
In Gießen gründete sich an diesem Samstag mit der „Generation Deutschland“ die neue Jugendorganisation der gesichert rechtsextremen AfD. Die Stadt erlebte absolute Sternstunden der deutschen Demokratie. Eine Glosse darüber, wie absolut scheisse der ganze Tag war.
Vor der Halle kam es zu umfangreichen Demonstrationen gegen die Gründung. Anwesend auch Paul Ronzheimer, der für SAT 1 berichtete. Nach Bekanntwerten seiner Anwesenheit riefen die Organisatoren der Demonstration in inquistorischem Eifer scheinbar dazu auf, gegen den unliebsamen Journalisten zu demonstrieren. Ein echter Kreuzfahrer kann den falschen Glauben nicht akzeptieren und stürmt in glühendem Eifer gegen den Feind, und während man der abgeschirmten AfDler nicht habhaft werden konnte, führte man so das Schwert des brennenden Glaubens gegen Ronzheimer. Irgendwie sind am Ende ja alle Rechts, die nicht die eigenen Positionen vertreten und und mit Sicherheit dann ohnehin auch Faschisten. Final musste die Polizei Ronzheimer beschützen und in eine abgesperrte Halle führen. Die Dreharbeiten wurden beendet – gut so, Meinungsfreiheit gilt nur, wenn man die richtige Meinung vertritt. So verteidigt man „unsere Demokratie™“. Und wer „den Guten“ nicht genehm ist, muss eben ein Faschist sein. Pressefreiheit gibts nur nach Gewissensprüfung und Freigabe durch das ZK.
Überhaupt glänze die politische Linke erneut mit demokratischer Gewissenhaftigkeit. Gewaltbereit, wie gute Demokraten eben sind, griff man die Polizei und nötigte Innenminister Poseck die Stellungnahme ab, die Beamten wären mit der „Verhinderung bürgerkriegsähnlicher Zustände“ beschäftigt. Toll.
Während man sich also außerhalb der Halle als Kreuzfahrer gerierte, kam es in der Halle zu einer der wirrsten politischen Reden der vergangenen Jahre. Für einen Posten als Beisitzer kandidierte Alexander Eichwald, vermeintlich ein Jungpolitiker der AfD aus Herford. Die Rede dürfte schnell Kultstatus erlangen, treffliche Online-Beschreibungen waren „eine Mischung aus Adolf Hitler, Josef Göbbels und Graf Drakula“ oder auch „wenn du den Führer bei Wish bestellst“. Die Rede, bei der Eichwald auf übelste Art und Weise das R gerollt hat (Anspielungen sind reiner Zufall), war eine bizarre Mischung nationalistischer Thesen, Gestik und Rhetorik, die unweigerlich an das Dritte Reich erinnern musste – und mutmaßlich auch sollte. Mittlerweile darf angenommen werden, dass Eichwald, der für die Gleichstellungsstelle der Stadt Herford und als Künstler tätig war, die Idee hatte, den neuen Vorstand der AfD Jugendorganisation zu unterwandern und eigentlich völlig konträre politische Positionen teilt.
Und so irre und skurril der Auftritt war, so sehr ist es doch auch Ausdruck dafür, dass die Einschätzung als „gesichert rechtsextrem“ am Ende komplett zutrifft. Für die schlechte Immitation des Führers erhielt er am Ende 12,28 % der Delegiertenstimmen. Und: Eichmann, pardon, Eichwald, ist sachkundiger Bürger der AfD in Herford. Bedeutet eben auch, dass der Mann den Parteieintritt durchlaufen hat, der Fraktion bekannt ist und von dieser als sachkundiger Bürger berufen wurde. Denn: So wird man sachkundiger Bürger. Dazu passte dann irgendwie auch die erste Frage an den Kandidaten, ob er ein „V-Mann der Bundesrepublik Deutschland“ sei, quasi so, als sei die Bundesrepublik ein feindliches Subjekt.
Wer weiß, vielleicht hätte Eichwald ohne sein Drakula-Kostüm gute Chancen gehabt, sein Ziel tatsächlich zu erreichen.
Allgemein gab es bei der ganzen Veranstaltung jede Menge Möglichkeiten, zuzuhören und strukturell aufzuarbeiten, welche Gefahr von einer offensichtlichen Professionalisierung und auf Kader Bildung ausgerichteten Entwicklung der Nachfolgeorganisation der Jungen Alternativen ausgeht.
Hätte man.
So bleibt in Erinnerung, dass Journalisten gejagt, die Polizei angegriffen und bei der AfD „der Führer“ auf der Bühne stand.
Ein echter Sieg für „unsere Demokratie™“.

Alles nur noch unappetitlich! Dieses Detail, dass der Wannabe Führer 12.8% der Stimmen für was auch immer bekommen hat, lassen die ÖFR Medien weg. Das ist doch wohl der eigentliche Hammer. Die rechtsverdrehten Hasenfüsse haben das nicht mal gemerkt, dass sie von dem Typen verarscht und vorgeführt worden sind. Grandios. Niemand bezweifelt, dass in der AfD manche rechtsradikale Gesellen sind. Früher waren die in der CDU oder CSU. In der NPD wohl nicht, denn dann droht AfD Ausschluss. Sie sind definitiv nicht die Mehrheit. Irgendwie muss die Demokratie auch die aushalten, denn wir halten auch die andere Seite aus, die unsere Gesellschaft bis tief unten infiltriert hat. Das Land ist schon lange aus der Balance und links bis auf die Knochen. Nicht gut! Wie sich das auf Wirtschaft, Bildung, Forschung, Reputation und die Zukunft auswirkt, muss man doch nicht mehr erklären, oder?!!!
@ G.S., Zitat: „Irgendwie muss die Demokratie auch die aushalten“
Nein, die Demokratie muss Verfassungsfeinde nicht aushalten. Und das sind nicht nur „manche“ in der AfD.
Und wo es in vergleichbarer Menge und vergleichbarer Qualität Verfassungsfeinde „von der anderen Seite“ geben würde, müssten Sie wohl erst mal belegen. Die Linke ist das in beiden Punkten auch nicht annähernd so wie die AfD.
„Die Linke ist das in beiden Punkten auch nicht annähernd so wie die AfD.“
Die Linke ist die einzige Partei im Bundestag in diesem Land, welche seit fast 30 Jahren das „System“ aktiv verändern möchte und bekämpft. Und in der Links-Solid über Grüne Jugend bis teile der Jusos stehen genausowenig auf dem Boden des Grundgesetzes wie auch teile der AFD.
Aber anhand Ihrer sonstigen Beiträge kann man schon erkennen, das Sie sich eine Stasi zurückwünschen, die den Kapitalisten (also auch den Reichen) mal wieder gerne auf die Finger schaut und haut mit bestimmten Methoden.