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Forderung: Weltkulturerbe “Holländische Küche”

Frikandel: Unterschätzte Köstklichkeit

Die Französische Küche ist jetzt als einzige Küche amtliches Weltkulturerbe. Zeit, an unser Nachbarland zu denken:Holland. Auch ihre Küche verdient es, in das kulturelle Erbe der Menschheit aufgenommen zu werden.

Klar, kaum reisst einer einem Frosch die Beine aus und steckt sie sich in den Mund, ist er Weltkulturerbe.  Die Aufnahme der französischen Kochkünste in den Kreis des Weltkulturerbe der Menschheit erklärt uns mehr über guten Lobbyismus als über leckerers Essen- Leckeres Essen – damit sind wir beim Thema. Für mich ist nicht die französische, sondern die holländische die beste Küche eines unserer Nachbarländer. Ebenso facettenreich wie innovativ, schmackhaft, sättigend und offensichtlich gesund. Dicke Holländer sieht man selten. Liegt es an den Fritteusen? Ich weiß es nicht. Das zu klären ist die  eine Aufgabe der Ernährungswissenschaftler unter unseren Lesern.

Die holländische Küche ist eine Küche der Reduktion. Ein Gericht aus den unterschiedlichsten Zutaten wird komprimiert  in eine Krokette: Gulasch zum Beispiel. Oder ein  Tier wird zur Fleischkrokette. Der Holländer verwendet für die Fleischkrotte wahrscheinlich ganze  Tiere. Samt Klauen, Fell und was sonst so dran ist. Das ist ökologisch. Der Franzose nimmt nur einen Teil – die Froschschenkel – und wirft den Rest weg. Tja, so plündert man einen Planeten.

Die holländische Küche ist multikulturell – in Frankreich regiert Sarazzin. Der Niederländer mag den Bami-Ballen, labt sich an Fleischspießen mit Sate-Sauce und  kippt Preiselbeeren über sein Kaas-Souflé. Hauptsache es schmeckt. Dem Franzosen ist eine solche Offenheit eher fremd.

Ich könnte immer so weiter machen: Vla, holländische Weißbrot,  Tubenketchup, Fanta-Cassis, Grolsch, Heineken, Genever – nein, wir sollten uns dafür einsetzen, dass möglichst schnell auch die holländische Küche  geehrt wird – als Weltkulturerbe der Menschheit.

Bild: riginal uploader was Guusbosman at en.wikipedia. Licensed under the GFDL by the author; Released under the GNU Free Documentation License.

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14 Kommentare zu “Forderung: Weltkulturerbe “Holländische Küche”

  • #1
  • #2
    Thomas

    Du hast vergessen zu erwähnen, daß das gute niederländische Weißbrot zum Ontbijt natürlich dick mit Pindakaas (Erdnußbutter) bestrichen, sodann mit Chocoladehagelslag (Schokoladenkörner) bestreut und schließlich mit jonge goudse Kaas belegt wird.

    Außerdem möchte ich noch gern die niederländische Worldleadership im Bekleckern von gesottenen Kartoffelstäbchen preisen:

    Das niederländische Analogon zu Doppelt Pommes Schranke Spezial etwa ist die klassische groote Patat oorlog.

    Also eine je nach Hunger oder pschedelischem Bewußtseinszustand als bis zu unterarmlang wahrgenommene Tüte würzig übersalzener Pommes mit Satesaus (scharfe Erdnußsoße), Frittensaus, Currysaus, Ketchup und Zwiebeln.

    Oorlog heißt übrigens Krieg.

    Da weiß man, was man hat.

    Als Milchmädchen-Diät gibt es natürlich auch das niederländische Sushi, den Nieuwe Haring, der, ebenso wie Sushi, mit Stäbchen gegessen wird.

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/64/Hollandse_Nieuwe_001.JPG/290px-Hollandse_Nieuwe_001.JPG

  • #3
    Berry

    “Dicke Holländer sieht man selten. Liegt es an den Fritteusen? Ich weiß es nicht. Das zu klären ist die  eine Aufgabe der Ernährungswissenschaftler unter unseren Lesern.”

    Das habe ich auch nie verstanden? Viele (deutsche) Schuelerinnen von mir aus Dortmund studieren Tanz in Holland. Schlank geht es hin – nach kürzester Zeit haben sie zugenommen vom Verzehr der hollaendischen Kueche. Vla hauptsaechlich!

    Auf NL Studenten scheint sich das nicht auszuwirken. Das Brot in NL ist grausam und was wir uns nicht alles draufpacken: Hagelslag – Schokolade pur.

    Es muss etwas in den Deutschen Genen sein. Oder die Luft? Zu wenig Sex?

  • #4
    Werner Jurga

    Solch ein ernstes Thema eignet sich m.E. nicht dazu, darüber flapsige Scherze zu machen. Man versuche einfach nur, das konkrete menschliche Leid zu ermessen, das sich hinter unpersönlichen, kalten Zahlen verbirgt wie z.B. die prognostizierte Lebenserwartung. Während dem Niederländer im Durchschnitt auch heute noch bei Geburt nicht einmal 80 Jahre in Aussicht gestellt werden können, darf sich der neue französische Erdenbürger auf ein deutlich längeres Leben freuen. Es bedarf keiner näheren Erläuterung, dass hier die Ernährungsgewohnheiten eine zentrale Rolle spielen. Also Leute: lasst das Weißbrot mit Pindakaas oder Hagelslag weg, und zieht Euch stattdessen häufiger mal einen Froschschenkel rein. Schon habt Ihr anderthalb Jahre mehr auf dem Ticker. Und lasst Euch von dem Laurin nicht irritieren. Der raucht ja sogar, der alte Grieche …

  • #5
  • #6
    MatsB

    Flapsige Scherze machen darüber v.a. die Holländer selbst. War eine der besseren viralen Marketingkampagbnen der jüngsten Zeit:
    http://www.youtube.com/user/Frikandeljagd

  • #7
    Dortmunder

    Nicht zu vergessen auch eine “Portie Kibbeling met Saus” am Strand von Zandvoort frisch vom Trecker weg

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a1/Zandvoort_Beach_-_Fahrbare_Snackbar.jpg

    und das leckerste Bier der Welt, vergustiert auf Texel im brauereieigenen “Proeflokaal”:

    http://www.speciaalbier.com/deutsch-texels-bier.html#2

  • #8
    Thomas

    @Dortmunder:

    Das lekkerste Bier der Welt ist natürlich Westmalle Tripel, ein Trappistenbier aus Belgisch-Flandern, aus der Gegend von Antwerpen.

    Immerhin haben unser kaaskoppioden Freunde aus dem tiefergelegten Nachbarland auch eine von Trappistenmönchen geleitete Klosterbrauerei zu bieten – nämlich La Trappe, in der Gegend von Tilburg.

    Am Strand von Zandvoort aalen sich übrigens nur die Hangjongeren von Bijlmermeer. Sowie Moffen, die es noch nichtmal nach Malle schaffen.

    Wenn schon Zandvoort, dann von Amsterdam aus per Fiets über die Dünen. Und dann sitze man beschattet auf den Terassen der Strandpavillons. Während man mit mit einem Auge die Tour de France-Übertragung im TV belinst.

    Und zwar bei einem Duvel. (-.

  • #9
  • #10
    Dortmunder

    @Thomas:
    Danke für den geographischen Exkurs. Da hab ich nämlich (als studierter Erdkundler) keine Ahnung von. Und deshalb frag ich mich auch, wo Belgisch-Flandern liegt? Gibts oder gabs auch ein Burkina Fasoisch-Flandern? Ein Kasachisch-Flandern etwa? Sie meinen wahrscheinlich die Grafschaft Flandern, die sich in der Tat über das Gebiet der heutigen Staaten Belgien, Niederlande UND Frankreich ausbreitete.

    Thema Trappistenbiere: die schmecken alle so, wie damals schon lauwarme Cervisia geschmeckt haben muss. Bittersüss. Und kommen fast alle aus Belgien. Bis auf das La Trappe.

    Wenn Sie schon diese süsslichen Tripels mögen, probieren Sie mal das Texels Triple. Denn hier gehts ja um die niederländische Küche und Stefan Laurins Plädoyer, sie als immaterielles Weltkulturerbe durch die UNESCO anerkennen zu lassen.

    Bezugsquellen im Ruhrgebiet (leider nicht in dessen größter Stadt) gibts hier:

    http://www.speciaalbier.com/deutsch-verkoop-texels-bier.html

    An den Autor: jaja, Fanta Cassis. Meine Tochter hätte in den Herbstferien am liebsten darin gebadet. Und am allerallerallerleckersten geschmeckt haben ihr “Twee Texelse lamsvleeskroketten met frites”.

  • #11
    Matthes

    @dortmunder: Kasachisch-Flandern gibt es meines Wissens nicht. Eine niederländische Region namens Zeeuws-Vlaanderen, am südlichen Festland-Rand der Provinz Zeeland gelegen und somit an “Belgisch-Flandern” angrenzend, aber sehr wohl. Keine Ahnung, ob man letzteres offiziell so nennt; im Zusammenhang mit niederländischer Küche fand ich den Zusatz aber informativ, da er die Verwechslung mit Zeeuws-Vlaanderen verhindert.

    Friet Oorlog, hmmm… Ich war schon viel zu lange nicht mehr drüben!

  • #12
    Thomas

    @Dortmunder:

    Ich habe – wohl undeutlich – auf die ökonomische, kulturelle und sprachliche Spaltung Belgiens in Flandern und Wallonie angespielt.

    Die kaasköpfische Braukunst hat ihre Wurzeln jedenfalls in den flandrischen Trappistenklöstern.

    Nur daß die in Nederlands nix draus gemacht haben:

    Regionalbiere wie Gulpener, Amstel oder Lindeboom kann man ja schon fast als holländisches Kölsch bezeichnen – so mager schmeckt das alles.

    Dann noch das bizarre Zapfritual:

    Ein klitzekleines Gebinde mit einem Schub aus dem Hahn füllen und dann mit einer Art Scheit, wie ihn der HNO-Arzt benutzt, wenn er im geöffneten Mund die Zunge beiseite drücken will, um die entzündeten Rachenmandeln in Augenschein zu nehmen, den Schaum des frischen Pilsje wegstreichen.

    Und überhaupt: Die wenigen internationalen aus NL stammenden Marken wie Heineken oder Grolsch sind genau wie Köpi oder Warsteiner auf den internationalen Mainstream getrimmt.

    Texels Tripels Bezugsquellen im Revier?

    Bedankt. Werd’ ich mal testen. Allein schon der Name der Verkaufsstellen ist überzeugend:

    Trink und Spare.

    In Duisburg gipps klassische Trappistenbiere übrigens im Neudorfer Finkenkrug:

    http://www.finkenkrug.de/index.php?page=234099069&f=1&i=1157543662

  • #13
    Michael Kolb

    Wie so oft, verstehe ich die ganze Aufregung mal wieder nicht. Natürlich wird die Küche der nachbarschaftilichen Hanfbauern mal zum Weltkulturerbe erklärt, nur eben nicht jetzt, sondern erst in so knapp 150-200 Jahren, so lange hat es jedenfalls gedauert, bis die Esskultur der Frogs es geschafft hat, Bestimmend zu werden. Keine lange Zeit wenn man bedenkt, daß die friteusengeeignete Brühwurst, erst knapp 50 Jahre auf dem Buckel hat und sogar noch weniger, seit sie das Binnen N als Alleinstellungsmerkmal bekommen hat.
    Es steht den Wohnwagenschleppern also durchaus frei, sich in 100 Jahren bei der Unesco zu bewerben… überhaupt, eigentlich steht es jedem frei, sich dort zu bewerben. Wessen Küche in diesem Jahr also keine Berücksichtigung erfahren hat, der ist selber Schuld, er ist eben nicht früh genug zum Briefkasten gerannt oder war zu geizig, um eine Marke auf den Umschlag zu kleben.

    Nur so am Rande, daß geht nun @ Thomas… gesotten ist ungleich frittiert, ausserdem ist es kein Scheit, an den das Plastikdingens des niederländischen Wirtes erinnert, sondern ein Spatel… und mit dem machen Ärzte (von denen es hierzulande natürlich vieeeel zuwenige gibt) Abstriche, was wenig lustig und noch weniger appetitanregend ist.

  • #14
    Thomas

    @Michael Kolb:

    Nur so am Rande. Für die Besserwisser. (-:

    Da oben steht “eine Art Scheit”. Damit ist der Begriff des medizinischen Spatels vermieden, aber angeklungen – ich mache doch keine Unappetitlichkeitsbilder, wenn es um Appetitlichkeit geht.

    Und der Begriff ‘gesotten’ bezieht sich auf latschige Pommes.

    Die üblichen halt, wie man sie in den Mindertemperaturfriteusen in NL in der Regel kriegt.

    Und mit den vielen Soßen an der Patat Oorlog und der hygroskopierenden dicken Dosis Salz vermengen sich die latschigen Fritten dann weiter unten – etwa ab dem zweiten Drittel – der großen Pommestüte zu einem leckerem Amalgam von Nährschlamm.

    Aus meiner Sicht der USP der niederländischen Pommes.

    In Abgrenzung zu belgischen, deutschen, amerkanischen, britischen und kreolischen Pommes etwa.

    Sag’ bloß, Du wußtest das noch nicht.

    Allgemeingültig ist Birgits Site:

    http://www.pommeswelt.de/

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