bei Amazon. Das liegt vor allem an der Struktur des Einzelhandels hier – "Haben wir nicht, kommen Sie nächste Woche wieder" oder vor den Kunden "flüchtenden " Mitatbeitern. Und-ich kaufe ein,was ich meine, zu brauchen. "Shoppen" konnte ich noch nie etwas abgewinnen, dafür ist mir meine Zeit zu schade.

    Ich würde für vernünftige Löhne bei und sachgerechte Besteuerung von Amazon natürlich auch mehr bezahlen.

  • #3
    Flusskiesel

    Zu diesem Zeitpunkt Verbote zu fordern (egal ob sinnlos oder sinnvoll) ist für die Grünen mehr als unklug. Zu schnell könnte wieder eine ,,Verbotspartei“-Scheindebatte vom Zaun gebrochen werden wie seinerzeit beim Veggie-Day-Desaster.
    Übrigens stelle ich mir auch die Frage, was die Versandhändler mit der retournierten Waren denn eigentlich machen sollen, wenn sie sich nicht mehr verkaufen lässt.
    Verschenken?

  • #4
  • #5
    Robert Müser

    @ Thommy, #2

    "Der Vorschlag der Grünen ist richtig und konsequent. Er verändert die Welt nicht schlagartig, ist aber einer von vielen pragmatischen und das Bewusstsein fördernden Puzzlesteinen."

    =>
    Der Vorschlag der Grünen ist politisches Neusprech, der keinem möglichen Grün-Wähler weh tut und damit keine Stimme kostet. Aber mal schnell alle Medien mit einer Schlagzeile besetzt.

    "Politik heißt nunmal nicht, allen und jedem immer in den Arsch zu kriechen, so wie das die von Ihnen geliebte SPD seit Jahren macht und damit weder Probleme gelöst noch sich sonst als irgendwie als zukunftsorientierte Partei prösentiert hat.."

    =>
    Die Grünen sind da sehr flexibel, wenn es da an die Fleisch-Töpfe der Macht geht. Schon vergessen, welche Grundsätze man im Falle von Jamaika über Bord geworfen hätte? Das Gesicht von KGE und Co nach der Absage der FDP werde ich so schnell garantiert nicht mehr vergessen.
    Die weiteren Verhaltensweisen treffen übrigens wunderbar auch auf die Grünen in den diversen grünen Regierungsbeteiligungen auf Länderebene zu.

    "Unabhängig davon ist Amazon ja nun mal auch aus bestimmten Gründen ein " erfolgreiches privatwirtschaftliches Unternehmen", die Ihnen als Sozialdemokraten doch sicherlich nicht verborgen geblieben sind."

    =>
    Niemand ist gezwungen dort seine Einkäufe zu tätigen, die Verhaltensweisen dort gegenüber den Beschäftigkeiten sind kein Ruhmesblatt. Auch die Steuersparmodelle dieser Konzerne sind nicht unterstützungswürdig.

    "Zugegebenernaßen kaufe ich auch reichlich – aber vor allem gezielt, so dass ich noch nichts zurückschicken musste- bei Amazon. Das liegt vor allem an der Struktur des Einzelhandels hier – "Haben wir nicht, kommen Sie nächste Woche wieder" oder vor den Kunden "flüchtenden " Mitatbeitern. Und-ich kaufe ein,was ich meine, zu brauchen. "Shoppen" konnte ich noch nie etwas abgewinnen, dafür ist mir meine Zeit zu schade."

    =>
    Ziemliche Doppel-Moral, finden Sie nicht? Bequemlichkeit über alles, da kann man schon mal über andere Dinge hinweg sehen, ist ja alles so einfach. Gezielt einkaufen kann man auch noch im Fachhandler, der inzwischen gute Online-Angebote hat.

    Nur mal so nebenbei, ich bin bis heute nicht dort in irgendeiner Form Kunde bei A. und habe bisher mit sehr geringen Aufwand außerhalb der A.-Welt immer noch alles bekommen, was ich haben wollte. Ich werde meine diversen Fachhändler so lange unterstützen, wie es möglich ist. Könnte aber sein, dass mein Händler irgendwann die Segel streicht, weil es bei Onkel A. so bequem ist.

    "Ich würde für vernünftige Löhne bei und sachgerechte Besteuerung von Amazon natürlich auch mehr bezahlen."

    =>
    Wie rührend, ich glaube kaum, dass die Gelder da ankommen werden, wo sie eigentlich hingehören.

  • #6
    ke

    Wieder mal eine "Ich bin so gegen die Online-Versender" Aktion, bei der der Konsument als Hauptverursacher der Probleme "Ablass" erhält und Finger-Pointing auf die Groß-Versender betreiben kann. Wie durchsichtig.

    Warum muss eigentlich immer Amazon in die Schlagzeilen rücken?

    Wenn ich im Laden im Ort einen Musik-Abspieler kaufe und dort bereits Lieder auf dem Gerät vorhanden sind und die Anleitung Notizen enthält, frage ich mich, wie ich reagieren soll:
    a) Weiternutzen, funktioniert ja
    b) Sich fragen, ob der Spieler vielleicht Fehler hat, die ich nicht bemerkt habe und darüber rätseln, wo wohl die Kopfhörer vorher waren?

    Es wird umgetauscht, was das Zeug hält. Kaufen, tragen, zurückgeben.

    Ist das sinnvoll? Ich habe bisher in ca. 20 Jahren Online Shopping erst einen Anzug zurückgeschickt, der gar nicht passte. Was soll dieses "Ich bestelle mal 3 Größen"?

    Final ist ein Bedarf fürs Zurückgeben und keiner will gebrauchte Sachen haben. Viele Artikel können aus hygienischen oder sonstigen rechtlichen Gründen auch nicht mehrfach verwendet werden,.
    Wie soll man also damit umgehen?

    Ein erster Schritt wäre für mich eine Erhöhung der LKW Maut, damit Transporte teurer werden.
    Danach müssten die Haftungen reduziert werden, aber da wird es dann bestimmt GErichte geben, die das zu verhindern wissen.

  • #7
    Robert Müser

    @ ke

    Für eine Partei, die nach höheren Weihen in der Bundesregierung strebt, finde ich diese Verbotsforderung relativ schwach.

    Ich denke, dass genügend Mittel und Wege geben würde, die Online-Versender mit in die Verantwortung zu nehmen und dabei auch die Verbraucher nicht zu vergessen.

    Ein paar Gedanken-Ansätze:

    Die Transportkosten sind viel zu niedrig und sollten daher anteilmäßig zu einem höheren Kostensatz beim Verbraucher landen. Schon heute ist ein großer Teil des Verkehrs in den diversen Tageszeiten den Lieferdiensten geschuldet, da sollten sich doch intelligente Lösungen finden lassen.

    Weiterhin würde mich mal interessieren, warum die Retouren nicht zu einem Teil (anteilsmäßig oder voller kostenumfang) für den Kunden kostenpflichtig werden sollen. Ich könnte mir schon vorstellen, dass diese beiden Dinge schon ein wenig steuernde Wirkungen auslösen, ohne gleich als Verbot rüberzukommen.

    Was mich daran ärgert, dass man mit dieser platten Verbotsforderung eine realistische Betrachtung und offene Diskussion darüber fast unmöglich macht. Ist das gefahrlose Power-Shoppen in diesem Land fast zu einem zweiten Heiligtum wie der freie Bleifuß auf der Autobahn geworden.

  • #8
    ke

    @7 R Müser
    Der eigentliche Witz ist doch, dass wir alle für Versand zahlen, aber genau diese Dienstleistung in den letzten Jahren erheblich nachgelassen hat.

    Wer hat nicht schon Pakete mit wichtigen oder persönlichen Waren vor der Tür oder irgendwo in Grundstücknähe gefunden bzw. wurde sehr aufdringlich zum Auslieferungs-Gehilfen für die letzen Meter zum Nachbarn "beförder"?

    Diese Dienstleistung funktioniert aktuell kaum noch.

    Transport muss teurer werden. Wir können nicht weiter alles mit Lagerhäusern, Parkplätzen, Autobahnen etc. zupflastern. Hinzu kommt noch, dass die Strassen, auch wenn sie neu gebaut werden, den Belastungen nicht mehr gewachsen sind. Auf vielen Strassen fährt man in den Spurrillen wie auf Schienen. Die Brücken bspw. auf der A45 sind nahezu alle im Neubau.

    Die angeblichen Wohlstandsgewinne durch freien Verkehr sehe ich nicht, wenn bspw. die LKWs am Wochenende mit ihren Fahrern auf den Parkplätzen stehen.

  • #9
    thomad weigle

    Es ist ja nun mal ein Geschäftsmodell vieler onliner, Rücksendungen, aber auch ab gewissen Bestellsummen schon das Versenden kostenlos zu stellen. Täten sie das nicht, würden sie wohl weniger verkaufen. Es lohnt sich also, deswegen wird es so weitergehen. Wäre es nicht so, hätten die unterbezahlten Paketzusteller weniger Arbeit und tw. unbezahlte Überstunden. Schon von daher ist der obige Artikel einfach nur daneben. Statt sich ernsthaft mit dem Problem auseinander zusetzen, wird billigste Polemik betrieben, denn es ist natürlich einfacher immer wieder auf die pösen Grünen einzuteufeln. Besonders ärgerlich aber für die ruhrbaronigen Grünenfresser: der Wähler hört z.Zt. nicht auf die Patzwald, Laurin und Co. Und die Grünen eh nicht.

  • #10
    thomad weigle

    Schön wie man sich hier der Sache des "wertvollsten Unternehmens der Welt", das Amazon ist, annimmt. Besser wäre es doch mal zu fragen, wieso Amazon "das wertvollste Unternehmen der Welt" ist. Könnte das gar mit dessen Umgang mit Arbeitnehmerrechten und niedrigen Löhnen zu tun haben? Mit der bewussten Steuervermeidung, die letztlich allen schadet? "Erfolgreiches Unternehmen der Privatwirtschaft?" Ja, auf Kosten der Mitarbeiterund auf Grund der Steuervermeidung.
    Im übrigen km doch auch von Grünen der Vorschlag, wie man sinnvoll mit den Rücksendungen umgehen könnte.
    In den Nachrichten am Wochenende war von 500 Millionen Sendungen die Rede, da fallen selbst 4% heftig ins Gewicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.