Gaza: Wer glaubt, ein „Vorrecht zur Gewalttat“ zu haben, muss bereit sein, einen hohen Preis zu zahlen

Rauch und Flammen steigen auf, nachdem israelische Streitkräfte ein Hochhaus in Gaza-Stadt angegriffen haben Foto: Palestinian News & Information Agency (Wafa) Lizenz: CC BY-SA 3.0

 

Die Bevölkerung Gazas besteht nicht aus unschuldigen Opfern, die nichts anderes als die Geiseln der Hamas sind. Viele von ihnen unterstützen eine Politik der Zerstörung Israels und der Ermordung aller Juden. Nun zahlen sie den Preis für diese Haltung.

Im Zusammenhang mit der begonnenen Offensive der israelischen Armee nach dem grauenhaften Überfall der palästinensischen Terroristen liest man in den vergangenen Tagen in den sozialen Medien häufig ein Zitat von Thomas Mann. Auch dieses Blog hat es über die ihm zur Verfügung stehenden Kanäle verbreitet: „Ich habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss“.

Das Zitat ist unvollständig. In voller Länge gewinnt es allerdings noch einmal an Stärke und Bedeutung. Thomas Mann sagte 1942, nachdem seine Heimatstadt Lübeck, die Stadt, der er mit seinem Roman „Die Buddenbrooks“ ein Denkmal gesetzt hatte, von Bombern der Royal Air Force zerstört wurde, in der BBC: „Das geht mich an, es ist meine Vaterstadt (…) Aber ich denke an Coventry und ich habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.“ Mann war kein Nazi. Er war aus Deutschland geflohen, lebte im Exil und stellte sich in den Dienst der Alliierten. Zwischen 1940 und 1945 hielt er in der Reihe „Deutsche Hörer!“ 55 Reden im deutschsprachigen Programm der BBC. Thomas Mann machte seinen Hörern klar, dass sie keine Opfer der Alliierten waren. Es räche sich, dass sie geglaubt hätten, ein „Vorrecht zur Gewalttat“ gehabt zu haben. Und für das würden sie zahlen müssen. Mann wusste, dass nicht alle Deutschen Nazis waren, aber ihm war auch klar, dass die Mehrheit hinter Hitler stand. Sie tat es übrigens auch nach dem Krieg. Zwischen November 1945 und Dezember 1946 wurden im besetzten und zerstörten Deutschland mit dem Wissen um den Holocaust und die Verbrechen in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten von der Psychological Warfare Division der US-Armee elf Umfragen durchgeführt. Durchschnittlich waren 47 Prozent der Befragten der Meinung, dass der Nationalsozialismus eine gute Idee war, die schlecht ausgeführt wurde. In dem Artikel „Selektive Erinnerung?“ von Martin Rothland kann man die Zahlen nachlesen: „Im August 1947 stieg die Zahl derer, die diese Meinung vertraten, auf 55 Prozent und blieb dann relativ konstant. (…)Im Jahr 1948 waren es durchschnittlich 55,5 Prozent. Der Anteil derer, die den Nationalsozialismus für eine schlechte Idee hielten von 41 auf circa 30 Prozent. Die Bomben der Alliierten trafen Täter, keine Opfer.

Der brennende Lübecker Dom nach dem Angriff Ende März 1942 Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1977-047-16 Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Die Israelis vergleichen die in den vergangenen Tag von der Hamas und anderen palästinensischen Gruppen wie dem  Islamischer Dschihad , der PFLP und anderen begangenen Verbrechen mit denen Deutschlands in der Zeit des Nationalsozialismus. Dass sie dessen Dimension nicht erreichen, liegt nicht am mangelnden Willen der Täter, die Juden weltweit auszurotten, denn dazu hat die Hamas längst aufgerufen. Das Vorhaben wird daran scheitern, dass die Täter dieses Mal nicht auf hilflose Juden treffen, sondern auf einen wehrhaften jüdischen Staat mit einer Armee, der sich in dieser jüdische Männer und Frauen aus der ganzen Welt anschließen. Das Vorhaben scheitert nur daran, dass die Barbaren dieses Mal nicht wie die SS auf wehrlose Juden treffen, sondern auf einen jüdischen Staat mit einer Armee, der sich in dieser Stunde jüdische Männer und Frauen aus der ganzen Welt anschließen.

Die Führung der Hamas und die Terroristen sind zu feige, die Schritte einzuleiten, die übermäßige Belastungen der Zivilbevölkerung verhindern könnten: Die israelische Regierung hat klar gemacht, bei der Freilassung der Geiseln die Stadt wieder mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen. Eine Kapitulation der Hamas, die auch bedeuten würde, dass sich deren Führung und die Terroristen in der Hand der israelischen Armee begeben, würde den Krieg sofort beenden. Aber Mut und Ehre sind keine Eigenschaften, die man bei Kindermördern und Babyschlächtern finden wird. Für alles, was geschehen wird, tragen die Terroristen und nur sie die Verantwortung.

Aber das ist kein Grund, die Bevölkerung Gazas als Geiseln der Hamas oder gar als Opfer zu sehen.

Zwar hält die Mehrheit der Einwohner Gazas die Hamas-Regierung für korrupt und unfähig, aber beides ist unter arabischen Führern weit verbreitet. Die Hamas ist genauso eine Verbrecherbande wie andere arabische Herrschercliquen. Eine aktuelle Umfrage des Washington Instituts belegt allerdings die Unterstützung der Bevölkerung Gazas für die Terroristen:

„Insgesamt äußern 57 % der Bewohner des Gazastreifens zumindest eine einigermaßen positive Meinung über die Hamas – ebenso wie ein ähnlicher Prozentsatz der Palästinenser im Westjordanland (52 %) und in Ostjerusalem (64 %) -, obwohl dies weniger sind als die Anhänger der Fatah (64 %).

Es sind jedoch Organisationen wie der Palästinensische Islamische Dschihad (PIJ) und die Höhle des Löwen, die in Gaza die größte Unterstützung in der Bevölkerung erfahren. Etwa drei Viertel der Einwohner des Gazastreifens unterstützen beide Gruppen, darunter 40 %, die die Höhle des Löwen in einem „sehr positiven“ Licht sehen, eine Einstellung, die von einem ähnlichen Prozentsatz der Bewohner des Westjordanlands geteilt wird.“

Das „Vorrecht zur Gewalttat“ nehmen auch die Palästinenser für sich in Anspruch. Natürlich sind sie nicht begeistert über den Preis, den sie nun dafür zu zahlen haben und es wäre ihnen lieber gewesen, wenn der Krieg zu einem Zeitpunkt begonnen worden wäre, an dem die Siegeschancen höher wären. Aber es ist anzunehmen, dass die Feiern in Gaza über das Abschlachten von Juden eher größer als in Berlin, New York oder Paris, ausfallen würden, wenn die israelische Luftwaffe nicht wäre. Die Täter wie ihre Anhänger berauschten sich an Gewaltpornographie und prahlten mit ihren Taten vor der Welt.

In den kommenden Tagen und Wochen wird versucht werden, die Schlächter und ihre Unterstützer als Opfer dastehen zu lassen. Die Propagandamaschine ist schon angelaufen, sie wird die Drehzahl erhöhen. Erinnern wir uns dann an die Israelis, die abgeschlachtet wurden, an die Entführten, die Verwundeten, die im Kampf gegen die Barbaren gefallenen Soldatinnen und Soldaten der Israel-Defense-Force. Und auch an Thomas Mann:  „Ich habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss“.

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CTemt
8 Monate zuvor

Mag so sein, aber trotzdem muss m.M. nach ein Fluchtkorridor für die Zivilisten eröffnet werden.In den Medien wird (zu) oft unsauber berichtet, dass Israel den ganzen Gazastreifen blockiert hat und niemanden mehr rausläßt. Israel aber kann dies gar nicht, den die Grenze von Gaza zum Sinai ist ägyptisches Staatsgebiet und daher blockiert Ägypten diesen „humanitären Korridor“ und nicht Israel. Ein wichtiger Unterschied!

Österreich, Deutschland und die EU sollten sich dafür einsetzen und auch bezahlen, dass so ein Fluchtkorridor für die Zivilisten von Gaza in den Sinai geöffnet wird und Auffanglager errichtet werden.

Die Hamas als terroristische Organisation wird versuchen so eine Fluchtbewegung „ihrer“ Leute auch mit Waffen zu verhindern, denn so würden sie nicht nur ihr menschliches Schutzschild sondern auch Bilder für ihre Propaganda verlieren.

Kommentare

gaza strip.jpg
Wolfram Obermanns
Wolfram Obermanns
8 Monate zuvor

„Die Bevölkerung Gazas besteht nicht aus unschuldigen Opfern, die nichts anderes als die Geiseln der Hamas sind. Viele von ihnen unterstützen eine Politik der Zerstörung Israels und der Ermordung aller Juden.“

Viele sind nicht alle.
Die Haager Landkriegsordnung ist darum einigermaßen deutlich, zivile Opfer sind soweit als möglich zu vermeiden.

Anstatt sich in Gewaltphantasien zu ergehen, würde ich die Zeit nutzen wollen nach den längerfristigen Konsequenzen zu fragen.

Steht durch den Angriff der Hamas das Prinzip Land für Frieden vor dem Ende?
Werden die Palästinenser in Gaza nachhaltig von Israel befreit?
Und welche Szenarien sind nach der erwartbaren totalen Niederlage der Hamas in Gaza für das Westjordanland und der ebenfalls zunehmenden Destabilisierung des Fatahregimes dort durch die Resthamas von deutscher Außenpolitik zu begleiten.

Aimee
Aimee
8 Monate zuvor

@ Wolfram Obermanns,
„Steht durch den Angriff der Hamas das Prinzip Land für Frieden vor dem Ende?“

Gaza zumindest untersteht/unterstand keiner Kontrolle und das „Prinzip Land für Frieden“ ist nach dem kompletten Abzug der IDF 2005 wohl mehr als deutlich gescheitert!

„Werden die Palästinenser in Gaza nachhaltig von Israel befreit?“

Vielleicht von der Hamas, vielleicht auch von der PIJ, nur das bedeutet nicht Frieden, Freiheit und Anerkennung des Existenzrechts Israels.
In der Westbank herrscht nicht die Hamas, ist aber extrem gut unterwandert und trotzdem „befreit“ ist da auch keiner, „Abbas“ ist zweite Seite der Münze.

„Und welche Szenarien sind nach der erwartbaren totalen Niederlage der Hamas in Gaza für das Westjordanland und der ebenfalls zunehmenden Destabilisierung des Fatahregimes dort durch die Resthamas von deutscher Außenpolitik zu begleiten.“

„Rest.Hamas“ , die Hamas ist fest verankert in der Westbank, deshlab für Abbas auch keine Wahlen durch. Die Wahlen würde er verlieren und die Leute würden die Hamas wählen, egal was dies für ihr Leben bedeutet.
Abbas regiert nur, da Israel ihn unterstützt, wesentlich besser ist der auch nicht…aber korrupt!

trackback

[…] sind die Hamas und die anderen Terrorgruppen, die nach wie vor von einer Mehrheit der Bewohner unterstützt werden. Die EU sollte den Menschen helfen – aber erst nachdem Israel den Krieg gewonnen hat. […]

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