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„Grönemeyer ist nur ein deutscher Redner“

Herbert Grönemeyer Foto: Siebbi Lizenz: CC BY 3.0


Na gut, dann reden wir mal über Grönemeyer. Und reden wir mal über das Reden.

Als ich ein Video von Grönemeyers Auftritt gesehen habe, war meine erste Assoziation nicht Goebbels. Ich musste an einen SPD-Parteitag denken. Gebrüll wie das von Grönemeyer bei seinem Auftritt kenne ich von Rednern wie Gerhard Schröder, Frank-Walter Steinmeier und Andrea Nahles. Emotionale Ausbrüche, sich selbst in Rage reden, die Tatsache vergessen, dass man schon durch ein Mikrofon verstärkt wird. Das kann ein Stilmittel sein, es muss kein Stilmittel sein.

Cicero schreibt in seinem Werk „De oratore“, also „Über den Redner“, im Zweiten Buch im Abschnitt 196, dass er seinen Schülern rät, beim Reden Zorn und Schmerz zu fühlen und Tränen zu vergießen. Fair enough, Cicero wusste natürlich was über das Reden. Andererseits war zu seiner Zeit auch das Mikrofon noch nicht erfunden.

Ich persönlich habe das zornig-entschlossene Geschrei in Reden, vor allem wenn es ein bewusstes Stilmittel ist, nie gemocht. Zum einen, weil dabei der Inhalt völlig hinter die Form zurücktritt. Meiner Ansicht nach sollte in einer guten Rede aber die Form immer nur den Steigbügel für den Inhalt halten. Die hervorgerufene Emotion soll im Inhalt begründet liegen und kein Selbstzweck sein, nicht um ihrer selbst Willen hervorgerufen werden.

Es ist meines Erachtens nach kein Zufall, dass dieses Stilmittel in der Sprache, in der heutzutage die besten und maßgeblichsten Reden gehalten werden, nämlich der Englischen, nicht verwendet wird. Nicht von Churchill, dem größten Redner des 20. Jahrhunderts, der ja nebenbei bemerkt allen Grund gehabt hätte, gerechtem Zorn Ausdruck zu verleihen, nicht von Obama, dem größten Redner unserer Zeit und nicht im britischen House of Commons, dem Ort der rhetorisch so weit über dem Bundestag ragt wie die Champions League über der Kreisliga West. Im englischsprachigen Raum ist dieses Stilmittel das Markenzeichen der Motivationscoaches und der Anlagebetrüger.

Ein guter Redner und eine gute Rede müssen, meiner Meinung nach, immer Raum lassen. Raum für Widerspruch, Raum für Zustimmung, Raum für die Emotionen der Zuhörer. Sie müssen – im besseren Sinne – immer ein Stück weit auch Projektionsfläche sein. Die gute Rede wächst in den Köpfen und Herzen der Zuhörer. Die gute Rede gibt dem Zuhörer Raum, ihr aus freien Stücken zuzustimmen. Ich halte das für ein Qualitätsmerkmal.

All das bietet das Stilmittel Gebrüll nicht. Es projiziert im Gegenteil auf den Zuhörer. Die Form gebietet über den Inhalt und es ist nur Platz für die eine Emotion: Die des Redners, die nach den Zuhörern greift und sie zu einem emotionalen Kollektiv zusammenführt. Ich habe solche Reden immer und gerade auch dann, wenn ich dem Redner völlig zustimmte, mit großem Widerwillen gehört.

Natürlich kann dieses Stilmittel funktionieren. Es funktioniert dann, wenn Redner und Zuhörer auf einer Linie sind und die Zuhörer bereit sind, sich darauf einzulassen und Teil dieses emotionalen Kollektivs zu werden. Dann stärkt es ein Gefühl von Gemeinschaft. Trifft eins von beidem nicht zu, oder gar beides, dann wirkt es bestenfalls irritierend, schlimmstenfalls erschreckend. Wie man mit diesem Stilmittel ein vollkommen irritiertes Publikum zurücklässt, hat Andrea Nahles in der ersten Hälfte dieses Jahres auf einem Marktplatz in Heidelberg gezeigt. Und nicht zuletzt ist dieses Stilmittel auch sehr momentabhängig. Es wirkt auf Aufnahmen ganz anders als in der Atmosphäre der Rede.

Dieses Stilmittel findet sich nicht nur bei Grönemeyer oder polternden SPDlern. Man kann aus jedem Bereich des öffentlichen Lebens in Deutschland Beispiele finden. Aus Fußballvereinen, Unternehmen, von jeder Partei, nicht zuletzt der AfD. Und ja, auch aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Ist Grönemeyer also nun Goebbels? Nein. Er ist einfach nur ein deutscher Redner.

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28 Kommentare zu “„Grönemeyer ist nur ein deutscher Redner“

  • #1
    Dirk Franke

    Wo sind wir schon hingekommen?

    Wie hat sich die moralische Kompassnadel schon verschoben, wie weit wurde der gesellschaftliche Nachkriegskonsens des „Nie wieder Faschismus“ schon erschüttert, wenn sich ein Künstler wie Herbert Grönemeyer für seine Äußerungen gegen Ausgrenzungen, Hass und Rassismus rechtfertigen, gar verteidigen muss? Wie übel verpestet ist die Luft schon durch den Gestank der braunen Nebelkerzen des „das wird man doch wohl noch sagen dürfen“, wenn Künstler, neben dem deutschen Außenminister, dem Sänger beispringen müssen?
    Erstaunlich ist die Kurzsichtigkeit der formalistischen Kritik des Theaterdramaturgen Stegemann und des Grünen Fücks in zweifacher Hinsicht.
    Form und Inhalt sind nie isoliert zu betrachten, ganz gleich ob man die Art und die Form der Meinungsäußerung als vorsätzlich, fahrlässi8ge oder wohl doch eher zufällige oder Nicht-übereinstimmung mit Stilmitteln von Volkspalast reden deuten will, so ist der Inhalt doch eindeutig.
    Ein eindeutiges Bekenntnis zu Vielfalt und Toleranz, ein deutliches Bekenntnis zu demokratischen Werten, zu den Werten, die sogar die vergiftete Demagogie der rechten Populisten erträgt ohne diese jedoch widerspruchlos hinzunehmen!
    Die formalistische Kritik betreibt zudem das Geschäft der rechten Populisten. Es ermöglicht Ihnen die Relativierung Ihrer eigenen Tabubrüche. Deren Geschäft bedient sich nicht zufällig, nicht fahrlässig sondern vorsätzlich des Sprachgebrauchs, der Stilmittel der NS-Diktatur. Bei Ihnen ist die Form die inhaltsgleiche Übermittlung der menschenverachtenden Ideologie.
    Die Verschiebung des gesellschaftlichen Diskurses, der schleichende Einzug kontaminierten Sprachgebrauchs zeigt, dass wir aus dem „Wehret den Anfängen“ Stadium längst hinaus sind!
    Es ist nicht die Zeit des pseudo-intellektueller spitzfindigen Streits unter Demokraten, es ist die Zeit des gemeinsamen, geschlossenen Widerstandes!
    Dirk Franke

  • #2
    Klaus Lohmann

    "Gröhlemeyer" ist kein Redner, sondern einfach nur ein Sänger und Schauspieler. Während dieser "Rede" fehlte halt die passende Musik. Vielleicht leiht er sich demnächst mal was von Rammstein – Heino konnte das ja schon.

    Und Campino schreit auch, wenn er gegen Nazis redet.

  • #3
    abraxasrgb

    Linker Populismus ist genau so widerlich, wie rechter …

    Die "richtige" politische Meinung ist kein Garant dafür Demokrat zu sein … ebenso wie die "falsche" Meinung nicht zwangsläufig ein Zeichen für Faschismus ist 😉

    Krawalle-Ralle-Stegner ist doch Höcke ebenbürtig … degoutant. Trotzdem muss man, bei aller verständlichen Aversion, beide in einer Demokratie aushalten (können / wollen).

    So, jetzt höre ich mir "Alkohol", "Männer" und "Bochum" an und schwelge in alten – besseren – Zeiten.

  • #4
    Gerhard Otto

    Ich sag‘ / frag‘ mal so:

    Wie würde ein Heinrich Böll die Äußerungen des Herrn Fücks bzgl. Herbert Grönemeyer kommentiert haben?

  • #5
    Rudi

    Komisch das sich so ein Pop Clown der über die Zustände in Deutschland nichts – aber auch gar nichts mehr weiß und weiter von seinen Lebensunterhalt bestreitenden Fans weg ist als es nur geht….Herr Grönemeyer hat letztes Jahr angegeben 340mal in England übernachtet zu haben…Von einem Fahrer von H.G. (die Initialen passen schonmal) habe ich gehört das er sich sogar während einer Tournee zum nächsten Flughafen bringt um dann mit Priv. Jet nach England zu fliegen und dann mit Priv. Helikopter in sein von Wachmännern und Schranken umgebenes Promi Wohnviertel zu fliegen…wo man aufpasst das keine Unerwünschten Personen in sein Viertel vordringen…und man nur auf Anmeldung von Herr Grönemeyer vorgelassen wird….damit sich ja keine Migranten und Fassaden Künstler bei ihm betätigen…

  • #6
    Birgitt Danielzik

    Kann bitte jemand aufhören, Herbert Grönemeyer anzugreifen? Langsam reicht es mir! Nur, weil ein Mensch seine Meinung äußert, wobei seine Aussage vollkommen gerechtfertigt ist, einen solchen Shitstorm hervorruft, kann ich das nicht verstehen! Dankeschön an Herrn Grönemeyer und weiter so.

  • #7
    thomas weigle

    #3 Nazi gleich Sozi!!! Das hatten wir doch schon mal, sowohl in den 1000 Jahren als auch in 45 Jahren SBZ/DDR, als viele Sozialdemokraten faschistischer Umtriebe bezichtigt wurden. Jeder so gut er kann.
    Ich mag Stegner auch nicht, aber man muss schon ziemlich sparsam beleuchtet sein, um ihn mit Nazi-Höcke zu vergleichen.

  • #8
    thomas weigle

    es muss natürlich heißen. "vor den 1000 Jahren." Der Vergleich Stegner mit Nazi-Höcke, dieser haarsträubende Unsinn hat mich doch einigermaßen aus der Fassung gebracht. Kopfschüttel.

  • #9
    abraxasrgb

    T Weigle Wofür stand noch einmal das „S“ und das „AP“ in NSDAP? OK, mit den Arbeitern hat es die aktuelle SPD ja auch nicht mehr so wirklich. 😉

    Welchen qualifizierenden Unterschied gibt bzw. gab es denn – T Weigles Meinung nach – zwischen den deutschen NationalSozialisten und den InterNationalSozialisten? Ist der „Sozialismus in einem Land“ Stalins kategorisch (nicht moralisch) so verschieden? Hat(te) der Maoismus nicht eine klare nationale und kulturelle Grenze?
    Sind „Rasse“ und „Klasse“ nicht nur sprachlich ähnlich klingende, konstruierte soziologische „Feindbilder“?
    Sind linke Stereotypen des „Antikapitalismus“ nicht oft bis in die Ikonographie widerlich antisemitisch (bis heute).

    Politologisches Stichwort „Totalitarismus“?
    Da befinde ich mich in der theoretischen Gesellschaft von z.B. Hannah Arendt.

    Ich habe nie behauptet eine helle Kerze auf der Torte, noch besonders „illuminiert“ zu sein 😉
    Soll ja á jour im Trend sein, von wegen Energie sparen usw., um nicht das politische Klima anzuheizen …
    Lieber die eigene Birne wieder in die Fassung schrauben … dann klappt es auch mit der Erleuchtung.
    Moralisches Hyperventilieren erhöht den persönlichen CO2 Ausstoß …
    @1000 und millenaristische Apokalypse
    @sparsam beleuchtet …

    Vielleicht liegt das Missverständnis auch in der ästhetischen Kategorie des Degoutanten?

    Ich bin ein großer Freund kontroverser Meinungen, lediglich die Art & Weise, wie sie vertreten werden unterscheidet den Demokraten vom Barbaren.

  • #10
    thomas weigle

    #9 Was bitte haben die Murxisten-Leninisten, die von 1917 an die auch Sozialdemokraten überall dort, wo sie die Macht hatten, verfolgten und auch umbrachten, mit der SPD und Herrn Stegner zu schaffen? Sie werden hier, ob in meinen Diskussionsbeiträgen oder auch in meinen Artikeln, bspw. zur SED-Justiz, keinerlei Zustimmung zu den Zielen und Methoden der Murxisten-Leninisten finden.
    Abgesehen davon wurden die SPD-Mitglieder auch von den Nazis blutig unterdrückt und umgebracht.
    Ihr Beitrag entbehrt also wie schon der weiter oben jeglicher Sinnhaftigkeit.

  • #11
    abraxasrgb

    T Weigle
    SPDler? Das könnte das Missverständnis und den völlig anderen Humor erklären. 😉

  • #12
    thomas weigle

    #11 SPDler? Ach Gottchen, einmal mehr stochern sie blind in der Dunkelheit im großen Heuhaufen ziel-und planlos herum.

  • #13
  • #14
    Helmut Junge

    Wundert mich nicht, daß jemand, der jede populäre Position linker Parteien aufgreift und auch eifrig vertritt, nicht einer einzelnen Partei zugeordnet werden kann ( "pupolär" könnte man sagen, nicht zuortbar). Von libertärem Standpunkt ist das in jüngster Zeit sowieso kaum noch auseinanderzuhalten, denke ich. @Thomas Weigle sitzt m.M. auf drei linken Stühlen, hat er aber schon immer. (politische Unschärferelation)
    Käme es aber mal zu diesem ROT-ROT-GRÜN, könnte sich das ändern.
    Und das würde wieder neue Fragen aufwerfen. Ist doch schön.

  • #15
    abraxasrgb

    @Helmut … da machst Du aber ein interessantes Faß auf.

    Der Begriff der Unschärferelation brachte mich assoziativ auf mathematische Dimensionen.
    In einem eindimensionalen rechts-links Schema ist die Welt recht trivial. Das ist in etwa so, wie aristotelische Mechanik versus Quantenmechanik plus Relativität in der Physik.
    Als ob "rechnen" nur mit der Menge der natürlichen Zahlen funktioniert …
    Die Politologie kennt aber noch andere Modelle, die mir zwar alle ebenfalls zu simpel, aber oft hilfreich(er) erscheinen.
    Eines ist z.B. der "politische Kompass" oder das "Nolan-Diagramm". Seit ein paar Jahren beliebt und empirisch auch manchmal plausibel ist die das U-Modell oder Hufeisenschema. Bleiben aber alle, für jemanden, der eine mathematische Ausbildung hat, unterkomplex zweidimensional und unhistorisch.
    Mir hat aus der philosophischen Soziologie bzw. der Anthropologie das Kohlberg Schema mit den Stufen der moralischen Entwicklung oft geholfen, Menschen (mich selbst eingeschlossen), in ihrer Beschränktheit zu verstehen.
    Wer mit der Mehrheit der moralischen Meinung mitschwimmt (Populismus), ist auf jeden Fall "sozialkompatibel". Für mich übrigens eine Eigenschaft des "Systems Merkel", die ja der Legende nach, eher nach Umfragewerten, denn nach Positionen oder Werten, geschweige denn Logik operiert.
    Purer aggregierter Subjektivismus, also das, was in der linken Theorie "Voluntarismus" genannt wurde (wird). Exponentiell verstärkt durch das Phänomen "Filterblase", die nicht einmal semipermeable ist. Irgendwann wird es der osmotische Druck der Realität schmerzhaft zum Platzen bringe, befürchte ich.
    Wobei das alles triviale Modelle bzw. Metaphern sind.

    Anstatt die Realität als heuristische Herausforderung und Chance zur Erkenntnis zu begrüßen, wird pathologisch versucht das liebgewonnene Modell mit seinen obsoleten, daraus abgeleiteten, Methoden aufrecht zu erhalten. 😉

    Wenn Du mich also noch einmal nach meiner politischen "Position" fragst, werde ich in Zukunft "neugierig" antworten, statt (cartesische) Koordinaten anzugeben.

    Merci für den Denkanstoß! 😉

  • #16
    thomas weigle

    #13 Jetzt auch noch lateinische Feuer…äähhh Sinnsprüche, Das von einem, der seit langem im Kreis läuft…
    @ Helmut Junge So mancher sitzt, selbst im grauen Duisburg, auf seinem bequemen libertären Sofa zwischen allen harten Stühlen. Von dort teilt er dann unentwegt mit, dass ihm diese Stühle zu unkomfortabel sind.

  • #17
    Helmut Junge

    @abraxas, ich hatte vor etwa 20 Jahren zusammen mit einem befreundeten Literaten eine gemeinsame Lesung mit dem Titel "Nicht Lienien- sondern sich selber treu, oder dem Schwarzgang des Archivaren" durchgeführt.
    In Duisburg damals übrigens angekündigt vom Journal "Der Duisburger"
    Damals sind mir schon stramme Parteigänger mit ihrer chronischen Geschiichtsklitterung auf den Keks gegangen.
    Soviel als Anmerkung zu deinem "Anstatt die Realität als heuristische Herausforderung und Chance zur Erkenntnis zu begrüßen, wird pathologisch versucht das liebgewonnene Modell mit seinen obsoleten, daraus abgeleiteten, Methoden aufrecht zu erhalten" . Ja, man paßt (preßt) die Wirklichkeit in ein sich je nach Bedarf verändertes Korsett, um am Ende trotzdem Recht zu behalten. Schopenhauer hat es gewußt.
    "Neugierig sein" ist uns angeboren. Eine nicht einmal semipermeable Filterblase wird sich irgendwann platzen. Nur wann und wo?

  • #18
    thomas weigle

    @Helmut Junge Statt philosophisch rumzualbern, wäre ich doch mal interessiert daran, was nun an meiner Darstellung des Verhältnisses der SPD zum Murxismus-Leninismus Geschichtsklitterung ist. Also los jetzt, Butter bei die Fische!!!
    Wenn ich mich recht erinnere, waren wir in dieser Sache mal einer Meinung, und ein gewisser Helmut Junge hat mir im September 14 sogar angeboten, mal gemeinsam über einen wichtigen Teilaspekt diese "Unschärfe", nämlich über die USPD und die 21 Bedingungen der Komintern einen Artikel zu schreiben, wenn er mal Zeit habe.
    Wir haben damals durchaus, auch mit u.a. @Walter Stach, eigentlich einen Konsens gehabt über die grundlegenden Unterschiede zwischen Sozialdemokraten und Kommis.
    Aber das war dann wohl ein anderer Helmut Junge.

  • #19
    Helmut Junge

    Ach nee, @Thomas Weigle. Wenn ich 2014 keine Zeit dazu hatte, wohl aber Interesse, kann es doch sein, daß sich auf dem Planeten, unter uns Menschen, soviel verändert hat, was mir (tut mir ja Leid) jetzt sehr wichtig erscheint. Ja, das Zeitgeschehen nimmt immer mehr Aufmerksamkeit in Anspruch. 2014 war die Welt noch so ruhig, daß ich mir den Spaß mit der Aufarbeitung der Geschichte der Beziehung zwischen Komintern und Sozialdemokratie fast gegönnt habe.
    Aber die 3.Internationale und selbst die 4.Internationale sind nur noch für Historiker interessant, und die Sozialdemokratie scheint ihnen ins Schattenreich folgen zu wollen.
    Ich wollte nie Grabredner werden. Oder besser gesagt, ich glaube meine Zeit mit Fragen von mehr gegenwärtigeren Themenfeldern sinnvoller verbringen zu können. Fragen, die die technologische Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten betreffen, beschäftigen mich. Mach du allein an der Geschichte der Komintern weiter. Lesen werd ich es. Das geht schnell.

  • #20
    thomas weigle

    @Helmut Junge Der Ausgangspunkt dieser Diskussion hier und jetzt war die Gleichsetzung von Herrn Stegner mit dem unseligen Höcke, die von deinem Gleichgesinnten vorgenommen wurde, die Gleichsetzung dann von SPD und dem totalitären Marxismus. Das ist einfach dummes Zeug.
    Egal wie man zu der sich selbst zerstörenden SPD stehen mag, man muss ihr keine Tiefschläge verabreichen. Dafür sind ihre Verdienste zu groß.
    Natürlich spielt es keine große Rolle heute, was die SPD vor 100 Jahren ausmachte, d.h. aber nicht, dass man dummes Zeug einfach so stehen lassen sollte. Und wenn du schon jemanden Geschichtsklitterung vorwirfst, dann solltest du auch Belege dafür liefern.
    Genug jetzt damit, ich muss zur hiesigen Klimademo.
    P.S. Vor 3-4 Jahren habe ich hier noch überheblich die Frage gestellt, wieso wir Wasser sparen sollen….

  • #21
    Helmut Junge

    @T.Weigle "Gleichgesinnter" ist gut. Hört sich bei dir übrigens fast wie "Mitgefangener" an.
    Stimmt auch nicht. Ich bin Grünenwähler, habe dort gute Kontakte, unterstütze sie auch mit meinen Ausstellungen, bin aber bewußt kein Mitglied mehr. Meine Position als Sozialist bei den Grünen wäre, soweit es die Ökologie betrifft, irgendwo zwischen Habeck und Palmer. Während @abraxasrgb m.W. eher wirtschaftsliberal ist. Beide sind wir aber nicht linientreu. Das haben wir tatsächlich gemeinsam.
    Aber im Gegensatz zu dir hören wir zu was der jeweils andere sagt. Und wir diskutieren sachlich.
    Das klappt bei dir wegen deiner Filterblase nicht. (Nicht mehr, vielleicht früher ja).
    Was Menschen betrifft, die ich als "degoutant" empfinde,frag ich erst viel später, wenn überhaupt, was sie politisch denken. degoutant ist eben degoutant. Das magst du für dich anders handhaben, wenn du magst. Als Sozialist bei den Sozen wäre ich bei Lafontaine, also weg. Und weil ich spät, leider sehr spät entdeckt habe, daß Karl Kautsky gegenüber Herrn Lenin Recht hatte, kann mir auch niemand mehr erzählen, daß linke Demagogen gegenüber rechten Demagogen einen moralischen Vorsprung haben müssen, weil sie ja für etwas Gutes stehen. Herr Polpot soll, bevor er Macht hatte zu töten, ein ziemlich beliebter Genosse gewesen sein, der viele kluge Worte gesagt haben soll, die vielen Leuten aus dem Herzen gesprochen vorkamen. Nach dem Kopfschuß hatten sie dann keine Gelegenheit mehr darüber nachzudenken.

  • #22
    thomas weigle

    @H.Junge Lenin, Polpot, Stegner . Mit diesem hohen Niveau eines Duisburger Weltenerklärers kann ich leider nicht mithalten und verabschiede mich deshalb aus jeglicher Diskussion mit dir.

  • #23
    thomas weigle

    Der Name Polpot sagt vielleicht den Jüngeren hier nichts mehr. Er gehörte zu jenen Führern nationaler Befreiungsbewegungen, die vom Ende des 2. Weltkrieges an,das koloniale Joch abschüttelten. Jahrelange blutigste Kämpfe v.a. in Fernost und Afrika waren die Folge, denn die westlichen Kolonialherren wollten natürlich ihre schönen und profitablen Besitztümer nicht aufgeben. Sehr blutig ging es v.a. in Vietnam, Kambodscha und Laos zu,, auch der sog. Algerienkrieg gehörte dazu .Millionen Tote waren weltweit die Folge. Dass diese jahrelangen Kämpfe gegen oft rücksichtslos kämpfende Kolonialmächte nicht ohne Folgen für die Psyche nicht nur der Führer wie "Papa Ho", Polpot oder auch Mugabe u.a. bleiben konnte, ist klar.
    Diese psychischen Verwerfungen und Traumata ließen sich auch in Deutschland nach 1918 beobachten. Jahrelanges Gemetzel, egal wie hehr die Ziele auch sein mögen, bleibt nicht ohne gravierende Folgen. Die Hemmungen Menschen zu töten, sind bei diesen in den Kämpfen gegen die weiße Vorherrschaft, also gegen die der Europäer und US-Amerikaner gefallen.
    Auch so manche Ehefrau/Mutter musste nach 45 feststellen, dass der Ehemann oder der Sohn, der da nach Hause kam, nicht mehr der war, der er mal war.

  • #24
    Helmut Junge

    @T.Weigle, Da sieht man, daß du liest, was du lesen willst. Den Namen Stegner habe ich nirgendwo erwähnt. Und vermutlich habe ich ihn auch noch nie in meinem Leben erwähnt. Wohl aber Lenin und Polpot.
    So macht es wirklich kaum Sinn mit dir zu diskutieren. Geisterdiskussionen sind nicht mein Fall.
    Du liest Sachen, die nirgendwo stehen.

  • #25
    thomas weigle

    Helmut Junge Wen hast du denn dann gemeint? Es ging doch um Herrn Stegner. Dann musst du dich deutlicher ausdrücken und sagen wen du meinst und wenn nicht. Im Kontext der obigen Beiträge finde ich nach wie vor, dass Stegner gemeint war. Deckel jetzt aber endgültig drauf.

  • #26
    abraxasrgb

    @Helmut
    Ich glaube, der hält Dich und mich für die beiden aus dem Video:

    https://www.youtube.com/watch?v=LKdbvmW_eC4

    😉

  • #27
    Helmut Junge

    T.Weigle, (23) dies ist ein Forum, in dem kontroverse Meinungen ausgetauscht werden. Wenn ich auf eine Aüßerung keine Gegenposition lese, werte ich meine Position als allgemein akzeptiert. Es gibt kein Problem für mich, wenn du nicht auf meine Kommentare antworten willst. Abgesehen davon, wirst du das sowieso nicht lange durchhalten.
    Es geht in Foren um Meinungen, nicht um Freundschaften. Mir jedenfalls. Ich will überzeugen oder belehrt werden, nicht schmusen.
    T.Weigle (25) Bei meinen Kommentaren geht es mir immer darum, was ich in jedem Satz formuliere und nicht um einen Kontext, den sich jemand zusammen reimt. Aber jetzt habe ich genug Erklärungen abgegeben.

  • #28
    Helmut Junge

    @abraxasrgb (26) Da wir keine Parteigänger sind, ist es halt schwer uns einzuordnen. Das Mißverständnis in deinem Video kommt aber daher, daß nicht jede erwartbare Antwort so komplex ist, daß man nachdenkt, wie sie gemeint sein könnte. Trifft das nicht irgendwie auf uns zwei zu? Jedenfalls von Außen gesehen. Ich bin daher immer wieder überrascht, wie gut wir uns trotz unserer Verschiedenheiten in wichtigen Fragen gegenseitig verstehen. Und so ist es auch notwendig, wenn Lösungen im Dialog gesucht werden. Schade, daß die Zeitgenossen, die vorgeben Lösungen für dies und jenes zu suchen, so nicht miteinander umgehen. Von solchen Leuten erwarte ich auch keine lösungsvorschläge. Und Fakt ist, daßich von denen außer Schuldzuweisungen anden jeweiligen politischen Gegner, noch nie Vorschläge zur Problemlösung lesen konnte. "Vorschläge zur Problemlösung " sind aber wichtiger als Schuldzuweisungen.

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