17

Gießen: „Meine Oma mag auch Sinti & Roma“

plakat_giessen

Gegen die NPD, die wie  Pro Deutschland, versucht, mit Hetze gegen Sinti und Roma ein paar Stimmen zusammenzukratzen, haben die Parteien in Gießen ein eigenes Plakat gesetzt. Sie setzen gegen den Nazi-Spruch „Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“ dieses Plakat. Eine einfache und charmante Idee mitten in der Endphase des hessischen Landtagswahlkampfs:

Während in vielen deutschen Städten vergeblich versucht wurde, die jüngste NPD-Plakathetzpropaganda gegen die Volksgruppe der Sinti und Roma auf juristischen Weg zu stoppen, geht ein überparteiliches Bündnis von Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung der mittelhessischen Universitätsstadt Gießen gemeinsam einen neuen Weg: Sie beantworten die Propaganda der NPD direkt mit einem Gegenplakat. Mit dem Slogan „Meine Oma mag auch Sinti und Roma“ antworten sie auf die NPD-Parole „Geld für die Oma- statt für Sinti und Roma“. Ein deutliches und überzeugendes Zeichen und Plädoyer für Weltoffenheit und Toleranz wollen die beteiligten Fraktionen CDU, SPD, Bündnis90/Die Grünen, Bürgerliste/Linkes Bündnis, Die Linke sowie Die Piraten damit setzen. Dazu aufgerufen und dafür geworben hatte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, die diese Aktion jenseits der juristischen Auseinandersetzungen als adäquates Mittel sieht, um zu beweisen, dass die Gießener Stadtgesellschaft der plumpen Hetze gegen Sinti und Roma etwas entgegenzusetzen habe.“

RuhrBarone-Logo

17 Kommentare zu “Gießen: „Meine Oma mag auch Sinti & Roma“

  • #1
    der, der auszog

    Hut ab vor dem Plakat und Respekt vor soviel überparteilicher Courage…

    P.S.
    Da hier gerade auch über Jägers Sicherheitsexperiment diskutiert wird und sich einige Schalker auf dieser Seite tummeln, vielleicht sogar dieselben, die es neulich noch für korrekt hielten Wahlhelfer, die in Gelsenkirchen Plakate der NPD aufstellten, zu bedrohen und deren Autospiegel abzutreten:

    Es geht auch anders Leute. Man kann auch ohne Gewalt ein Zeichen gegen Rechts setzen.

  • #2
  • #3
    Gummibärchen

    Tolle möglichkeit für Parteien sich mal wieder Antifaschistisch zu profilieren. Das aber wohl die meisten deutschen Omas keineswegs Sinti und Roma mögen, geschweige den in der Nachbarschaft haben wollen (man schaue nach Duisburg) fällt hier aber irgendwie unter den Tisch. Stattdessen wird das Bild vom braven Deutschen gezeichnet der auch Sympathien für nicht Bio-Deutschen hat – ein hohn für jede_n von Rassismus betroffenen.

  • #4
    der, der auszog

    Sie sind albern Gummibärchen. Im Vergleich zu anderen euopäischen Ländern geht der „brave Deutsche“, wie Sie ihn nennen, relativ wertfrei mit Sinti und Roma um, auch wenn es bei uns in Deutschland da auch immer wieder Ausfälle gibt, die ich gar nicht leugnen möchte.

    Aber werfen Sie zum Vergleich einfach mal einen Blick rüber nach Frankreich oder in die ehemaligen Staaten des Ostblocks, die jetzt Teil der EU geworden sind, wie menschenunwürdig dort mit Sinti und Roma umgegangen wird.

    Des weiteren würde mich interessieren, woher sie wissen wollen, dass „wohl die meisten deutschen Omas keineswegs Sinti und Roma mögen“.
    Von meiner Oma kann ich behaupten, dass sie Zeit ihres Lebens das Gemälde einer rassigen Zigeunerin in ihrem Wohnzimmer hängen hatte und auch diversen Schlager von Cindy und Bert, Alexandra, Freddy Quinn und Vico Torriani nicht nur mitsummen sondern oft auch mitsingen konnte.

    Und Duisburg ist nicht Gießen…

  • #5
    Helmut Junge

    @der,der
    ich glaub, das Bild von der rassigen Zigeunerin kenne ich. Einer meiner Onkel hat in Hiesfeld so ein Bild immer wieder gemalt und vielfach verkauft. Viele wollten genau dieses Bild haben. Otto Müller, Otto Pankok, Emil Nolde und viele andere Künstler haben sich schon früher dieses Themas malerisch angenommen. Und das damalige Publikum hat diese Bilder haben wollen. So nüchtern die meisten Deutschen auch sind, haben sie oft doch einen starken Hang zu dem, was sie als Romantik verstehen.

  • #6
    Gummibärchen

    @ Der, der Auszog: Na also wenn ihr Großmutter ein Bild von einer „rassigen Zigeunerin“ in ihrer Wohnung hängen hatte ist wohl ausgeschlossen das sie ein rassistisches Bild von Sinti und Roma hatte…. Ich bitte um Verzeihung.

    Abgesehen davon: Das in anderen Ländern auch (vielleicht noch stärkeren) antiromanismus existiert ist ja wohl kein Argument diesen in Deutschland nicht zu kritisieren. Und außerdem tuen sie jetzt bitte mal nicht so als ob Duisburg ein Einzelfall in Deutschland wäre. Falls sie das Glauben schlagen sie einfach mal jede x-beliebige ernsthafte Studie zum Thema Rassismus in Deutschland auf. Alternativ tut es auch ein Geschichtsbuch – im besonderen sollten sie dann auf die Jahre 1933 – 1945 so wie auf die 1990er Jahre achten. Gutes gelingen!

  • #7
    der, der auszog

    Mein liebes Gummibärchen. Dieses Plakat betrifft die Bundestagswahl 2013 und nicht die Reichstagswahlen von 1933. Wir sind 80 Jahre weiter und deshalb sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf das hier und jetzt beschränken, was ich nicht als Aufruf verstanden haben will, die Ereignisse und den Umgang der Nazis mit Zigeunern, speziell die Pläne sie erst auszubeuten und dann auszurotten, zu vergessen.

    Ich behaupte sogar, dass diese Ereignisse in den Hinterköpfen all derer mitschwingt, die sich an der Gießener Plakataktion beteiligen und hier handelt es sich um Parteien, die sich ansonsten im politischen Leben teilweise diametral gegenüber stehen und häufig aus reiner Prinzipienreiterei keinen gemeinsamen Nenner finden. Eine solche parteiübergreifende Solidarität ist alles andere als selbstverständlich, aber gerade wenn es um den rechten Sumpf in Deutschland geht, scheint es immer häufiger der Fall zu sein, dass sich Politiker von links außen bis hin zur CDU einer Meinung sind. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die hervorragende Zusammenarbeit aller Parteien im NSU Ausschuss, der sich ja gerade erst mit dem rechten Sumpf in Deutschland auseinandergesetzt hat. Was auf Bundesebene funktioniert, scheint auch auf kommunaler Ebene zu funktionieren, wofür Gießen ein wunderschönes Beispiel ist.

    Das man anderen Orts, wie in Duisburg und vermutlich auch anderen Städten im Revier noch nicht soweit ist wie in Gießen, will ich gar nicht in Abrede stellen. Aber gerade deshalb kann man sich an dieser gerade einmal 75.000 Einwohner zählenden Universitätsstadt in der hessischen Provinz ein Beispiel nehmen. Das geht allerdings nicht, wenn man den Gießenern unterstellt, sie würden diese Plakataktion dazu benutzen, um sich auf Kosten von Sinti und Roma „antifaschistisch zu profilieren“, wie sie diesen Menschen in ihrem Beitrag #3 aus mir immer noch nicht ersichtlichen Gründen unterstellen.

  • #8
    Helmut Junge

    @Gummibärchen,
    sie lehnen in kommentar die oben angesprochene Plakataktion ab und kommen zum Schluß, dass diese aufgrund der von Ihnen vermuteten, aber nicht bewiesenen Motivation „– ein hohn für jede_n von Rassismus betroffenen.“ sei.
    Dann empfehlen Sie dem kommentator @der, der auszog sich mit den Jahren 1933-1945 zu beschäftigen, weil dieser geschichtliche Bezug Ihrer Ansicht nach ausreichender Beweis dafür ist, dass Menschen in Deutschland prinzipiell kein antirassistisches Motiv haben können.
    also einmal rassistisch, immer rassistisch. Und zwar alle und immer. Gummibärchen, damit sind Sie für jeden ernsthaften Dialog, der diesen Namen verdient, verloren. Merken Sie das nicht selbst?

  • Pingback: Alle gegen die NPD – ausser der FDP? | Ruhrbarone

  • #10
    Olaf Mertens

    @ Helmut Junge
    Ich glaube das Bild von der „rassigen Zigeunerin“ kenne ich auch – das hat aber NICHTS mit Otto Müllers Bildern zu tun, die wunderschön und ich würde sagen frei von Klischees wie „rassig“ sind.

  • #11
    Helmut Junge

    @Olaf Mertens, die Bilder von Pankok, Nolde und Müller sind Kunst.
    Die rassige Zigeunerin war (ist?) Kitsch.
    Wo Sie das ansprechen, denke ich, dass Sie der Hinweis interessieren könnte. Ich habe nämlich über die Otto Müller Austellung in Duisburg einen Artikel geschrieben, wo ich auch über Müllers Zigeunerbilder und sein Motiv diese zu malen etwas geschrieben habe:
    http://www.ruhrbarone.de/otto-mueller-einfach-eigen-einzig-mein-erlebnis-am-neujahrstag-2013/

  • #12
    der, der auszog

    @Thomas(#2)

    Die Gießener FDP ist deshalb nicht dabei, weil sie, wie man so schön sagt, keinen Arsch in der Hose hat.

    Der Plakataktion vorausgegangen war eine Anordnung von Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz von der SPD, welche die provozierenden NPD Plakate mit der Begründung „Volksverhetzung“ durch städtische Mitarbeiter am Montag abhängen ließ. Sowas geht natürlich nicht oder besser gesagt es geht schon, allerdings ist es nicht rechtens. Die NPD klagte, wie es die NPD in solchen Fällen immer macht und das Verwaltungsgericht Gießen gab der NPD Recht, so wie es Verwaltungsgerichte in solchen Fällen auch immer machen werden. Die NPD Plakate mussten also alle wieder aufgehängt werden, nur dass man dort, wo man sie aufhängte, jetzt auch ein Plakat „Meine Oma mag auch Sinti und Roma“ dazu hängte.

    Und jetzt kommt Gießens FDP Spitzenkandidat Wolfgang Greilich ins Spiel, der sich dachte, mit dem Urteil des Verwaltungsgericht seiner Oberbürgermeisterin von der SPD einen einschänken zu können, indem er sich an einem vom Gericht festgestellten Formfehler aufgeilte und es für angebrachter hielt, lieber auf dem fehlenden „Sofortvollzug“, welcher der bürgermeisterlichen Anordnung hätte beigefügt werden müssen, rumzureiten, statt gemeinsam Flagge zu zeigen.

    Das es auch bei der FDP anders geht, zeigt Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling. Fehling ist auch ein Liberaler und hat, ähnlich wie seine Kollegin von der SPD in Gießen, die umstrittenen NPD Plakate in seiner Stadt wieder abhängen lassen.

    Interessant, was da in der Hessischen Provinz so alles los ist und mit welcher Phantasie die Bürgermeister, die vermutlich sehr genau wissen, dass sie die Plakate alle wieder aufhängen müssen, ihr Abhängen erklären. Im hessischen Großenlüder beispielsweise wurde das Abhängen mit Verkehrsgefährdung begründet. Da NPD Plakate meist recht hoch aufgehängt werden, damit sie niemand herunter reißen kann, sind sie einer erhöhten Windlast ausgesetzt.

    hier gehts zum Gießener Anzeiger:
    http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten/13438755.htm

    und hier zur Süddeutschen:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/verschwundene-npd-plakate-gegen-den-wind-1.1768913

  • #13
    sinteza

    Ich als eine Sinteza muss sagen dass dies eine tolle Aktion ist, auch
    wenn es während des Wahlkampfes stattfindet , dennoch danke dafür 🙂 ,
    denn mein Kind bekam es mit der Angst zu tun ,als wir so ein Plakat gesehen haben .
    Es mag unter den Sinti durchaus schwarze schafe geben ,aber die gibt es überall. Man kann eine gewisse Kulturr den Nationalitäten zuschreiben , aber nicht den Karakter !
    Gruss

  • #14
    Olaf Mertens

    @ Helmut Junge
    Ich dachte mir schon, dass Sie mit der „rassigen Zigeunerin“ (in „stimmungsvoller Malweise“ 😀 , wie ich sie heute bei Ebay gefunden habe) kein Werk Müllers meinten. Wollte das, als alter „Müller-Fan“ nur mal klargestellt haben, damit da keine Misverständnisse aufkommen… 😉
    Danke für den Hinweis auf den Artikel. Schade, dass ich das überlesen hatte und die Ausstellung nur so kurz zu sehen war, da hätte ich sicher Freude dran gehabt.

  • #15
    Tom Hofmann

    Ich hab auch nix gegen Zigeuner. Sollen alle hier zu uns kommen. Wir lieben Zigeuner. je mehr desto besser. Und ihr ollen Harzer.. Gürtel enger schnallen bitte. das Geld wird knapp und die Zigeunerkinder wollen auch was zu essen.

  • #16
  • #17
    Felix Brauer

    Es war früher vieles anders. Es gab Malen nach Zahlen, da waren auch Motive der rassigen Zigeunerin dabei. Damals dachte niemand daran, damit irgendjemands Ehre zu verletzen. Zu dieser Zeit hießen auch Schaumküsse noch anders und nun geht es wohl auch dem Zigeunerschnitzel an die Panade 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.